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Sanders

Edgar Wallace: Sanders - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
authorEdgar Wallace
titleSanders
publisherWilhelm Goldmann Verlag
printrunSiebente Auflage
yearo.J.
translatorRichard Küas
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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VIII. Das Ballspiel

Dora Campbell-Cairns war sehr freundlich gegen Tiere. Sie betete Schmetterlinge geradezu an und betrachtete die Entomologen, die jene sammelten, als schreckliche Menschen. Sie hätte niemals ihr zartes Füßchen auf einen unschuldigen und notwendigen Wurm gesetzt und wäre bei dem Gedanken, eine Fliege zu klatschen, in Ohnmacht gefallen. Sie war rank und schlank, hatte jene blasse, reine Gesichtsfarbe, die manche anbetungswürdig finden, schön geschwungene Augenbrauen und Augen, so hell und blau wie der Morgenhimmel.

Sie war die einzige Tochter des Gouverneurs und kam zu der gesundesten Zeit im Jahr an die Küste, ehe sie sich in Paris niederließ, um auf einer Schule den letzten Schliff zu erhalten, in der junge Damen die Kunst, sich zu kleiden, einen gewählten Geschmack in Opern, die neuesten Tänze lernten, und wo sie gelehrt wurden, sich in den vornehmeren und teureren Restaurants zu bewegen.

Dem Leutnant Tibbetts schien sie nicht jung. Er meinte, sie befände sich geradezu in einem idealen Alter. Er hätte sie sich weder jünger noch älter vorstellen können. Sie hatte duftiges goldblondes Haar und Lippen, die darauf berechnet waren, einen empfänglichen jungen Mann auf seinen Füßen zappeln zu lassen. Bones war empfänglich – und zappelte, und die vier Tage, die Seine Exzellenz auf der Station verbrachte, waren vier farbige Bilder in seinem grauen Alltagsleben; vier duftende Rosen in einem Zwiebelgarten, wenn ein so göttliches Erlebnis mit etwas so Lächerlichem verglichen werden darf.

»Bones!« sagte Sanders eines Morgens, »der Gouverneur kommt Ende dieser Woche und bringt seine Tochter mit.«

»Segen auf ihr hübsches, olles Herz!« murmelte Bones, im Augenblicke in seine Post vertieft. »Wenn ich irgend etwas tun kann, es der lieben, ollen Dame angenehm zu machen ...«

»Soweit ich mich erinnern kann,« unterbrach Hamilton, nachdenklich die Stirn in Falten legend, »ist sie noch ein ganzes Kind. Meine Schwester schrieb mir neulich über sie, sie hat eben erst die Schule hinter sich.«

»Ein paar eingeborene Puppen, denke ich ...«, sagte Bones, aufblickend. »Überlassen Sie das nur mir, liebe, olle Exzellenz! Ich werde das Kind schon unterhalten. Es ist spaßig, lieber, oller Ham, aber Kinder haben eine Vorliebe für mich. Ich bin so was wie der Rattenfänger von – – von irgendwoher. Den Augenblick, in dem er seine netten, ollen Pfeifen anstimmte ... aber Sie haben jedenfalls die Novelle gelesen, lieber, oller Ham; warum langweilen Sie mich mit Fragen?«

»Um bei der Wahrheit zu bleiben, ich habe keine Fragen an Sie gerichtet«, sagte Hamilton. »Wenn ich eine solche stellen wollte, dann geschähe es, um zu wissen, ob Sie ein so großer Esel sind, wie Sie scheinen, oder ob Ihre Überdämlichkeit bloß Maske ist.«

»Tut! Tut!« murmelte Bones, sich wieder seiner Korrespondenz zuwendend. »Tut! Tut! Oller Babysänger!«

»Was Sie tun können, ist, das Tennisnetz instand zu setzen und ihre Leute zu beauftragen, die Eispflanze instand zu setzen.«

Bones ging lustig pfeifend hinunter, um den Gouverneur zu empfangen. Er kam wie vor den Kopf geschlagen und, zum erstenmal in seinem Leben, schweigend wieder.

Miß Dora hatte sich natürlich an ihn angeschlossen, weil er der einzige junge Mann unter den dreien war. Sie hatte den Eindruck, daß Sanders fürchterlich streng aussehe, und vertraute dem in Ehrfurcht ersterbenden Bones an, daß Hamilton einen grausamen Mund habe.

»Durch und durch fürchterlich, junges Fräulein!« antwortete Bones heiser vor Bewegung. »Was der nette, olle Mann alles zu mir sagt ...«

»Ich meine, er sieht aus, als ob er ... well ... als ob er verletzen könnte.«

Bones nickte feierlich mit dem Kopfe.

»Einfach fürchterlich, liebe, olle, junge Dame!« stimmte er bei. »Kehrt sich einfach den Deuwel um jemandes Gefühle.«

Ihre wunderbaren Lippen äußerten einen Laut der Ungeduld. »Sie sind sehr dumm, Mr. Bones!« sagte sie.

»Tibbetts heiße ich, aber Sie können ruhig Bones zu mir sagen, Fräulein Exzellenz.«

»Ich werde Sie nennen, wie ich will«, antwortete Fräulein Exzellenz scharf.

»Und mir soll's recht sein, wie immer Sie mich auch nennen, liebe, olle Person!« sagte Bones und war so entzückt über diese Antwort, daß er ein wenig von seinem verlorenen Selbstvertrauen wiedergewann.

Vier Tage ihrer Gegenwart beim Frühstück, beim Dinner! Achtundvierzig Stunden mit ihr auf der »Zaire« zusammen, als sie mit ihrem Vater aus eine kleine Inspektionsreise ging! Und die Abende auf der Veranda, wenn sie in schimmerndem Weiß dasaß, ihre kleine Hand der seinen so nahe, daß er sie hätte berühren können und in der Tat einmal auch berührte, wobei er dann hastig erklärte, er habe da einen Moskito weggejagt. Am vierten Morgen machte er ihr in einem wahren Delirium des Elends – denn ihr Dampfer fuhr am Nachmittag ab – eine Liebeserklärung. »Die Sache ist die, junges Fräulein Dora!« sprach er mit einer ihm selbst fremden Stimme. »Ich bin einfach fürchterlich verrückt in Sie. Wirklich! Bin ich! Liebe, olle Miß ... Ich weiß, Sie sind sehr jung, und ich bin einfach fürchterlich alt, und ihr oller, netter Vater is ein vollkommenes Scheusal ..., obwohl wir ihn nicht oft zu Gesicht bekommen ...«

»Wovon, um Himmels willen, reden Sie denn?«

Ihre Sternenaugen hafteten an seinen.

Bones räusperte sich, wischte sich den Schweiß von der feuchten Stirne – mit einer kleinen seidenen britischen Flagge, einem seiner kostbarsten Besitztümer, das er ihr vor ihrer Abreise zu schenken beabsichtigte – hustete wieder, sah überall hin, nur nicht auf sie, und dann, in einem Augenblick höchster Verzweiflung:

»Die Sache ist die, liebe, olle Dame, wovon?« fragte er heiser.

»Was wovon?«

»Nette, olle Ehe«, krächzte Bones. »Tum-tum-ti-tum-tum-tum...«

Sie erkannte darin nicht Mendelssohns Hochzeitsmarsch, aber es war seine gute Absicht.

»Ehe? Soll das ein Antrag sein?«

Ihre Augenbrauen hoben sich hochmütig.

Bones nickte. Er war stumm vor lauter Anbetung, Furcht, Hoffnung und Gefühl.

»Wie grenzenlos lächerlich!« antwortete die junge Dame, die auf keinen harmlosen und notwendigen Wurm trat; die keiner Fliege wehtun und keinen Schmetterling auf einen Korken aufspießen konnte. »Wie unerreicht schrecklich dumm! Ich kann Sie unmöglich heiraten! Sie sind doch so schrecklich alt! Wie alt sind Sie eigentlich?«

»Hundertundfünf!« antwortete Bones mit einem traurigen Versuch, zu scherzen.

»Ich bin überzeugt, Sie sind vierundzwanzig,« sagte sie hart, »und Sie sind so schrecklich häßlich!«

»Ich? Ich häßlich? Machen Sie sich doch nicht lächerlich, liebe, olle Albernheit!« antwortete Bones entrüstet.

»Natürlich sind Sie häßlich!« foppte sie. »Betrachten Sie sich doch Ihre Nase!«

Bones schielte auf das in Frage stehende Organ; er konnte nichts Bemerkenswertes daran sehen, außer, daß es ziegelrot war, aber das war sein übriges Gesicht auch.

»Was soll mit meiner Nase los sein?« fragte er hitzig. »Und wenn es sich darum handelt, Sie haben ja keine Nase, über die es sich zu sprechen lohnte.«

Sie öffnete ihren Mund zu einem zornigen und schmerzvollen »Oh!«.

»Wie dürfen Sie sich erlauben, über meine Nase zu sprechen! Ich werde das meinem Vater sagen.«

»Und das sollten Sie auch hübsch tun, weil er teilweise dafür verantwortlich ist!« sagte Bones bitter.

»Oh,« sagte sie wieder, und dann boshaft, »ich könnte unmöglich einen Mann heiraten, der kein Athlet ist. Und wenn Sie's durchaus wissen wollen, ich liebe Harry Gilde. Er ist einer der besten Stürmer in der Cambridge-Fußballmannschaft.«

Bones schüttelte ungeduldig den Kopf.

»So, das ist die Sorte Kerl, die Sie lieb haben – ein Stürmer! Als ob Sie nicht stürmisch genug sind!«

»Lassen Sie uns zum Wohnhaus zurückgehen!« antwortete sie mit unheilvoller Ruhe.

Bones zuckte die Achseln und schritt neben ihr.

»Nach allem, was ich für Sie getan habe ...«, sagte er nach einer langen Pause.

Sie stand still und starrte ihn an.

»Was haben Sie denn für mich getan?«

»Na, ich habe Ihnen doch alles gezeigt. Oder nicht?« sagte er entrüstet. »Wer hat das Tennisnetz für Sie aufgespannt? Ich hab's getan.«

»Und noch dazu ein elendes, altes Netz!« antwortete sie.

»Es ist das beste, das wir haben«, erwiderte Bones ruhig.

»Was sonst haben Sie für mich getan? Bitte, sagen Sie mir das!«

Bones wußte im Augenblick nichts zu sagen, aber er wies mit seiner Hand rund um die Gegend.

»Haben Sie die Erde geschaffen?« fragte sie sarkastisch. »Sind Sie unseres Herrgotts Gärtner?«

Die Reihe, verblüfft zu sein, war an Bones.

»Lassen Sie uns nicht darüber streiten!« sagte er; mit aufeinandergepreßten Lippen gingen sie zum Wohnhaus der Station.

Der Gouverneur war im Begriff abzufahren.

»Wo um Himmels willen hast du denn gesteckt, Dora?« fragte er sehr sanft, denn er hatte etwas Scheu vor seiner schönen Tochter.

»Ich habe« – ihr Ton war sehr überlegen – »ein sonderbares Insekt gesehen und seine merkwürdigen Possen beobachtet«, sagte Dora, indem sie nach Bones schielte.

»Das habe ich auch. Eins der aufgeblasensten Insekten«, bemerkte Bones.

Sie nahm ihres Vaters Arm und verließ Bones so plötzlich, daß es auffiel.

»Kommen Sie mit hinunter zum Strand, Bones?« fragte Hamilton.

Sein Untergebener zog eine wunderliche Grimasse, in der Verachtung, Gleichgültigkeit, Mißvergnügen und Erhabenheit über das Weib zugleich um Ausdruck rang und unterlag. Nichtsdestoweniger standen Tränen in seinen Augen, als er das weiße Schiff langsam am Horizont verschwinden sah; er fühlte es in seiner Kehle würgen, und an der Stelle, wo sein Herz war, empfand er einen dumpfen zehrenden Schmerz. Er wünschte fast, er könnte sich dem Trunk ergeben, aber unglücklicherweise konnte er keinen Whisky vertragen, und beim zweiten Glas Portwein sank er unwiderruflich in Schlaf.

»Was halten Sie von ihr, Bones?« fragte Hamilton.

»Kein übles Mädelchen«, sagte Bones gleichgültig. »Ziemlich frühreif, aber nicht schlecht.«

»Ich war der Meinung, sie sei schön«, sagte Sanders ruhig aufblickend.

»Ja–a,« gab Bones zu, »aber das Aussehen macht's nicht. Intelligenz ist die Hauptsache, liebe, olle Exzellenz. Und, wie der nette, olle Kipling sagt: ›Ich habe dies getan und jenes getan und das andere, und ich habe von ihr über die Weiber gelernt‹.«

Bones zog sich frühzeitig zurück, weigerte sich hartnäckig, Hamiltons Einladung zum Pikett anzunehmen, und verbrachte den größten Teil der Nacht damit, ein melancholisches Gedicht zu machen:

»Du tratest in mein Leben.
Ich bat dich, dich mir zum Weibe zu geben.
Aber du warfst mir meine Nase ins Gesicht.
Uns schuf der Himmel allein,
Deine Nase schuf er zu klein:
Für 'ne Schande halt' ich das nicht.

Mein Herze ist elend und leer.
Bald find' ich Soldatentod.
Ich denk' dein mit wildem Weh,
Wenn lieblich ich dich vor mir seh'.
Sterb' ich, macht es dir keine Not.

Was neulich am Morgen geschehn,
Eine Warnung sollst du drin sehn,
Ein dir schlagendes Herze nie bricht!

Ich schlag' dich mir aus dem Sinn,
Und wenn ich auch häßlich bin,
So verrückt, wie ich schein', bin ich nicht.«

»P.S. – Ich nehme alle Bemerkungen über Ihre Nase zurück.«

Dieser Brief mag Miß Dora Campbell-Cairns erreicht haben oder nicht. Wenn das Schreiben in ihre Hände gelangt ist, war sie jedenfalls von Reue so überwältigt, daß sie nicht den Mut hatte, zu antworten. Aber was auch immer die Ursache gewesen sein mag, jedenfalls erhielt Bones keine Antwort. Bones wurde zynisch, was Frauen anbelangt, und fing an, die Sportzeitungen zu lesen, bis sein Interesse am Rugby-Fußball wieder auflebte.

Und dann ereignete sich jener Vorfall in dem Ugundidorfe, der ihn veranlaßte, ein lebhaftes Interesse an einem Spiele zu nehmen, das er seit seiner Schulzeit nicht mehr gespielt hatte.

Nahe bei dem Ugundidorfe ist ein Platz, den man »Die Zehn Leoparden« nennt. Ein Flecken, bar jedes Pflanzenwuchses und umringt von Haufen von faulenden, mit Schwämmen bedachten Baumstümpfen, die die großen Elefanten vor Generationen im Spiel herausgerissen und beiseite geworfen haben. Bis hinunter zum Flußrand liegen diese Wahrzeichen der Liebhaberei und der Stärke der Riesen, denn geschwärzte Stämme ruhen Schicht auf Schicht zwischen Sand und Schlamm, und der Fluß hat sie durch seine Rückstände verkittet, bis sie zur einer unbeweglichen Masse geworden sind.

Hunderte von Jahren lang kamen die Elefanten herbei, um auf diesem harten Boden zu spielen, zum Schein ihre Herausforderung hinauszutrompeten und in dieser Jahreszeit im Scherz miteinander zu kämpfen, wobei selbst die reizbarsten Bullen Kopf gegen Kopf miteinander fochten und niemals in Versuchung gerieten, ihre scharfen Stoßzähne zu benutzen. Hierher kamen die Elefantenkälber in Herden, um unter den Augen der schläfrigen Elefantenkühe einen Scheinkrieg zu führen, und an einem denkwürdigen Tage wurden hier die verstümmelten Überbleibsel von zehn Leoparden gefunden. Vielleicht hatten sie ein Elefantenkalb gejagt, denn damals war die große Hungerperiode (Sanders schätzte die Zeit um 1763 herum). Aber warum die zehn Leoparden auf einem Haufen gefunden wurden, ist, da die Leoparden von Natur ungesellig sind, ein Geheimnis, das die Jahrhunderte niemals aufklärten.

In dem in der Nähe liegenden Ugundidorfe fand ein Palaver statt, bei dem Bezirksamtmann Sanders über den Wert Katabelis als Ehefrau zu Gericht saß, die das Weib des Akasavahäuptlings und die vierzehnte berüchtigte Tochter des Isisikönigs war.

M'laba, der Häuptling, hatte dieses Weib erstanden und hatte für sie drei Säcke Salz, zwei seltene kostbare Hunde und viertausend Messingstangen bezahlt; das war ein sehr großer Preis für eine, die eine mittelmäßige Tänzerin war, und nun wollte M'laba diesen Kaufpreis zurückgezahlt haben, denn das Weib fand an anderen Gefallen.

Sanders hörte mit Geduld die lange Reihe ihrer Liebhaber, bekannter oder vermuteter, aufzählen, warf ein beißendes Wort oder zwei über die Moral der Isisileute drein und erkannte dem Ehegatten bei der Dämmerung des dritten Tages zu, was ihm zukam, mit Ausnahme des Salzes.

Gewöhnlich wäre ein solches Palaver an einem Tage erledigt worden. Unglücklicherweise gab es in diesem Falle mehr als die gewöhnlichen Verwicklungen, denn Katabeli war die Tochter eines Häuptlings und einer Frau, die beide drei Schnitte als Stammabzeichen im Gesicht trugen, während M'laba nur zwei über Kreuz liegende Gesichtsschnitte besaß. Mit anderen Worten, ihre Gesichter waren in einem Falle verziert mit drei wagrechten Gesichtsschnitten und in dem anderen Falle mit zwei Schnitten in Gestalt eines St. Andreaskreuzes. Für den gelegentlichen Beobachter mag die Verwicklung nicht zutagetreten, aber, auf eine praktische Formel gebracht, stellte diese Heirat zunächst die Verbindung zwischen zwei rivalisierenden Stämmen dar, und zweitens hatte sie – vorübergehend – sozusagen die sich widerstrebenden Interessen eines Bundes von Kneipenwirten mit Abstinenzlern verknüpft. Die Isisis und die Akasavas waren tatsächlich, was sittliche Grundsätze und deren praktische Durchführung anbelangt, unverträgliche Gegensätze. Und die Scheidung stellte Streit in Aussicht.

»Herr!« sagte der Vater des Weibes, »das hier ist keine Gerechtigkeit, denn meine Tochter hat ihm einen Sohn geboren, und dieser Umstand allein berechtigt sie zu dem Salze. Auch werden mich diese Zweikreuzschnittleute verspotten, und es wird mir schwer fallen, meine jungen Männer von Angriffen auf diese aufgeblasenen Akasavas zurückzuhalten.«

»Wer immer dich verspottet, verspottet mich!« sagte Sanders. »Und, was das Salz und das Kind anbelangt, so sollst du jetzt so viel Salz zurück haben, wie das Kind wiegt.«

Und feierlich wurde der kleine braungesichtige Sprößling auf der großen hölzernen Wage gegen so viel Salz abgewogen, bis sich die Schale zu senken anfing. Sanders hatte von dem kleinen Körper des Kindes einen Gürtel entfernt, von dem gewisse schwere Eisenstücke herunterhingen.

»Gebieter, wenn das weggenommen wird, wird er sein ganzes Leben lang Unglück haben«, sagte der mißvergnügte Großvater.

»Und wenn ich das nicht wegnehme,« antwortete Sanders, »erhältst du zuviel Salz, und das bedeutete in der Tat Unglück für M'laba.«

Sanders ließ zwei starke, mannbare und mordsüchtige Stämme zurück, die sich ganz und gar nicht mit seinem Urteil zufriedengaben. Es kam dazu, daß diese beiden, wie er sie nannte, »Schlüsselstämme« waren, die in vergangenen Generationen eine hervorragende Rolle im Krieganzetteln gespielt hatten. Zwischen dem blutdürstigen Akasavavolk und den wilden Grenzern der Isisis waren häufig zuerst die blutigen Streitigkeiten entstanden, die ganze Völkerschaften mit hineingezogen hatten. Sanders kehrte daher ziemlich beunruhigt zurück.

Die Ernten waren in diesem Jahre sehr gut gewesen, und gute Ernten waren ein Anlaß zum Kriege. Auch Fische gab es in diesem Teil des Flusses mehr als reichlich, und die Menschen waren zwischen einer Regenzeit und der anderen wohlhabend geworden. Sanders wurde unterwegs so besorgt, daß er die »Zaire« halten und wenden ließ, um zurückzufahren, und auf der Stelle ein System für eine dauernde Versöhnung ersinnen wollte. Dann überlegte er es sich reiflicher und setzte seine Reise fort. Einmal wäre seine Rückkehr eine Schwäche gewesen, und weiter hätte sie möglicherweise die Bedeutung der Streitenden in ihren eigenen Augen erhöht.

Bones war mittlerweile der »Lehrkurse auf schriftlichem Wege« müde geworden und fühlte sich so geplagt, daß er sogar von der Zeitung geringschätzig sprach, die seine Beiträge über irgendwelchen Gegenstand in seiner Heimatstadt brachte. Und Bones ohne ein Steckenpferd war ungefähr wie eine kranke Kuh. Er grübelte, langweilte sich und stieß glucksende Töne aus, die seinen Ekel vor dem Leben und allem, was das Leben ihm brachte, ausdrücken sollten. Aber Sanders war zu sehr mit der drohenden Kriegsgefahr beschäftigt, um sich wegen Bones zu ängstigen.

In Augenblicken wie diesen pflegte er einen Kriegsrat mit seinen beiden Offizieren zu halten, dem Ahmet, sein Hauptkundschafter, beiwohnte. Aber da er Ahmet zurückgelassen hatte, um sich Kenntnis der Vorgänge zu verschaffen, kam man zu keiner Entscheidung, bis der Späher mit seinem Kanu und den gemieteten Paddlern den Fluß herunter kam und dem Bezirksamtmann einen beängstigenden Bericht über die Lage unterbreitete.

»Gebieter! Es wird Krieg kommen, denn das Weib und ihr Verwandter sind sehr aufgebracht gegen M'laba, und in den Augen ihres Volkes sind sie im Recht. Wie du weißt, Sandi, denkt das Isisivolk über solche Angelegenheiten so: Wenn ein Weib hierhin geht oder dorthin, machen sie darüber kein Aufheben, denn die Isisis halten das einfach für menschlich. Und, wie du weißt, Herr, pflegen die Isisis in solchen Fällen ihre Weiber nicht fortzujagen, es sei denn, sie wären faul oder kochten so schlecht, daß die Nahrung der Innenseite des Mannes weh tut. Ich habe neue Speere in beiden Dörfern gesehen, und M'laba hat seinen Vormann ins N'Gombiland geschickt, um mehr Speere zu kaufen.«

»Dieser Krieg muß verhindert werden,« sagte Sanders, »und zwar ohne Waffengewalt.«

Er sah nachdenklich auf Bones.

»Ich hätte große Lust, Sie hinauf zu senden und Sie dort oben zu lassen«, sagte er. »Ich glaube, Ihre Gegenwart dort oben könnte viel dazu beitragen, Unruhen zu vermeiden. Wenn Sie sie ruhig halten können, bis Regen kommt, wird es keinen Krieg geben.«

Bones hatte sofort einen Plan fertig, und zu Hamiltons Überraschung billigte Sanders dessen Vorschlag ohne den geringsten Einwand, ja, sogar mit einer gewissen Begeisterung.

»Es ist wenig wahrscheinlich, daß Sie diesen Satanassen beibringen werden, Rugger zu spielen ..., aber es sind Kinder. Versuchen können Sie's ja, Bones; aber, um möglichst sicher zu gehen, werden Sie gut tun, nach Bosambo zu schicken ... Ich werde ruhiger sein, wenn Sie ein paar Dutzend Ochorispeere als Rückhalt haben.«

Bones fuhr mit der »Zaire« hinauf und wurde in der Nähe des Zehn-Leoparden-Platzes an Land gesetzt. Dieser Platz ist eine Art neutralen Gebietes zwischen den Akasavas und den Isisis.

Er kam durchaus nicht zu früh an, wie er erfuhr, nachdem sein Zelt errichtet war; denn während seine Leute einen rohen Verhau aus Dornen um das kleine Lager machten, schlenderte Bones in das Ugundidorf und fand die jungen Männer, wie sie unter den bewundernden Augen des Weibervolkes kriegerische Übungen veranstalteten.

Bones' Ankunft war völlig unerwartet. M'laba, der Häuptling – er war ein großer Häuptling, denn sein Dorf faßte etwa zweitausend Seelen – hatte von Bones' Kommen keine Ahnung, da der Platz der Zehn Leoparden nur selten besucht wurde.

»Das kommt vom Hochmut meines Weibes und ihres Vaters, Gebieter Tibbetti!« sagte M'laba. »Auch wir sind ein stolzes Volk, und Cala-Cala, vor langer Zeit, sagt man, haben wir Akasavas die Berge bis zu dem großen Wasser beherrscht.«

Bones saß auf einem geschnitzten Stuhl vor des Häuptlings Hütte, und die jungen Männer, die herumgesprungen waren und getanzt hatten, standen mäuschenstill und sahen betreten aus.

»Ich habe dich zu gern, M'laba, um dich wegen einer solchen Verrücktheit an einem hohen Baume hängen zu sehen«, antwortete Bones. »Und ich habe einen großen Gedanken in meinem Magen, daß ich bald ein Palaver auf dem Leopardenplatze halten werde; dort werde ich dir sagen, was ich will.«

Er ging von da aus in das Isisidorf, das fünf Meilen entfernt war, aber dort hatte man seine Ankunft wahrgenommen. Die »Zaire« war auf ihrer Fahrt flußaufwärts an dem Dorfe vorbeigekommen und hatte keine Anzeichen kriegerischer Vorbereitungen bemerkt. Die Weiber mahlten ihren Mais, und die jungen Männer erzählten sich schauerliche Geschichten, aber nach einer anderen Richtung hin als vom Krieg. Aber gewisse Zeichen waren sehr bedeutungsvoll für Bones. Katabeli, das geschiedene Weib des Akasavahäuptlings, hatte einen ehrenvollen Platz innerhalb der Familie inne, was für ein geschiedenes Weib recht ungewöhnlich war; und sie trug gewisse Knöchelringe und Armringe an ihren hübschen Armen, die bewiesen, welche Hochachtung sie genoß.

»Wir denken gar nicht an Krieg«, sagte ihr alter Vater, der Häuptling, »denn das wäre ein Vergehen gegen Sandis Befehl. Aber wenn uns diese Akasavahunde angreifen, müssen wir unser Dorf schon wegen der Weiber und Kinder verteidigen, die sie grausam behandeln werden. Und es wird erzählt, Tibbetti, daß die Isisis seit Cala-Cala, seit undenklichen Zeiten, das Land von den Geisterbergen an ...«

Bones hörte geduldig zu, und zuletzt bestimmte er einen Tag für das Palaver; er wählte dazu eine Zeit, die seinem wertvollsten Verbündeten gestatten würde, zur Stelle zu sein.

Bosambo erhielt die Aufforderung mit Taubenpost und brachte drei Kanus, jedes mit zwanzig Paddlern bemannt, die durch den einfachen Umtausch der Paddeln mit den Speeren und Schilden im Augenblick ihrer Landung zu Kriegern wurden. Nach der ersten Begrüßung erklärte Bones seine hochfliegenden Pläne, und die beiden Dorfschaften wurden zu einem Palaver gerufen und ihnen bedeutet, Speere und Schilde zu Hause zu lassen.

Die Akasavas saßen zu seiner Linken, die Isisis zu seiner Rechten, und zwischen ihnen befand sich die feste Phalanx der Lanzenleute der Ochoris. Bosambo hockte an ihrer Spitze, ungefähr ein halbes Dutzend Yards von Bones entfernt.

Als Redner in der Eingeborenensprache hatte Leutnant Tibbetti wenige, die es ihm gleich taten. Er sprach Bomongo fließender als Sanders und wußte in allen Redewendungen der vertrauteren Umgangssprache, wie sie am Fluß gang und gäbe ist, glänzend Bescheid.

»Hört alle zu!« sagte Bones. »Ich will euch von einem Zauber erzählen, der mein Heimatland groß gemacht hat. Denn mein Volk kämpft nicht im Zorn. Es kämpft dort einer gegen den anderen mit einem freundlich gesinnten Herzen; und wer in diesem Wettkampf gewinnt, empfängt eine hohe Belohnung. Nun wünsche ich von euch, ihr Akasavahäuptlinge, und von euch, ihr Isisihäuptlinge, fünfzehn starke Männer, die sehr geschmeidig sind und sehr schnell zu Fuß. Und dann wollen wir das so machen ...«

Die Theorie und Praxis des Rugby-Fußballspieles ins Bomongo zu übersetzen, war allein eine Tat; und Bones gelang das so vollkommen, daß die Männer, die mit Mord in ihrem Herzen hergekommen waren, beim Fortgehen keinen anderen Gedanken hatten als diesen unblutigen Kampfzauber.

Es war ein großer Tag für Bones, denn gegen Abend kam ein Paddler von der Station und brachte einen Brief von Sanders und, Wunder über Wunder, einen großen viereckigen Briefumschlag, adressiert in riesigen Buchstaben »Leutnant Tibbetts, Königshaußas«. Sein Instinkt hätte ihm den Namen der Absenderin verraten, wenn er auch nicht ihre Unterschrift in großen flammenden Lettern in seiner Autographensammlung gehabt hätte.

»Lieber Mr. Tibbetts! (sagte der Brief) Ich bin einfach furchtbar Durchschauert von Ihrem Gedicht. Wie wunderbar gescheidt Sie doch sein müssen! Ich fühle, daß ich ein perfektes schwein Ihnen gegenüber gewesen bin. Werden Sie mir jemals vergeben? Ich denke Ihre Nase ist sehr hipsch. Sie erinnert mich so sehr an die Nase des teueren Napolium Bonipatte. Schreiben Sie mir, bitte! Ich werde noch einen Monat hier bleiben.«

Bones schrieb. Er gab sein Vorhaben, das er plante, in Umrissen. Er deutete dunkel auf die schreckliche Gefahr hin, in der er schwebte. Er sprach mit bitteren Selbstvorwürfen über seine »Tölpelhaftigkeit« und hoffte, sie sei so gesund wie er im Augenblicke.

Die Arbeit, die beiden Mannschaften einzuüben, ging Woche für Woche vor sich. Im Anfang gab es gewisse Schwierigkeiten, aber diese Schwierigkeiten lagen mehr in der Begeisterung der Spieler als in der Technik; denn beide, Isisis wie Akasavas, widmeten sich dem Spiel mit Hingebung.

»Gestern,« sagte ein Akasavastürmer, »als wir unsere Köpfe zusammenlegten, um den kleinen Ball unter unsere Füße zu kriegen, zwickte mich so ein Isisihund von hinten. Aber heute nehm' ich mein kleines Messer ...«

Glücklicherweise entdeckte Bones das kleine Messer, ehe das nächste Scrum (Haufen) gebildet wurde, und jagte den begeisterten Spieler rund um die Ebene der Zehn Leoparden, die ihr Übungsplatz war.

Das Ringen um den Ball führte zu einer kleinen Unannehmlichkeit.

»O Mann!« sagte der atemlose Trainer, »wenn du noch einmal den Läufer mit dem Ball fängst und ihn ins Bein beißt, dann hau' ich dich, bis du blutest«.

»Gebieter!« verteidigte sich der Sünder, »als ich diesen Mann niederwarf und über ihn fiel, lag es doch so nahe, zuzubeißen.«

Bosambo von den Ochoris gab einen sehr aufmerksamen Beobachter dieser sonderbaren Vorgänge ab.

»Herr, dieses Spiel ist wie Krieg ohne Speere«, sagte er. »Was wird nun das Ende davon sein?«

Bones' erklärte seinen Plan. Er wollte einen Wettkampf vor den Zuschauern aus beiden Dörfern aufführen lassen, denen jetzt das Zusehen streng verboten war; und es sollte vereinbart werden, daß, welcher Stamm auch geschlagen würde, dieser sich mit der Niederlage abzufinden habe. Die Jahreszeit war im Vorrücken; die Regenzeit war bald zu erwarten, und das Gerede vom Krieg war so in den Hintergrund geraten, daß es nur noch einem leisen Geflüster glich und weder in dem einen noch in dem anderen Lager vernommen wurde.

Sanders' Beifall dünkte dem jungen Mann eine große Errungenschaft; aber eine noch größere Freude bereiteten ihm der Brief in schlechter Handschrift und das kleine Holzkästchen, das mit dem Bezirksamtmann ankam. Dora Campbell-Cairns war gerade im Begriff, die Küste zu verlassen.

»Ich halte Sie einfach für wunderbar«, schrieb sie. »Schreiben Sie mir nach Paris (sie gab keine Adresse an). Papa hält Ihren Plahn mit dem Fußballspiel einfach für wunderfoll! Ich schicke Ihnen einen Becher, den ich von meinem eigenen Taschengeld erstanden habe. Es ist kein wirkliches Gold, aber Vätterchen sagt, das Gold wird sich lange halten. Bitte, verzeihen Sie mir alles, was ich über Ihre Nase gesagt habe!«

Bones hätte ihr irgend etwas vergeben, und als sie sich später mit dem Sohne einer hohen Adelsfamilie verlobte, vergab ihr Bones auch das.

Der Becher war prächtig.

»Er könnte Hunderte gekostet haben«, bemerkte Bones mit einer Stimme, die in Ehrfurcht erstarb.

Später fand er am Fuß des Bechers den Preis und war nicht wenig überrascht, daß ein so seltener und prächtiger Gegenstand so billig verkauft wurde.

Am Morgen des Fußballwettkampfes übernahm Sanders den Vorsitz, und die Stimmung war fast begeisternd.

»Sie sind tatsächlich ein großartiger Kerl!« sagte Sanders zu dem schmunzelnden jungen Mann. »Und, Gott sei Dank, das Barometer zeigt auf Regen«, fügte er ganz unlogisch hinzu.

Das gesamte Akasavavolk im Bereich von fünfzig Meilen und alle Isisis im Umkreis von achtzig Meilen waren auf der großen Ebene versammelt. Sie bevölkerten die Zweige der Bäume und hielten in dichten Haufen den sanften Abhang besetzt, der zu den Isisiwäldern hinaufsteigt; denn in diesem natürlichen Amphitheater hatte jeder Zuschauer einen guten Platz.

Sanders ließ seine Augen in der Runde gehen. »Mir sind es zu viele und meistens Männer«, sagte er.

Er saß vor einem kleinen Zelt, das von dem übrigen Volke getrennt war, und vor ihm stand auf einem kleinen Tische der goldene Becher und schimmerte in den matten Strahlen einer Sonne, die durch regenschwere Wolken brach.

Er schickte seine Soldaten unter das Volk, um nachzusehen, ob sie Waffen bei sich trügen, aber anscheinend hatten sie keine lebensgefährlicheren Waffen bei sich als ihre langen Wanderstecken. Das Spiel begann bei einer tropischen Hitze. Und als Bones auf seiner Pfeife das Zeichen gab und die Isisimannschaft vorstürmte, entstand ein derartiger Lärm, eine solche Aufregung bei den Zuschauern, daß sich dieses Fieber auch Sanders mitteilte.

Zu seinem Erstaunen wurde er gewahr, daß er einem sehr guten Durchschnittsballspiel beiwohnte. Die Stürmer arbeiteten außerordentlich geschickt. Die Scrums (Haufen) bildeten sich und zerstreuten sich hurtig.

Der richtige Unfug begann, als L'mo, ein großer Akasavamann, einen Isisistürmer angriff, ihn krachend zu Boden schleuderte und auf dessen Schultern kniete. Zwei würdevolle Zuschauer sprangen aus dem Gedränge und schlugen L'mo auf den Kopf. Aber sogar dieser Zwischenfall wurde beigelegt, und das Spiel ging weiter.

Das erste Strafgoal gegen die Isisimannschaft wurde unter dem Beifallsgebrüll der gedankenlosen Isisizuschauer gestoßen. Es war L'mo, der den zweiten Zwischenfall veranlaßt. Wieder griff er seinen Mann an, wieder brachte er ihn zu Fall; aber nicht zufrieden damit, daß er ihm den Ball entwand, packte er den unglücklichen Stürmer bei den Ohren und schleppte ihn in die Mitte des Feldes, als Bones dazwischensprang.

Das Spiel ging etwa zwei Minuten weiter, möglich auch weniger als das. Und dann warf sich ein Akasavaverteidiger auf einen unglücklichen Rivalen, der den Ball zwischen seinen Zähnen gepackt hielt, und begann ihn langsam nach allen Regeln der Kunst abzuwürgen. Nun waren die Zuschauer nicht mehr zu halten.

»Zurück!« brüllte Sanders.

Bones rannte zu der dünnen Linie Haußas und zu dem festen Karree, das Bosambos Krieger bildeten.

»Gott sei Dank, sie haben keine Speere!« sagte Sanders.

Vor ihm befand sich ein Meer durcheinanderwirbelnder Stöcke. Überall auf dem ganzen Platz entwickelten sich kleine Gefechte. Gruppen von Akasavaleuten wurden mit Isisileuten handgemein.

»Bajonett aufpflanzen!« befahl Bones atemlos; mitten durch die kämpfenden Waffen bahnte sich das Bajonett seinen Weg, bis sich die heulende, fechtende Menge in zwei ungleiche Hälften teilte.

Und in diesem Augenblicke begann der ersehnte Regen zu fallen; nicht in schwachen Schauern, sondern in reißenden Sturzbächen, die plötzlich aus dem grauen Himmel hervorbrachen. Bosambos Leute fegten den Platz zur Rechten und zur Linken rein, aber dafür bestand kaum noch eine Notwendigkeit. Die Dörfler strömten ihren Häusern zu, während sie ihre Wunden verbanden und die Weisen ihres Stammes heulten.

»Das macht uns Luft!« sagte Sanders.

Er sah sich nach dem Tisch um, auf dem der prächtige Becher gestanden hatte, aber der Tisch war ein einziger Trümmerhaufen und der Becher verschwunden.

»Ich hoffe nur, daß der Gewinner ihn hat«, sagte Sanders mit grimmigem Lächeln. »Beiläufig, wer hat denn eigentlich gewonnen?«

Bones war außerstande, ihm auf diese Frage Antwort zu geben; aber, wenn er in dem lecken Kanu Bosambos gewesen wäre, als es seinen Weg durch das niedrige Wasser nach dem Ochoriland zu machte, würde er nicht im Zweifel darüber gewesen sein. Bosambo brachte Fatima, der Sonne seiner Seele und seinem einzigen Weibe, einen reizenden, goldenen Becher.

»Diesen gab mir Sandi für meine Stärke und Gewandtheit in einem Spiel, das Tibbetti den Völkern gelehrt hat, und in dem ich allein mich ausgezeichnet habe. Aus diesem will ich das Bier trinken, das du für mich braust, o Taube und Licht meiner Augen.«

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