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Saly's Revolutionstage

Ulrich Hegner: Saly's Revolutionstage - Kapitel 49
Quellenangabe
typefiction
booktitleSaly's Revolutionstage
authorUlrich Hegner
year1828
firstpub1814
publisherG. Reimer
addressBerlin
titleSaly's Revolutionstage
pages260
created20130527
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Des Morgens noch vor Tage, nachdem die beyden Mädchen schon lange zusammen geflüstert hatten, erscholl endlich eine laute Stimme aus dem weiblichen Bette: Der gute Freund möchte aufstehen, damit man 193 ein gleiches thun könne. – Ich gab keine Antwort; worauf sie wieder zusammen flüsterten und wisperten, als wenn sie einander schon Jahre lang kennten. Als aber der Befehl noch einmahl kam und mit Drohungen wiederhohlt wurde, fand ich für besser zu gehorchen, machte ein Licht, und nachdem ich den Vorhang weggeschoben und den beyden niedlichen Köpfen einen guten Tag gewünscht hatte, ging ich hinunter.

Die Wirthin saß mit ihrem Manne beym Frühstück, und entschuldigte sich wegen der nächtlichen Beunruhigung; da ich es aber der Klare überlassen wollte, unser Geheimniß zu offenbaren, und nicht wissen konnte, wie viel sie der fremden Jungfer schon anvertraut, so wich ich die weitern Fragen dieser Frau aus. Der Wirth, ein Männchen von weichlicher Lebhaftigkeit, der sich für einen Gelehrten hielt, und allenthalben Romane und Schauspiele um sich her liegen hatte, und gern feine Reden im Munde führte, fing an von dem Streite mit den Gesandschaftsreutern zu sprechen, und versicherte mich, er selbst habe den Husaren, er nannte ihn einen gallischen Ritter, heimlich aufgefordert, den Fehdehandschuh für mich hinzuwerfen, weil er befürchten müssen, es möchte mir und dem Fräulein im Kampfe mit jenen Sarazenen übel gehen; sie bilden sich mehr ein als ihre Gebiether, und nennen jetzt alles Aufrührer, was nur die Miene mache, nicht ihrer Meinung zu seyn; der Vorfall habe sie in Wuth 194 gesetzt, er fürchte, sie werden in einem Hinterhalte auf mich lauern.

Man sieht sie wohl nicht gerne hier? fragte ich.

Man sieht nicht einmahl die Herren gern, raunte er mir heimlich in's Ohr, obgleich Niemand da war, als seine Frau.

Es ist unglücklich, daß man in Revoluzionszeiten gleich für etwas gelten muß, wenn man noch so gerne nichts wäre. Der Wirth sah mich mit selbstgeschaffener Ueberzeugung für einen Unzufriedenen, für einen vollständigen Patrioten an, und gab sich mir auch als solchen zu erkennen. Er schloß aus meiner Aussprache, ich müsse zu den Seehelden, wie er einen Theil meiner Landsleute witzelnd nannte, gehören, und konnte meinen Einfall mit dem vorgeblichen Brief an den Geschäftsträger nicht genug loben; es wäre nicht jeder so geschwind auf diese Kriegslist verfallen, meinte er.

Als ich ihn aber versicherte, daß es keine bloße List gewesen, sondern daß ich wirklich ein solches Schreiben zu übergeben habe, bestärkte das noch sein Zutrauen, und ich mußte nun alles anhören, was in Arau über langsame Verhandlungen und halbe Maßnahmen gesprochen und gespottet wurde. Ich erstaunte, daß selbst hier, wo die Väter des Vaterlandes zur Erhaltung der Ordnung versammelt waren, eine so ungebundene Denkungsart herrschte. Wenn es in der Residenz selbst brennt, sagte der Wirth, wie will Serenissimus an den Grenzen löschen!

195 Von dem Bundesfeste, das übermorgen vor sich gehen soll, meinte er weiter, verspreche man sich doppelten Gewinn: Geld für die Gastwirthe, und den Abzug der Fürsten und Herren, worauf man schon lange warte, um dann andre Ritterspiele zu beginnen. – Er betheuerte, daß dieß der herrschende Ton in Arau sey, ich möchte nur ein paar Tage hier Waffenruhe halten, um es selbst zu erfahren; die Zeder sey schon ausersehen, welche die Freyheit bezeichnen, und die goldene Bulle schon geschrieben, die sie der Stadt zusichern soll.

Ich wollte ihn wegen seiner Offenherzigkeit gegen einen Unbekannten, wie mich, warnen, er versicherte aber, indem er mir auf die Schulter klopfte, daß er wohl wisse, mit wem er rede, und was die Klugheit gebiethe.

Die Mädchen kamen herunter. Aus der Anrede und dem Benehmen der Klare merkte ich bald, daß unser Geheimniß noch nicht verrathen, und sie es auch nicht zu verrathen gesinnet sey, ob sie gleich von dem Wirth einige unfeine Scherze wegen der nächtlichen Trennung anhören mußte. Ich wollte wissen, was sie denn des Morgens frühe so viel zu flüstern gehabt hätten, bekam aber zum Bescheid, wer leise spreche, wolle nicht in der Ferne vernommen seyn. Der Wirth, der über alles Erläuterung gab, behauptete: keine Bündnisse seyen eher gestiftet, als die, welche 196 junge Frauenzimmer unter den Fittigen der Nacht abschließen.

Bald kam auch der Husar, der mich zum Geschäftsträger hinführen sollte; sein Herr erwarte mich, sagte er, er sey schon von dem gestrigen Vorfall unterrichtet, und habe versprochen, mir einen Schutzbrief zuzustellen, daß sich weder Herren noch Knechte an mir vergreifen dürfen. Ich hielt diesen Schutzbrief für einen Einfall des Husaren, und lachte darüber.


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