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Satiren

Horaz: Satiren - Kapitel 15
Quellenangabe
typepoem
booktitleSämtliche Werke
authorHoraz
translatorJohann Heinrich Voß
year1893
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleSatiren
pages113
created20020627
sendergerd.bouillon@t-online.de
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4. Unterricht für Feinschmecker.

Horaz.
        Catius, heda, wohin und woher?

Catius.
                                                    Nicht Zeit! Mich verlanget
Aufzuzeichnen die neuen Verordnungen, welchen an Weisheit
Sokrates selbst und Pythagoras weicht und der treffliche Plato.

Horaz.
Unrecht war's, ich gesteh' es, dir Eilenden also zur Unzeit
5   Quer mit der Frage zu kommen. Ich bitt' um Verzeihung, mein Bester.
Wenn was nun aus dem Sinn dir entflog. bald fängst du es wieder,
Ob der Natur das Geschenk, ob der Kunst sei, herrlich in beidem.

Catius.
Sorgsam dacht' ich darauf, wie alles gesamt ich behielte.
Sind doch die Sachen so fein, und so sein der behandelnde Vortrag.

Horaz.
10   Melde den Namen des Manns und zugleich, ob Römer, ob Fremdling.

Catius.
Was von der Lehr' ich behielt, sei kund; doch den Lehrer verschweig' ich.

Eier, die länglich gedehnt an Gestalt sind, solche bedachtsam,
Als von besserem Saft und nahrhaft mehr als die runden,
Aufgetischt; denn männlich mit derberem Schleim ist der Dotter.

15  

Kohl vom trockenen Acker ist mehr als Gemüse des Vorwerks
Süß an Geschmack. Wie dem Garten die Wässerung alles doch auswäscht!

Überfällt dich am Abend ein unerwarteter Gastfreund,
Daß nicht zäh die Henne sich mißempfehle dem Gaumen,
Höre den Rat: sie lebend getaucht in Most des Falerners;

20   Dies macht zarter das Fleisch. –
                                                    Die Schwämm' abhängiger Wiesen
Achte für gut; nicht traue den anderen. –
                                                                Stets in Gesundheit
Lebt den Sommer hindurch, wer das Mahl mit dunkelen Maulbeern
Endiget, die er vom Baum vor drückender Sonne sich ablas.

Jener Aufidius mengte zum Honige starken Falerner.

25   Grundfalsch! Denn in der Frühe gebührt noch ledigen Adern
Nichts als lindes Getränk: mit lindem Methe die Brust dir
Wohl anfeuchten, bekommt. –
                                                Wenn härterer Leib dich beschweret,
Schon die gewöhnliche Muschel vertreibt auflösend die Hemmung,
Auch kurzblättriger Ampfer; doch weißlichen Koer vergiß nicht.

30  

Wachsender Mond macht voller das Haus dem schleimigen Schaltier;
Doch nicht jegliches Meer ist edeler Gattung ergiebig.
Bajische Stachelschnecken beschämt die lukrinische Muschel;
Mustern nährt um Circeji die Flut, Meerigel Misenum;
Prächtiger sind Strahlmuscheln gewölbt um das weiche Tarentum.

35  

Daß in der Gastmahlskunst nicht jeglicher thue, wie Meister,
Eh' er genau eindrang in die feinere Regel des Wohlschmacks!
Nicht ist genug, daß Fische von teuerer Bank du hinwegraffst,
Einsichtlos – wo Brühe gemäß ist, und was geröstet
Schon ermüdete Gäst' auf stützende Arme zurückruft.

40  

Mag ein umbrischer Eber, von Steineichkernen genähret,
Krümmen das Rund der Schüssel, wenn kraftlos Fleisch dir verhaßt ist,
Denn nicht taugt der Laurenter, von Rohr und Kolben gefeistet.
Weinhöhn liefern der Tafel das Reh nicht allzu genießbar.
Von der befruchteten Häsin verlangt ein Weiser die Schultern.

45  

Welches der Fisch' und Vögel Natur sei, welches ihr Alter,
Hat vor dem meinigen nie ein forschender Gaumen eröffnet.

Mancher ersinnt geistreich nur Gebackenes neuer Erfindung.
Keineswegs ist genug, ein Ding zu betreiben mit Sorgfalt;
Wie wenn bloß arbeitet der Wirt, daß die Weine nicht arg sein;

50   Welcherlei Öl er dem Fisch auftröpfele, ganz unbekümmert.

Unter den heiteren Himmel die massischen Weine gestellet!
Dann wird nächtliche Luft, wenn nachblieb Trübendes, läutern,
Und sich verziehn ihr herber Geruch, der die Nerven belästigt.
Aber der echte Geschmack wird gefälscht durch seigende Leinwand.

55   Surrentinische Weine, wer die mit falernischem Weinsalz
Schlau vermischt, der gebrauche des Taubeneies zur Klärung:
Nieder wallt zu dem Grunde, das Fremd' hinführend, der Dotter.

Dem unlustigen Zecher erfrischt die gebratene Krabb' und
Afrikas Schnecke den Mut; denn Lattich schwimmt in dem Magen,

60   Welchen erhitzte der Wein: mit Schinken vielmehr und mit Preßwurst
Fordert er, derbe gebeizt, sich zu kräftigen; alles behagt schon,
Was aus der Garküch' ihm unsäuberlich dampfend gebracht wird.

Wohl ist die Mühe belohnt, zu durchschaun zweifältiger Brühe
Eigne Natur. Einfache besteht aus feinerem Baumöl,

65   Welches zu klebrigem Wein und Thunfischlake gemischt wird,
Anderer nicht, denn womit die byzantische Tonne sich andampft.
Wann nun diese gewürzt aufwallt mit zerschnittenen Kräutern,
Und mit korycischem Safran bestreut stand, füge dazu noch
Edeles Fett aus der Beere des venafranischen Ölbaums.

70  

Sehr der picenischen weichet an Saft die tiburtische Baumfrucht,
Zwar an Gestalt vornehm. Die Venuculatraub' ist dem Topf gut;
Schicklicher wird die Albanerzibeb' im Rauche gewelket.
Solche hab' ich, wie die Apfel, und ich Fischgare mit Weinstein,
Ich der Erfinder zuerst schwarz Salz samt weißlichem Pfeffer,

75   Wohl durchsiebt, ringsum in sauberen Näpfchen gestellet.
Ungeheurer Verstoß: drei Tausende schenkst du dem Fischmarkt,
Daß in den engenden Napf weitschweifende Fische du einzwängst.

Mächtig empört es den Magen zur Unlust, wenn mit gesalbten
Händen der Bursch anfaßte den Kelch, bei verstohlenem Naschgriff;

80   Oder wenn garstiger Schmutz anklebt dem veralteten Mischkrug.
Dürftige Besen von Reis, Holzschrot und Quehlen, wie wenig
Machen sie doch Aufwand! und fehlen sie, welche Beschimpfung!
Was? buntschimmernde Fliesen mit schmutziger Palme gekehret?
Was? ungewaschenes Polstergedeck um tyrischen Purpur?
85   Denkest du nicht, je minder Beschäftigung dieses und Aufwand
Fordere, desto gerechter verunglimpft werd' es, denn jenes,
Was nur Reichen allein zukommt für die leckere Tafel?

Horaz.
Catius, o wie gelehrt! Bei den Himmlischen und bei der Freundschaft,
Führe mich, wo er auch weilt, ich flehe dir, selbst ihn zu hören!
90   Denn wie genau du mir alles erteilst aus treuem Gedächtnis;
Dennoch erbauest du mich als Dolmetsch weniger. Nimm noch
Mien' und Gebärde des Manns, den anzuschaun mit Entzückung,
Du, dem es ward, kaum achtest, o Seliger; aber es drängt mich
Ganz unmäßiger Eifer, zu nahn den entlegenen Quellen,
95   Daß ich schöpfe mit Gier die Verordnungen seligen Lebens.
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