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Sagen aus Tirol

Ignaz Zingerle: Sagen aus Tirol - Kapitel 26
Quellenangabe
titleSagen aus Tirol
authorIgnaz Vinzenz Zingerle
typelegend
year1891
publisherVerlag der Wagnerschen Buchhandlung
created20010426
senderanonymus@abc.de
modified20171101
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Die Salingen in den Wäschfratten

In den »Wäschfratten« hielten sich die Salingen am liebsten auf, bis endlich die Knappendort einzogen und die Frauen mit ihrem Lärm vertrieben. Als die Saligen noch dort wohnten, sah einmal ein braver Bursche die schönen Frauen und verliebte sich in die jüngste. Erschlich sich nun oft in die »Wäschfratten« und endlich glückte es ihm, daß die Frauenihn ansprachen und freundlich aufnahmen. Er kam nun öfters mit ihnen zusammen undeinmal faßte er den Mut, teilte der jüngsten seine Liebe mit und sagte, wenn sie ihnnicht möge, müsse er bald sterben. Da trösteten ihn die Frauen und die jüngste mahnteihn zur Geduld. Später sagte sie ihm ihre Hand zu mit den Worten: »Ich will deine Brautwerden, weil du so brav bist, aber du mußt, um mich abzuholen, einen Wagen nehmen, der mit einem schwarzen und einem weißen Ochsen bespannt ist, und jeden mußt du täglich mit drei schwarzen und drei weißen Bohnen füttern. Dann kannst du in der und der Nacht kommen und mich heimführen.« Aber Eines muß ich dir noch sagen: »Du mußt mich mit über das Bett heraushangenden Haaren schlafen lassen. Würdest du nur einmal meine Haare in's Bett legen, trifft Unglück mich und dich.«

Er versprach ihr fest und heilig, ihren Wunsch stets zu erfüllen, that nach ihrem Gebote und holte sie in der bestimmten Nacht mit dem befohlenen Gespann ab. Sie wurde nun sein Weib und eine schönere Bäuerin war auf Gottes Erdboden nicht zu finden. Glück und Segen waren aber mit ihr in Haus und Hof eingezogen. Wenn sie schlief, hiengen ihre goldfarbigen Haare über den Bettrand hinunter, so daß sie den Boden berührten. So lebten sie lange glücklich und zufrieden und ihre Ehe war mit allerliebsten Kindern gesegnet. In einer Nacht aber, als das goldblonde Haar des Weibes gar schön im Mondscheine glänzte, kam dem Manne der Gedanke: »Was würde sie thun, wenn ich ihr Haar hereinzöge und es auf das Kissen legte?« – Er that es. Da sprang die Frau weinend und jammernd auf und eilte in den Wald. Sie war für ihn verschwunden. Nur, wenn der Mann abwesend war, kam sie in das Haus, ihre Kinder zu besuchen und zu kämmen. Als dies der Bauer merkte, blieb er versteckt zu Hause und wollte sein Weib fangen, allein es verschwand vor seinen Augen und ließ sich nie mehr sehen, und über Haus und Hof kam Unglück über Unglück, – nur die Kinderhatten Segen. (Aichleit.)

 


 

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