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Sagen aus Tirol

Ignaz Zingerle: Sagen aus Tirol - Kapitel 10
Quellenangabe
titleSagen aus Tirol
authorIgnaz Vinzenz Zingerle
typelegend
year1891
publisherVerlag der Wagnerschen Buchhandlung
created20010426
senderanonymus@abc.de
modified20171101
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Der Pestreiter

Wenn man von Kaltern aus durch die Weinberge nach dem Dorfe Oberplanitzing geht, kommt man 300 Schritte vor dem Dorfezu den sogenannten Gräbern. Ein kleines, hölzernes Bildstöcklein, in demstatt des Bildes einige gebleichte und halbvermoderte Gebeine zu sehen sind, bezeichnet besagteStelle, von der man verschiedene Sagen erzählt.

Macht ein einsamer Wanderer diesen Berg zur Nachtszeit und hat er die Karneller-Lahn überschritten, so hört er plötzlich hinter sich das Gestampfe und Geschnaube eineswild daher galoppirenden Pferdes. Er mag langsam oder schnelle gehen, das unheimlichePferd folgt ihm. Blickt er um, so sieht er einen großen Schimmel,auf dem ein schwarzer, kopfloser Reiter sitzt. Scheint der Mond, so kann man bemerken, daßRoß und Reiter keinen Schatten werfen. Die Erscheinung folgt bis zu den Gräbernund dann stößt sie einen tiefen Seufzer aus und verschwindet. Geht man vonOberplanitzing nach Kaltern, so erscheint der Reiter bei den Gräbern und verschwindetbei der Karneller Lahne. Fragt man einen alten fachkundigen Mannum Bedeutung dieser Erscheinung, so hört man folgende Sage.

Vor vielen, vielen Jahren wüthete in Kaltern und seiner Umgebung die Pest auf eine fürchterliche Weise, nur Oberplanitzing blieb von der schrecklichen Seuche verschont.Das hörte ein schadenfroher Kalterer, der sich von der Pest angesteckt fühlte, undbeschloß die Sterblichkeit auch in Oberplanitzing zu verbreiten. Er sattelte sein Pferd undsprengte dem besagten Dorfe zu. Als er aber zu den Gräbern gekommen, sank er vom Pferde und rang mit dem Tode. Das reiterlose Pferd rannte vorwärts und kam in das Dörflein.Die Einwohner wurden dadurch neugierig gemacht, woher etwa das Pferd gekommen sei, und suchtendie Straße auf und ab, bis sie zum sterbenden Reiter kamen. Sie standen ihm im Tode beiund begruben ihn bei den Gräbern. Am nämlichen Tage noch brach im Dorfe Oberplanitzing diePest aus und es war des Sterbens kein Ende, bis das ganze Dorf beinahe entvölkert war.Die Todten wurden an der Stelle begraben, wo der Reiter verschwindet. (Kaltern.)

 


 

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