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Saly's Revolutionstage

Ulrich Hegner: Saly's Revolutionstage - Kapitel 24
Quellenangabe
typefiction
booktitleSaly's Revolutionstage
authorUlrich Hegner
year1828
firstpub1814
publisherG. Reimer
addressBerlin
titleSaly's Revolutionstage
pages260
created20130527
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Allein da ich nur meine Revolutions- und nicht meine Familiengeschichte schreibe, so lasse ich alles weg, was nicht nothwendig zur nähern Kenntniß der hier vorkommenden Personen dient. Ich erfuhr also, daß der alte Herr, mein neuer Oheim auf den ich jetzt stolz war, so wie meine Mutter aus einer mennonitischen Familie in Holland abstamme, daß er sich aber frühe den Wissenschaften, nachher dem Kriege gewidmet und weit in der Welt herumgetrieben habe, daß er an fürstlichen Höfen gelebt, und was weiß ich! ein vornehmer Herr gewesen sey; endlich bey heranrückendem Alter, der Welt und ihres Treibens müde, sich mit ehrenvollem Abschied zurückgezogen und sich selbst zu leben entschlossen habe; daß er nun seitdem in Bremgarten mit stillschweigender Genehmigung der Regierung ein eignes, verborgnes, und wie er behaupte, glückliches Leben führe; und es für eine Glückseligkeit ausgebe, sein eigner Herr und Diener zugleich zu seyn; wiewohl er zuweilen bereue, sich in der Jugend nicht verheurathet zu haben.

Wo es dann aber um die eigne Herrschaft mißlich gestanden hätte, meinte Klare.

80 Es wunderte mich, daß er einen so verlassenen Ort wie jenes Städtchen zu seinem Aufenthalt gewählt hätte?

Die Wahl steht oft nicht bey uns, sagte der Wiedertäufer, und die Nothwendigkeit, wenn sie uns eine Wohnung anweiset, meint es meistens besser, als verzärtelte Willkühr. Ich habe noch nie gesehen, daß ein Amtloser, der bloß aus sinnlichem Antriebe sich einen Aufenthaltsort auserlesen, lange darin ausgehalten habe.

Was ich von dem Wiedertäufer selbst und seiner eigenen Geschichte erfuhr, berühre ich hier nicht. Er blieb unter mancherley Stürmen seiner frommen Ueberzeugung getreu; doch so, daß mit zunehmenden Jahren sich alle scharfen Ecken sektischer Unduldsamkeit abschliffen, und eine allgemeinere Bruderliebe in seinem Herzen immer mehr Platz gewann. – Ich lernte nun auch die Töchter näher kennen, von welchen ich an der Mittlern den meisten Gefallen fand, die auch mir nicht ungeneigt zu seyn schien. Was sie sagte und that, hatte das Gepräge einer mehr als gewöhnlichen Bildung, ohne daß jungfräuliche Bescheidenheit je von ihr wich. Die Aelteste führte seit dem Tode der Mutter die innere Haushaltung, eine gerade, ehrliche Person, und der Jüngsten mußte man um ihrer blühenden Schönheit und Unschuld willen gut seyn. Nach dem Wenigen, was ich von dem Sohne hörte, ist er von der Mutter verzogen worden, hat 81 ihnen schon vielen Kummer verursacht, und lebt nun in französischen Kriegsdiensten als Husar.

Wer das Gastrecht einer liebenswürdigen Familie genossen hat, der kennt die lieblichste der Erinnerungen, und wird mir meine Umständlichkeit verzeihen.

Ungeachtet es schon spät war, konnte ich doch nicht satt werden, Vater und Töchter (die Jüngste war zu Bette gegangen) von unsern Blutsverwandten und ihren Erfahrungen erzählen zu hören; und so blieben wir bey Tische sitzen, bis der Vater endlich fand, es sey Zeit, daß ich schlafen gehe, ein Licht nahm und mir meine Kammer wies.

Wie wunderbar sich doch auf dieser kleinen Reise mein Schicksal drängt, sagte ich gerührt zu ihm, und neue freundliche Aussichten sich öffnen! Hätte ich Verlassener, der niemand als Gott und meine Marie in der Welt zu haben glaubte, vor einigen Tagen noch gedacht, daß in Bremgarten ein liebender Oheim und hier Verwandte und Freunde meiner Aeltern auf mich warteten? Wie froh bin ich, daß ich nicht zurückkehrte!

Seyd nur stille und ruhig dabey wie bisher, mein Freund, und sucht nicht der Schickung voranzueilen, sagte der brave Mann; Gott wartet oft lange, und gibt dann dem, der auch warten kann, vieles auf Einmahl!


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