Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 125
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Gnädige Tante,

In diesem Augenblicke kömmt die Post. Lassen Sie nach Briefen fragen, und reissen Sie mich aus einer Beängstigung, die mir unerträglich wird. Ich zittre, wenn ich daran gedenke, daß unser guter Vater krank oder wohl gar – –. Nein, das glaube ich nicht; das wird der Himmel nicht thun. Es war ja nur eine jugendliche Thorheit. Sollte die so hart bestraft werden, als die größte Bosheit? Wie sehr muß ich für meine Thorheit leiden, und wie groß muß die Angst eines Menschen seyn, der aus Vorsatz boshaft gewesen ist? Der Augenblick, in dem ich die Briefe von Ihnen bekomme, muß mein künftiges Schicksal entscheiden. Lebt er, ist er noch gesund; wie froh will ich dem Himmel danken! Ich will mich aller Strenge geduldig unterwerfen, die mein Vater über mich beschlossen hat. Nimmermehr will ich ihn wieder beleidigen, den rechtschaffnen Vater! Sollte er gar todt seyn; o, Gnädige Tante, diese Gedanken kann ich nicht ertragen! An dem Tode des zärtlichsten Vaters Ursache seyn, Ihre Liebe verlieren, und dem Fräulein verächtlich werden, das entschuldiget die größte Verzweiflung. Mein Entschluß wird schrecklich seyn; aber es ist mir auch alsdann unerträglich, länger zu leben. Ich erwarte die Briefe mit Zittern.

 << Kapitel 124  Kapitel 126 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.