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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 137
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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Liebe Base,

Der Antrag ist vortheilhaft, nimm ihn immer an. Ich habe mich nach seinen Umständen erkundigt. Ersteht gut. Wenigstens funfzig tausend Thaler hat er im Vermögen, und ist ein guter Wirth. Wenn er nur noch Pferde und Wagen abschaffte. Er könnte alle Jahre drey hundert Thaler ersparen, thut an Capital a 5 pro Cent sechs tausend Thaler. Denke einmal an, Base, was das sagen will, und zwar bey einer Handlung, wie die seinige, wo er das Capital wenigstens auf zwanzig pro Cent nutzen kann. Sieh, wie weit Du es bringst. Mannichmal kann eine Frau viel sagen, wenn sie es recht anfängt. Auf seine Bedienten wendet er auch zu viel; die Leute leben wie die kleinen Herren. Viel Arbeit, und mäßig Futter macht gute Leute, sagte mein seliger Vater immer. Nun er mag das halten, wie er will, es geht mich nichts an, und was mich nicht brennt, lösche ich nicht. Wie gesagt, nimm den Mann! Aber das sage ich Dir, fange es klug an; es wird Dein Schade nicht seyn. Eine gute Ehestiftung ist das Hauptwerk. Schmiede das Eisen, weil es warm ist. Itzt thut er alles, was zu verlangst. Wenn er Dich einmal hat, hernach mußt zu nach seiner Pfeife tanzen. Du wirst mich wohl verstehn. Ich will Dir meinen Advocaten schicken, der weis, wo die Zäume hängen. Du bringst ihm sieben tausend Thaler mit. Laß Du Dir dreyßig tausend Thaler dagegen vermachen. Stirbt er ohne Kinder – was meinst zu wohl, ob das geschehn wird? Nun albernes Mädchen, darüber mußt Du nicht roth werden; wie gesagt, stirbt er ohne Kinder, so muß das ganze Vermögen an Dich fallen, schlechterdings an Dich, dafür sorge ja, denn Du bist seine Frau. Was gehn Dich seine armen Freunde an? Der alte Vater wird doch auch nicht ewig leben, und Du kannst hernach noch allemal thun, was Du willst. Es ist besser, seine Freunde sehn Dir in die Hände, als Du ihnen. Die Zeiten werden immer schlimmer, sieh Dich ja wohl vor, Steuern und Gaben steigen. Der Einnahme wird immer weniger; und was soll hernach eine arme Wittwe anfangen, wenn ihr der Mann gestorben ist? Die Freunde sind alsdann immer die schlimmsten. Wie gesagt, heirathe ihn in Gottes Namen; es ist eine gute Parthie. Mein Advocat soll Dir noch mehr sagen. Ich muß auf die Börse gehn. Lebe wohl.

N. S. Die dreyßig tausend Thaler laß Dir in feinsilbrigen Zweydrittheilen verschreiben. Je später Dein Mann stirbt, desto mehr thun sie hernach; denn das Agio steigt, Gott Lob! alle Tage.

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