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Sagen aus Tirol

Ignaz Zingerle: Sagen aus Tirol - Kapitel 33
Quellenangabe
titleSagen aus Tirol
authorIgnaz Vinzenz Zingerle
typelegend
year1891
publisherVerlag der Wagnerschen Buchhandlung
created20010426
senderanonymus@abc.de
modified20171101
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Die Hollenleut

Die Hollenleut sind unächte Kinder Adams, die er verheimlichen wollte, und deßhalb bleiben sie den Menschen meist unsichtbar. Auf dem Stein, einem Bauernhofe ob dem Wasserfall, wareinmal eine gar eifrige und zu jeder Arbeit geschickte Dienstmagd. Da fuhr der Bauer miteinem hinkenden Roß von Lienz durch den Klauswald heim und hörte von der Zoppitwand herrufen: »Praus mit dem krumpen Rauß (Roß), sag' deiner Dirne: Sagload, dein Mutter istPulver und todt.«

Am nächsten Morgen erzählte der Bauer dies Begebniß und die Magd fieng heftig an zu weinen und sagte: »Ich muß gehen, meine Mutter ist todt.« Beim Abschiede gab sie derBäuerin einen Zwirnknäuel mit den Worten: »Sag nie, der Zwirn werde nicht gar.« – DieBäuerin hatte lange den Knäuel und er wurde nicht kleiner, so viel sie auch davonabwickelte. Einmal gab sie ihn der Näherin und als diese Faden auf Faden von ihm nahm,ohne daß man es merkte, rief sie verwundert aus: »Der Zwirn wird gar nimmer gar«, undsogleich war das Garn zu Ende.

Auf dem Hinteregger Berge verfolgte ein Jäger eine Gemse. Da erschien ein Hollenweibchen und rief: »Schieß mir mein Geißlein nit, schieß mir mein Geißlein nit!« und derJäger ließ das Thier laufen.

Einmal wurde ein Hollenweibchen vom wilden Manne verfolgt. Da lief es zu einem Mäher und bat ihn, es in seine Messerscheide schlüpfen zu lassen. Er erlaubte es,und das Weibchen war gerettet. Früher wurden drei Kreuze in die Baumstöcke gehauen,damit die Hollenweibchen sich darauf setzen könnten und so von dem wilden Mannesicher wären. (Windisch-Matrei.)

 


 

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