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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 162
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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Antwort.

Herr Bruder,

Kurz von der Sache zu kommen; ich habe kein Geld, und so lange ich nicht besoffen bin, unterschreibe ich mich für Niemand. Das ist eben unser Unglück, daß wir Cavalier für einander mit Freuden unterschreiben, und mit Angst bezahlen müssen. Unter hunderten werden funfzig durch diese unüberlegte Treuherzigkeit bankrut. Wer sein Vermögen selbst verschwendet, genießt doch noch etwas dafür; wer sich aber mit verbürgt, der muß in eines andern Namen verhungern. Nimm mir diese Predigt nicht übel. Du kennst mich; und wenn ja eins seyn soll, so ist es besser, Du wirst itzt ein wenig auf mich verdrüßlich, da ich Dir es abschlage, als wenn Du künftig mein Todfeind werden solltest; und das würdest Du gewiß, wenn ich mein Geld von Dir wieder haben wollte. Du dauerst mich von ganzem Herzen, Herr Bruder, bey meiner Seele, von ganzem Herzen; aber wie soll ich Dir helfen? Geld habe ich nicht, das weißt Du, dazu bin ich zu vornehm, und über ein halbes Jahr, wenn wir bezahlen sollen, hätte ich gewiß eben so wenig Geld. Was wollen wir hernach beyde anfangen, da Du itzt allein nicht weißt, was Du machen sollst? Es ist schlimm genug, daß wir den christlichen Wuchrern so viel gute Worte geben müssen, wenn wir Geld borgen; laß ihn Dir nun wieder gute Worte geben, bis Du ihn bezahlst. Rechnen das die Schurken für nichts, daß wir sie unsrer Freundschaft versichern, ihnen alle unsre Dienste anbieten, uns vor ihnen bücken und demüthigen, wenn wir ihnen die Gnade erzeigen, und ihnen für zwey tausend Thaler ein Blättchen Papier geben? Hätten sie nicht mehr Geld, als wir, und brauchten wir nicht das nothdürftig, was sie überflüßig haben! so wollten wir der Bürgercanaille wohl anders begegnen. Laß ihn eine Weile laufen, er wird es schon überdrüßig werden. Fürchtest Du dich vor dem Wechselarreste? Du wirst kein Kind seyn! Wer so viel schuldig ist, wie Du, der, dächte ich, sollte das Handwerk besser verstehn. Verstehst Du es nicht, so rede mit meinem Advocaten, der wird Dich es lehren; und wenn Du es verlangst, so soll er die Sache so herum drehen, daß Dir Dein Gläubiger noch Abbitte und Ehrenerklärung thun muß. Ein guter Advocat ist allemal besser, als baar Geld! Ist es unrecht? Gut, da laß ihn dafür sorgen, und fährt er zum Teufel, so fährt einer mehr hin. Das schadet Dir nichts. Dafür ist er ein Advocat, daß er wissen muß, was Rechtens ist. Lebewohl, es wird schon gehn!

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