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Sagen aus Tirol

Ignaz Zingerle: Sagen aus Tirol - Kapitel 133
Quellenangabe
titleSagen aus Tirol
authorIgnaz Vinzenz Zingerle
typelegend
year1891
publisherVerlag der Wagnerschen Buchhandlung
created20010426
senderanonymus@abc.de
modified20171101
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Das Fräulein auf der Hochburg

Bei Lans liegt die längstzerfallene Hochburg, in der heutzutage noch ein Schatz liegt. Ein Fräulein mit einem Schlüsselbund erscheint bisweilen dort und winkt freundlich, wenn der Schatz blüht. Als in einer Christnacht ein Mädchen mit ihrer Nahnl in einem naheliegenden Hofe allein zu Hause wachte, löschte plötzlich das Licht aus. Da sie trotz alles Suchens das Feuerzeug nicht finden konnte und in der Asche auch kein Funke mehr glomm, sprach die Alte: »Geh' zum Nachbar hinüber und hole in der Laterne Licht« Das Kind folgte, gieng auf's Licht zu und kam in's Schloss, das wie neugebaut da stand. Verdutzt stieg es die Treppe hinauf und fand im Saale ein schönes Fräulein, das am Kamine sass, in dem viele Kohlen glühten. Das Fräulein winkte freundlich, nahm eine Schaufel voll Kohlen und wollte sie dem Mädchen in die Schürze schütten. Da rief das Kind voll Schrecken: »Mein Gott, sie verbrennen mir ja das Fürtuch.« Augenblicklich war das Schloss verschwunden und in der Tiefe jammerte und klingelte es. Das Mädchen liess vor Schrecken die Kohlen fallen und lief athemlos nach Hause, wo sie alles der Nahnl erzählte.

»O du ungeschicktes Madl!« rief sie aus, »hättest du die Kohlen genommen, wär das Fräulein erlöst und der Schatz dein gewesen. Jetzt muss das arme Fräulein wieder hundert Jahre auf seine Erlösung warten und du bist keinen Kreuzer reicher.« (Bei Innsbruck.)

 


 

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