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Sämtliche Schriften - Band 1: 1911 - 1921

Carl von Ossietzky: Sämtliche Schriften - Band 1: 1911 - 1921 - Kapitel 54
Quellenangabe
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typemisc
authorCarl von Ossietzky
titleSämtliche Schriften ? Band 1: 1911 - 1921
publisherRowohlt
seriesCarl von Ossietzky - ämtliche Schriften
volumeBand 1: 1911 - 1921
isbn3498050192
editorMathias Bertram, Ute Maack, Christoph Schottes
year
firstpub1911 - 1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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54

Otto Lehmann-Rußbüldt, Jung-Frühling
Verlag Neues Vaterland, E. Berger & Co., Berlin W.

Man liest in dem Buch und denkt zurück an die Zeit, da man noch Geschichtszahlen paukte und in der Chronik von vier Jahrtausenden kaum mehr sah als einen ununterbrochenen Heeresbericht, gemildert durch Langeweile. Wer hätte damals daran gedacht, uns den Sinn der Geschehnisse zu enträtseln, die großen Repräsentanten des menschlichen Geschlechts in ihrem Wollen und Irren und in ihrer Zeitgebundenheit neu vor uns erstehen zu lassen. Auch Lehmann-Rußbüldt hat über dem Buch der Geschichte gegrübelt, immer weniger befriedigte ihn die rein intellektuelle Erfassung, immer peinigender wurde ihm die Reflexion, und endlich in begnadeter Stunde offenbarte sich ihm die Geschichte als Bild und Märchen. In 52 Märchen rundet sich Jung-Frühlings Schicksal, das recht eigentlich das Schicksal der Menschheit ist. Immer ist Jung-Frühling in der Welt gewesen, er ist das Licht, das die Wolken durchdringt, die Menschen aufrüttelt gegen Tyrannei und Unrecht, sie dem Guten gefügig macht. Er ist die Seele aller jugendlichen Opposition, das dynamische Prinzip. In silbriger Dämmerung werden die Jugendtage der Menschheit lebendig. Auf Drachenschiffen durchschneidet der Wikinger das Meer, Prinz Gautama im fernen Indien flieht die Welt der Lüste, am blauen Griechenmeer träumt der Schüler des Sokrates, von Traurigkeit überschattet würgt der große Karl die Sachsen, Ritter Ulrich, Deutschlands bester Genius, streitet und fällt. Jordanus Brunus besteigt den Scheiterhaufen. Aber Jung-Frühling, der Lichtgeist, der Sohn des göttlichen Ketzers, bleibt leben und überdauert die Jahrhunderte. Sieht Herrscher und Beherrschte, Heilige und Sünder ihre Rollen agieren und dahingehen. Aber jedem freien unabhängigen Geist ist er verwandt, und einst wird sein Ruf tönen zur letzten unblutigen Befreiungsschlacht. – Man muß dem Buch dankbar sein. In ihm ist Lebensfreude, und es löst Rätsel ohne Geheimnistuerei. Vor allem gehört es in die Hände junger Menschen. Es sollte keinen Schülerbund geben, in dem es fehlt. Darauf sei hier noch nachdrücklich hingewiesen, denn die Magister werden es vermutlich nicht tun.

Die Neue Generation. Februar/März 1920

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