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Saly's Revolutionstage

Ulrich Hegner: Saly's Revolutionstage - Kapitel 46
Quellenangabe
typefiction
booktitleSaly's Revolutionstage
authorUlrich Hegner
year1828
firstpub1814
publisherG. Reimer
addressBerlin
titleSaly's Revolutionstage
pages260
created20130527
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Wir kamen nun auf die andre Seite des Berges, und waren vor dem kalten Winde gedeckt, so daß die Wanderschaft um vieles erträglicher war. Als ich nun Klare wiederum so leicht und zierlich vor mir über das rauhe Gebirge hingleiten sah, wie ein Sonnenstrahl, der durch den Nebel zieht, so regten sich von neuem Bedenklichkeiten in mir über ihren Aufenthalt in unsrer kleinen Wohnung.

Wahrhaftig, Klare, Ihr seyd zu vornehm, rief ich, ich darf Euch nicht nach Hause nehmen.

182 Sie lachte und schloß sich an meinen Arm: die Reue ist zu spät; Ihr müßt mich jetzt haben, weil Ihr mich nicht mehr mit Ehren zurückschicken könnt! – Doch, fuhr sie ernsthaft fort, und ließ meinen Arm fahren, damit Ihr nicht glaubet, daß bloßer Leichtsinn mich treibe, so hört jetzt meinen wahren Beweggrund, den ich bisher Euch zu entdecken zögerte: Es bewirbt sich ein reicher Mann unsers Glaubens, der Wittwer ist und drey Kinder hat, um meine Hand; ein rechtschaffener Mann, gegen den ich nichts habe, als daß er mir nicht gefällt. Der Vater sieht diese Verbindung für ein Glück an, und plagt mich deshalb, zwar nicht mit Worten, aber mit liebreichen Blicken, in denen seine Wünsche zu lesen sind. Meine ältere Schwester aber hätte den Mann gerne für sich; sie sagt zwar auch nichts, doch kann ich es nur zu deutlich merken, weil sie immer verdrießlich wird, wenn er bey uns gewesen ist, und roth, wenn von ihm gesprochen wird. Da sie einige Jahre älter als er ist, so mag er wohl deßwegen seine Augen auf mich geworfen haben, sie würde aber gewiß sein Glück besser machen. Schon oft wünschte ich durch Abwesenheit der Zudringlichkeit des Mannes entgehen und bewirken zu können, daß er meine Schwester vorzöge, und faßte daher, so bald ich Euch als einen Verwandten und ehrlichen Mann kennen lernte, den festen Vorsatz, mich über alles andre hinwegzusetzen, und auf einige Zeit mit Euch zu gehen. Sie hat dieß wohl gemerkt, 183 und darum auch so willig zu meiner Reise geholfen; mündlich aber hätte ich nie mit ihr über diese Abtretung sprechen dürfen; hingegen durch diese Entfernung verstehen wir uns, ohne ein Wort verlieren zu müssen. Gelingt es mir dadurch meine Schwester glücklich zu machen, wie sollte ich mich diese Winterreise mit einem so braven Vetter gereuen lassen?

Wäre auch der Vetter nicht so brav, als Ihr ihn dafür anseht, antwortete ich, so müßte er Eure edle Absicht ehren. Ich glaubte, Ihr machet die Reise nur aus jugendlicher Neugier mit, um andre Leute und Sitten zu sehen, oder weil es Euch in Euerm Glaubenskreise zu enge wäre; jetzt aber seyd Ihr mir doppelt willkommen!

Es war mir aber, die Wahrheit zu gestehen, nicht ganz Ernst; ich hätte in diesem Augenblick eben so gern gesehen, wenn sie aus pur lauterer Freundschaft mitgekommen wäre – jedoch ich schämte mich bald dieser eiteln Gedanken.


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