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Sagen aus Tirol

Ignaz Zingerle: Sagen aus Tirol - Kapitel 22
Quellenangabe
titleSagen aus Tirol
authorIgnaz Vinzenz Zingerle
typelegend
year1891
publisherVerlag der Wagnerschen Buchhandlung
created20010426
senderanonymus@abc.de
modified20171101
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Stampa

Stampa geht in der Gegend von Nassereith um und sucht Kinder und Wöchnerinnen zu entführen. Deßhalb müssen die Männer auf ihre Frauen und die neugeborenen Kinder wohlacht haben und dabei wachen. Einmal – es sind etwa sechzig Jahre her – wachte ein Mannbei seinem Weibe, das in dem Wochenbett lag. Plötzlich hörte er die Stampa kommen undschrie: »Weib, die Stampa ist da!« Wirklich sah er auch ihren Roßkopf. Sie floh, jedochohne Schaden anzurichten fort, weil der Mann gewacht hatte. Dies hat sich im Weiler Dormitzzugetragen. – Eines Abends befand sich in einer Bauernstube zu Nassereith ein Kindallein. Da schaute Stampa zum Fenster hinein, nahm das Kind und trug es fort, mußtees aber unter einem Baume liegen lassen, unter dem das Wasser, in dem man das Kindnach der Taufe gebadet hatte, ausgeschüttet war. Es ist das überhaupt der Fall, daß Stampadas Taufwasser scheut und an Orten, wo nur ein Tropfen davon haftet, die Gewalt verliert.Stampa schaut wie ein gespenstisches Weib aus, hat jedoch einen Roßkopf, den sie nichtselten zum Fenster hineinsteckt. – Manchmal erscheint sie mit einer langen Nase.Darauf hat folgendes Bezug: Wie sie wieder einmal umgieng, fand sie einen Schuster nochspät abends arbeiten. Sie schaute nun in die Stube hinein und fragte: »Schuster, wiegefällt dir meine lange Nase?« Der Schuster war nicht faul, nahm den Leisten,hielt ihn dem Gespenst vor und that die Gegenfrage: »Stampa, wie gefällt dirmein Leisten?« Da eilte Stampa lachend davon. Vorzüglich soll Stampa um Weihnachtenumgehen. (Nassereith.)

 


 

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