Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gustave Flaubert: Salambo - Kapitel 15
Quellenangabe
typefiction
titleSalambo
authorGustave Flaubert
translatorArthur Schurig
publisherInsel-Verlag
addressLeipzig
senderhille@abc.de
created20040117
correctorreuters@abc.de
corrected20120901
firstpub1904
Schließen

Navigation:

In der Säge

Die Karthager waren noch nicht in ihre Häuser zurückgekehrt, als sich die Wolken bereits dichter ballten. Die vor dem Koloß Gebliebenen fühlten große Tropfen auf der Stirn. Der Regen begann.

Er fiel die ganze Nacht hindurch, reichlich, in Strömen. Donner rollten. Das war Molochs Stimme. Er hatte Tanit besiegt, und die befruchtete Göttin öffnete nun droben ihren Riesenschoß. Bisweilen erblickte man sie durch zerrissene Wolken auf Nebelkissen ruhend, bald aber schlossen sich die düsteren Dunstgebilde wieder, als sei Tanit noch müde und wolle weiterschlafen. Die Karthager, nach deren Glauben das Wasser vom Monde geboren wird, schrien. Das sollte ihr die Wehen erleichtern.

Der Regen schlug auf die Terrassen und überschwemmte sie, bildete Teiche auf den Höfen, Wasserfälle auf den Treppen und Strudel an den Straßenecken. Er ergoß sich hier in schweren trüben Massen, dort in hurtigen Strahlen. Von allen Hausgiebeln plätscherten breite schäumende Fluten herunter, und an den Mauern hing der Regen wie loses graues Tuch. Die abgespülten Tempeldächer blinkten im Schein der Blitze. In tausend Rinnen stürzten Kaskaden von der Akropolis herab. Häuser brachen zusammen, und Dachbalken, Stuck und Gerät schwammen in den Bächen, die jäh über das Pflaster hinschossen.

Man hatte Schüsseln und Krüge aufgestellt und Segel ausgespannt. Die Fackeln erloschen. Man nahm glimmende Scheite aus der Glut Molochs. Auf den Straßen bogen sich die Leute hintenüber und öffneten den Mund, um den Regen zu trinken. Andre lagen am Rande schmutziger Pfützen, tauchten die Arme bis zu den Achseln hinein und schlürften sich so voll Wasser, daß sie es wie Büffel wieder ausspien. Allmählich ward die Witterung kühl und frisch. Alle sogen die feuchte Luft ein und reckten die Glieder, und diesem Wonnerausch entsprang alsbald eine grenzenlose Zuversicht. Alles Elend war vergessen. Das Vaterland mußte wieder auferstehen.

Man empfand das Bedürfnis, die maßlose Wut, die man in sich selbst nicht verarbeiten konnte, an andern auszulassen. Das Opfer durfte nicht nutzlos bleiben. Wenngleich niemand Reue empfand, so fühlten sich doch alle von jener Raserei ergriffen, die aus der Mitschuld an unsühnbarem Verbrechen ersteht.

Das Gewitter hatte die Barbaren in ihren schlecht schließenden Zelten überrascht. Noch am nächsten Tage wateten sie völlig durchnäßt im Schlamm umher und suchten ihre verdorbenen Vorräte und verlorenen Waffen zusammen.

Hamilkar begab sich aus freien Stücken zu Hanno und übergab ihm kraft seiner Machtvollkommenheit den Befehl über die Stadt. Der alte Suffet schwankte eine Weile zwischen Groll und Herrschsucht. Schließlich aber nahm er an.

Hierauf ließ Hamilkar eine Galeere auslaufen, die am Bug wie am Steuer mit je einem Geschütz ausgerüstet war. Sie ging im Golfe dem Floß gegenüber vor Anker. Sodann schiffte er seine Kerntruppen auf den noch verfügbaren Schiffen ein. Er entfloh offenbar. Nach Norden steuernd, verschwand er im Nebel.

Doch drei Tage später – man wollte eben von neuem Sturm laufen – kamen Leute von der libyschen Küste unter großem Geschrei in das Söldnerlager. Barkas sei bei ihnen gelandet, mache überall Beitreibungen und ginge immer weiter hinein in das Land.

Die Barbaren entrüsteten sich darüber, als ob Hamilkar sie verraten hätte. Die der Belagerung Überdrüssigen, besonders die Gallier, verließen ohne weiteres die Belagerungswerke, um zu ihm zu stoßen. Spendius wollte die Helepolis wieder aufbauen. Matho hatte in Gedanken eine Linie von seinem Zelte bis nach Megara gezogen und sich geschworen, auf ihr schnurstracks vorzurücken. Von der Mannschaft beider Befehlshaber rührte sich keiner vom Flecke. Die andern zogen unter Autarits Führung ab und gaben damit den westlichen Teil der Stadtmauer frei. Die Sorglosigkeit war so groß, daß man gar nicht daran dachte, die Weggegangenen zu ersetzen.

Naravas belauerte dies von fern in den Bergen. Während der Nacht ritt er mit allen seinen Numidiern auf der Seeseite der Lagune am Meeresgestade hin und zog in Karthago ein.

Hier erschien er mit seinen sechstausend Mann als Retter in der Not. Sie trugen sämtlich Mehl unter den Mänteln. Seine vierzig Elefanten waren mit Futter und getrocknetem Fleisch beladen. Man drängte sich um sie und gab ihnen Namen. Denn mehr noch als die Ankunft einer solchen Hilfe erfreute die Karthager der Anblick dieser gewaltigen, dem Sonnengotte geweihten Tiere. Sie waren ein Unterpfand seiner Gnade, ein Zeichen, daß er ihnen endlich beistehen und in den Krieg eingreifen wolle.

Naravas nahm die höflichen Worte der Alten entgegen. Dann stieg er zu Salambo die Schloßtreppe empor.

Er hatte sie nicht wiedergesehn, seit er in Hamilkars Zelt, im Schoße der fünf Heere, ihre kleine, weiche, kühle Hand in der seinen gehalten hatte. Nach der Verlobung war sie nach Karthago zurückgekehrt. Seine Liebe, die eine Weile seinen ehrgeizigen Plänen gewichen war, erwachte von neuem. Jetzt gedachte er in den Genuß seiner Rechte zu treten, die Karthagerin zu seiner Frau zu machen und sie mit sich zu nehmen.

Salambo begriff nicht, wie dieser junge Mann je ihr Gebieter werden könne. Obwohl sie Tanit alle Tage um Mathos Tod anflehte, ward ihr Abscheu vor dem Libyer doch immer geringer. Sie hatte das dunkle Gefühl, daß der Haß, mit dem er sie verfolgte, etwas beinahe Heiliges sei. Sie hätte in Naravas' Wesen einen Abglanz jener wilden Heftigkeit sehn mögen, von der sie immer noch bezaubert war. Wohl wünschte sie den Numidier näher kennen zu lernen, aber seine Gegenwart war ihr doch unangenehm. Sie ließ ihm antworten, sie dürfe ihn nicht empfangen.

Überdies hatte Hamilkar seinen Leuten befohlen, dem jungen Numidierfürsten keinen Zutritt zu Salambo zu gewähren. Er glaubte seiner Treue sicherer zu sein, wenn er die Belohnung dafür bis zum Ende des Krieges aufsparte. Naravas zog sich aus Respekt vor dem Suffeten zurück.

Gegen die punischen Behörden zeigte er sich nicht so demütig. Er änderte von ihnen getroffene Anordnungen, forderte Vorrechte für seine Leute und stellte sie auf wichtige Posten. Die Barbaren machten große Augen, als sie auf einmal Numidier auf den Türmen der Stadt erblickten.

Die allgemeine Verwunderung ward noch viel größer, als auf einer alten punischen Trireme vierhundert Karthager anlangten, die während des Krieges in Sizilien gefangen genommen worden waren. Hamilkar hatte nämlich insgeheim den Quiriten die Bemannung der latinischen Schiffe, die er vor dem Abfall der tyrischen Städte gekapert hatte, zurückgesandt, und zum Dank für dieses Entgegenkommen schickte ihm Rom die dortigen Gefangenen zurück. Auch lehnten die Römer das Anerbieten der sardinischen Söldner ab und schlugen sogar die ihnen angetragene Schutzherrschaft über Utika aus.

Hiero, der Tyrann von Syrakus, folgte diesem Beispiel. Um sein Reich zu behaupten, war ihm das Gleichgewicht beider Großmächte nötig. Es lag ihm also an der Rettung der Punier. Er erklärte sich zu ihrem Freunde und sandte ihnen zwölfhundert Rinder und dreiundfünfzigtausend Nebel reinen Weizens.

Der eigentliche Grund für diese Unterstützung Karthagos lag tiefer: man fühlte, daß bei einem endgültigen Siege der Söldner alles, was überhaupt in Sold stand, vom Soldaten bis zum Küchenjungen, aufsässig würde, und daß dann keine Regierung und kein Herrscherhaus seine Unabhängigkeit wahren könne.

Mittlerweile durchstreifte Hamilkar die östlichen Landstriche. Er trieb die Gallier zurück, und die Barbaren sahen sich nunmehr selber gleichsam wieder belagert.

Jetzt begann er sie systematisch zu beunruhigen. Er kam und verschwand wieder und wiederholte dieses Manöver so lange, bis er sie nach und nach aus ihren Lagern fortlockte. Spendius war genötigt, den andern zu folgen, und schließlich zog auch Matho ab.

Letzterer ging jedoch nicht über Tunis hinaus, sondern setzte sich in dieser Stadt fest. Die Hartnäckigkeit, mit der er dort verblieb, war sehr klug, denn alsbald sah man Naravas mit seinen Truppen und Elefanten zum Khamontor herausziehen. Hamilkar hatte ihn zu sich gerufen. Schon streiften die übrigen Barbaren durch die Provinzen zur Verfolgung des Suffeten.

Er hatte in Klypea eine Verstärkung von dreitausend Galliern erhalten. Aus der Kyrenaika ließ er Pferde, aus Bruttium Rüstungen kommen. Er begann den Krieg von neuem.

Noch nie war sein Genie so reg und schöpferisch gewesen. Fünf Monate lang lockte er die Söldner hinter sich her. Er hatte ein festes Ziel vor Augen. Er wollte sie nach einem bestimmten Orte verführen.

––––––––

Die Barbaren hatten anfangs versucht, dem Punier im Kleinkrieg beizukommen, aber die kleinen Abteilungen hatten keine Erfolge. Nun blieben sie vereint. Ihr Heer belief sich auf etwa vierzigtausend Mann. Jetzt hatten sie in der Tat mehrmals die Freude, die Karthager zurückweichen zu sehn.

Stark belästigt wurden sie von der Kavallerie des Naravas. Oft zur heißesten Tageszeit, wenn man unter der Last der Waffen schlaftrunken durch die Ebene zog, stieg plötzlich dichter Staub am Horizont auf. Etwas Unsichtbares brauste im Galopp heran, und aus einer Sandwolke, in der eine Menge flammender Augen blitzte, schoß ein Pfeilhagel hervor. Von weißen Mänteln umflatterte Numidier stießen ein lautes Geheul aus, reckten die Arme empor, warfen ihre steigenden Hengste mit kräftigem Schenkeldruck herum und verschwanden wieder. In einiger Entfernung führten sie stets auf Dromedaren Vorräte an Wurfspießen mit. Und so kamen sie immer um so schrecklicher wieder, heulten wie Wölfe und flohen abermals wie die Geier. Die Flügelmänner der Barbaren fielen einer nach dem andern. Das währte so fort bis zum Abend, wo man ins Gebirge zu entkommen suchte.

Obwohl die Berge für die Elefanten gefährlich waren, wagte sich Hamilkar doch hinein. Er folgte der langen Kette, die sich vom Hermäischen Vorgebirge bis zum Gipfel des Zoghwan erstreckt. Seine Gegner glaubten, er wolle dadurch die Schwäche seiner Truppen verbergen. Die beständige Ungewißheit, in der er sie erhielt, erbitterte sie schließlich mehr als eine Niederlage. Entmutigen ließen sie sich allerdings nicht. Sie zogen nach wie vor hinter ihm her.

Endlich eines Abends überraschten die Söldner eine Abteilung leichten Fußvolks zwischen dem Silberberg und dem Bleiberg in einer wüsten Felsengegend am Eingang zu einem Engpaß. Ohne Zweifel marschierte das ganze punische Heer vor ihnen, denn man hörte Marschgeräusch und Trompetensignale. Die Überraschten verschwanden alsbald in den Schluchten. Der Engweg führte in einen Talkessel hinab, der rings von hohen Felswänden umgeben war, die das Aussehen einer Säge hatten und dem Ort den Namen »die Säge« verliehen. [Die Örtlichkeit der »Säge« glaubt Ch. Tissot (Géographie comparée de la province romaine d'Afrique, Paris, 2 Bde., 1884) in dem Berglande zwischen dem Wed Nebhan und dem Wed el Kebir unweit westlich der Ebene von Kairwan wiedergefunden zu haben. Flaubert nimmt den Ort in der Nähe des Bleiberges an, das ist zwischen dem Berge der Heißen Wasser und dem Zoghwan.] Um die Flüchtigen einzuholen, stürzten die Barbaren nach. In der Tiefe sah man noch andre Karthager, dabei eiligst vorwärts getriebene Ochsen und allerlei lärmendes Getümmel. Auch erblickte man einen Reiter in einem roten Mantel. Das sei der Marschall, hieß es. Mit um so mehr Wut und Freude stürmte man weiter. Einige waren aus Trägheit oder aus Vorsicht am Eingang des Engpasses verblieben. Doch aus einem Gehölz brachen Reiter hervor und jagten sie mit Lanzenstößen und Säbelhieben den andern nach. Bald waren alle Barbaren zwischen den Felsenwänden.

Nachdem die große Menschenmenge eine Weile weiter gewogt war, machte man Halt. Man fand vorn keinen Ausgang.

Die dem Engpaß am nächsten waren, kehrten um, doch auch der Weg dahin war wie verschwunden. Man rief den Vorderen zu, weiter zu marschieren. Diese sahen sich gegen die Bergwand gedrückt und schimpften nun auf die Kameraden hinter sich, daß sie nicht einmal den Herweg wiederzufinden wüßten.

Kaum waren nämlich die letzten Barbaren hinabgestiegen, als Männer, die sich hinter den Felsen versteckt gehalten hatten, große Blöcke mit Balken hoben und umstürzten. Da der Abhang steil war, rollten die gewaltigen Steinmassen bergab und versperrten den engen Eingang vollständig.

Am andern Ende des Felsendomes führte ein langer, vielfach von Klüften durchschnittener Gang durch eine Schlucht wieder zur Hochebene hinauf. Dort befand sich das punische Heer. In diesem Engwege hatte man im voraus Leitern an die Felswände gestellt. Durch die Windungen der Schlucht geschützt, konnte das leichte Fußvolk rasch auf den Leitern emporklettern, ehe es von den Söldnern eingeholt wurde. Einige verliefen sich bis ans Ende der Schlucht. Man zog sie an Seilen herauf, denn der Abhang bestand dort aus losem Sande und war so steil, daß man selbst auf den Knien nicht hinaufklimmen konnte. Die Barbaren langten fast unmittelbar hinter ihnen an. Doch ein sechzig Fuß hohes Drahtgitter, genau dem Hohlraum angepaßt, sauste plötzlich vor ihnen herab, wie ein vom Himmel fallender Wall.

So war die Berechnung des Suffeten geglückt. Keiner von den Söldnern kannte das Gebirge, und die Vorhut der Marschkolonne hatte die übrigen nach sich gezogen. Die Felsblöcke, die nach unten schmaler waren, hatte man mit Leichtigkeit umgestürzt, und während alles vorwärts eilte, hatte das punische Hauptheer in der Ferne ein Geschrei erhoben, als sei es in Not. Allerdings hatte Hamilkar sein leichtes Fußvolk aufs Spiel gesetzt, doch verlor er nur die Hälfte davon. Für den Erfolg einer solchen Unternehmung hätte er auch zwanzigmal mehr geopfert.

Bis zum Morgen drängten sich die Barbaren in geschlossener Ordnung von einem Ende des Talkessels zum andern. Sie betasteten die Hänge mit ihren Händen und suchten einen Ausgang.

Endlich ward es Tag. Da sah man ringsum die hohen weißen, senkrecht aufsteigenden Felswände. Und kein Rettungsmittel, keine Hoffnung! Die beiden natürlichen Ausgänge der Sackgasse waren durch das Drahthindernis und die Felshaufen gesperrt.

Sprachlos blickte man einander an. Keiner hatte noch Mut. Allen lief es eiskalt über den Rücken. Die Lider wurden ihnen schwer wie Blei. Und doch rafften sie sich wieder auf und rannten gegen die Felsen an. Aber die unteren standen durch das Gewicht der darüberliegenden unerschütterlich fest. Man versuchte daran hochzuklettern, um den Höhenzug zu erreichen, aber die bauchige Gestalt der Steinsäulen bot nirgends Stützpunkte. Man wollte den Fels zu beiden Seiten der Schlucht sprengen, aber die Werkzeuge zerbrachen. Aus den Zeltstangen zündete man ein großes Feuer an, aber verbrennen konnte man das Felsgebirge nicht.

Man wandte sich wiederum gegen das Drahthindernis. Es starrte von langen pfahldicken Nägeln, spitzer als die Stacheln eines Igels und dichter als die Borsten einer Bürste. Die Söldner wurden von einer solchen Wut ergriffen, daß sie dagegen anstürmten. Aber die Vordersten wurden bis ins Rückgrat durchstochen, die nächsten prallten zurück, und schließlich stand man allgemein davon ab, Fleischfetzen und blutige Haarbüschel an den entsetzlichen Stacheln zurücklassend.

Als sich die Aufregung etwas gelegt hatte, stellte man fest, wieviel Lebensmittel noch vorhanden waren. Die Söldner, deren Gepäck verloren gegangen war, besaßen kaum noch für zwei Tage Vorrat und die übrigen Truppen überhaupt keinen, da sie auf eine von den Dörfern des Südens versprochene Zufuhr gerechnet hatten.

Noch streiften aber die Stiere umher, die von den Karthagern in die Schlucht getrieben worden waren, um die Barbaren anzulocken. Man tötete sie mit Lanzenstichen und verzehrte sie, und als die Magen gefüllt waren, heiterten sich die Gedanken ein wenig auf.

Am folgenden Tage schlachtete man alle Maultiere, etwa vierzig Stück. Dann zog man die Häute ab, kochte die Eingeweide und zerstieß die Knochen zu Mehl. Noch verzweifelte man nicht. Das Heer in Tunis mußte ohne Zweifel Kunde erhalten und zum Ersatz anrücken!

Am Abend des fünften Tages war der Hunger wieder groß. Man nagte schon an den Lederkoppeln und den kleinen Schwämmen, die im Innern der Helme angebracht waren.

So waren vierzigtausend Menschen in einer Art von Rennbahn zusammengepfercht, rings von hohen Bergwänden umschlossen. Einige blieben vor dem Drahthindernis, andre an den Felsblöcken am Eingang. Die übrigen lagerten ordnungslos im ganzen Talkessel. Die Starken gingen einander aus dem Wege, und die Furchtsamen suchten die Mutigen auf, die ihnen doch auch nicht helfen konnten.

Man hatte die Leichen der punischen Leichtbewaffneten wegen ihrer Ausdünstung sofort verscharrt. Die Grabstellen waren nicht mehr zu erkennen.

Die Barbaren lagerten alle entkräftet am Boden. Nur hier und da schritt ein Veteran durch die Reihen. Man heulte Verwünschungen gegen die Karthager, gegen Hamilkar und sogar gegen Matho, obwohl er an diesem Mißgeschick unschuldig war. Viele bildeten sich jedoch ein, daß die Leiden geringer sein mußten, wenn er bei ihnen wäre. Nun seufzten sie. Manche weinten leise wie kleine Kinder.

Man ging zu den Hauptleuten und bat sie um Linderungsmittel. Die aber antworteten nicht oder griffen wutentbrannt nach Steinen und warfen sie den Leuten ins Gesicht.

Manche bewahrten in Erdlöchern sorgfältig einen kleinen Eßvorrat auf, ein paar Hände voll Datteln und etwas Mehl. Davon aßen sie des Nachts, wobei sie den Kopf unter ihrem Mantel verbargen. Wer ein Schwert besaß, hielt es gezückt in der Hand. Noch Mißtrauischere blieben an die Felswand gelehnt stehen.

Man beschuldigte die Obersten und bedrohte sie. Autarit ließ sich trotzdem ohne Furcht blicken. Mit der Hartnäckigkeit des Barbaren, der vor nichts zurückschreckt, ging er jeden Tag zwanzigmal bis zu den Felsblöcken, immer in der Hoffnung, sie vielleicht verschoben zu finden. Die wiegende Bewegung seiner breiten pelzbedeckten Schultern erinnerte seine Gefährten an den Gang eines Bären, der im Frühjahr aus seiner Höhle hervorkommt, um zu sehen, ob der Schnee geschmolzen ist.

Spendius dagegen verbarg sich mit anderen Griechen in einer der Felsspalten. Er hatte Furcht und ließ das Gerücht verbreiten, er sei gestorben.

Die Söldner waren jetzt alle von erschreckender Magerkeit. Ihre Haut bedeckte sich mit bläulichen Flecken. Am Abend des neunten Tages starben drei Iberer. Ihre entsetzten Gefährten verließen die Stelle. Man entkleidete sie, und die nackten weißen Leiber blieben in der Sonne auf dem Sande liegen.

Da begannen die Garamanten langsam um sie herumzuschleichen. Es waren das Leute, an das Leben in der Wüste gewöhnt, die keinen Gott fürchteten. Schließlich gab der Älteste der Schar ein Zeichen. Die andern beugten sich über die Leichen und schnitten mit ihren Messern Streifen Fleisch heraus. Auf den Fersen hockend, verzehrten sie es. Die übrigen Barbaren sahen von weitem zu. Man stieß Schreie des Abscheus aus, und doch beneideten viele sie insgeheim um ihren Mut.

Einige von ihnen kamen dann mitten in der Nacht näher und baten, ihre Begierde verhehlend, um einen kleinen Bissen, nur um davon zu kosten, wie sie sagten. Kühnere traten hinzu. Ihre Zahl wuchs. Bald war es ein ganzer Haufen. Die meisten ließen jedoch die Hand wieder sinken, als sie das kalte Fleisch an ihren Lippen fühlten. Manche freilich verschlangen es mit Wonne.

Um durchs Beispiel verführt zu werden, munterte man sich gegenseitig auf. Mancher, der das Leichenfleisch anfangs zurückgewiesen hatte, ging zu den Garamanten und kam nicht wieder. Man briet die Stücke an den Schwertspitzen über Kohlenfeuer, salzte sie mit Sand und stritt sich um die besten Bissen. Als von den drei Toten nichts mehr übrig war, schweiften die Augen der Esser über die ganze Ebene, um andre zu erspähen.

Hatte man im letzten Treffen nicht zwanzig Karthager gefangen genommen, die bisher niemand beachtet hatte? Sie verschwanden. Das war obendrein eine Rache! Und da man leben mußte, da sich der Geschmack an solcher Nahrung entwickelt hatte, da man am Verhungern war, so schlachtete man weiterhin die Wasserträger, die Troßknechte und die Burschen der Söldner. Jeden Tag wurden ein paar abgestochen. Manche aßen viel, kamen wieder zu Kräften und waren nicht mehr traurig.

Bald aber versiegte diese Hilfsquelle. Nun wandte sich die Gier auf die Verwundeten und Kranken. Da sie doch nicht wieder gesund würden, sei es besser, sie von ihren Qualen zu erlösen. Sobald ein Mann matt wurde, schrien alle, er sei verloren und müsse den andern als Speise dienen. Um den Tod solcher Unglücklichen zu beschleunigen, wandte man Hinterlist an. Man stahl ihnen den letzten Rest ihrer Nahrung oder trat wie aus Versehen auf sie. Damit man sie für frisch und kräftig halte, versuchten die Sterbenden, die Arme auszustrecken, aufzustehn, zu lachen. Ohnmächtige erwachten bei der Berührung schartiger Klingen, die ihnen ein Glied vom Leibe sägten. Manche mordeten auch ohne Bedürfnis, aus Blutgier, um die Wut zu stillen.

Ein schwerer schwüler Nebel, wie er in diesen Landstrichen gegen das Ende des Winters eintritt, senkte sich am vierzehnten Tage auf das Heer herab. Dieser Witterungswechsel führte zahlreiche Todesfälle herbei, und in der feuchten Hitze, die sich zwischen den Felswänden verfing, vollzog sich die Verwesung mit entsetzlicher Schnelligkeit. Der Sprühregen, der auf die Leichen niederfiel, weichte sie auf und verwandelte den ganzen Talkessel alsbald in eine riesige Aasgrube. Weiße Dünste wogten über ihr, reizten die Nase, durchdrangen die Haut und trübten die Augen. Die Barbaren glaubten den ausgehauchten Odem, die Seelen ihrer toten Kameraden zu spüren. Ungeheurer Ekel ergriff sie. Sie vermochten keine Leiche mehr anzurühren. Lieber wollten sie selber sterben.

Zwei Tage später wurde das Wetter wieder klar, und der Hunger stellte sich von neuem ein. Bisweilen war es den Leidenden, als risse man ihnen den Magen mit Zangen aus dem Leibe. Sie wälzten sich in Krämpfen, steckten sich Hände voll Erde in den Mund, bissen sich in die Arme und brachen in irres Gelächter aus.

Quälender noch war der Durst. Man hatte keinen Tropfen Wasser mehr. Die Schläuche waren seit dem neunten Tage völlig leer. Um den Gaumen zu täuschen, legte man sich die Metallschuppen der Koppeln, die Elfenbeinknäufe und die Klingen der Schwerter auf die Zungen. Ehemalige Karawanenführer schnürten sich den Leib mit Stricken zusammen. Andre saugten an Kieselsteinen. Man trank Urin, den man vorher in den ehernen Helmen erkalten ließ. Und immer noch wartete man auf das Heer von Tunis! Daß es so lange dauerte, bis es eintraf, das war – so bildete man sich ein – eine Gewähr für sein baldiges Erscheinen. Überdies sei Matho ein wackerer Mann, der niemanden im Stiche ließ! »Morgen wird er kommen!« tröstete man sich. Doch das »morgen« verging.

Zu Anfang hatten die Söldner Gebete gesprochen, Gelübde getan, alle möglichen Verschwörungen angewandt. Jetzt aber empfanden sie gegen ihre Götter nur noch Haß, und aus Rache gab man sich Mühe, nicht mehr an sie zu glauben.

Naturen von heftiger Gemütsart kamen zuerst um. Die Afrikaner widerstanden besser als die Gallier. Zarzas lag zwischen seinen Baleariern der Länge nach ausgestreckt, sein Haupthaar über den Arm geworfen. Er rührte sich nicht. Spendins hatte eine Pflanze mit breiten saftreichen Blättern entdeckt und nährte sich von ihr, nachdem er sie für giftig erklärt hatte, um andere davon abzuschrecken.

Man war zu schwach, um durch Steinwürfe die umherfliegenden Raben zu töten. Zuweilen, wenn ein Lämmergeier auf eine der Leichen geflogen war und schon seit einer Weile daran herumhackte, kroch irgendeiner, mit einem Wurfspieß zwischen den Zähnen, an ihn heran, stützte sich auf eine Hand und, nachdem er lange gezielt hatte, schoß er seine Waffe ab. Der weißgefiederte Vogel hielt inne, durch das Geräusch gestört, und blickte ruhig umher wie ein Seerabe auf einer Klippe. Dann hackte er mit seinem scheußlichen gelben Schnabel wieder in die Leiche, und der Schütze sank verzweifelt in den Sand. Manchen gelang es, Chamäleons und Schlangen ausfindig zu machen. Was aber eigentlich am Leben erhielt, das war die Liebe zum Leben. Alles Sinnen und Trachten war ausschließlich auf diesen einen Gedanken gerichtet. Man klammerte sich an das Dasein mit einer Willenskraft, die es verlängerte.

Die Gleichmütigsten hockten hier und dort in dem weiten Tal im Kreise beisammen und überließen sich, in ihre Mäntel gehüllt, schweigsam ihrer Trübsal.

Die in Städten Geborenen vergegenwärtigten sich geräuschvolle Straßen, Schenken und Schauspiele, Bäder und Barbierstuben, wo man Geschichten erzählen hört. Andre sahen in der Abendsonne Landschaften: gelbe Ähren wogten, und große Ochsen trotteten an der Pflugschar langsam die Höhe hinauf. Wüstenwanderer dachten an Oasen, Jäger an ihre Wälder, Veteranen an bestimmte Schlachten, und in der Schlaftrunkenheit, die alle betäubte, gewannen diese Phantastereien die Farben und die Plastik von Träumen. Sinnestäuschungen traten auf. Manche suchten an der Bergwand nach einer Tür, um zu entfliehen, und wollten durch den Fels hindurch. Andre wähnten sich während eines Sturmes zu Schiff und erteilten Befehle an die Matrosen. Andre wieder wichen entsetzt zurück, da sie in den Wolken punische Heerscharen erblickten. Noch andre glaubten bei einem Feste zu sein. Sie sangen.

Viele wiederholten infolge einer seltsamen Geistesstörung immer dasselbe Wort oder dieselbe Gebärde. Wenn sie dann den Kopf erhoben und einander anschauten, erstickten sie beim gegenseitigen Anblick ihrer furchtbar verstörten Gesichter in Tränen. Manche fühlten keine Schmerzen mehr, und um die Zeit zu verbringen, erzählten sie von Gefahren, denen sie entronnen wären.

Allen war der Tod gewiß und nahe. Wie oft hatten sie nicht versucht, sich einen Ausgang zu schaffen! Sollten sie den Sieger um seine Bedingungen bitten! Aber durch welche Vermittlung? Wußte man doch nicht einmal, wo sich Hamilkar befand!

Der Wind blies von der Schlucht her. Rastlos ließ er den Sand in Bächen in das Drahthindernis rieseln. Die Mäntel und das Haar der Barbaren bedeckten sich damit, als ob sich die Erde über sie hinwälze und sie begraben wolle. Nichts rührte sich. Die ewigstarren Berge schienen jeden Morgen noch höher geworden zu sein.

Bisweilen zogen Vogelschwärme raschen Fluges am klaren blauen Himmel über den Eingeschlossenen hin, in der Freiheit der Lüfte. Man schloß die Augen, um sie nicht zu sehen.

Manche verspürten ein Summen in den Ohren. Dann wurden ihre Fingernägel schwarz, und Kälte ergriff die Brust. Sie legten sich auf die Seite und verschieden ohne Laut.

Am neunzehnten Tage waren zweitausend Asiaten, fünfzehnhundert von den Inseln, achttausend Libyer, die Jüngsten unter den Söldnern und ganze Landsmannschaften tot, – insgesamt zwanzigtausend Mann, das halbe Heer.

Autarit, der nur noch fünfzig von seinen Galliern hatte, wollte sich schon töten lassen, um allem Leid überhoben zu sein. Da glaubte er, auf einem Saumpfad hoch in den Felsen einen Mann zu erblicken. Er war so weit entfernt, daß er wie ein Zwerg aussah. Trotzdem erkannte Autarit am linken Arm des Mannes einen kleeblattförmigen Schild.

»Ein Karthager!« schrie er.

Im Nu war in dem Talkessel, von der Drahtsperre bis zu den Felsblöcken, alles auf den Beinen.

Der Karthager schritt an den abschüssigen Hängen hin. Die Barbaren sahen ihm von unten aus zu.

Spendius nahm einen Ochsenschädel auf, krönte ihn um die Hörner mit einer Art Diadem, aus zwei Gürteln hergestellt, und befestigte ihn als Symbol friedlicher Gesinnung an einer Stange.

Der Karthager verschwand. Man wartete.

Endlich am Abend fiel plötzlich von der Felswand ein Bandolier herab wie ein losgelöster Stein. Es war aus rotem Leder, mit Stickereien bedeckt und mit drei Diamantsternen besetzt. In der Mitte trug es ein Siegel mit dem Wappen des Großen Rates: ein Roß unter einem Palmbaum. Das war Hamilkars Antwort, der Geleitbrief, den er ihnen sandte.

Die Söldner hatten im Grunde nichts zu fürchten: jede Änderung ihres Schicksals war wenigstens das Ende der bisherigen Qual. Maßlose Freude ergriff sie. Sie umarmten einander unter Tränen. Spendius, Autarit und Zarzas, vier Italiker, ein Neger und zwei Spartiaten erboten sich zu Unterhändlern. Man erteilte ihnen unverzüglich Vollmacht. Allerdings wußten sie noch nicht, wie sie aus der Enge kommen sollten.

Da erscholl ein Krach in der Richtung der Eingangsschlucht. Der oberste Felsblock wankte und rollte über die andern hinab. Während die Blöcke nämlich auf der Seite der Barbaren unerschütterlich waren, da man sie eine schräge Fläche hätte hinaufschieben müssen – zudem waren sie durch die Enge der Schlucht zusammengedrängt –, so genügte von der andern Seite ein starker Stoß, um sie umzuwerfen. Die Karthager taten dies, und bei Tagesanbruch rollten die Blöcke in die Tiefebene hinunter wie die Stufen einer zerstörten Riesentreppe.

Aber auch so konnten die Barbaren noch nicht ohne weiteres über sie hinweg. Man reichte ihnen Leitern. Alle stürzten sich darauf. Das Geschoß eines schweren Geschützes trieb die Menge zurück. Nur die Zehn wurden durchgelassen.

Sie marschierten zwischen Klinabaren, wobei sie sich mit einer Hand auf den Rücken der Pferde aufstützen durften, sonst hätten sie sich vor Mattigkeit nicht aufrecht halten können.

Nachdem die erste Freude vergangen war, begannen sich die Zehn Sorgen zu machen. Hamilkars Forderungen würden grausam sein! Doch Spendius beruhigte sie:

»Ich werde schon reden!« Und er rühmte sich zu wissen, was zum Heile des Heeres zu sagen dienlich sei.

Hinter jedem Busch bemerkte man versteckt aufgestellte Posten. Beim Anblick des Bandoliers, das Spendius über seine Schulter trug, salutierten die Posten.

Im punischen Lager angelangt, wurde die Gesandtschaft von der Menge umdrängt. Man vernahm Geflüster und Lachen. Eine Zelttür öffnete sich.

Hamilkar saß im Hintergrunde auf einem Schemel neben einem niedrigen Tische, auf dem sein blankes Schwert lag. Offiziere umstanden ihn.

Als er die Unterhändler erblickte, fuhr er zurück. Dann beugte er sich vor, um sie zu betrachten. Ihre Augen waren unnatürlich groß. Breite schwarze Kreise, die bis zu den Ohren reichten, umschatteten sie. Ihre bläulichen Nasen standen spitz und weit ab von den hohlen, tief gefurchten Wangen. Die Haut war für die Körper zu weit geworden und überdies unter einer schiefergrauen Staubkruste kaum zu sehen. Die Lippen klebten an den gelben Zähnen. Ein widerlicher Geruch machte sich bemerkbar, wie aus geöffneten Gräbern, von wandelnden Leichen.

Mitten im Zelt stand auf einer Matte, auf der sich die Offiziere niederlassen sollten, eine Schüssel mit dampfenden Kürbissen. Die Barbaren starrten sie an, am ganzen Leibe schlotternd. Tränen traten ihnen in die Augen. Trotzdem bezwangen sie sich.

Hamilkar wandte sich um, um mit einem der Offiziere zu sprechen. Da stürzten die Zehn über das Gericht her, indem sie sich flach auf den Bauch warfen. Ihre Gesichter tauchten in das Fett, und das Geräusch des Hinterschlingens mischte sich mit dem freudigen Schluchzen, das sie dabei ausstießen. Offenbar mehr aus Verwunderung denn aus Mitleid ließ man sie die Schüssel leeren. Als sie sich wieder erhoben hatten, winkte Hamilkar dem Träger des Bandoliers, zu reden.

Spendius ward ängstlich. Er stotterte.

Hamilkar hörte ihm zu, während er den großen goldnen Siegelring an seinem Finger drehte, mit dem er das Wappen Karthagos auf das Bandolier gedrückt hatte. Er ließ ihn auf die Erde fallen. Spendius hob ihn rasch auf. Vor seinem Herrn und Meister kam sein ehemaliges Sklaventum wieder zum Vorschein. Die andern erbebten vor Entrüstung über diese freiwillige Demütigung.

Jetzt erhob der Grieche die Stimme, wies auf Hannos Übeltaten hin, den er als Feind des Barkas kannte, und suchte Hamilkar durch eine Schilderung der Einzelheiten ihres Elends und durch den Hinweis auf ihre frühere Ergebenheit zu erweichen. Er sprach lange, in rascher, durchtriebener, bisweilen heftiger Weise. Von seinem Enthusiasmus fortgerissen, vergaß er sich schließlich.

Hamilkar erwiderte, er nehme ihre Entschuldigungen an. Es solle also Friede gemacht werden, und diesmal endgültig! Doch verlange er, daß man ihm zehn Söldner nach seiner Wahl ausliefere, ohne Waffen und ohne Kleidung.

Solche Milde hatten sie nicht erwartet.

»O, zwanzig, wenn du willst, Herr!« rief Spendius aus.

»Nein, zehn genügen mir!« antwortete Hamilkar gnädig.

Man ließ die Gesandten aus dem Zelte, damit sie sich beraten konnten. Sobald sie allein waren, sprach Autarit zugunsten der zu opfernden Kameraden, und Zarzas sagte zu Spendius:

»Warum hast du ihn nicht getötet? Sein Schwert lag dicht neben dir!«

»Ihn!« stieß Spendius hervor. Und mehrmals wiederholte er: »Ihn! Ihn!« – als ob das ein Ding der Unmöglichkeit und Hamilkar ein Unsterblicher sei.

Eine solche Mattigkeit überkam alle, daß sie sich mit dem Rücken auf die Erde legten. Sie wußten nicht, wozu sie sich entschließen sollten.

Spendius riet zur Annahme der Bedingung. Endlich willigten sie ein und traten wieder in das Zelt.

Nun legte der Marschall seine Hand der Reihe nach in die Hände der zehn Barbaren und drückte ihnen den Daumen. Hinterher wischte er sich die Hand an seinem Gewand ab, denn die klebrige Haut dieser Menschen verursachte bei der Berührung eine rauhe und zugleich weiche Empfindung, ein fettiges, widerliches Kribbeln. Sodann sprach er zu ihnen:

»Ihr seid also die Obersten der Barbaren und habt als Bevollmächtigte die Bedingung angenommen....«

»Jawohl!« antworteten sie.

»... aus freien Stücken, ohne Arglist, und in der Absicht, die Zusage zu halten?«

Sie versicherten, daß die Bedingung nach ihrer Rückkehr zum Heere erfüllt würde.

»Gut!« sagte der Suffet. »Kraft der Vereinbarung, zwischen mir, Hamilkar Barkas, und euch, den Bevollmächtigten der Söldner, geschlossen, wähle ich euch und behalte euch

Spendius sank ohnmächtig auf die Matte. Die Barbaren drängten sich nach der andern Seite eng zusammen, als hätten sie nichts mit ihm gemein. Kein Wort, keine Klage ward laut.

Die in der Säge Eingeschlossenen, die der Unterhändler harrten und sie nicht zurückkehren sahen, hielten sich für verraten. Offenbar hatten sich die Zehn dem Suffeten ergeben.

Man wartete noch zwei Tage. Am Morgen des dritten ward ein Entschluß gefaßt. Auf Strickleitern, die man aus Lanzen, Pfeilen und Leinwandstücken herstellte, gelang es vielen, die Felsen zu erklimmen. Unter Zurücklassung der Schwächeren machten sich auf diese Weise etwa dreitausend Mann auf, um zu dem Heere in Tunis zu stoßen.

Oberhalb des Felsenkessels dehnte sich Wiesenland, mit kärglichem Gesträuch bewachsen. Die Barbaren verzehrten die Knospen. Dann fanden sie ein Bohnenfeld. Bald war es verschwunden, als wäre ein Heuschreckenschwarm darüber hergefallen. Drei Stunden später gelangte man auf eine Hochebene, die ein Kranz von grünen Hügeln umrahmte.

Zwischen den Hügeln glänzten in gleichen Abständen silberne Bündel. Darunter erblickten die Barbaren, von der Sonne geblendet, undeutliche dicke, schwarze Massen, auf denen diese Bündel lagerten. Mit einem Male entfalteten sie sich, als ob sie aufblühten. Es waren die Lanzen in den Türmen grauenhaft bewaffneter Elefanten.

Außer den Spießen an ihrer Brust, den Eisenspitzen ihrer Stoßzähne, den Erzplatten, die ihre Seiten panzerten, und den scharfen Dolchen an ihren eisernen Kniekappen trugen sie in ihren Rüsseln Lederschlaufen, an denen breite Säbel befestigt waren. Alle Elefanten waren gleichzeitig vom Ende der Hochebene aufgebrochen und rückten von allen Seiten gleichmäßig heran.

Ein namenloser Schreck erstarrte die Barbaren. Sie machten nicht einmal den Versuch, zu fliehen. Schon waren sie umzingelt.

Die Elefanten drangen in die Menschenscharen. Die Spieße an ihrer Brust zerteilten sie. Die Spitzen ihrer Stoßzähne wühlten sie auf wie Pflugschare. Die Säbel an ihren Rüsseln zerschnitten und zerhackten sie. Die Türme mit ihrem Brandpfeilregen glichen wandelnden Vulkanen. Man unterschied nichts als eine breite Masse, in der das Menschenfleisch weiße Flecke, die Erzplatten graue Flächen und das Blut rote Springbrunnen bildete. Die furchtbaren Tiere, die mitten hindurchstampften, gruben schwarze Furchen hinein. Das wütendste wurde von einem Numidier gelenkt, der eine Federkrone auf dem Haupte trug. Er schleuderte Wurfspieße mit gräßlicher Geschwindigkeit und stieß dabei von Zeit zu Zeit einen langen schrillen Pfiff aus. Folgsam wie Hunde, wandten die riesigen Tiere während des Gemetzels fortwährend ihre Blicke nach ihm.

Allmählich verengte sich ihr Kreis. Die kraftlosen Barbaren leisteten keinen Widerstand weiter. Bald waren die Elefanten in der Mitte der Hochebene. Schon hatten sie keinen genügenden Raum mehr. Sie drängten sich und gerieten aneinander. Ihre Hauer berührten sich bereits. Aber Naravas beruhigte sie. Sie machten Kehrt und trabten nach den Hügeln zurück.

Indessen hatten sich zwei Kompagnien Söldner nach rechts in eine Mulde geflüchtet und ihre Waffen weggeworfen. Dort fielen sie in die Knie und streckten die Arme, Gnade flehend, nach den punischen Zelten aus.

Man fesselte sie an Händen und Füßen. Als sie dann nebeneinander auf dem Boden lagen, führte man die Elefanten zurück.

Alsbald krachten die Brustkörbe wie einbrechende Kästen. Jeder Tritt zermalmte zwei Menschen. Die plumpen Füße schlürften über die Leiber hin mit Bewegungen, die aussahen, als hinkten die Tiere. Unaufhaltsam vollendeten sie ihr Werk.

Dann lag die Hochebene wieder still und tot da. Die Nacht brach an. Hamilkar weidete sich am Anblick seiner Rache. Doch plötzlich erbebte er.

Er und alle erblickten zur Linken auf der Höhe eines Hügels auf sechshundert Schritt Entfernung noch andre Barbaren. In der Tat hatten sich vierhundert der tüchtigsten Söldner, Etrusker, Libyer und Spartiaten, von Anfang an in die Hügel zurückgezogen und waren dort bisher unschlüssig verblieben. Nach der Niedermetzlung ihrer Gefährten beschlossen sie, sich durch die Karthager durchzuschlagen. Just marschierten sie nun in einer wohlgeordneten Breitkolonne herab, ein wunderbar schrecklicher Anblick.

Sofort ward ein Herold an sie abgesandt. Der Suffet brauche Soldaten. Er bewundere ihre Tapferkeit so, daß er sie bedingungslos annehme. Sie dürften sogar, fügte der Karthager hinzu, noch etwas näher rücken, bis zu einer Stelle, die er ihnen bezeichnen ließ. Dort fänden sie Lebensmittel.

Die Barbaren begaben sich dorthin und verbrachten die Nacht mit Essen. Da murrten die Karthager über die parteiische Vorliebe des Suffeten für die Söldner.

Gab er in der Folge diesen Äußerungen unersättlichen Hasses nach, oder war sein gesamtes Verhalten eine wohlberechnete Verräterei? Jedenfalls kam er selbst am nächsten Morgen, ohne Schwert, barhäuptig, mit einem kleinen Stabe von Klinabaren zu den Söldnern und erklärte ihnen, er hätte schon allzuviel Leute zu ernähren und beabsichtige darum nicht, sie allesamt zu behalten. Da er jedoch Soldaten brauche und nicht wisse, auf welche Weise er die Tüchtigsten von ihnen ermitteln könne, so sollten sie auf Tod und Leben miteinander kämpfen. Die Sieger wolle er dann in seine Leibwache aufnehmen. Solch ein Tod sei ja so gut wie jeder andre. Dabei zeigte er ihnen, indem er seine Truppen auseinander rücken ließ – denn die punischen Fahnen hatten den Söldnern bisher das verborgen, was weiter hinten stand – : die hundertundzweiundneunzig Elefanten des Naravas, die eine einzige gerade Linie bildeten und mit ihren Rüsseln breite Klingen schwangen. Da ward den Barbaren zumute, als ob Riesenarme Henkersbeile über ihre Köpfe hielten.

Sie blickten einander schweigend an. Nicht der Tod war es, der sie durchzitterte, sondern der furchtbare Zwang, der ihnen angetan ward.

Die Kameradschaft hatte manchen engen Bund zwischen den Söldnern geschaffen. Das Feldlager ersetzte den meisten die Heimat. Da sie ohne Familie lebten, widmeten sie ihr Zärtlichkeitsbedürfnis einem Waffengefährten, mit dem sie Seite an Seite, unter demselben Mantel, im Sternenlichte schliefen. Auch waren bei dem beständigen Wandern durch aller Herren Länder, den gemeinsamen Todesgefahren und Abenteuern seltsame Liebschaften entstanden, unzüchtige Verbindungen, ihnen ebenso ernsthaft wie andern Leuten die Ehe, kraft deren der Stärkere den Jüngeren im Mordgewühl verteidigte, ihm beim Sprung über Abgründe half, ihm den Fieberschweiß von der Stirn trocknete und Nahrung für ihn stahl, während der andere, ein am Straßenrand aufgelesener Bursche, der dann Soldat geworden war, ihm diese Hingabe mit tausend zarten Aufmerksamkeiten und den Gefälligkeiten einer Gattin vergalt.

Sie tauschten ihre Halsketten und Ohrgehänge aus, Geschenke, die sie sich dereinst nach irgendeiner großen Gefahr, in trunkenen Stunden gemacht hatten. Alle verlangten den Tod, keiner wollte ihn geben. Es war da manch ein Jüngling, der zu einem graubärtigen Manne sagte: »Nein, nein, du bist der Stärkere! Du wirst uns rächen! Töte mich!« Und der alte Landsknecht erwiderte: »Ich hab nicht lange mehr zu leben! Stoß mir ins Herz und denk nicht mehr daran!« Brüder blickten sich Hand in Hand an, und Liebende sagten ihren Geliebten auf ewig Lebewohl, indem sie weinend an ihren Schultern hingen.

Man warf die Panzer ab, damit die Schwerter rascher durchdrängen. Da kamen wie Inschriften an Denkmälern die Narben der schweren Wunden zum Vorschein, die sie für Karthago empfangen hatten.

Man ordnete sich in vier gleichgroßen Reihen nach Gladiatorenart und begann zaghaft gegeneinander zu fechten. Manche hatten sich sogar die Augen verbunden, und ihre Schwerter tappten unsicher durch die Luft wie der Stock eines Blinden. Die Karthager stießen ein Hohngeschrei aus und schimpften: »Feiglinge!« Das regte die Barbaren auf, und bald ward der Kampf allgemein, leidenschaftlich und gräßlich.

Bisweilen hielt ein Kämpferpaar blutüberströmt inne, sank einander in die Arme und starb unter Küssen. Keiner wich zurück. Man stürzte in gezückte Klingen. Die Raserei ward so wild, daß die Karthager trotz der Entfernung Angst bekamen.

Endlich rastete der Kampf. Die Lungen keuchten laut, und man erkannte wilde Augen zwischen langem, wirrem Haar, das blutig herabhing, als wär es einem Purpurbade entstiegen. Manche drehten sich rasch um sich selbst wie Panther, die an der Stirn verletzt sind. Andre standen unbeweglich und starrten auf einen Leichnam zu ihren Füßen. Dann zerrissen sie sich plötzlich das Gesicht mit den Fingernägeln, packten ihr Schwert mit beiden Händen und stießen es sich in den eigenen Leib.

Sechzig waren noch übrig. Sie verlangten zu trinken. Man rief ihnen zu, sie sollten die Schwerter wegwerfen. Nachdem sie das getan, brachte man ihnen Wasser.

Während sie tranken und das Gesicht tief in die Gefäße drückten, sprangen sechzig Karthager hinterrücks auf sie zu und erdolchten sie.

Hamilkar ließ dies alles geschehen, um den Gelüsten seines Heeres nachzukommen und es durch diesen Verrat an seine Person zu fesseln.

––––––––

Der Krieg war somit beendet. Wenigstens glaubte man es. Matho würde keinen Widerstand leisten! In seiner Ungeduld befahl der Suffet sofort den Abmarsch. Seine Aufklärer meldeten ihm, sie hätten einen Wagenzug gesehen, der den Weg nach dem Bleiberge verfolge. Hamilkar kümmerte sich nicht darum. Waren erst die Söldner völlig vernichtet, so sollten ihm die Nomaden keine Sorge mehr machen. Die Hauptsache war jetzt die Einnahme von Tunis. In starken Tagesmärschen eilte er dorthin.

Er sandte Naravas nach Karthago, um die Siegeskunde zu überbringen. Stolz auf seine Erfolge, trat der Numidierfürst vor Salambo.

Auf einem gelben Lederkissen ruhend, empfing sie ihn in ihren Gärten unter einer breitästigen Sykomore. Taanach stand neben ihr. Salambos Gesicht war mit einem weißen Schleier bedeckt, der ihr so über Mund und Stirn gewunden war, daß er nur die Augen frei ließ. Aber ihre Lippen leuchteten unter dem zarten Gewebe, ebenso die Edelsteine an ihren Fingern, denn sie trug auch ihre Hände verhüllt. Während des ganzen Gespräches machte sie nicht eine Gebärde.

Naravas berichtete ihr von der Niederlage der Barbaren. Sie dankte ihm mit einem Segensspruche für die ihrem Vater geleisteten Dienste. Darauf begann er den ganzen Feldzug zu erzählen.

Die Tauben in den Palmen um sie herum girrten leise. Haubenlerchen, tartessische Wachteln und punische Perlhühner hüpften im Grase. Der Garten war seit langem vernachlässigt und verwildert. Koloquinten kletterten in die Zweige der Kassien empor. Asklepien wucherten in den Rosenbeeten. Allerlei Gewächse rankten sich durcheinander und formten Lauben. Wie in einem Walde malten die schrägen Sonnenstrahlen da und dort die Schatten der Blätter auf die Erde. Zahme Tiere, die wieder verwildert waren, flohen beim leisesten Geräusch. Bisweilen erblickte man eine Gazelle, an deren zierlichen schwarzen Hufen verlorene Pfauenfedern hingen. Der ferne Lärm der Stadt ertrank im Rauschen der Meereswogen. Der Himmel war tiefblau. Kein Segel leuchtete auf den Fluten.

Naravas hatte auserzählt. Salambo blickte ihn an, ohne zu sprechen. Er trug ein mit Blumen bemaltes Linnengewand mit goldenen Fransen am Saum. Zwei silberne Pfeile hielten sein über den Ohren geflochtenes Haar zusammen. Mit der Rechten lehnte er sich auf den Schaft seiner Lanze, der mit Bernsteinringen und Tierhaarbüscheln geschmückt war.

Wie Salambo ihn so betrachtete, versank sie tiefer und tiefer in lose Gedanken. Der Jüngling mit seiner sanften Stimme und seiner frauenhaften Gestalt bezauberte ihre Augen durch die Anmut seiner Erscheinung. Er erschien ihr wie eine ältere Schwester, von den Göttern zu ihrem Schutze gesandt. Da aber überkam sie die Erinnerung an Matho, und sie konnte der Neugier nicht widerstehen, nach dem künftigen Schicksal des Libyers zu fragen.

Naravas antwortete ihr, daß die Karthager auf Tunis marschierten, um es zu erobern. Je ausführlicher er über die Wahrscheinlichkeit des Gelingens und über Mathos Schwäche sprach, desto mehr schien sie von einem ganz besonderen Wunsche erfüllt. Ihre Lippen bebten, ihre Brust atmete tief. Als Naravas endlich versprach, ihn mit eigener Hand zu töten, rief sie:

»Ja! Töte ihn! Es muß sein!«

Der Numidier entgegnete, auch er wünsche Mathos Tod leidenschaftlich, da der Krieg dann beendet sei und er ihr Gemahl werde.

Salambo schrak zusammen und ließ den Kopf sinken.

Naravas aber fuhr fort und verglich seine Wünsche mit Blumen, die nach dem Regen dürsten, und mit verirrten Wanderern, die des Tages harren. Er sagte ihr, sie sei schöner als der Mond, köstlicher als der Morgenwind und holder als das Antlitz eines Gastes. Er wolle Dinge für sie aus dem Negerlande kommen lassen, die es in Karthago nicht gäbe, und die Gemächer ihres Schlosses sollten mit Goldstaub bestreut werden.

Der Abend nahte. Balsamische Düfte durchwehten die Luft. Die beiden blickten einander lange schweigend an, und Salambos Augen blitzten zwischen ihren breiten Schleiern wie zwei Sterne aus einem Wolkenspalt. Ehe die Sonne verschwand, verabschiedete sich Naravas.

Die Alten fühlten sich von einer großen Sorge befreit, als Naravas Karthago wieder verließ. Das Volk hatte ihm mit noch größerer Begeisterung zugejauchzt, als bei seinem ersten Kommen. Wenn Hamilkar und der Numidierfürst allein über die Söldner triumphierten, so war jeder Widerstand gegen die beiden unmöglich! Daher beschlossen die Gerusiasten, ihren Liebling, den alten Hanno, an der Rettung der Republik teilnehmen zu lassen.

Hanno begab sich unverzüglich nach den westlichen Provinzen, damit die Orte, die seine Schmach erlebt hatten, auch seine Rache sähen. Doch die Einwohner und die Barbaren waren tot, versteckt oder entflohen. Nun ließ er seine Wut an dem Lande aus. Er verbrannte die Trümmer der Trümmer, ließ keinen Baum, keinen Halm stehen, richtete die Kinder und die Kranken, die man aufgriff, unter Martern hin, und gab seinen Soldaten die Weiber preis, ehe er sie morden ließ. Die schönsten wurden in seine Sänfte geworfen, denn seine scheußliche Krankheit reizte ihn zu wilden Gelüsten, die er mit der ganzen Wut eines Verzweifelten befriedigte.

Oft sanken auf dem Kamme der Hügel schwarze Zelte, wie vom Winde verweht, zusammen, und breite Scheiben mit glänzendem Rande, die man als Wagenräder erkannte, rollten mit knarrendem, fast klagendem Laut hinab in die Täler. Auf diese Weise irrten einzelne Stämme, die von der Belagerung Karthagos Abstand genommen hatten, durch die Provinzen und warteten auf eine Gelegenheit, auf einen Sieg der Söldner, um wiederzukommen. Doch aus Furcht oder Hunger schlugen sie schließlich alle den Heimweg ein und verschwanden. Hamilkar war auf Hannos Erfolge keineswegs eifersüchtig. Trotzdem hatte er es eilig, den Krieg zu beenden. Er befahl ihm also, sich auf Tunis zu werfen, und Hanno, der glühende Patriot, fand sich am befohlenen Tage vor den Mauern der Stadt ein.

Sie hatte zu ihrer Verteidigung die eingeborene Bevölkerung, dazu zwölftausend Söldner und alle Esser unreiner Speisen, denn sie standen ebenso wie Matho im Banne Karthagos. Der Pöbel wie der Schalischim betrachteten von fern seine hohen Mauern und träumten von den unendlichen Genüssen, die sie bargen. Bei solchem Einklang im Hasse war der Widerstand rasch ins Werk gesetzt. Man nahm Schläuche, um Helme daraus zu machen, fällte alle Palmen in den Gärten, um Lanzen herzustellen, grub Zisternen und fischte, um Lebensmittel zu haben, am Ufer des Hafen die großen weißen Fische, die sich von Leichen und Abfällen nährten. Die Wälle, die dank der Eifersucht Karthagos in Trümmern lagen, waren freilich so schwach, daß man sie durch einen Stoß mit der Schulter umwerfen konnte. Matho ließ die Löcher und Lücken darin mit den Steinen der Häuser verstopfen. Es galt den letzten Kampf. Er hoffte nichts mehr, und doch sagte er sich, das Glück sei wandelbar.

Beim Anrücken bemerkten die Karthager auf dem Wall einen Mann, der halb über die Brustwehr ragte. Die Pfeile, die ihn umschwirrten, schienen ihn nicht mehr zu schrecken als ein Schwarm von Schwalben. Seltsamerweise traf ihn keins der Geschosse.

Hamilkar schlug sein Lager auf der Südseite der Stadt auf, Naravas besetzte östlich davon das ebene Land um Rades. Hanno nahm eine Stellung nördlich von Tunis, an der Straße nach Karthago ein. Die drei Generale sollten später auf Verabredung die Stadtmauern von allen Seiten zugleich angreifen.

Zuvörderst aber wollte Hamilkar den Söldnern zeigen, daß er sie wie Sklaven zu behandeln gedachte. Er ließ die zehn Gesandten, einen neben dem andern, auf einer Anhöhe im Angesicht der Stadt ans Kreuz schlagen.

Bei diesem Anblick verließen die Belagerten den Wall. Matho erfuhr, daß Hannos Lager nicht genügend gesichert sei und daß daselbst Unordnung und Sorglosigkeit herrsche. Sofort entschloß er sich zu einem kräftigen Ausfall. Dieser gelang so vollkommen, daß Matho die überraschten Karthager über den Haufen warf und, den Flüchtlingen nachdrängend, in das Lager und bis an Hannos Zelt gelangte, der gerade dreißig der vornehmsten Karthager, die gesamte Gerusia, bei sich hatte.

Sichtlich entsetzt über die kühnen Eindringlinge, rief er nach seinen Unterführern. Aber die Barbaren griffen mit zahllosen Händen nach seiner Gurgel und schrien ihn mit Schimpfworten an. Es entstand ein allgemeines Gedränge, und die, die Hanno in den Händen hatten, hielten ihn nur mit großer Mühe fest. Inzwischen suchte er ihnen ins Ohr zu flüstern: »Ich gebe euch alles, was ihr verlangt! Ich bin reich! Rettet mich nur!« Man zerrte ihn fort. So schwer er war, so berührten doch seine Füße den Boden nicht. Die Alten hatte man bereits von ihm fortgerissen.

Sein Schrecken steigerte sich: »Ihr habt mich besiegt! Ich bin euer Gefangener! Ich kaufe mich los! Hört mich, meine Freunde!«

Unter den zahllosen Händen, die sich gegen ihn reckten, wiederholte er immer wieder: »Was wollt ihr? Was verlangt ihr? Ihr seht ja, ich widersetze mich nicht! Ich bin immer gutmütig gewesen!«

Ein riesiges Kreuz stand vor dem Tore. Die Barbaren brüllten: »Hierher! Hierher!« Hanno überschrie sie und beschwor sie bei ihren Göttern, ihn zum Schalischim zu führen, denn er habe diesem etwas anzuvertrauen, wovon ihr Heil abhinge.

Man hielt inne. Einige meinten, es wäre klug, Matho zu rufen. Man eilte, ihn zu suchen.

Hanno sank auf den Rasen. Rings um sich sah er Kreuz an Kreuz, als ob sich die Todesmarter, die ihm bevorstand, im voraus vervielfältige. Er suchte sich einzureden, daß er sich täusche, daß nur ein einziges dastehe, ja, daß überhaupt keins vorhanden sei. Da hob man ihn auf.

»Rede!« sprach Matho.

Hanno erbot sich, Hamilkar auszuliefern. Dann wolle er zusammen mit dem Söldner in Karthago einziehen, beide als Könige.

Matho entfernte sich, indem er ein Zeichen gab, sich zu beeilen. Er hielt den Vorschlag nur für eine List, um Zeit zu gewinnen.

Der Barbar täuschte sich. Hanno war in einer jener verzweifelten Lagen, wo man nichts mehr achtet. Überdies haßte er Hamilkar so sehr, daß er ihn bei der geringsten Hoffnung auf Rettung mit allen seinen Soldaten geopfert hätte.

Am Fuße der dreißig Kreuze lagen die Alten halb ohnmächtig am Boden. Schon waren ihnen Stricke unter die Achseln gelegt. Da begriff der alte Suffet, daß er sterben mußte, und begann zu weinen. Man riß ihm die Reste seiner Kleider vom Leibe, und sein widerlicher Körper kam zum Vorschein. Schwären bedeckten die kaum noch menschliche Gestalt. Die Nägel seiner Füße verschwanden unter den Fettwülsten seiner Beine. An seinen Fingern hing es wie grünliche Lappen, und die Tränen, die zwischen den Eiterbeulen seiner Wangen herabrannen, verliehen seinem Gesicht etwas so entsetzlich Trauriges, daß es aussah, als ob sie hier mehr Raum einnähmen als auf einem andern Menschenantlitz. Seine Hoheitsbinde hatte sich halb gelöst und schleifte mit feinen weißen Haaren im Staube. Man glaubte, nicht genügend starke Stricke zu haben, um ihn am Kreuze emporziehen zu können. Daher nagelte man ihn, ehe das Holz wieder aufgerichtet ward, nach punischem Brauche daran fest. Sein Stolz erwachte im Schmerze. Er begann die Barbaren mit Schmähworten zu überschütten. Er schäumte und wand sich wie ein Meerungeheuer, das man am Strande erschlägt. Er weissagte ihnen, daß sie alle noch viel schrecklicher umkommen und daß er gerächt werden würde.

Er war es bereits. Auf der andern Seite der Stadt rangen die zehn Gesandten der Söldner an ihren Kreuzen mit dem Tode.

Einige, die anfangs ohnmächtig geworden waren, kamen im frischen Winde wieder zu sich. Doch ihr Kinn blieb auf der Brust liegen, und ihr Körper sank ein wenig herab, trotzdem ihre Arme etwas höher als der Kopf angenagelt waren. Von ihren Fersen und Händen rann das Blut in dicken Tropfen hernieder, langsam, wie reife Früchte von den Zweigen eines Baumes fallen. Karthago, der Golf, die Berge und die Ebenen, alles schien sich um sie zu drehen wie ein ungeheures Rad. Bisweilen wirbelte eine Staubwolke vom Boden auf und hüllte sie ein. Fürchterlicher Durst verzehrte sie. Die Zunge klebte ihnen am Gaumen, und sie fühlten einen eisigen Schweiß über ihre Glieder rinnen, während das Leben langsam entfloh.

Unter sich, wie in unendlicher Tiefe, erblickten sie Straßen, marschierende Soldaten, blitzende Schwerter. Schlachtenlärm drang verworren zu ihnen heraus wie das Meeresbrausen zu Schiffbrüchigen, die in den Masten eines Schiffes verschmachten. Die Italiker, kräftiger als die andern, schrien noch laut. Die Spartiaten blieben stumm und hielten die Augen geschlossen. Zarzas, einst so kraftvoll, neigte sich wie ein geknicktes Rohr. Der Äthiopier neben ihm hatte den Kopf rückwärts über den Querbalken des Kreuzes geworfen. Autarit hing unbeweglich und rollte nur die Augen. Sein langes Haar, das sich an einem Spane des Holzes über seinem Haupte festgeklemmt hatte, stand auf feiner Stirn hoch, und das Röcheln, das er ausstieß, klang fast wie Wutgebrüll. Über Spendius war ein seltsamer Mut gekommen. Jetzt verachtete er das Leben, in der Gewißheit, bald für immer erlöst zu sein, und gleichgültig erwartete er den Tod.

Inmitten ihrer Ohnmacht aber erbebten die Zehn bisweilen bei der Berührung von Federn, die ihre Gesichter streiften. Große Fittiche warfen schwankende Schatten über sie. Krächzen ertönte in der Luft, und da Spendius am höchsten Kreuze hing, stieß der erste Geier auf ihn hernieder. Da wandte er sein Antlitz Autarit zu und sagte langsam, mit unbeschreiblichem Lächeln:

»Entsinnst du dich der Löwen am Wege nach Sikka!«

»Das waren unsre Brüder!« erwiderte der Gallier und verschied.

––––––––

Der Suffet hatte von allen diesen Vorgängen nichts bemerkt. Die Stadt vor ihm verdeckte das jenseitige Gelände. Im übrigen war er von Hannos Abteilung nördlich von Tunis durch das Haff und im Westen durch die vor der Stadt sich langhin dehnende Lagune völlig getrennt. Die Offiziere, die er nach und nach an die beiden andern Feldherren abgesandt hatte, waren nicht zurückgekehrt. Jetzt aber kamen Flüchtlinge an, die von Hannos Niederlage berichteten.

Hamilkar begab sich unverzüglich auf einen erhöhten Punkt, um sich über die neue Lage zu vergewissern. Er sah Hannos Lager in Brand, aber ein Windstoß trieb den Rauch auseinander und machte ihm den Blick frei bis zu den Mauern von Karthago. Er glaubte sogar Leute zu erkennen, die auf der Plattform des Eschmuntempels Ausschau hielten. Dann wandte er den Blick mehr nach links und erkannte am Ufer des Haffs die dreißig riesigen Kreuze.

Die Barbaren hatten sie nämlich, um den grausigen Eindruck zu erhöhen, aus aneinandergesetzten Zeltmasten errichtet, und so ragten die dreißig Leichen der Alten hoch in den Himmel. Auf ihrer Brust schimmerte etwas wie weiße Schmetterlinge. Es war das Gefieder der Pfeile, die man von unten auf sie abgeschossen hatte.

An der Spitze des höchsten Kreuzes glänzte ein breites goldenes Band. Es hing auf die Schulter des Gekreuzigten hinab. Der Arm fehlte der Leiche auf dieser Seite. Hamilkar hatte Mühe, Hanno zu erkennen. Die schwammigen Knochen des Gerichteten waren an den Eisennägeln nicht fest hängen geblieben. Teile seiner Gliedmaßen hatten sich losgelöst, und so hingen am Kreuze nur unförmige Bruchstücke, Tierresten ähnlich, die sich Jäger an ihre Türen zu nageln pflegen. [Hanno »der Große« endete nicht vor Tunis. Der vor dieser Stadt von den Söldnern gekreuzigte General hieß Hannibal. Hanno war nicht mit vor Tunis. Nach Appian soll er noch das Ende des zweiten Punischen Krieges erlebt haben. Flaubert wollte die Nennung eines »Hannibal« vermeiden, damit nicht etwa irgend ein Leser irrtümlicherweise an den großen Feldherrn denken könne. Über Hannos Krankheit vgl. Forbes, Oriental Memoirs, London, 1813, passim.]

Das Heer Hamilkars war angesichts dieses unerwarteten Unglücks wie betäubt. Es hörte nicht auf Hamilkars Befehle.

Matho benutzte diese Untätigkeit, sich nunmehr gegen die Numidier zu wenden. Naravas hatte den Ausfall Mathos rechtzeitig bemerkt. Wohl war er mit seinen Reitern und Elefanten nach Südwesten vorgerückt, um Halmikar den Rücken zu decken. Mehr aber tat er nicht. War es aus Hinterlist gegen Hanno oder aus Beschränktheit? Man hat es nie erfahren.

Jetzt geriet er mit Matho ins Gefecht. Die numidischen Elefanten rückten an. Aber die Söldner machten sich Fackeln und rückten, sie schwenkend, in die Ebene vor. Die mächtigen Tiere scheuten und rannten nach rückwärts in den Golf, wo sie um sich schlugen und sich gegenseitig töteten oder unter der Last ihrer Panzer ertranken. Auch seine Reiterei setzte Naravas in Bewegung. Die Söldner warfen sich jedoch mit den Gesichtern auf den Boden, und als die Pferde auf drei Schritt heran waren, sprangen sie ihnen unter die Bäuche und schlitzten sie mit Dolchstoßen auf. Als Barkas endlich herbeikam, war bereits die Hälfte der Numidier gefallen.

Erschöpft, wie sie waren, vermochten die Söldner Hamilkars Truppen nicht Widerstand zu leisten. Sie zogen sich daher in guter Ordnung nach dem Berge der Heißen Wasser zurück. Der Suffet war so klug, sie nicht zu verfolgen. Er gab die Belagerung von Tunis auf und wandte sich nach der Makarmündung.

Die Kadaver der numidischen Elefanten trieben, vom Winde geführt, am Gestade des Golfes hin, wie schwarze schwimmende Inseln. Um den Krieg mit Nachdruck zu unterstützen, hatte Naravas seine Wälder erschöpft. Er hatte die jungen und die alten Tiere, die Männchen und die Weibchen genommen. Diese kriegerische Kraft seines Reiches erholte sich nie wieder.

Das karthagische Volk hatte die Elefanten von weitem umkommen sehn und war untröstlich darüber. Männer jammerten auf den Straßen und riefen ihre Namen wie die verstorbener Freunde: »Ach, der Unbesiegliche! Der Sieg! Der Blitz! Die Schwalbe!« Am ersten Tag sprach man von ihnen mehr als von den gefallenen Bürgern. Doch am nächsten Tage erblickte man die Zelte der Söldner am Berge der Heißen Wasser. Da ward die allgemeine Verzweiflung so groß, daß sich viele, namentlich Frauen, kopfüber von der Akropolis hinabstürzten.

––––––––

Hamilkars Pläne kannte keiner. Er lebte einsam in seinem Zelte. Nur ein kleiner Knabe war um ihn. Niemand aß mit den beiden, nicht einmal Naravas. Gleichwohl bezeigte ihm der Feldherr seit Hannos Niederlage ungewöhnliche Höflichkeit. Der Numidierfürst begehrte zwar nichts sehnlicher denn Hamilkars Schwiegersohn zu werden, aber er war trotzdem mißtrauisch.

Des Marschalls scheinbare Untätigkeit verdeckte in der Tat schlaue Machenschaften und Absichten. Durch allerhand Kunstkniffe gewann er die Dorfältesten und die Söldner wurden gejagt, vertrieben und umstellt wie wilde Tiere. Wenn sie in ein Gehölz kamen, begann es zu brennen, wenn sie aus einer Quelle tranken, war sie vergiftet. Man vermauerte die Höhlen, in denen sie nachts lagerten. Die Nomadenstämme, ihre früheren Mitschuldigen, die bisher auf ihrer Seite gestanden hatten, wurden jetzt die Verfolger der Söldner. Man bemerkte bei diesen Banden stets karthagische Rüstungen.

Viele Barbaren hatten im Gesicht rote Flechten. Man munkelte, das sei durch die Berührung von Hannos Leib entstanden. Andre bildeten sich ein, es wäre die Strafe dafür, daß sie Salambos Fische gegessen hätten. Doch weit entfernt, Reue darüber zu empfinden, sannen sie auf noch abscheulichere Frevel, um die punischen Götter noch mehr zu beschimpfen. Man hätte sie am liebsten ausgerottet.

So zogen die Barbaren drei Monate lang an der Ostküste hin und dann über die Sellumer Berge hinaus bis zum Rande der Wüste. Man suchte einen Zufluchtsort, gleichviel wo. Nur Utika und Hippo-Diarrhyt waren treu geblieben. Doch beide Städte wurden von Hamilkar belagert. Deshalb zog man schließlich auf gut Glück wieder gen Norden, ohne die Straßen zu kennen.

Das lange Elend hatte die Köpfe schwachsinnig gemacht.

Man empfand nichts mehr als eine immer wachsende Erbitterung. Eines Tages waren die Söldner wieder in den Schluchten von Kobus, abermals vor Karthago. [Die Endkämpfe gegen Matho führten Hamilkar und Hanno gemeinsam. Die Entscheidungsschlacht fand in der Nähe von Klein-Leptis statt. Der größte Teil der Söldner fiel. Matho und der letzte Rest seiner Getreuen schlugen sich nach einer – uns namentlich nicht bekannten – Stadt durch, wo sie bald kapitulieren mußten.]

Nun wurden die Treffen häufiger. Das Kriegsglück war wechselnd. Doch Freund wie Feind war derart erschöpft, daß man auf beiden Seiten anstatt dieser kleinen Scharmützel eine große Schlacht herbeiwünschte. Man sehnte sich nach der letzten Entscheidung.

Matho hatte Lust, diesen Vorschlag dem Marschall persönlich zu überbringen. Aber einer seiner Libyer übernahm das Wagnis. Als man ihn abziehen sah, waren alle überzeugt, daß er nie wiederkäme.

Er kehrte noch am selben Abend zurück.

Hamilkar nahm die Herausforderung an. Man sollte sich am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang in der Ebene von Rades treffen.

Die Söldner wollten wissen, ob Hamilkar noch etwas gesagt hätte, und der Libyer berichtete weiter:

»Als ich vor ihm stehen blieb, fragte er mich, worauf ich noch wartete. Ich antwortete: »Daß man mich töte!« Da erwiderte er: »Nein! Geh! Du stirbst morgen mit den andern!««

Diese Großmut verwunderte die Barbaren. Viele waren entsetzt darüber, und Matho bedauerte, daß der Bote nicht getötet worden war.

––––––––

Matho hatte noch dreitausend Afrikaner, zwölfhundert Griechen, fünfzehnhundert Kampaner, zweihundert Iberer, vierhundert Etrusker, fünfhundert Samniter, vierzig Gallier und eine Schar Nassurs, das waren heimatlose Banditen, die er im Dattellande aufgetrieben hatte, insgesamt siebentausend zweihundert und neunzehn Soldaten, aber darunter keine einzige vollständige Kompagnie. Die Truppen hatten die Löcher ihrer Harnische mit den Schulterblättern von Vierfüßlern geflickt und ihre Panzerstiefel durch Sandalen aus Lumpen ersetzt. Kupfer- und Eisenstücke beschwerten ihre Röcke. Ihre Panzerhemden hingen in Fetzen herab, und zwischen den Haaren ihrer Arme und Gesichter liefen die Narben wie Purpurfäden.

Der Zorn ihrer toten Gefährten beseelte sie und vermehrte ihre Kräfte. Sie fühlten dunkel, daß sie Diener eines Gottes waren, der in den Herzen der Unterdrückten waltete, und hielten sich für die heiligen Werkzeuge der allgemeinen Rache. Auch versetzte sie die maßlose Perfidie der Punier in Schmerz und Wut, und ganz besonders der Umriß Karthagos am Horizonte. Man schwur sich zu, bis in den Tod füreinander zu kämpfen.

Man tötete Lasttiere und aß soviel wie möglich, um sich zu stärken. Dann schlief man ein. Manche beteten zu irgend einem Sternenbilde.

Die Karthager langten vor den Barbaren in der Ebene an. Sie hatten die Schildränder mit Öl bestrichen, damit die Pfeile besser abglitten. Die Infanterie, die langes Haar trug, schnitt es sich aus Vorsicht über der Stirn ab. Hamilkar ließ um die fünfte Stunde alle Feldkessel umwerfen, denn er wußte, daß es sich mit überfülltem Magen nicht gut fechten läßt. Sein Heer zählte vierzehntausend Mann, das Doppelte des Barbarenheeres. Trotzdem hatte er nie eine gleiche Unruhe empfunden. Wenn er unterlag, so war die Republik verloren, und er selbst mußte am Kreuze sterben. Siegte er hingegen, so konnte er über die Pyrenäen, Gallien und die Alpen nach Italien gelangen, und das Reich der Barkiden war von ewiger Dauer! Zwanzigmal erhob er sich in der Nacht, um alles bis auf die geringsten Einzelheiten persönlich zu überwachen. Was seine Truppen betraf, so waren sie durch die lange Schreckenszeit arg erbittert. Naravas zweifelte an der Treue seiner Numidier. Zudem konnten die Barbaren siegen. Eine seltsame Schwäche hatte ihn ergriffen. Aller Augenblicke trank er einen großen Becher Wasser.

Da öffnete ein ihm Unbekannter sein Zelt und legte auf den Boden eine Krone aus Steinsalz mit symbolischem Zierat aus Schwefelkristallen und Perlmuttervierecken. Man sandte bisweilen dem Bräutigam solch eine Hochzeitskrone. Das war ein Liebespfand, eine Art Aufforderung.

Dennoch empfand Hamilkars Tochter keine Zärtlichkeit für Naravas. Die Erinnerung an Matho beunruhigte sie in unerträglicher Weise. Es dünkte ihr, als ob der Tod dieses Mannes einen Bann von ihrer Seele nehmen müsse, wie man den Biß einer Giftschlange heilt, indem man sie auf der Wunde zerquetscht. Der Numidierfürst schmachtete nach ihr. Ungeduldig harrte er seiner Hochzeit, und da diese dem Siege folgen sollte, so sandte Salambo ihm dieses Geschenk, um seinen Mut anzufeuern. Da verschwand seine Bangigkeit, und er dachte nur noch an das Glück, ein so schönes Weib besitzen zu sollen.

Der gleiche Traum lockte auch Matho. Aber er bezwang seine Liebe und widmete sich völlig seinen Waffengefährten. Er liebte sie wie Teile seines eigenen Ichs.

Sein Haß beseligte ihn. Er fühlte seine Seele geläutert und seine Arme gekräftigt. Alles, was er auszuführen hatte, stand ihm klar vor Augen. Wenn ihm zuweilen ein Seufzer entschlüpfte, so galt er dem Angedenken des Spendius.

Er ordnete seine Barbaren zu sechs gleichstarken Abteilungen. In die Mitte nahm er die Etrusker, die alle durch eine eherne Kette aneinandergefesselt waren. Hinter ihnen standen die Schützen. Auf die beiden Flügel stellte er die Nassurs, die kurzgeschorene, mit Straußenfedern geschmückte Kamele ritten.

Der Suffet brachte seine Karthager in eine ähnliche Schlachtordnung. Rechts und links von der Phalanx des gepanzerten Fußvolks stellte er die Leichtbewaffneten und die Klinabaren auf, an den Flügeln die Numidier. Als es tagte, standen sich beide Heere in dieser Aufstellung gegenüber und musterten einander von weitem mit großen wilden Augen. Zuerst zauderte man, dann aber setzten sie sich gegeneinander in Bewegung.

Die Barbaren rückten langsam vor, um nicht außer Atem zu kommen. Der Boden dröhnte unter dem Takte ihres Marsches. Die Mitte des punischen Heeres war in einem konvexen Bogen ein wenig vorgeschoben. Es erfolgte ein furchtbarer Zusammenprall, gleich dem Krachen zweier gegeneinander stoßenden Flotten. Die vorderste Linie der Barbaren schloß sich rasch auf. Die dahinter gedeckt stehenden Schützen schleuderten jetzt ihre Kugeln, Pfeile und Wurfspieße. Nunmehr flachte sich der Bogen der karthagischen Mitte allmählich ab. Sie wurde gerade, ja sie bog sich nach innen. Jetzt schwenkten die beiden Massen der Leichtbewaffneten schräg vorwärts wie die beiden Schenkel eines sich schließenden Zirkels. Die Barbaren, im wilden Handgemenge mit der Phalanx, waren nahe daran, in diesen Winkel hineinzugeraten. Das wäre ihr Verderben gewesen. Matho beorderte sie zurück, und während die punischen Leichtbewaffneten in ihrer begonnenen Bewegung verharrten, dirigierte er seine Reserven gegen sie. Dadurch verlängerte sich alsbald sein Zentrum nach beiden Seiten, und seine Stellung erschien um das Dreifache verlängert.

Aber die Barbaren, die an den beiden Enden standen, namentlich die auf dem linken, die bald ihre Pfeile verschossen hatten, waren zu schwach. Als die punischen Leichtbewaffneten gegen sie anstürmten, wurden sie in Unordnung gebracht.

Matho ordnete die Rückwärtsbewegung seines linken Flügels an. Auf dem rechten Flügel hatte er noch die mit Äxten bewaffneten Kampaner. Er warf sie gegen den linken Flügel der Karthager. Sein Mitteltreffen griff ebenfalls wieder an, und der linke Flügel, jetzt außer Gefahr, hielt den Leichtbewaffneten wieder stand.

Nun stellte Hamilkar seine Reiterei in Echelons auf und ließ sie attackieren.

Diese kegelförmigen Massen zeigten in der Front Reiter, während ihre breiteren Flanken von den Lanzen Schwerbewaffneter starrten. Die Barbaren vermochten nicht standzuhalten. Allein das griechische Fußvolk besaß Kürasse und Lanzen, alle andern führten nur Messer, an langen Stangen befestigt. Die weichen Klingen verbogen sich beim Schlagen, und während man sie mit den Stiefelabsätzen wieder geradetrat, machten die Karthager die Wehrlosen von rechts und links mühelos nieder.

Nur die Etrusker, an ihre Kette geschmiedet, wankten nicht. Da die Toten nicht zur Erde fallen konnten, behinderten sie die Lebenden mit ihren Leibern. Die breite, eherne Masse dehnte sich bald aus, bald zog sie sich wieder zusammen, biegsam wie eine Schlange und unerschütterlich wie eine Mauer. Die Barbaren ordneten sich hinter ihr immer wieder, verschnauften ab und zu, und brachen dann wieder hervor, die Stümpfe ihrer Waffen schwingend.

Viele hatten überhaupt keine Wehr mehr. Sie sprangen auf die Karthager los und bissen ihnen ins Gesicht wie Hunde. Die Gallier warfen hochmütig ihre Waffenröcke ab und zeigten von weitem ihre kräftigen weißen Körper oder rissen, um den Feind zu entsetzen, ihre Wunden auf. In den punischen Kompagnien hörte man die Stimme der Signalisten nicht mehr, von denen die Befehle laut ausgerufen wurden. Nur die Standarten, die aus dem Staube ragten, hielten die Verbände einigermaßen zusammen. Der einzelne Mann ward von den Wogen des wilden Getümmels fortgerissen.

Hamilkar ließ den Numidiern den Befehl zur Attacke zugehen. Die Nassurs warfen sich ihnen entgegen.

Sie trugen weite schwarze Gewänder, Haarschöpfe auf dem Wirbel, Schilde aus Rhinozerosleder und schwangen Klingen ohne Griffe, die an einem Strick befestigt waren. Ihre über und über mit Federn gespickten Kamele stießen langgedehnte heisere Gluckser aus. Die Klingen trafen genau ihr Ziel, fuhren mit kurzem Ruck zurück, und das getroffene Glied fiel herab. Die wildgewordenen Tiere galoppierten mitten durch die Kompagnien. Einige, denen ein Bein zerschmettert worden war, hüpften wie verwundete Strauße.

Das gesamte punische Fußvolk warf sich jetzt von neuem auf die Barbaren und durchbrach ihre Linien. Die auseinandergesprengten Züge wirbelten um sich selbst, und die glänzenden Kürasse und Waffen der Karthager umschlossen sie wie goldene Ringe, in deren Mitte wildes Gewühl herrschte. Die Sonne warf zuckende weiße Lichter auf die Spitzen der Schwerter. Ganze Reihen von Klinabaren lagen in der Ebene niedergestreckt. Die Söldner rissen ihnen die Rüstungen ab, legten sie selbst an und stürzten sich wieder in den Kampf. Dadurch getäuscht, rannten manche Karthager unter sie. Große Bestürzung ergriff die Punier. Sie wichen allenthalben zurück, und das Siegesgeschrei, das in der Ferne erscholl, trieb sie hin und her, wie Schiffstrümmer der Sturm. Hamilkar war in Verzweiflung. Alles drohte dem Genie Mathos und dem unüberwindbaren Mute der Söldner zu erliegen.

Da erscholl lauter Trommelschlag in der Ferne. Es war eine Schar von Greisen, Kranken, fünfzehnjährigen Kindern, ja selbst Frauen, die ihre Angst nicht länger bezwingen konnten und von Karthago aufgebrochen waren. Um sich unter den Schutz von etwas Furchtgebietendem zu stellen, hatten sie aus Hamilkars Tierpark den einzigen Elefanten mitgenommen, den die Republik noch besaß. Es war der, dessen Rüssel abgehauen worden war.

Da schien es den Karthagern, als ob die Vaterstadt ihre Mauern verlassen habe und zu ihnen käme, um ihnen zu gebieten, für die Heimat zu sterben. Ungeheure Wut ergriff sie, und ihr Fanatismus riß alle übrigen mit fort. Die Barbaren hatten sich mitten in der Tiefebene mit dem Rücken an einen Hügel gestellt. Sie hatten keine Hoffnung mehr auf Sieg, nicht einmal auf ihr Leben. Aber dieser Rest bestand aus den besten, unerschrockensten und stärksten Leuten.

Der karthagische Landsturm begann Bratspieße, Spicknadeln und Hämmer zu schleudern. Männer, vor denen römische Konsuln gezittert, starben nun unter Knüppeln in Weiberhänden. Der punische Pöbel vernichtete die Söldner mit Stumpf und Stiel.

Die Letzten zogen sich schließlich auf den Gipfel des Hügels zurück. Nach jeder neuen Lücke schloß sich ihr Kreis wieder. Zweimal brachen sie vor. Ein Gegenstoß warf sie jedesmal wieder zurück. Der Karthager waren zu viele. Die Hintenstehenden steckten ihre Lanzen zwischen den Beinen ihrer Kameraden durch und stießen aufs Geratewohl zu. Man glitt vor Blut aus. Die Toten rollten den steilen Abhang hinab und umtürmten den Elefanten, der den Hügel erklimmen wollte, bis an den Bauch. Es hatte den Anschein, als stampfe er mit Wonne auf ihnen herum, und sein Rüsselstumpf erhob sich von Zeit zu Zeit wie ein riesiger Blutegel.

Dann trat eine allgemeine Pause ein. Die Karthager schauten zähneknirschend zu dem Hügel empor, wo die Barbaren standen.

Endlich stürzten sie wiederum wild vor, und das Kampfgetümmel begann von neuem. Mehrfach ließen die Söldner sie dicht herankommen, indem sie ihnen zuriefen, sie wollten sich ergeben. Dann aber töteten sie sich selber mit entsetzlichem Hohngelächter, und je mehr fielen, desto höher stiegen die übrig bleibenden Verteidiger. Es war, als wachse allmählich eine Pyramide auf. Bald waren ihrer nur noch fünfzig, dann zwanzig, dann drei, und schließlich nur noch zwei: ein Samniter, mit einer Axt bewaffnet, und Matho, der noch sein Schwert besaß.

Knieend hieb der Samniter mit seiner Waffe nach rechts und links. Dabei warnte er Matho vor den Schlägen, die man gegen ihn führte:

»Achtung, Herr! Dort! Da!«

Matho hatte Schulterschutz, Helm und Küraß verloren. Er war vollständig nackt und bleicher als die Toten um ihn herum. Das Haar stand ihm in die Höhe, und zwei Schaumstreifen flossen aus seinen Mundwinkeln. Sein Schwert kreiste mit solcher Schnelligkeit, daß es ihn mit einem Strahlenkranz umgab. Ein Stein zerschmetterte es am Griff. Der Samniter war gefallen, und die Flut der Karthager umbrandete nun den letzten der Söldner und kam dicht an ihn heran. Da hob er seine beiden leeren Hände gen Himmel, schloß die Augen und stürzte sich mit ausgebreiteten Armen in die Lanzen, wie ein Mensch, der sich von einem Vorgebirge ins Meer wirft.

Man wich ihm aus. Mehrmals rannte er gegen die Karthager an. Doch immer wieder gaben sie ihm Raum und wandten ihre Waffen ab. Mathos Fuß stieß gegen ein Schwert. Er wollte es ergreifen. Da fühlte er sich an Händen und Füßen gefesselt und fiel zu Boden.

Naravas war ihm seit einiger Zeit auf Schritt und Tritt mit einem jener großen Netze gefolgt, mit denen man wilde Tiere fängt. Indem er den Augenblick benutzte, wo Matho sich bückte, hatte er es ihm übergeworfen. Nun band man ihn auf dem Elefanten fest, mit kreuzförmig weit ausgespreizten Gliedern. Alle Unverwundeten begleiteten ihn im Sturmschritt, unter mildem Lärm nach Karthago.

Die Siegesnachricht war dort unerklärlicherweise schon in der dritten Nachtstunde eingetroffen. Die Wasseruhr am Khamontempel zeigte die fünfte Stunde, als man Malka erreichte. Da schlug Matho die Augen auf. Auf den Dächern der Häuser schimmerten so viele Lichter, daß die Stadt in Flammen zu stehen schien.

Ungeheures Getöse drang ihm verworren entgegen. Er lag auf dem Rücken und betrachtete die Sterne.

––––––––

Dann schloß sich eine Tür, und Finsternis umhüllte ihn.

Am nächsten Tag um die nämliche Stunde starb der letzte von denen, die in der »Säge« zurückgeblieben waren.

An dem Tage, wo ihre Gefährten abmarschiert waren, hatten heimziehende Zuaesen die Felsen weggerollt und die Barbaren auf kurze Frist ernährt.

Man wartete immer noch auf Mathos Erscheinen und wollte den Ort nicht verlassen, aus Mutlosigkeit und Ermattung, auch aus jenem Eigensinn, mit dem sich Kranke weigern, den Platz zu wechseln. Schließlich aber waren die Nahrungsmittel aufgezehrt und die Zuaesen weitergezogen.

Die Punier wußten, daß höchstens noch dreizehnhundert Mann von den Söldnern übrig waren. Um ihnen ein Ende zu bereiten, bedurfte man keiner Soldaten.

Die wilden Tiere, besonders die Löwen, hatten sich seit den drei Jahren, die der Krieg währte, vermehrt. Naradas hatte eine große Treibjagd veranstaltet, wobei er in bestimmten Abständen Ziegen an Pfähle gebunden und damit die Bestien in die Säge gelockt hatte. Dort hausten sie noch, als ein Kundschafter der Alten ankam, um festzustellen, was von den Barbaren noch übrig sei.

Auf der ganzen Ebene lagen Löwen und Leichen. Tote, Waffen und Kleider bildeten eine einzige Masse. Fast allen Leichnamen fehlte der Kopf oder irgendein Glied. Wenige nur sahen unversehrt aus, manche waren zu Mumien ausgedörrt. Staubbedeckte Schädel grinsten aus Helmen. Fleischlose Füße sahen aus Beinschienen hervor. Skelette trugen noch Mäntel, und gebleichte Gebeine leuchteten wie helle Flecken im Sande.

Die Löwen ruhten mit der Brust und ihren vorgestreckten Vordertatzen auf dem Boden. Geblendet vom Sonnenlicht, das grell von den weißen Felsen zurückstrahlte, blinzelten sie. Andre saßen auf den Hintertatzen und starrten vor sich hin. Wieder andre schliefen, zu Knäueln zusammengerollt, halb verdeckt von ihren dichten Mähnen. Alle sahen übersättigt, träge und gelangweilt aus. Unbeweglich lagen sie wie das Gebirge und die Toten. Die Nacht sank herab. Breite rote Streifen flammten im Westen am Himmel.

Aus einem der unregelmäßig über die Erde verstreuten Haufen erhob sich eine Gestalt, undeutlich wie ein Gespenst. Einer der Löwen schritt ihr entgegen. Sein Riesenkörper hob sich als schwarzer Schatten vom purpurroten Himmelsgrund ab. Als er dem Manne ganz nahe war, schlug er ihn mit einem Schlag seiner Tatze zu Boden.

Dann legte er sich lang auf ihn nieder und zerrte mit seinen Zähnen langsam die Eingeweide heraus. Nach einiger Zeit öffnete er seinen Rachen in ganzer Weite und stieß mehrere Minuten hindurch ein langes Gebrüll aus, dessen Echo die Berge zurückwarfen, bis es schließlich in der Einöde verhallte.

Plötzlich rollten kleine Steine von der Höhe herab. Tritte huschten über den Boden. Von der Schlucht und der Drahtsperre her tauchten spitze Schnauzen und große Stehohren auf. Fahlrote Augäpfel funkelten. Das waren die Schakale, die herbeischlichen, die Überreste zu verzehren.

Der Karthager, der das, über den steilen Rand der Halde herabgebeugt, sah, machte sich auf den Heimweg.

 << Kapitel 14  Kapitel 16 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.