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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 148
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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»Da die Natur allen Thieren den Trieb zu lieben eingepflanzt hat, so fühlen ihn auch die Pedanten, und oft fühlen diese ihn mehr, als vernünftige Geschöpfe, weil man aus der Zergliederungskunst will wahrgenommen haben, daß diejenigen Creaturen am brünstigsten sind, die am wenigsten denken. Ich will meinen Lesern eine Art von dergleichen Seufzern mittheilen. Es wäre zu wünschen, daß sie alle so beantwortet würden, wie ich diesen beantwortet habe. Auf diese Art würde sich das schmutzige Geschlecht der Pedanten weniger vermehren.«

Hochzuehrende, und Werthgeschätzte
Jungfrau!

Wenn ich Ihnen sage, daß die Sonne zum Erwärmen, der Vogel zum Fliegen, und der Mensch zum Lieben erschaffen ist; so sage ich Ihnen eine Wahrheit, von der der wilde Scythe so sehr, als der vernünftig denkende Grieche, überzeugt war. Amor omnibus idem! Die weise Natur hat dem Menschen einen Trieb eingepflanzt, welchen er Liebe nennt, und der auf die Vermehrung seines Geschlechts abzielt. Ohne diesen Trieb würden die grossen Absichten der mütterlichen Natur nicht bestehn, und die Welt würde in ihr erstes Chaos zurück fallen, wenn die Menschen nicht liebten.

Ich, Hochzuehrende, und Werthgeschätzte Jungfrau, ich, der ich minima particula, ein kleiner Theil, dieses Ganzen bin, ich fühle diese Triebe der Natur mehr als jemals, da ich das Glück gehabt, Sie kennen zu lernen. Ich halte es für meine Pflicht, dieser Stimme zu folgen. Sie würden rebellisch seyn, wenn Sie diesen Trieben der Natur sich widersetzen, und nichts fühlen wollten, da Sie doch zu eben diesen grossen Absichten so fühlbar gebohren sind.

Lassen Sie uns denn, Werthgeschätzte Jungfrau, diese Triebe vereinigen, und, so viel an uns ist, hindern, daß die Welt nicht zur Wüste werde.

Sie heissen Dorothea, denn Sie sind eine wahre Gottesgabe; und da ich Theodor heisse, so wird es überflüßig seyn, zu beweisen, daß wir beyde für einander geschaffen zu seyn scheinen.

Jener malte eine Sonnenblume, mit der Ueberschrift:

Sequitur suum!
Wie dieser ist die Sonne:
So bist du meine Wonne!

anzudeuten, daß ein Verliebter niemals seinen geliebten Gegenstand aus den Augen lasse, sondern sich, gleich einer Sonnenblume, nach demselben beständig wende und kehre. Glauben Sie, Hochzuehrende Jungfrau, daß ich niemals meine eheliche Pflicht aus den Augen lassen, sondern mit unverwandten Augen nach Ihnen, wie ein Schiffer nach dem Polarsterne, sehn, und mir Mühe geben werde, Ihnen durch meinen Wandel ad oculum zu demonstriren, daß ich bis zu dem letzten Hauche des Lebens, ja, wo möglich, noch länger, voll Hochachtung, Liebe, und Ergebenheit sey,

Hochzuehrende und Werthgeschätzte Jungfrau,
Meiner Hochzuehrenden und Werthgeschätzten Jungfrau

gehorsamster, und ehrendienstwilliger,
N.
       

 

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