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Wilhelm Rabener: Satiren - Kapitel 101
Quellenangabe
typesatire
booktitleSatiren
authorGottlieb Wilhelm Rabener
firstpub1764
year1764
publisherVerlag der Dyckischen Buchhandlung
addressLeipzig
titleSatiren
created20061022
sendergerd.bouillon
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Also war der Professor verheirathet! Konnte er mich wohl tiefer demüthigen, als daß er mir durch seine Frau antworten ließ? Keine Vorwürfe sind uns Frauenzimmern bittrer, als die uns von Frauenzimmern gemacht werden. Ich empfand diese Wahrheit itzt doppelt, und doch mußte ich alles verschmerzen, so sehr ich auch in der vorigen Hoffnung betrogen, und von neuem beschämt war.

Alle diese unglücklichen Versuche schreckten mich doch nicht ab, mein Glück mit gewaffneter Faust zu verfolgen. Was ich von meinem Vater geerbt hatte, das bestund in einigen kostbaren Processen, und einer ziemlichen Summe aussenstehender Sporteln, die ich mit der größten Strenge einzutreiben suchte, um zu zeigen, daß ich meines Vaters Tochter sey. Es konnte dieses ohne Widerspruch nicht geschehen, und fast in allen Sachen diente der Advocat wider mich, der mich seiner Liebe ehedem in dem zärtlichsten Canzleystil so eilfertig versichert hatte. Gemeiniglich ist es bey andern Advocaten der Eigennutz, welcher sie erhitzt, für die Sache zu kämpfen, zu welcher sie gedungen sind; bey diesem aber kam noch ein Bewegungsgrund dazu, die Rache. Er verfuhr unbarmherzig mit mir. Ich sann auf ein Mittel, ihn zahm zu machen, und damit er recht zahm werden sollte; so setzte ich mir vor, seine Frau zu werden. Ich fiel ihn mit den Waffen des Eigennutzes und der Liebe an, und hielt meinen Sieg für gewiß. Ich schrieb ihm:

 

Mein Herr,

»Ich übersende Ihnen mit diesem Boten die Unkosten, deren Bezahlung mir in dem letzten Urthel zuerkannt worden ist. Sie können glauben, mein Herr, daß der Verlust einer so ansehnlichen Rechtssache mir nicht so empfindlich ist, als der Eifer, mit welchem Sie Klägern wider mich gedient haben. So gewiß ich auch von der Billigkeit meiner Sache überzeugt war, so wenig konnte ich mir doch vom Anfange an ein gutes Ende versprechen, da ich in Ihnen einen Mann wider mich hatte, dessen Geschicklichkeit, Erfahrenheit in Rechten, und unermüdete Begierde, seinen Clienten redlich zu dienen, mir und aller Welt bekannt war. Ich habe Sie um deswillen jederzeit hochgeschätzt; und diese Hochachtung hat sich auch itzt vermehrt, ungeachtet ich mit meinem Schaden erfahren habe, wie glücklich derjenige ist, dessen Sache Sie vertheidigen. Wäre ich mehr eigennützig, als billig, so würde ich Ihnen einen Eifer nicht vergeben können, den Sie wider mich, eine bekannte und aufrichtige Freundinn von Ihnen, wider mich, die Tochter eines Mannes, der auch Ihr alter und rechtschaffner Freund war, so hitzig äussern. Erinnern Sie sich derjenigen Zeit gar nicht mehr, da ich das Glück hatte, von Ihnen geliebt zu werden? Ein Glück, das mir schon damals unendlich kostbar war, so wenig es auch Ihre Umstände litten, sich mit mir auf diejenige Art zu verbinden, welche unsre Freundschaft hätte dauerhaft machen und Ihre Liebe belohnen können! Mir wenigstens sind diese vergnügten Zeiten noch immer unvergessen, und ob Sie mir schon die Gelegenheit benommen haben, Sie auf eine genauere, und vertraute Art zu lieben, so ist doch meine Hochachtung gegen Sie noch immer so stark, daß ich glaube, auch unter Ihrem Amtseifer gegen mich den Freund noch zu erkennen, dessen Wohlwollen mir so schätzbar gewesen ist. Ich nehme um deswillen meine Zuflucht zu Ihnen; Sie können mir eine Hülfe nicht abschlagen, zu der Sie Ihr Amt verbindet. Sie werden aus den Beylagen diejenigen gegründeten und ansehnlichen Ansprüche sehn, welche ich in der Verlassenschaft meines Vaters bekommen habe. Erzeigen Sie mir die Gefälligkeit, und führen Sie meine Sache aus. Die Caution von drey tausend fünf hundert Thalern, die mein Vater stellen müssen, ist mir noch nicht zurück gezahlt. Es hat mir nur an einem so erfahrnen und geschickten Manne gefehlt, als Sie sind, so würde ich sie schon längst wieder bekommen haben. Geben Sie sich die Mühe, mehrere Umstände bey mir mündlich zu erfahren, so werden Sie sehn, wie leicht es Ihnen sey, mir Recht zu verschaffen. Ich trage alle Kosten willig, und werde Ihnen funfzig Thaler zu Bestreitung des baaren Verlags zustellen, so bald ich die Ehre habe, Sie bey mir zu sehn. Durch Ihre Bemühung hoffe ich, ein Vermögen zu bekommen, welches gar ansehnlich ist. Ich werde dieses Glück Ihnen allein zu danken haben, und ich glaube verbunden zu seyn, es mit Ihnen zu theilen, wenn Sie sich entschliessen könnten mich zu versichern, daß Ihre Liebe und Freundschaft gegen mich unverändert sey. Ein Mann, dem ich mein ganzes Glück in seine Hände übergebe, hat ein billiges Recht, auch auf mein Herz Anspruch zu machen. Ich erwarte Ihre Antwort, und bin mit aller Hochachtung,

Mein Herr,

– – am 13ten May,
1750.
Ihre Dienerinn.
F – –
       

 

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