Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 172
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Antwort.

Hochgeehrtester Herr,

Hat Ihnen denn mein Sekretair das Geld noch nicht ausgezahlt? Das ist ganz unverantwortlich! Ich habe es ihm schon am Montage befohlen. Er mußte am Dienstage früh wegen einer dringenden Angelegenheit verreisen, und hat in der Eil aus Unvorsichtigkeit meine Casse und alles in seinem Beschlusse behalten. Längstens künftigen Sonnabend kömmt er gewiß wieder. Haben Sie so lange Geduld. Ich will ihm seine Unvorsichtigkeit verweisen, daß er es empfinden soll.

Man ist doch gar zu unglücklich, wenn man sich auf andre Leute verlassen muß. Es verdrüßt mich doppelt, daß er so einen ehrlichen Mann, wie Sie sind, so lange warten läßt. Sie sollen Ihr Geld haben. Es ist schon abgezählt, ich weis es. Einen tollern Streich hätte mir mein Sekretair nicht machen können! Sie sollen Ihr Geld richtig haben. Ihr Advocat ist noch nicht bey mir gewesen. Aber wozu brauchen denn zween so gute und alte Freunde, als wir sind, einen Advocaten? Das hätten Sie nicht thun sollen, gewiß nicht, mein Herr. Ein Wort, ein Wort; ein Mann, ein Mann! Ich bezahle meine rechtschaffnen Freunde ehrlich, und wenn weder Advocaten noch Richter in der Welt wären. Diese Messe werde ich nichts brauchen. Ich habe mich vom Gelde entblößt, und Sie wissen wohl, ich kaufe ohne Noth nicht gern, wenn ich nicht gleich, oder doch bald bezahlen kann.

Den Augenblick fällt mir etwas ein. Die Prinzeßinn von – – will eine Haarnadel kaufen; sie muß aber schön seyn. Dabey wäre ein Thaler zu verdienen. Soll ich Sie vorschlagen? Kommen Sie übermorgen früh in die Antichambre, da werden Sie mich finden. Oder, wissen Sie was, lieber auf den Markt; da wird die Prinzeßinn um eilf Uhr selbst seyn. Sehn Sie, wie freundschaftlich ich für Sie sorge. Aber bringen Sie Ihren Advocaten nicht mit; Ihre Durchlauchten möchten sich vor seiner Perücke entsetzen. Gewiß, das Compliment von Ihrem Advocaten kann ich Ihnen noch nicht recht vergeben. Was geschehn ist, ist geschehn. Wir wollen gute Freunde bleiben. Leben Sie wohl, bis auf Wiedersehn, u. s. w.

 << Kapitel 171  Kapitel 173 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.