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Saly's Revolutionstage

Ulrich Hegner: Saly's Revolutionstage - Kapitel 10
Quellenangabe
typefiction
booktitleSaly's Revolutionstage
authorUlrich Hegner
year1828
firstpub1814
publisherG. Reimer
addressBerlin
titleSaly's Revolutionstage
pages260
created20130527
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Ich aß fröhlich zu Nacht, vergnügt mit meinem heutigen Tagewerk, weil es mir auf morgen den Rückweg in mein stilles Reich, das nicht von dieser neuerungsbegierigen Welt ist, bahnen sollte. Nur eines 35 war mir nicht ganz recht: ich konnte mir nicht bergen, in den Aeußerungen über mich selbst einen etwas hohen Ton angestimmt zu haben, welches andre an uns so ungern hören, als wir an ihnen. Allein es ist kein andrer Rath, wenn man in der Nothwendigkeit ist, von sich selbst zu sprechen, und unbekannten Treibern zu antworten, als es mit kecker Bestimmtheit zu thun; das Liebenswürdige der bloßen Bescheidenheit reicht da nicht hin. Der Zweck muß da auch das Mittel heiligen, wie der Mann mit dem frommen Anstand heute sagte.

Als ich eben zu Bette gehen wollte, zeigte mir der Wirth leise an, daß noch jemand mit mir zu sprechen wünsche; es war einer der Männer von diesem Abend. Er begleitete mich in mein Schlafgemach, und brachte mir Geld, wovon ich aber kaum die Hälfte als meinen Lohn ansah und nahm. Er ließ mich machen, und sagte dann, daß er nicht deßwegen gekommen, sondern die vereinigten Freunde, welche heut Abend noch viel von mir und meinen Ansichten ihrer Sache gesprochen, haben gefunden, ich wäre der Mann, ihnen einen wichtigen Dienst zu leisten. Es halten sich nämlich in der Nähe von Basel einige ihrer bekannten Brüder auf, die mit mehrern Einverstandenen daselbst einen Verein ausmachen, ungefähr wie der ihrige hier zu Lande; mit diesen stehen sie in Verbindung und häufigem Briefwechsel; sie dürfen aber nur die wenigsten Briefe der Post, und nicht einmahl alles den Briefen 36 anvertrauen, und zu mündlichen Berichten haben ihre bisherigen Bothen selten das erforderliche Geschick. Nun sey der Fall, wo ich zeigen könne, daß ich es gut mit ihnen meine, wenn ich mich entschlösse, auch nur ein Mahl diese kleine Reise für sie zu machen.

Er drang sehr in mich, sogleich zu entsprechen, allein ich bath mir Bedenkzeit bis morgen aus, da ich, von der Tagesmüdigkeit erschöpft, nicht mehr im Stande sey nachzusinnen.

Wirklich schlief ich auch ein, sobald der Mann fort war, fest entschlossen jedoch, morgen zurückzukehren. Allein als ich bey Tagesanbruch wieder erwachte, und der Kleinmuth der Ermüdung gewichen war, fand ich es doch der Mühe werth, über den Vorschlag nachzudenken, wär' es auch nur gewesen, um die sinnliche Behaglichkeit zu fühlen, welche man hat, wenn man so des Morgens, im Bette bis über die Ohren, seinen Gedanken nachhängt.

Da es mir bisher gleichgültig gewesen, ob wenige oder viele regieren, wenn nur Ruhe und Ordnung herrschte, so konnten neue Freyheitspläne, so einleuchtend sie waren, meinen Entschluß allein nicht bestimmen; auch allerhand andre Scheingründe nicht, die vor meiner Einbildung vorüberzogen, und mir Ansehen, Geld, Volksgunst, größern Wirkungskreis vorspiegelten; Blendwerke, womit man oft sich selbst, doch mehr noch andre täuscht. Gott bewahre dich vor gesuchtem Berufe, sagte eine warnende Stimme; jede 37 menschliche Unternehmung, wovon nicht Liebe und nächste Pflicht die Triebfedern sind, ist eitel! Winket dir nicht deine Frau dort unter der engen Pforte deiner einsamen Hütte, und wird der Rückweg nicht schwerer seyn, je weiter du dich davon entfernest?

Allein die Stimme der Warnung verklang – leider nicht das erste Mahl! – in dem leichten Sinne der Jugend. Am Ende überwog die Lust, Land und Leute zu sehen und nach Basel zu kommen. Ich will mir die Aufträge schriftlich und versiegelt geben lassen, und so unschuldig reisen als möglich, sagte ich, ob ich gleich dabey leise empfand, daß die Unschuld, welche sich selbst nennt, das nicht mehr ist, wofür sie sich ausgibt.

Als ich die Augen aufschlug, war es schon heller Sonnenschein, wodurch mein Reiseplan nur noch anziehender beleuchtet wurde.


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