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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 119
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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Gnädiges Fräulein,

Ich wage es, Ihnen eine Sache zu entdecken, die Ihnen nicht mehr so unbekannt seyn könnte, wenn Sie die Gütigkeit gehabt hätten, seit einigen Monaten auf meine zärtliche Achtung gegen Sie etwas aufmerksamer zu seyn. Ich liebe Sie, unendlich liebe ich Sie. Lassen Sie Ihren Verdiensten Gerechtigkeit wiederfahren, und glauben Sie, Gnädiges Fräulein, daß ich die Heftigkeit meiner Neigung gegen Sie noch mehr Ihrem tugendhaften Charakter als Ihrer Schönheit zu danken habe; so groß auch die Vorzüge sind, die Sie durch die letztere vor vielen Ihres Standes und Ihres Geschlechts erlangt haben. Dieses ernsthafte Bekenntniß würde manchem Fräulein übertrieben klingen; bey Ihnen aber darf ich diesen Vorwurf nicht befürchten. Sie sind von dem Werthe der Tugend, die Ihnen selbst so eigen ist, überzeugt; wie viel habe ich bey Ihnen gewonnen, wenn ich Sie überzeugen kann, daß auch ich diesen Werth kenne! Ich kann es alsdann sichrer wagen, Ihnen mein Herz und meine Hand anzubieten. Durch den Tod meiner Aeltern bin ich in den Stand gesetzt, frey zu wählen; und ich habe Niemanden, als meinen Großvater, welcher ein Recht hat, mir Regeln vorzuschreiben. Dieser ehrwürdige Greis liebt mich aufrichtig; und da ihm sein hohes Alter nicht zuläßt, an etwas anders, als an seinen Tod, und an das Glück seiner Kinder zu denken: so wird er sich unendlich erfreuen, wenn er erfährt daß ich auf dem Wege bin, ewig glücklich zu werden. Ich weis, wie hoch er Sie schätzt. Und wie ruhig wird dieser gute Alte seinem nahen Tode entgegen sehn, wenn er hoffen kann, daß ihm eine so liebenswürdige Tochter die Augen zudrücken soll. Gönnen Sie mir, Gnädiges Fräulein, ein Glück, welches ich durch Hochachtung, und beständige Zärtlichkeit künftig zu verdienen suchen will, wenn ich auch itzt dessen noch nicht würdig seyn sollte. Lassen Sie mich hoffen. Mehr verlange ich itzt nicht. Wie schwer wird es mir seyn, dieses Versprechen zu halten! Erinnern Sie mich daran, so oft ich es vergesse. Sie werden mich sehr oft erinnern müssen. Aber lassen Sie mich nicht zu lange hoffen, ohne mich ganz glücklich zu machen. Ich erwarte dieses Glück von Ihren Händen, die ich tausendmal küsse, und bin, u. s. w.

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