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Saly's Revolutionstage

Ulrich Hegner: Saly's Revolutionstage - Kapitel 61
Quellenangabe
typefiction
booktitleSaly's Revolutionstage
authorUlrich Hegner
year1828
firstpub1814
publisherG. Reimer
addressBerlin
titleSaly's Revolutionstage
pages260
created20130527
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Man kann oft einen Ort ungern verlassen, und doch mit seinen Wünschen schon anderswo seyn. So that es auch uns wehe, von dem trefflichen alten Oheim zu scheiden, von dessen reinem Wandel und hohem Verstande wir täglich neue Erfahrungen machten; dessen ungeachtet, so theuer mir der Mann war, und so gern ich mit der Freundin die Welt durchstrichen hätte, zog mich doch Liebe und Gewissen zu Marien. Das menschliche Herz hat viele Zu- und Ausgänge, (wer vermag sie alle nach Pflicht zu schließen!) aber wenn einmahl Erfahrung und Gewohnheit das Bild eines lieblichen treuen Weibes in des Herzens Inneres gepflanzt haben, so sitzt dieses Bild bleibend und mächtig, und jedem andern Eindruck auf die Länge gewachsen.

Er gab Klare einen kleinen Ring zum Abschied; ich weiß wohl, sagte er, daß dein Vater seinen Kindern zu Hause kein Gold zu tragen erlaubt, allein auswärts wird er wohl diese Ausnahme dulden, zumahl da der Ring von deiner Mutter herrührt.

Von meiner Mutter? fragte sie mit Verwunderung.

So eben, antwortete er, habe ich ihn von dem Gesandten von Bern für dich bekommen, der dabey 245 noch ein Geschenk zu einem Andenken auf die Reise mitzunehmen bittet. Er öffnete, indem er dieses sagte, einen kleinen Pack, und zog ein Jäckchen mit Pelzwerk gefüttert heraus.

Aber, mein Gott! rief das Mädchen, als sie mit weinendem Lächeln den Ring ansteckte, wie kannte denn der Mann meine Mutter?

Sie liebten einander in der Jugend, als er in Holland Kriegsdienste that, erwiederte er; ich war Zeuge ihrer unsträflichen Leidenschaft; und sie würden sich geheirathet haben, wenn die Aeltern nicht unüberwindliche Hindernisse in den Weg gelegt hätten. Noch immer lebt in seinem Andenken diese erste Liebe, wovon ich dir, wenn du wieder kömmst, die Geschichte erzählen will.

Sie küßte den Ring und in dem Oheim den edeln Geber.

Er und der alte Klaus und die Frau Rathsherrin begleiteten uns zum Thore hinaus; und siehe, da stand der Schlitten dieser letztern, um uns den nächsten Weg an den Fuß des Berges, über den wir gehen mußten, zu führen. Das muntere Weib zwang Klare noch, das Jäckchen anzuziehen, welches dieser auch recht gut ließ.

Nimm dich in Acht, rief mir der Bettler zu, als wir eben einsitzen wollten; jenseit des Berges ist die Straße unsicher!

Ich wußte nicht wie er das meinte und lächelte 246 dazu; der Oheim aber wurde darüber betroffen, und sah den alten Klaus bedenklich an. Muß es aber auch seyn, rief er uns plötzlich zu, jedoch mehr auf Klaus als auf uns blickend, daß Ihr so schnell verreist, es hat ja nicht Eile; wie wär's, wenn wir noch ein paar Tage beysammen blieben?

Der Bettler schüttelte den Kopf und sagte: Laßt sie in Gottes Nahmen gehen: – Sich zu mir wendend: Wenn man dir was thun will, so wehre dich, wenn du kannst; aber räche dich nicht.

Die ungewöhnliche Aengstlichkeit, die zu meiner Verwunderung wie eine Wolke über den Sonnenschein von meines Oheims Angesicht gegangen war, verzog sich, und er entließ uns in Frieden.


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