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Saly's Revolutionstage

Ulrich Hegner: Saly's Revolutionstage - Kapitel 25
Quellenangabe
typefiction
booktitleSaly's Revolutionstage
authorUlrich Hegner
year1828
firstpub1814
publisherG. Reimer
addressBerlin
titleSaly's Revolutionstage
pages260
created20130527
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Ich konnte nicht einschlafen; es war mir als hätte ich in diesem Hause eine neue Welt entdeckt. Da 82 däuchte mich, ich höre auf der Straße unter meinem Zimmer ein Geflüster, welches nicht aufhören wollte; so daß ich endlich sachte an's Fenster schlich, und merkte, daß eine Mannsperson mit jemand im Hause leise sprach. Das befremdete mich um so viel mehr, da ich aus einigen Ausdrücken deutlich verstand, daß die Rede von Liebe war. Ich strengte alle Aufmerksamkeit an, um die Stimme der Person im Hause zu erkennen, das war mir aber unmöglich, weil das Fenster zur Seite lag. Auf ein unvorsichtiges Geräusch, das ich machte, hatte das Gespräch ein Ende; aber ich wünschte nun nicht gelauscht zu haben! Denn ich konnte mich des Mißvergnügens nicht enthalten, daß in dieses Haus, welches ich mir als die Wohnung der Unschuld und des Friedens gedacht, der Geist nächtlicher Liebe sollte den Weg gefunden haben; und das Widrigste – ich will es nicht verhehlen – war mir der Gedanke, Klare möchte hier im Spiele seyn, weil mir die älteste Tochter zu einem solchen Liebesverständniß zu kalt, und das Kind (so hießen sie die Jüngste) zu unschuldig schien. Die Furcht ist eine Mutter der Wahrscheinlichkeit wie die Hoffnung; der Verdacht wurde mir immer gegründeter, die Betrachtung einseitiger, und zuletzt hätten meinetwegen die beyden Andern bis über die Ohren verliebt seyn können, aber Klare sah ich nicht gern in diesem Lichte – oder vielmehr Schatten, wie es mir jetzt vorkam. Ein Frauenzimmer, für welches man Achtung hat, und auf dessen Freundschaft man rechnet, 83 kann man sich unmöglich ohne Verdruß in einem Liebeshandel mit einem Andern denken, wenn auch die eignen Ansprüche noch so reingeistig scheinen.


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