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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 138
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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Schwesterchen,

Bist Du toll? Du wirst doch den eigensinnigen Mann nicht heirathen wollen! Das wird einmal ein zärtlicher Ehmann seyn, der schon als Liebhaber so deutsch von der Leber weg spricht, ehe er noch weis, ob Du ihn haben willst. Das stünde mir an, daß ich mir auf eine so gebietrische Art sollte Lebensregeln vorpredigen lassen. Es wundert mich, daß Dein zärtlicher Tyrann nicht gleich das Maaß mitgeschickt hat, wie weit Dein Reifrock seyn soll, wenn Du das Glück hast, seine unterthänig gehorsamste Frau zu werden. Alles von der Welt lasse ich mir gefallen. Aber das mag sich mein künftiger Mann ja nicht unterstehn, daß er mir vorschreiben will, was ich für Kleider tragen soll. Dafür ist er mein Mann, und nicht mein Schneider. Hat er das Herz nicht, eine Frau zu ernähren, welche so viel braucht, als ich, so mag er mich nicht nehmen; oder, wenn er mich doch nimmt, so soll er sehn, wie ich ihm den Kopf will zurechtesetzen. Was hilft uns denn unser Eingebrachtes? Geben wir das um deswillen hin, daß wir die hohe Ehre haben, Frau zu werden? Sachte, vielkühner Ritter! Heut zu Tage spielt man die Romane anders. Ein Mädchen, das dem Manne tausend Thaler zubringt, hat das Recht, ihm alle Jahre tausend zu verthun. Dafür hat er auch eine Frau, die ihm Ehre macht. Soll ich mich um deswillen nicht so prächtig halten, als meine Nachbarinn, damit mein Mann ehrlich bleibt? Wo kömmt denn diese neue Weisheit her? Laß es seyn, Schwesterchen, daß der Mann zum Teufel geht, und bankrut macht; was schadet das der Frau? Und wenn alle Gläubiger betrogen werden, so gewinnt doch die Frau, oder sie muß es sehr dumm anfangen. Aber Dein Mann verliert ja seinen ehrlichen Namen dabey? Aber warum denn? Bey uns wohl nicht, Schwesterchen. Es ist niemand ehrlicher, als ein muthwillig bankruter Kaufmann, und niemand glücklicher, als seine Frau, die ihn dazu gebracht hat. Wie altvätrisch bist Du! Mit einem Worte, Dein Liebhaber mag seyn, wie er will, für mich wäre er nicht. So lange ich noch nach meinem Kopfe leben kann: so lange mag ich noch nicht ins Zuchthaus. Thue, was Du willst, mit meinem Willen sollst Du den alten Jesus Sirach nicht heirathen. Deswegen wollen wir nicht sitzen bleiben; ich gebe Dir mein Wort. Für unser Geld können wir uns einen Mann kaufen, wie wir ihn haben wollen, einen feinen geduldigen, und gehorsamen Mann: das lasse ich eher gelten. Lebe wohl und übereile Dich nicht. Ich bin Deine aufrichtige Freundinn &c.

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