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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 108
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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Gnädiges Fräulein,

Ich habe ein Amt, welches mir einen ansehnlichen Rang in der Welt verschafft. Zwey tausend Thaler Renten und funfzehnhundert Thaler Besoldung machen, daß ich bey einer vernünftigen Wirthschaft sehr gemächlich leben kann. Meine Kinder sind alle versorgt, und haben ihr Brodt. Ich bin noch munter genug, daß ich das Herz habe, Ihnen meine Hand anzubieten. Ihre eingezogne Lebensart, und Ihr tugendhafter Charakter vermehren diese Hochachtung, die ich gegen Sie hege, und ich vergesse dabey, daß Sie nur sechzehn Jahr alt sind. Vielleicht würde ich behutsamer seyn, Ihnen meine Neigung zu eröffnen, wenn ich Sie nicht für zu vernünftig hielte, als daß Sie durch den kleinen Unterschied der Jahre, der zwischen uns beyden ist, sich sollten abschrecken lassen, Ihr Glück zu befestigen, und mich zugleich zu dem glücklichsten Ehemanne zu machen. Seit vierzig Jahren habe ich die Lebhaftigkeit nicht empfunden, die ich itzt empfinde, da ich Ihnen sage, daß ich Sie liebe. Entschliessen Sie sich bald, und wo möglich, zu meinem Vortheile. Ich werde künftige Woche ins Carlsbad reisen, eine kleine Krankheit zu heben, die sich ohnedem bald verlieren muß, da sie mir schon zwanzig Jahr beschwerlich gewesen ist, und die in der That weiter nichts ist, als eine Folge meines flüchtigen und feurigen Geblütes, ungeachtet mein ungeschickter Medicus es für eine fliegende Gicht halten will. Lassen Sie mich nicht ohne die Hoffnung wegreisen, daß ich bey meiner Rückkunft die Erlaubniß haben werde, Ihnen mit der zärtlichsten Hochachtung zeitlebens zu sagen, daß ich sey,

Gnädiges Fräulein,

Ihr

– – –
zum 1sten May,
1740.

gehorsamster Diener.

N. S. Gegen meine Tochter, die Hofräthinn, gedenken Sie nichts von meinem Vorschlage. Ich weis, daß Sie eine vertraute Freundinn von ihr sind; aber sie möchte Ihre Vertraulichkeit misbrauchen.

N. S. Mein Enkel, den Sie kennen werden, und der ein gutes Kind ist, wird Ihnen diesen Brief zustellen. Ich habe ihn beredt, es beträfe Ihre Vormundschaftsrechnungen. Lassen Sie sich nichts gegen ihn merken. Ungeachtet er nur achtzehn Jahr alt ist, so ist er doch schlau genug, mehr zu errathen, als ich ihm noch zur Zeit will wissen lassen.

N. S. Die Juwelen von meiner seligen Frau habe ich noch alle, und sie dürfen nur neu gefaßt werden. Die rechtschaffne Frau! In ihrem ganzen Leben hat sie mich nicht ein einzigsmal betrübt: und wenn ich auch der eifersüchtigste Mann von der Welt gewesen wäre; so hätte ich doch bey ihr nicht die geringste Gelegenheit gehabt, es zu seyn.

Noch eins. Was halten Sie vom d' aylhoudischen Pulver? Ich finde es ganz gut.

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