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Sagen aus Tirol

Ignaz Zingerle: Sagen aus Tirol - Kapitel 27
Quellenangabe
titleSagen aus Tirol
authorIgnaz Vinzenz Zingerle
typelegend
year1891
publisherVerlag der Wagnerschen Buchhandlung
created20010426
senderanonymus@abc.de
modified20171101
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Die Salingen

1.

Die Frauen, welche die »Salingen« heißen, tanzen und singen gerne. Den Guten sind sie hold, denBösen gram. Auf »Mühlegg« und bein »Taufnerbrünnel« tanzten die Salingen am liebsten.Sie waren prächtig gekleidet und sangen wunderschön zum Tanze. Da hätten die Bursche,die dies sahen, wohl auch gerne mitgetanzt, aber nur ganz braven wurde dies Glück zu Theil.Kamen Bursche, die schon Liebschaften hatten, in die Nähe, verschwanden die Frauen auf derStelle. Auf der »Zingler- und Mittagsspitze« erschienen solche Frauen oft und lockten dasweidende Vieh. War der Hirt ohne eine Liebschaft, so führten sie das Vieh auf guteWeideplätze und es nahm zusehends auf; hatte aber der Hüter kein reines Herz, verlockten sie dieKühe, daß man sie abends weit und breit suchen mußte. – Einmal verirrten sichdrei Bursche, die auf Wanderschaft gehen wollten, am Tage ihrer Abreise im Walde unter »Frawort«und fanden ein großes Feuer. Sie setzten sich daran und wohl that ihnen die Wärme in derkalten Herbstnacht. Wie sie behaglich von ihrer Reise und ihren Entwürfen plauderten, kamen, -es gieng schon gegen Mitternacht, – drei wunderschöne Frauen, setzten sich zu ihnen undversprachen, sie glücklich zu machen, wenn sie das, was sie ihnen geben würden, binneneinem Jahre keinem Weibsbilde zeigen oder geben würden. Da bekam jeder ein goldenes Ringleinund dankend schieden sie, als der Morgen annahte, von den Salingen. Allein, wie es auf derWanderschaft geht, die Bursche fanden Mädchen, die ihnen gefielen, und gaben diesen diekostbarenGeschenke der Frauen. Heimgekehrt, hatten sie nie mehr das Glück, eine solcheFrau zu sehen, und kein guter Stern leuchtete ihnen. (Aichleit.)

2.

Einige Mädchen von Aichleit waren auf dem Felde und sahen ein Seil spannen vom »Unterkreßbrunn« bis zur »Rast«. Voll Staunen standen sie still und schauten, wer das thue. Bald kamen drei wunderschöne Frauen und hängten blühendweiße Wäsche auf. Da dachten sich die armen Dirnen: »Mein Gott, haben diese Frauen so viele und schöne Wäsche. Davon könntensie uns wohl etwas schenken!« und giengen zu den Frauen und baten um ein Kopftuch. Sie wurdenvon den Salingen freundlich empfangen und ermahnt, fleißig zu spinnen. Thäten sie dies,würde jedes Mädchen ein schönes Tuch bekommen. Allein, während die Frauen mitihnen huldvoll sprachen, wollte eine Dirne ein Stück Wäsche entwenden und blitzschnellwaren »Salinge« und Wäsche verschwunden. (Aichleit.)

 


 

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