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Sagen aus Tirol

Ignaz Zingerle: Sagen aus Tirol - Kapitel 40
Quellenangabe
titleSagen aus Tirol
authorIgnaz Vinzenz Zingerle
typelegend
year1891
publisherVerlag der Wagnerschen Buchhandlung
created20010426
senderanonymus@abc.de
modified20171101
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Willeweiß

Als der wilde Mann in Welschnofen sein Unwesen trieb, lebte dort ein Weiblein, das Willeweiß, hieß. Sie lebte beim Geiger auf Kar, einem einschichtigen Gehöfte, abseitsvom Thale. Wenn morgens auf dem Herde aufgefeuert wurde, saß sie am Feuer, redete nicht,deutete nicht, – und alle hatten Scheu vor dem kleinen grauen Wesen. Längst wäre man dasstille Weiblein losgeworden, – aber alles war umsonst. Da kam einmai ein frommer Kapuzinerzum Hofe und gab guten Rath. Er sagte zur Bäuerin, sie solle nachts Eier aufschlagen undderen Schalen auf den Herd stellen. Sie that es. Des Morgens kam die Willeweiß, und alssie die Schalen sah, sagte sie:

»Ich bin ein alter Narr,
ich gedenk in Kar
Neunmal Wies und neunmal Wald,
Das Reiterjoch ein Goldwurzel,
Die Plengger Lammer ein Messerkling,
Die Rotwand ein Kinderhand,
Den Schlern als ein Nußkern,
Aber so viel Hafelen auf einem Herd,
Hab' ich meiner Lebtag noch nicht geseh'n!«

Mit diesen Worten zog sie aus Küche und Hof und war für immer verschwunden. (Welschnofen.)

 


 

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