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Sämtliche Werke. Erster Band: Gedichte

Theodor Storm: Sämtliche Werke. Erster Band: Gedichte - Kapitel 112
Quellenangabe
authorTheodor Storm
titleSämtliche Werke. Erster Band: Gedichte
seriesTheodor Storms Sämtliche Werke
volumeErster Band
publisherInsel-Verlag
year1919
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170820
projectid99b8897d
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Wohl fühl ich, wie das Leben rinnt

Wohl fühl ich, wie das Leben rinnt,
Und daß ich endlich scheiden muß,
Daß endlich doch das letzte Lied
Und endlich kommt der letzte Kuß.

Noch häng ich fest an deinem Mund
In schmerzlich bangender Begier;
Du gibst der Jugend letzten Kuß,
Die letzte Rose gibst du mir.

Du schenkst aus jenem Zauberkelch
Den letzten goldnen Trunk mir ein;
Du bist aus jener Märchenwelt
Mein allerletzter Abendschein.

Am Himmel steht der letzte Stern,
O halte nicht dein Herz zurück;
Zu deinen Füßen sink ich hin,
O fühl's, du bist mein letztes Glück!

Laß einmal noch durch meine Brust
Des vollsten Lebens Schauer wehn,
Eh seufzend in die große Nacht
Auch meine Sterne untergehn.

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