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Saly's Revolutionstage

Ulrich Hegner: Saly's Revolutionstage - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
booktitleSaly's Revolutionstage
authorUlrich Hegner
year1828
firstpub1814
publisherG. Reimer
addressBerlin
titleSaly's Revolutionstage
pages260
created20130527
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Schweigend wanderte ich meine Straße fort, immer mit meinen Gedanken bey dem alten Herrn, den ich nun Zeit hatte mir in jeder Lage des Lebens auszumahlen, und als ein Muster vorzustellen. Ich rieth allerhand, wer er wohl seyn möchte, konnte aber darüber nicht klug werden. Ueber das vermeinte Bild meines Vaters, und manches andre, das mir nun einfiel, hatte ich ihn aus Blödigkeit nicht gefragt, denn 60 vor ehrfurchtgebiethenden Leuten verstummen oft die einfachsten Fragen.

Zufriedner ging ich jetzt doch meinem Geschäfte nach, wenn ich schon erfahren hatte, daß von hohem Orte Späher ausgingen, um dergleichen Vögel, wie ich zu seyn schien, zu fangen. Ich war aber hierin meinem Gefährten nicht unähnlich, daß ich mich für zu klug hielt, um ausgeholt zu werden; und nicht nur meinem Gefährten; denn wo ist der, welcher sich nicht diese Klugheit zu besitzen schmeichle? Auch der Unkluge schreibt seinen Mangel daran nur dem Nichtwollen zu.

Es weiset mich alles nach Basel wie nach einem Offenbarungsorte hin, wo mir erst die Augen über mich und andre aufgehen sollen. Nun ich will sehen, dachte ich, was da für eine Wiedergeburt meiner warte, und was ich noch lernen soll! So viel weiß ich jetzt schon, daß in mehrern Kantonen Unzufriedenheit laut wird, daß sie sich in eine Verschwörung zu vereinigen sucht, daß die Regierungen Kenntniß davon haben, und dieß wohl der Grund zu der Zusammenkunft in Arau seyn mag; daß aber der Französische Geschäftsträger unter der Hand den Aufstand begünstigt, und es wahrscheinlich nicht aus sich selbst, sondern aus Geheiß seiner furchtbaren Obern thun wird, daß mithin die Verschwornen jetzt persönlich nicht viel zu besorgen haben, auch wenn sie ihren Zweck nicht erreichen sollten. Ob aber die Französischen Gewalthaber von den Unzufriedenen, oder diese von jenen zuerst seyen aufgefordert 61 worden, konnte ich mir noch nicht erklären, auch nicht, was diese Macht Gutes dabey suche, eine Verschwörung in einem friedlichen Lande zu stiften? – Aber für die Ehrlichkeit meiner neuen Bekannten von ehegestern war mir jetzt mehr bange, als für ihre Sicherheit. So mancher ist schon mit einem ehrlichen Vorsatz ausgegangen, und auf dem Wege anderes Sinnes geworden! Und welche unerwartete Vortheile müssen ihnen nicht zulächeln, wenn sie Meister werden, wie es fast nicht anders seyn kann, da sie unter diesem gewaltigen Schilde fechten!

In solche Vorstellungen vertieft, bemerkte ich kaum, wo wir durchkamen, und gab meinem Begleiter, der ohnedieß in der Achtung bey mir nicht gestiegen war, oft nicht einmahl Antwort auf seine Fragen, so daß er endlich aus Verdruß zu singen anfing.

Die bekannten Töne zogen nach und nach auch mich an, gewannen die Oberhand über mein Denken, und bald fiel ich laut in sein Lied ein; so daß auch er, bey dem das Singen wirklich seine beßte Eigenschaft zu seyn schien, seine Stimme stärker erhob, und von uns eine Stund lang ein solcher Gesang erscholl, daß die Vorbeygehenden stille standen und uns nachsahen, und alle Bauernmädchen freundlich nickten. Dadurch erlosch sein Zorn gänzlich, und auch mir wurde der Mensch lieber, weil ich nun doch eine Quelle des Genusses an ihm entdeckt hatte.


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