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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 117
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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Liebes Fräulein,

Ich werde wohl nicht nöthig haben, dich um eine deutlichere Erklärung deiner Meinung zu bitten. Ich glaube, dich zu verstehn. Wenn ich auf weiter nichts sehn wollte, als dich angesehn, und reich in der Welt zu wünschen; so würde ich dir ernstlich anrathen, die Hand des Herrn Kammerraths anzunehmen. Aber ich will dich auch glücklich in der Welt wissen; und das möchtest du schwerlich bey ihm werden, da du bey deinen Jahren eher seine Enkelinn, als seine Frau, seyn könntest. Was muß der ehrliche Greis gedacht haben, da er dir einen solchen Brief geschrieben hat! Ich sehe sein ganzes Herz darinnen. Er ist ein rechtschaffner Mann; er ist in einen Fehler gefallen, der auch bey rechtschaffnen Leuten eine Uebereilung bleibt. Aber so seyd ihr Mädchen. Ihr verführt Jünglinge und Greise; und der Teufel ist euch nicht klug genug, so alt er ist. Im übrigen verlasse dich auf mich. Du sollst ihn wider deinen Willen nicht zum Manne kriegen. Ich habe diesen Nachmittag eine nothwendige Reise auf meine Güter zu thun. In acht Tagen komme ich zurück, und hernach will ich selbst an den alten Kammerrath schreiben, und ihm meine Meinung ganz treuherzig sagen. Er ist billig, ich vermag etwas über ihn, und ich hoffe, die Sache so einzurichten, daß er sich selbst begreifen wird, ohne auf dich einen Widerwillen zu werfen. Lebe wohl.

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