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Saat auf Hoffnung

Paul Ernst: Saat auf Hoffnung - Kapitel 5
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typefiction
authorPaul Ernst
titleSaat auf Hoffnung
publisherGeorg Müller
year1919
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Fünftes Kapitel

Herr Steinbeißer ging mit Kurt zum Förderschacht. Ein heftiger Sturm wehte in den hohen Buchen; sich reibende Zweige knarrten, trockenes Holz brach ab und stürzte nieder, Blätter wirbelten und sanken. Wie die beiden in das Gaipelhaus traten, kam ihnen der Aufseher entgegen und begrüßte sie; sie sahen, wie er mit verlegenem Gesichtsausdruck ein Neues Testament in die Tasche steckte.

Herr Steinbeißer sagte, es komme ihm vor, als ob das linke Rad oben trocken laufe; er nahm die Ölkanne und ging mit Kurt zur Treppe. Der Aufseher trat vor ihn hin, wollte ihm die Kanne aus der Hand nehmen und sprach: »Wem die Kuh gehört, der packt sie beim Schwanz.« »Na, mir gehört ja eben die Kuh,« sagte lächelnd Herr Steinbeißer. »Hier bin ich der Aufseher, und wenn etwas nachzusehen ist, so ist das meine Sache,« erwiderte der Mann. »Es ist gut, ich weiß, daß Sie Ihre Pflicht tun,« sagte Herr Steinbeißer und wollte ihn aus dem Wege schieben; aber der Aufseher wich nicht und erklärte: »Das ist keine Arbeit für Sie. Der Turm pendelt oben zehn Zoll; wenn Sie heruntergeblasen werden, dann bin ich schuld daran.« »Sie können auch nichts weiter, wie sich festhalten,« sagte der Herr. »Wenn mir mein Herr den Vorwurf macht, daß ich das Rad trocken laufen lasse, so muß ich nach oben, das ist meine Pflicht,« erwiderte der Mann hartnäckig und fuhr fort: »Wenn ich in meinem Beruf sterbe, so hat das so sein sollen, dafür bin ich der Aufseher hier, und meine Familie ist versorgt.«

Herrn Steinbeißer schwoll die Ader auf der Stirn über den Widerspruch, er stampfte mit dem Fuß auf und rief: »Holen Sie sich Ihren Abkehrschein.« »Gut,« erwiderte der Mann und ließ die beiden nun vorbei; »wenn ich entlassen bin, so habe ich ja hier nichts mehr zu sagen«; dann ging er in seine Stube, deren Tür er krachend zuschlug, indessen die beiden hochstiegen. »Du mußt den Mann wiedereinstellen, nachher; er ist ja im Recht, und er ist immer ein ordentlicher Kerl gewesen,« sagte Herr Steinbeißer zu Kurt.

Auf der halben Höhe des eisernen Turmes, über dem Dach des Gaipels, war in das eiserne Gerüst eine kleine Kammer aus gewelltem Eisenblech mit Glasscheiben an allen vier Seiten vernietet. Hier ruhten die beiden eine Weile aus von dem anstrengenden Steigen. Schon waren sie über den Wipfeln der Buchen; der Sturm drückte mit furchtbarer Gewalt auf den kleinen Kasten, in welchem sie standen; sie fühlten das leise Schwanken des Gerüstes, hörten das Surren der Räder oben, das Rasseln und Klappen in den eisernen Stangen und Trägern, das Heulen, Zischen und Pfeifen des Sturmes.

Sie konnten sehr weit sehen von ihrer schwankenden Stelle aus; über die kleinen Häuser und Gärten im Tal, wo die Arbeiter wohnten, in die Ebene hinaus bis zu einem entfernten Gebirgszug, auf dessen äußerster Höhe die Ruine einer alten Kaiserpfalz deutlich zu erkennen war. Lange sah sich Steinbeißer das alles an; darauf ging er zu einem anderen Fenster, aus dem er in den Wald hineinblicken konnte; losgerissene trockene Blätter wirbelten in der Luft; auch das dritte Fenster ging auf den Wald; vom vierten Fenster aus sah man in den oberen Abschnitt des Tales, die beiden Drahtseile entlang, zu dem Hause, in welchem seit vielen Geschlechtern die Familie gewohnt, in welchem er selber den größten Teil seines Lebens verbracht hatte.

»Ich bin doch undankbar gewesen,« sagte er. »Mein Leben war mir gleichgültig geworden. Aber ich habe doch etwas schaffen können, und ich glaube, daß es richtig ist, was ich gemacht habe. Man muß vom Zufälligen und Einzelnen loskommen. Wir sind ja doch alle zufällig, und ich bin nicht anders, wie jeder einzelne von diesen Leuten, die da unten wohnen. Aber wenn man irgendwie in eine bedeutende Stellung kommt, so überschätzt man leicht seine eigene Wichtigkeit, und was man durch die Tatsache geleistet hat, daß man nun einmal in dieser Stellung war, das hält man für eigene Leistung. Dankbar muß man sein, wenn man in solcher Stellung hat sein dürfen, ich aber bin doch eigentlich im Grunde hochmütig gewesen.

Wie wunderbar ist das nicht; vor tausend Jahren lebten hier einige rohe Menschen, die vielleicht gebändigt wurden durch einen Aberglauben, der von ihrem Priester ausging; denn was eigentlich das Christentum sagen wollte, das verstand ja wahrscheinlich noch nicht einmal der Priester. Dort in der Ferne, in jener Burg, war zuweilen der Kaiser mit seinen Beamten; er mußte wohl weite Gedanken haben, damals sind wohl die Herrscher die bedeutendsten Menschen ihrer Zeit gewesen, denn sie waren die einzigen, die viel zu überblicken hatten. Wie einsam mag ihm zwischen den ungebildeten Rittern, dem rohen Volk gewesen sein! Ob er sich seiner Aufgabe bewußt war, daß er auf vielen Wegen die Menschen einsichtiger machen sollte? Damals rollten plumpe Wagen mit Rädern aus einem Bohlenstück geschnitten, von Kühen gezogen; heute jagt dort unten ein Kraftwagen vorbei. Ich habe wohl früher gedacht: das bedeutet ja doch nichts; macht denn das äußere Wohlergehen einen Unterschied aus! Ich hatte gedacht: Meine Arbeit ist doch eigentlich einerlei; sind denn die Menschen anders, wenn sie sich besser ernähren können, haben sie dann eine andere Seele? Und auf die Seele kommt es ja doch an. Zuweilen schien mir sogar, daß das Wohlergehen ihrer Seele schädlich ist. Aber jetzt sehe ich ein: das waren falsche Gedanken. Wir müssen das Zufällige und Einzelne vergessen. Wie die Menschen reicher geworden sind, haben sie doch auch angefangen, das Christentum zu verstehen, dann sind sogar Menschen über das Christentum hinausgekommen. Es sind heute so freie Menschen möglich, wie selbst noch vor hundert Jahren nicht möglich waren. Und wenn meine Arbeit auch nur war, daß einige tausend Menschen, die früher in Unordnung lebten, nun in Ordnung leben und kleinem Behagen; aus ihnen wird doch irgend etwas Höheres wieder kommen, das ich nicht ahnen kann, aber für das meine kleine Arbeit eine Voraussetzung gewesen ist. Nun sieh« – und er zeigte Kurt mit der Hand weit in die Ebene hinaus – »dort sollen Güter gekauft werden und aufgeteilt, viele neue Häuser sollen gebaut werden, in jedem soll eine Familie wohnen und ordentlich leben, die Kinder ehrlich erziehen und suchen weiterzukommen. Das hilft, das hilft. Die Menschen kommen doch höher. Sie steigen langsam, aber sie steigen. Ja, ich habe nicht umsonst gelebt. Ohne mich wohnte hier ein elendes Volk ohne Hoffnung und Zukunft, ohne mich würde dort in der Ebene keine Ansiedlung geschehen; heimatlose Polen würden da weiter pflügen und hacken, ohne zu wissen, weshalb sie arbeiten. Aber nun werden dort Leute leben, die höher kommen können. Ja, ich bin undankbar gewesen, daß ich nicht immer glücklich war; ich habe ein glückliches Leben geführt, und alles Leid, das ich getragen, das sehe ich mit dankbarem Gemüte nun ein, war nötig für mich, daß ich eine solche Arbeit ergriff, denn sonst hätte ich gelebt wie andere auch, die viel Geld verdienen und töricht ausgeben. Ich bin dankbar, Kurt, ich bin dankbar, denn ich habe ein Leben führen dürfen, wie es selten einem Menschen beschieden ist.«

Er reichte Kurt zum Abschied die Hand. Kurt sprach: »Segne mich« und kniete vor ihm hin; Steinbeißer legte ihm beide Hände aufs Haupt und sagte: »Lebe so, daß du einst so in den Tod gehen kannst wie ich.« Kurt erhob sich, sie waren beide plötzlich verlegen geworden darüber, daß sie ihre Gefühle laut geäußert hatten.

Steinbeißer öffnete die Tür nach außen; der Wind drückte gegen sie; er stemmte sich mit der Schulter; sie flog auf und schlug krachend gegen die äußere Wand. Er trat hinaus, der Sturm riß ihm den Hut vom Haupt; Kurt versuchte ihm zu helfen, die Tür wieder zu schließen. Sie wußten beide nicht, weshalb sie sich so mühten, die Tür wieder zu schließen. Die Tür blieb offen, durch die Gewalt des Sturmes an die Wand gepreßt, gegen die sie geschlagen war. Die Glasscheiben waren gesprungen. Da reichte ihm Kurt die Ölkanne, die er vergessen hatte. Steinbeißer nahm sie; aber in dem Augenblick, da sein Finger den Henkel berührte, wurde sein Gesicht totenbleich, die Augen ganz groß und stier; er stieß die Kanne heftig zurück; einen kleinen Augenblick standen sich die beiden still gegenüber, sie waren beide in Angst; dann lachte Steinbeißer gezwungen auf und sagte: »Jedes Leben will sich erhalten,« und nun nahm er die Kanne mit festem Griff, ging außen auf der Plattform von der Tür zu der schmalen eisernen Treppe, die sich innerhalb der vier eisernen Pfeiler des Turmes zwischen den vernieteten Stangen nach oben wand bis zu dem schmalen Eisenblech neben den Achsenlagern der Räder. Kurt sah ihn vor dem Fenster vorbei in die Höhe steigen; die Ölkanne hielt er mit dem kleinen Finger, denn mit beiden Händen mußte er sich am Geländer festklammern. Der Sturm trieb ihm das weiße Haar zur Seite, die Schöße des Mantels; auf seinem Gesicht war nichts zu lesen wie der Gedanke, den Sturm zu überwinden. So ging er nach oben durch das Heulen, Pfeifen, Zischen, Klirren, Schlagen und Klappern zu den sausenden ungeheuren Rädern. Kurt lauschte, er wußte nicht wie lange, Minuten oder Stunden. Sein Herz klopfte ihm laut. Zuletzt knöpfte er den Mantel fest zu, nahm den Hut in die Hand und ging wieder nach unten, den Weg allein zurück, den er vorhin mit dem Vater gegangen. Wie er unten im Gaipel angekommen war, zögerte er einen Augenblick, dann raffte er sich zusammen, trat aus der Tür und schritt um das Haus. Da lag vor ihm der abgestürzte Körper seines Stiefvaters; unentstellt; der kleine Finger hielt noch die Ölkanne fest; die Kapsel hatte sich gelöst und das Öl war aus der Öffnung gequollen. Das Gesicht des Toten sah friedlich aus. Er drückte ihm die Augen zu, ging in den Gaipel zurück, in die Stube des Aufsehers. Die beiden holten die Butze vor, welche bestimmt ist für Verunglückte, legten den Toten hinein, nachdem sie den Finger von der Ölkanne gelöst, und trugen ihn schweigend zu Tal.

Wie die Kunde sich verbreitet hatte, daß Herr Steinbeißer auf dem Förderturm verunglückt war, da geschah etwas Merkwürdiges. Es hatte ihn bis dahin niemand geliebt, und jeder war ihm, wenn er konnte, aus dem Wege gegangen. Nun aber hieß es plötzlich unter allen Leuten: »Er war strenge, aber er war gerecht.« »Er war gut zu den armen Leuten.« »Er war für jeden zu sprechen.« Ja, einige sagten schon: »Wie hat es früher in Miltenberg ausgesehen, und wie sieht es jetzt aus!« »Er hat sich selber nichts gegönnt, seinen alten Sommermantel hat er zwanzig Jahre getragen.« Alle sagten: »Er war immer auf dem Posten, er wußte überall Bescheid, er ließ sich keine Brille aufsetzen.« »Er ist auf dem Schacht verunglückt, er war ein reicher Mann, aber er hat doch den Bergmannstod gehabt.« »Sie haben ihn in der Butze nach Hause gebracht, wie unsereinen.« »Das hätte nicht jeder getan, der so reich war, er hat mehr gearbeitet wie mancher andere, und die Kopfarbeit strengt auch an.«

Die Leute hatten bislang immer geglaubt, daß es ihnen so gut gehe, das komme von ihrem Zusammenhalten, Herr Steinbeißer habe ihnen nachgegeben, weil er habe nachgeben müssen. Nun, wo sie nicht wußten, wem die Gruben jetzt gehören würden und wer sein Nachfolger werde, bekamen sie allerhand Besorgnisse. »Wie wird es nun sein, wenn so ein Hochnäsiger kommt, der den Bergmann nicht kennt!« Es wurde ihnen klar, daß sie oft ungezogen gegen ihn gewesen waren, und sie sagten: »Der Bergmann spricht gerade aus, Steinbeißer hat das gewußt und hat gewußt, daß es nicht böse gemeint war; aber ob der Nachfolger den Bergmann versteht, das weiß man noch nicht, das wird sich erst zeigen.« Und schon wurden manche recht verzagt, denn in ihrem tiefsten Innern hatten sie ja wohl geahnt, wie alles zusammenhing und daß sie sich nur um die Dankbarkeit hatten drücken wollen. Sie sagten schon: »Er hat uns wohl gekannt, er hat gewußt, wie es uns ums Herz ist, auch wenn wir ihm nicht immer schöne Worte gemacht haben.«

Solche und ähnliche Reden hörte Kurt ruhig an, er hörte auch an, wenn man ihn aufreizte. Entfernte Verwandte, Gutsnachbarn, Geschäftsfreunde stellten sich ein, und unter ihnen war mancher, der ihm vorhielt, wie wenig Dank sein Stiefvater doch für seine Bemühungen geerntet habe. Dann sagte er wohl lächelnd: »Gott tut den Menschen auch Gutes und sie danken ihm nicht, sondern sie führen über ihn dieselben Reden, wie die Leute über meinen Stiefvater geführt haben, wie wohl jeder normalerweise über seinen Wohltäter führt – und wir zwei, die wir darüber sprechen, sind ja doch auch selber Menschen; ich glaube nicht, daß wir besser sind wie die Leute.«

Allerhand Besprechungen waren bei der Arbeit, auf den Wegen und abends in den Häusern. Am Begräbnistag hatten die Bergleute gebeten, sie wollten den ganzen Tag aussetzen, weil sie am Vormittag eine Volksversammlung abhalten wollten.

Man hatte keinen Raum für die Versammlung im Dorf, deshalb wurde sie auf dem Platz vor dem Förderschacht angesagt, wo vor sechs Wochen das Knappschaftsfest abgehalten war.

Wieder holten die Frauen die Bergmannsuniform vor, bürsteten und klopften, holten ihre eigenen guten Kleider und setzten instand, was nötig war. Aber kein lustiges Pfeifen der jungen Burschen hörte man, kein Singen der Mädchen; mancher Seufzer stieg aus beklemmter Brust, denn immer mehr kam den Leuten zum Bewußtsein: »Was wird nun werden?« Wieder gingen die Menschen in den verschlungenen Wegen, aber nur die Männer hatten dieselbe Festtracht wie damals; von Frauen und Mädchen sah man nur solche, welche schwarze Kleider besaßen. Wo man sich begegnete, begrüßte man sich stumm mit Händedruck, die Gruppen vereinigten sich, alles zog in der Richtung zum Förderschacht.

Auf dem Platz war eine Rednertribüne gebaut, um sie versammelten sich die Menschen: Männer, Frauen und Kinder. Alle standen ruhig und warteten. Der Verkäufer des Konsumvereins, im schwarzen Rock und mit weißer Binde, stieg auf die Tribüne und begann: da die Reaktion es ihnen verbiete, als klassenbewußte Arbeiter ihre Gesinnungen am Grabe des verunglückten Kameraden an den Tag zu legen – sie hatten sich das Wort »Kameraden« ausgedacht, um ein Zeichen ihrer Liebe zu geben –, so habe er hier eine Volksversammlung in der freien Natur einberufen, wo kein Diener der Kirche sie mit seinen Unterdrückungsmaßregeln behelligen könne. Der Proletarier sei vom Produktionsmittel getrennt, das sei die Signatur unserer Zeit – und nun dachte er so fortzufahren, als plötzlich, wie die vielen Augen auf ihn gerichtet waren und die ängstliche Spannung der vielen Menschen auf ihn wirkte, sich alle seine Gedanken verwirrten; er stotterte, suchte nach dem Anfang seiner Rede, wiederholte den letzten Satz; und dann, als ob das, was alle dachten, plötzlich in ihm Sprache würde, rief er unvermittelt, ohne es, selber zu wollen: »Was wird nun aus uns werden?« Die Männer murmelten: »Was wird nun aus uns werden?« Die Frauen schluchzten, Kinder weinten laut. Der Verkäufer auf seiner Rednerkanzel sah sich ratlos um, dann zuckte er verlegen die Achseln und stieg herunter.

Die Versammelten standen lautlos und blickten nach der leeren Kanzel. Vielen von den Leuten war ja wohl alles nicht so recht klar gewesen; aber nun wirkte die allgemeine Bedrückung auch auf sie, und traurig und bekümmert standen nun alle und starrten.

Da machten sie einem betagten, hochgewachsenen Manne eine Gasse, dem alten Köhler, den Herr Steinbeißer damals besucht hatte. Nach uralter Sitte gehen die Köhler zu allen Feiern in ihrer Arbeitstracht, mit dem geschwärzten Gesicht und Händen. So stieg er denn zur Kanzel hinauf, nahm die Kappe ab, faltete die schwarzen Hände, sah über die Versammelten hin, indem das Weiße in seinen Augen leuchtete, und begann zu singen:

Wer nur den lieben Gott läßt walten.

Den ersten Vers sang er allein, auch noch die Hälfte des zweiten Verses, aber da fielen die Frauen ein, beim dritten Vers sangen die Männer mit, und so sang denn die ganze Versammlung, indessen oben in der Luft die Räder sausten:

Und hoffet auf ihn alle Zeit
Den wird er wunderbar erhalten
In aller Not und Traurigkeit.
Wer auf den Allerhöchsten traut,
Der hat auf keinen Sand gebaut.

Wie die Strophe zu Ende war, sagte der Köhler laut »Amen«, setzte seine Kappe wieder auf und ging die Treppe hinunter.

Wieder stand die Versammlung still und harrte, als müsse noch etwas kommen. Da sahen alle, wie Kurt die Treppe hinaufstieg. Er trat auf die Kanzel und redete sie an, indem er ihnen dankte, daß sie den Verstorbenen durch ihr Zusammenkommen haben ehren wollen. Dann fuhr er fort, daß sie keine Sorgen haben dürften; es sei ein Testament vorhanden, nach welchem der Betrieb in derselben Weise fortgesetzt werden solle wie bisher und noch weitere Anordnungen für sie getroffen seien, von denen später Mitteilung gemacht werde. Nach diesen Worten schloß er, daß sie nun in ihre Häuser zurückgehen möchten, und wenn sie den Verstorbenen zum Begräbnis begleiten wollten, sich zur bestimmten Zeit vor dem Hause einfinden. Dann rief er ihnen das gewohnte Glückauf zu und ging die Treppe wieder hinunter.

Die Leute wendeten sich still und gingen zurück, jeder mit seinen Freunden und Bekannten, leise untereinander das Gehörte besprechend.

In den Familien war Fichtenhecke geholt zu Kränzen; hier blühten noch die letzten Astern im Garten, dort im Fenster ein Alpenveilchen oder eine andere Lieblingspflanze; was ein jeder an Blumen hatte, das band er mit in den dunklen Kranz; und als nun die Beerdigungsstunde kam, da gingen die Männer, Frauen und Kinder, jedes mit seinem Kranz zum Gutshaus. Sechs Männer, die angesehensten Beamten, in Bergmannstracht, mit verschnürten Jacken und weißen Handschuhen, trugen den Sarg auf den Schultern; die Angehörigen des Toten mit dem Prediger folgten, dann schloß sich die große Menge an. Langsam zog sich der Zug die Landstraße hinunter bis zum Dorf, wo auf dem alten Gottesacker vor der Kirche das Erbbegräbnis lag; schon war der Sarg auf dem Kirchhof, als die letzten Folgenden noch unter dem Hoftor hervorgingen. Langsam füllte sich der kleine Kirchhof, lange stand der Prediger; als alle zusammen waren, wurde der Sarg niedergelassen, der Prediger sprach seine Rede, die Hinterbliebenen warfen ihre drei Hände voll Erde in das Grab und traten zur Seite; dann kam aber ein alter Bergmann, legte seinen Kranz auf einen Hügel nebenan und warf gleichfalls drei Hände voll Erde hinab; ihm folgten alle anderen; die Kränze häuften sich auf dem Hügel, die Erde im Grabe mehrte sich; Angelika brach in Weinen aus, die Familie mußte sie nach Hause bringen; aber die Bergleute, die Frauen und Kinder blieben, bis der Letzte seinen Kranz niedergelegt, seine Hände voll Erde in das Grab geworfen hatte, das nun fast dem Boden gleich geworden war. Dann gingen alle still nach Hause.

Kurt sagte zu Angelika: »Die Menschen sind gut; wir würden unser Leben falsch aufbauen, wenn wir das nicht glaubten. Unser Stiefvater hat es nicht geglaubt, dennoch hat er durch sein Leben das Gute in den Menschen befördert, als eine Nebenwirkung; denn was er wollte, war ja doch zunächst etwas anderes. Aber ich glaube, jeder, der nicht für sich will, sondern für etwas, das außer ihm ist, erzielt diese Nebenwirkung.«

»Du darfst mich nicht verlassen,« sagte Angelika zu ihm; »denn wenn du nicht bei mir bist, dann kann ich mich der Gewissensbisse nicht erwehren.«

»Du hast aus Unkenntnis gehandelt und nach einer falschen Leidenschaft,« erwiderte ihr Kurt. »Nun du die Einsicht hast, wirst du anders handeln.«

»Ich will; und hoffe, daß ich es kann,« sagte sie leise.

Die laufenden Geschäfte mußten nun erledigt werden, begonnene Unternehmungen weiter geleitet, Geplantes ausgeführt und Neues geplant; die drei, welche in der letzten Zeit Herrn Steinbeißer geholfen hatten, teilten sich in die Arbeiten: Kurt, der Landrat und Angelika. Sie wußten, daß das nur eine vorläufige Einrichtung war; aber noch schwebte alles zu sehr im Ungewissen, als daß sie etwas hätten endgültig regeln können.

Kurt hatte Unterhandlungen über den Ankauf eines Gutes zu Ende zu führen, welche Herr Steinbeißer noch begonnen. Das Gut lag in der Ebene, auf welche der Verstorbene wenige Minuten vor seinem Tode geblickt hatte. Es gehörte seit alters her einer adeligen Familie, welche in vielen Generationen tüchtige und ordentliche Menschen hervorgebracht, nun aber im Laufe der Zeit äußerlich wie innerlich gesunken war.

Kurt besuchte den Besitzer, einen Mann Mitte der Fünfziger von dem Aussehen und Gehaben eines wohllebenden und gedankenlosen Menschen: mit Bauch, ausdruckslosem und zerfahrenem Gesicht und burschikosen Manieren, welche die innere Unsicherheit verbergen sollten. Es war Mist gefahren, und auf dem ganzen Weg waren Mistzotteln verstreut, die von dem Wagen gefallen; im Hof saß der Melker vor dem Kuhstall und pfiff ein Lied; das eine Scheunendach wies einen heruntergeglittenen Ziegel auf, welcher als beständige Drohung für die unten Gehenden überhing; auf der Treppe zum Herrenhaus lag Stroh, und im Flur sah man schmutzige Fußtapfen. Der Besitzer redete beständig, allerlei Törichtes: »Ihr alter Herr hat gute Jahre gehabt, bei uns in der Landwirtschaft ist inzwischen alles zurückgegangen. Ich habe meinem Sohn gesagt: Immer in die Industrie hineinheiraten, da steckt heutzutage das Geld. Habe ich recht? Na, was macht er? Bringt mir eine jüdische Schwiegertochter angeschleift. Ist seine Sache, er muß sich ja nachher, von der Kalle unterhenkeln lassen. Ich habe gar nichts gesagt. Aber denken Sie, holt sich da so eine Geschichte, Sie wissen, Schlachtfeld der Liebe; was macht der Judenvater? Löst die Verlobung auf. Na, ich sage ja, nichts wie Ärger. Mir war's doch auch nicht angenehm, immer die Doktorrechnungen zu bezahlen.«

Kurt erkundigte sich nach den Belastungen, die ihm nicht ganz klar geworden waren. Der Besitzer erzählte: »Ja, viel bleibt mir ja nicht, und dabei muß ich noch verdammt schlau vorgehen, daß die Gläubiger nicht die Hand darauf legen. Na, daß ich nach Berlin abschwimmen soll und Schneeschipper werden, das kann doch nun schließlich keiner von mir verlangen.«

»Wir in unseren Kreisen denken ja, Arbeit schändet nicht,« bemerkte trocken Kurt.

Der andere sah ihn erstaunt an, dann erwiderte er: »Natürlich, ganz meine Meinung, den Standpunkt habe ich immer vertreten. Zwanzigstes Jahrhundert!«

Kurt unterbrach ihn und verlangte den Lageplan zu sehen. Der Herr führte ihn in sein Arbeitszimmer, einen staubigen und unbewohnten Raum, holte eine zerdrückte Rolle hinter einer Reihe von Konversationslexikon-Bänden hervor, breitete sie auf dem Tisch aus, indem er sie mit einem eingetrockneten Tintenfaß, einem Sandstreuer und einem Band des Lexikons festlegte, und erklärte. Durch die Fragen Kurts wurde ihm klar, daß dieser eine Aufteilung des Gutes beabsichtigte. Erstaunt sah er ihn an, dann sprach er: »Den Profit kann ich auch selber machen. Ich denke, Sie wollen sich eine Herrschaft zusammenkaufen.« Kaltblütig erwiderte Kurt: »Wenn Sie glauben, daß Sie mehr bekommen, wenn Sie aufteilen, so treten wir gern von dem Geschäft zurück.« Der Herr überlegte sich schnell, daß er ja schon mit einem Güterschlächter unterhandelt hatte, der ihm viel weniger geboten wie Kurt, dann fragte er mit betonter Treuherzigkeit: »Aber wozu wollen Sie denn solche Geschäfte übernehmen! Wenn Sie wollen, so fahren Sie morgen nach Monte, na, ein junger Mensch will doch auch sein Leben genießen, Sie können nach Paris, Sie können sich doch alles leisten! Wozu ist denn das Geld da, als daß man es ausgibt. Unsereins ist froh, wenn man einmal zum Kreistag fährt; aber die Herren von der Industrie, die brauchen doch nicht jeden blauen Lappen zehnmal vors Licht zu halten.«

Kurt antwortete nicht; er sah, wie der andere alle seine Geisteskräfte anstrengte, um auszufinden, was er eigentlich beabsichtigte; indessen gingen die nötigen Erklärungen weiter. Plötzlich bemerkte Kurt ein Aufleuchten im Gesicht des Besitzers. Während er vorher immer recht gedrängt und empfohlen hatte, wurde er mit einem Male zurückhaltend, dann sagte er: »Es handelt sich ja natürlich zunächst nur um Vorbesprechungen. Vielleicht überlege ich mir die ganze Geschichte noch.« Kurt sah ihn fragend an; er fuhr fort: »Na ja, mancher weiß nicht was er hat, das muß ihm erst ein anderer ausschnüffeln. Ich bin ja nicht gerade übermäßig schlau, aber auf den Kopf gefallen bin ich auch nicht. Unter der Erde steckt was! Das hat unsereins ja nicht gelernt, aber die Leute, die das verstehen, die sehen das gleich dem Boden an. Ihr alter Herr ist ja früh aufgestanden, aber man kann doch noch hinter ihm her kommen.« Kurt mußte lachen, mit kurzen Worten erklärte er ihm seine Absicht, aber der Mann verstand ihn nicht; nur zuletzt sagte er: »An unsereinen denkt keiner, wir sind doch schließlich auch Menschen.«

Die Tür öffnete sich, und die Dame des Hauses trat ein. Sie schlug die Augen schräg auf und sagte: »Sollen wir denn nun unser teueres Rinteln in fremde Hände geben? Sie wissen ja nicht, Herr Steinbeißer, wie es mir ans Herz gewachsen ist. Aber nicht wahr, darüber kann ich beruhigt sein, auch Sie werden es lieben! Wie werde ich die Bäume unseres Parks vermissen, unter denen ich so oft mit poetischen Gedanken gegangen bin, unter denen meine süßen Kinder aufgewachsen sind.« –

»Na,« unterbrach sie grob der Herr, »das eine süße Kind kannst du ja nun mit Zwischendeckbillett nach Amerika schicken, und das andere schreibt mir, sie will sich nicht mehr halten lassen, es treibt sie zur Kunst, und sie tritt nächste Woche als Martha, ich weiß nicht, als was für eine, in Chemnitz auf.« Die Frau sank weinend auf einen der staubbedeckten Stühle; Kurt empfahl sich mit kurzen Worten, nachdem er dem Herrn noch eine Woche Bedenkzeit zugestanden hatte. »Mußt du denn unser Leid allen Menschen erzählen! Die Schwester wäre doch so eine gute Partie für unsern Heinz!« sagte die Frau zu dem Gatten. »Halte doch die Menschen nicht für so dumm,« erwiderte der; »die Steinbeißers sind gescheiter wie wir alle zusammen; aber ich komme doch noch dahinter, was er mit Rinteln machen will.«

Kurt besuchte noch einen anderen Grundbesitzer. Er fand einen hochgewachsenen energischen Mann mit frischem Gesicht, der ihn mit förmlicher Höflichkeit empfing. Im Arbeitszimmer war eine peinliche Ordnung; jede Angabe, jede Zahl, welche Kurt verlangte, wurde gleich gefunden. In ganz kurzer Zeit waren alle Fragen erledigt; als Kurt sich empfehlen wollte, zögerte der Herr erst eine Weile, dann sagte er: »Es geht mich nichts an, was Sie mit dem Gut zu machen gedenken, und Sie sind ja auch ein reicher Mann. Aber ich halte mich für verpflichtet, als anständiger Mensch Ihnen reinen Wein einzugießen. Vor zwanzig Jahren, als ich das Gut kaufte, hatte ich ein Vermögen von zweimalhunderttausend Mark, heute bin ich ein Bettler, und wenn Sie nicht einen so guten Preis zahlten, so könnte ich noch nicht einmal als ehrlicher Mann herausgehen.« Er schwieg; Kurt sagte: »Soweit ich es übersehen kann, haben Sie zuviel in den Boden hineingesteckt, man mußte extensiver wirtschaften.« Der andere schüttelte heftig den Kopf und brach dann in die heftigsten Verwünschungen gegen die Leute aus, deren Trägheit und böser Wille habe ihn ins Unglück gestürzt. Er holte ein Buch aus der Reihe und zeigte Kurt: »Hier im ersten Jahre sind mir hundertundzwanzig Kühe gestürzt; die Ansteckung ist mir durch den eigenen Kuhmeister in den Stall geschleppt. Im zweiten Jahre wurde der Damm des Flusses nachts durchstochen und fünfhundert Morgen Weizen überschwemmt, der eben gemäht werden sollte; er hatte viel Lager, weil ich reichlichen Kunstdünger angewendet hatte, und dreiviertel der Ernte wuchs aus und konnte verfüttert werden. Nächstes Jahr – ja, da war der große Brand, gerade, wie die Versicherung abgelaufen war; ich hatte sie durch eingeschriebenen Brief erneuert, der Brief war zu spät abgegeben. So ist jedes Jahr etwas gewesen.« Er schwieg und starrte ins Leere.

Es war ihm nicht zu antworten. Haß erzeugt Haß, aber nie will der Haß sich nach dieser Wahrheit richten. Kurt fragte ihn, was er zu tun gedenke; er wollte zu einer Versicherung gehen; Kurt dankte ihm mit gezwungenen Worten für seine Mitteilungen und ging.

Ein anderes Gut war zur Zwangsversteigerung angesetzt, und Kurt mußte an einem der nächsten Tage zu dieser Versteigerung fahren.

Der Besitzer war ein tüchtiger und redlicher Mann, der die Absicht gehabt hatte, sich den heutigen Zeitverhältnissen anzupassen. Ein berühmter Baumeister, dem ein wichtiger und großer Bau in der Hauptstadt aufgetragen war, hatte ihn besucht; das Gut lag noch in den äußersten Verbergen des Gebirges; hier fand sich ein fester und doch leicht zu bearbeitender Kalkstein, der dem Baumeister für seinen Zweck geeignet schien; der Fluß bot eine günstige Beförderungsgelegenheit, und nachdem der Baumeister mit dem Besitzer des Gutes alle Kosten berechnet und ihm einen billigen Gewinn zugeschlagen hatte, schien ihm der Preis für die Steine angemessen zu sein. Er reiste ab, und der erfreute Gutsherr ließ Steinbrucharbeiter kommen, bestellte die nötigen Maschinen und begann brechen und behauen zu lassen. Bald türmten sich am Ufer die aufgeschichteten Steine, Kähne kamen, wurden beladen und zur Hauptstadt geschleppt; dort war in der Nähe der Baustelle ein Lagerplatz gemietet, und der Gutsherr ging nun zu dem Baumeister, um ihm die Steine abzuliefern und sein Geld zu empfangen. Der aber machte Ausreden, zog die Sache in die Länge; es war nichts Schriftliches abgemacht; der Herr hatte seine Mittel erschöpft und konnte die Miete für den Lagerplatz nicht bezahlen; man nahm ihm die Steine ab und versteigerte sie, bei der Versteigerung erstand sie der Baumeister um billiges Geld und baute mit ihnen sein Haus, der Gutsherr aber hatte sein gesamtes Vermögen eingebüßt, und nun wurde ihm sein Gut zwangsweise verkauft.

Kurt war schon vor der angesetzten Zeit des Verkaufes gekommen und ließ sich bei Herrn von Riemann, so hieß der Besitzer, melden. Er wurde mit ruhiger Freundlichkeit von einem stattlichen Herrn empfangen, der ihm bereitwillig alles zeigte, was er zu sehen wünschte.

Im großen blumengeschmückten Saal waren zwei lange Tische gedeckt und bereitet, wie wenn es ein Festmahl gelte: mit schönem Porzellan, geschliffenen Gläsern, Silber, Blumen und sauber gefalteten Servietten. Die Frau des Hauses warf noch einen letzten Blick auf die Einrichtung; die Tochter stand neben ihr.

Die ersten Männer erschienen, welche dem Verkauf beiwohnen wollten; allmählich sammelten sich alle, meistens Leute aus dem mittleren Bürgerstande, einige Hypothekengläubiger, zwei jüdische Geschäftsleute. Die Männer traten gewöhnlich rücksichtslos ein, etwa wie in ein Gasthaus, wurden dann bestürzt durch den Anblick der Tafeln, drückten sich verlegen zusammen und wagten nur verstohlen miteinander zu flüstern; nur einer der jüdischen Kaufleute trat zum Tisch, nahm eine silberne Gabel in die Hand, wog sie und besah den Stempel, legte sie dann aber scheu wieder hin.

Herr von Riemann sagte: »Darf ich die Herren bitten, uns die Ehre zu geben?« und wies mit einladender Handbewegung auf die gedeckten Tische. Der Vertreter der Hypothekenbank, ein Herr in schwarzem Rock und farbiger Weste, trat auf Herrn von Riemann zu und bat, ihn den Damen vorzustellen, einige andere der Fremden folgten ihm; die Damen setzten sich, der Herr im schwarzen Rock setzte sich gleichfalls, ihm folgten allmählich die andere; Kurt bekam seine Stelle zwischen dem Hausherrn und der Tochter.

Nun wurde ein Mittagessen aufgetragen; den Gästen wurden die Suppenteller vorgesetzt, sie entfalteten die Mundtücher, zuversichtlich oder verlegen, steckten sie in den Kragen, banden sie im Nacken mit den Zipfeln zusammen oder legten sie auf die Knie, sie nahmen die Suppe mit hörbarem Schlürfen oder unhörbar; ein Südwein in kleinen Gläsern wurde gereicht, einige der Fremden brockten ihre Semmel ein; ein leises Gespräch am unteren Ende entstand, wurde lauter, ging über den Tisch hinüber; die einzelnen erzählten sich, was sie zu erstehen gedachten, drückten ihre Ansichten darüber aus, ob die Preise hochgetrieben werden würden, lobten die nahrhafte Suppe; die Teller wurden fortgenommen und ein Braten herumgereicht; ein neuer Wein wurde eingegossen, das Gespräch belebte sich; der Herr im schwarzen Rock sprach mit Frau von Riemann über die Frauenfrage.

Herr von Riemann bemerkte ein leises Lächeln Kurts und lächelte nun selber; die beiden spürten, daß sie einander verstanden. Herr von Riemann erzählte, da er fühlte, daß Kurt Näheres wissen wollte.

»Mein Großvater war einfacher Tischlermeister, der durch seine Tüchtigkeit es dahin brachte, daß sein Sohn studieren konnte. Mein Vater war ein berühmter Gelehrter und erwarb so viel, daß er dieses Gut hier zu kaufen vermochte. Ich kann mir das Zeugnis geben, daß ich ein guter Landwirt war; ich habe meine Sache gelernt und die Arbeit machte mir Freude. Die Leute hier haben mich auch gern gehabt. Sie sehen, es ist kein einziger aus dem Dorf gekommen, um mitzubieten. Mein Unglück mit dem Baumeister werden Sie ja gehört haben. Ich bin selber an allem schuld. Natürlich dachte ich daran, daß man etwas Schriftliches haben muß, aber dann sagte ich mir, daß ich doch mit keinem Geschäftsmann zu tun habe, sondern mit einem Angehörigen unserer Gesellschaftskreise – pardon!« unterbrach er sich plötzlich und wurde feuerrot. Kurt lachte, er wurde noch röter. Kurt sagte: »Der Ausdruck ist ja ganz richtig, ich nehme ihn auch nicht übel, denn ich rechne mich ja zu Ihrem Gesellschaftskreis.« Herr von Riemann fuhr sich mit dem Finger zwischen Hals und Kragen durch und sprach: »Ich habe aus dem Gefühl der Gleichheit der Gesinnung heraus gesprochen, und das Gefühl war richtig; dann fiel mir ein, daß heutzutage ja der Begriff des Geschäftlichen einen anderen Wert bekommen hat – na, kurz und gut, der Baumeister ist nach meinem Gefühl doch ein – ein, nun, ein Herr, wie ich nicht bin.« »Nach meinem auch,« sagte Kurt. »Ja,« erwiderte der andere nachdenklich, »viele finden, daß er ganz richtig gehandelt hat. Nun, jeder nach seinem Gewissen.« Er sah Kurt aufmerksam an und fuhr fort: »Sie halten mich für einen schlechten Vater. Ich habe meinen beiden Kindern ihr Vermögen vertan ...«

Hier erhob sich am untern Ende des Tisches einer von den Gästen, ein reicher Fleischermeister; er klingelte an sein Glas und begann eine Rede: »Meine Herren, wir sind hier ungeladen gekommen, und nun wird uns so ein seines Essen vorgesetzt, und die Herrschaften sind so höflich zu uns. Meine Herren, wir wissen ja doch alle – nehmen Sie es nicht übel, Herr von Riemann, daß ich es so grob heraussage, aber ich bin nur ein einfacher Mann – Meine Herren, wir wissen doch, wie das Unglück geschehen ist. Für Unglück kann keiner. Wir können auch einmal Unglück haben. Meine Herren, ich habe fünftausend Mark zu fordern, ich begnüge mich mit zwanzig Prozent.« Er wischte sich gerührt die Augen. Die anderen Männer tauschten verlegene Blicke, denn sie dachten, nun müßten sie auch verzichten, das Essen schmeckte ihnen plötzlich nicht mehr, einige rückten etwas vom Tisch ab; der Fleischermeister setzte sich, ein allgemeines Schweigen entstand.

Herr von Riemann erhob sich, dankte dem Redner für seine freundlichen Absichten, dankte auch den anderen und erklärte, daß er ihre Freundlichkeit nicht annehmen könne. Alle atmeten erleichtert auf.

Kurts Nachbarin zog in ihrem blassen Gesicht die Augenbrauen hoch. »Mein armer Vater,« sagte sie. Kurt schwieg, sie fuhr heftig fort: »Sie billigen dieses Gastmahl nicht, das Ganze erscheint Ihnen theatralisch. Aber Sie kennen meinen Vater nicht.« Er antwortete ihr: »Sie beurteilen mein Schweigen falsch. Ein jeder Mensch hat seine besondere Art, sich auszudrücken. Ich würde niemals einen Menschen deshalb anders beurteilen, weil er sich anders ausdrückt wie ich.« Sie sah ihn erstaunt an, dann sprach sie: »Ich danke Ihnen,« und er wußte, daß er nun auch mit der Tochter vertraut geworden war.

Herr von Riemann erzählte ihm weiter, sein Sohn habe sich habilitiert und verdiene durch seine Vorlesungen so viel, wie er für seine geringen Bedürfnisse gebrauche, die Tochter nehme eine Stelle als Erzieherin an, und er selber mit seiner Gattin werde schon irgendwo ein Unterkommen finden, wo er den gemeinsamen Unterhalt erwerben könne. Er verlasse ohne Bedauern das Gut, es sei ihm immer ein peinliches Gefühl gewesen, wenn er auf dem Felde die Leute habe arbeiten sehen, indessen er selber müßig gegangen. »Die Zeiten des Adels sind vorbei,« schloß er, »die anständigen Menschen von heute arbeiten alle. Es war eine Unklugheit von meinem guten Vater, daß er dieses Gut hier kaufte.«

Die Tafel wurde aufgehoben; Kurt besprach sich mit den Hypothekengläubigern, Herr von Riemann wurde zugezogen, dann fand die Versteigerung statt, Kurt machte das höchste Gebot, er bot auch auf das Inventar im ganzen, die Forderungen waren gedeckt und alle nicht zum Gut und dessen Betrieb gehörenden Gegenstände blieben im Besitze der Familie.

Eine Aufteilung, wie der verstorbene Steinbeißer sie geplant hatte, erforderte gründliche landwirtschaftliche Kenntnisse und verständige Auswahl der anzusetzenden Leute. Kurt machte Herrn von Riemann den Vorschlag, sich an diesen Arbeiten zu beteiligen gegen ein angemessenes Gehalt; der Vorschlag wurde gern angenommen.

»Es ist wohl Raum für einen Adel,« sagte Kurt, »nur müssen wir bei dem Wort an das denken, was es eigentlich bedeutet, und nicht, was die Eitelkeit der Menschen aus ihm gemacht hat. Die Menschen sind ungleich, deshalb sollen die Besseren den Geringeren helfen. Früher haben sie das als Herren getan und in selbstsüchtigen Absichten; aber das alte Verhältnis von Herr und Diener wird immer weniger möglich, denn den Menschen wird klar, daß größer wie die Ungleichheit die Gleichheit ist; so sollen sie es denn von nun an als Diener tun und die selbstsüchtigen Absichten vergessen. Es fehlt nicht viel, und innerhalb der Völker stehen sich jetzt die Klassen als Feinde gegenüber mit einem Haß, wie ihn die Menschen früher gegen Stammesfeinde hatten. Kommt es zu Kämpfen, so kann die gesamte gesittete Menschheit zugrunde gehen, und alle Errungenschaften, welche soviel Arbeit und Blut gekostet haben, werden auf lange Jahrhunderte verloren. Deshalb sollten sich die Reichen und Vornehmen zuerst besinnen, auf die törichten und wertlosen äußeren Vorzüge verzichten und sich durch Arbeit jeder Art für ihre Mitmenschen die allein wichtigen inneren Vorzüge zu erwerben suchen. Wenn das geschieht, dann wird den Menschen klar werden, daß alle, hoch und niedrig, heute auf falschen Wegen suchen, daß die Vereinzelung ein Fehler war und daß die ganze Menschheit lebendig zusammengehört, wie die Zellen eines Körpers den Menschen bilden und für sich allein wertlos sind. Alle Menschen leiden heute, weil sie den Sinn des Lebens verloren haben, denn an das Christentum vermögen wir, die wir ehrlich sind, nicht mehr zu glauben; wenn sie eine solche Gesinnung erstreben würden, so könnten sie das Leiden überwinden, denn dann hätte der einzelne wieder einen Sinn für sein Leben gefunden. Das Leben der Menschheit aber, in dem er nun aufgeht, das ist ein großer Fluß, der aus kleinen Quellen begann, immer breiter wird und tiefer, und dessen Sinn ist, daß er immer breiter und tiefer wird und endlich in ein Meer fließt, das wir nicht kennen.«

Die Zeit war vergangen mit der Versteigerung, dann mit den Besprechungen, welche Kurt mit Herrn von Riemann hatte. Es war zu spät geworden für Kurt, nach Hause zurückzukehren, so nahm er die Einladung an, für die Nacht im Gutshause zu verweilen.

Er saß mit der Familie des Hausherrn in dem behaglichen Wohnzimmer; im Ofen knisterte, knackte und fauchte das Holzfeuer, eine Uhr tickte an der Wand. Die Damen hatten eine Handarbeit vorgenommen, Herr von Riemann ging im Zimmer auf und ab, ein ruhiges und inhaltsloses Gespräch floß dahin: Erkundigungen nach gemeinschaftlichen Bekannten, die Erzählung eines Versuches mit einem neuen Düngemittel; ein großer Hund lag zufrieden am Ofen, hob zuweilen den Kopf und sah nach irgend etwas in der Stube, legte ihn dann wieder auf die Pfoten; an die dunkeln Fenster klatschte von außen der Herbstregen; es wurde davon gesprochen, daß es besser sei, wenn der Frost noch nicht eintrete, weil noch nicht genug Feuchtigkeit im Boden sei; im vorigen Jahr hatte es auf den gefrorenen Boden geschneit, dann war im Lenz plötzliches Tauwetter gekommen und das Wasser war abgelaufen, nur die Mauseplage hatte sich verringert; das junge Mädchen steckte die Nadel in das Knäuel, wickelte etwas Garn ab und sah dabei nachdenklich Kurt an, der versonnen dasaß. Kurt war freundlich in den Familienkreis einbezogen, dennoch fühlte er sich einsam, und eine leichte Sehnsucht zog durch sein Herz, eine Sehnsucht, die fast Rührung war. Wie? Kann denn ein Mensch allein sein, erstarrt er nicht in der Einsamkeit? Er dachte an Martha und lächelte in einem körperlichen Glück, er fühlte, wie ihm die Tochter des Gastfreundes nahe saß.

»Den Tag arbeiten, dann müde sein, mit Frau und Kind still in der Stube sitzen, schlafen und wieder arbeiten,« dachte er, »das müßte ein ruhiges Gemüt verschaffen.«

»Sie haben recht,« sprach Herr von Riemann. »Eine neue Art von Menschen kommt auf. Dieses Hasten, Betrügen, Arbeiten um des Gewinns wegen ist nur äußerlich, es bereitet sich Neues vor. Wie oft habe ich es gesehen, wenn Männer viel erworben hatten, daß sie dann ratlos waren. Die Menschen können nicht mehr auf Kosten anderer genießen, wie sie früher taten. Ich kannte einen Geschäftsmann, einen Fabrikanten, der sich fast von unten auf hochgearbeitet hatte und sehr reich geworden war. Er kommt in Berlin zufällig in eine Kunstausstellung, hört von Leuten, welche Bilder kauften und damit gute Geschäfte machten, kauft auf gut Glück einige Bilder, die ihm gefallen, die natürlich elend sind; er wird mit Malern bekannt, lernt gerade einen guten Maler kennen, sein Blick schärft sich, er erfährt eigentlich wohl zum ersten Male in seinem Leben von Leuten, für die es noch Höheres gibt als das Geldverdienen, allmählich bekommt er Achtung vor Kunst und Künstlern, er kauft nur noch vorzügliche Bilder und nützt dadurch der Kunst, bekommt in zwanzig, dreißig Jahren eine Sammlung ersten Ranges zusammen, die Millionen wert ist, und schenkt die an ein Museum, weil er sich sagt, daß er kein Recht hat an diese Bilder. So etwas geschah früher nicht, denn der Mann hofft weder auf seine Vergeltung im Jenseits, noch handelt er aus Eitelkeit. Was bedeutet das?«

»Die Welt ist heute bürgerlich geworden und ruht auf der Arbeit. Es gibt nur noch eine Ungleichheit, die Ungleichheit des Besitzes,« erwiderte Kurt. »Diese aber kann keine Herrenklasse erzeugen, welche sich einbildet, von Natur mehr Recht zu haben wie die anderen Menschen. Wir sind heute alle Arbeiter; und wenn auch noch entartete und entartende Überbleibsel der alten Herrenkaste vorhanden sind und manches alte Vorurteil von dem reichgewordenen Bürgertum aufgenommen sein mag: das alles geht doch gegen die tiefsten Triebe unserer Gesellschaft, die tiefsten Triebe in uns selbst; denn wenn wir nur genau zusehen, so werden wir finden, daß in der höheren Gesellschaft von heute dort, wo sie tüchtig ist, überall Arbeiterblut fließt und überall das Gefühl ist: es gibt nur sittliche Unterschiede unter den Menschen, und jemand, der Höheres fühlt, muß Höheres leisten. Erst wir Heutigen, die nicht mehr Christen sind, machen mit dem Christentum Ernst.«

»Hol' mich der Teufel, wenn nicht mein Vater ein Narr gewesen ist und ich dazu,« sagte Herr von Riemann. »Meine Stellung war hier von Anfang an schief. Ich hätte Gelehrter werden sollen, aber ich paßte nicht dazu, die Leute zu kujonieren und Geld aus ihnen herauszuschinden.«

Die Damen erhoben sich, es war Zeit zum Schlafengehen. Man verabschiedete sich und Kurt wurde auf sein Zimmer geführt.

Kurt trat ans Fenster und starrte in das Dunkel hinaus. Es wurde ihm plötzlich klar: die Worte, welche er heute gesprochen, waren doch ganz andere, wie er vor Wochen gesprochen hätte; wer redete denn aus ihm? War das der Wille des Stiefvaters, der durch ihn sprach? Er hatte früher nur immer gedacht: frei sein und die Einsicht habe«; deshalb hatte er sich auch nie dem Willen der Eltern fügen wollen und die Arbeit übernehmen, welche sie ihm zumuteten; nun sprach er heute fast so, wie der Stiefvater gesprochen hätte.

Und dann kam ihm plötzlich das Gefühl der Einsamkeit. Hier war er nun allein in dem fremden Gastzimmer; die Kälte sollte durch einen stark geheizten Ofen überwunden werden; aber er spürte körperlich, daß das Zimmer gewöhnlich unbewohnt war, und nach dem Familienzimmer unten war ihm nun die Einsamkeit doppelt schwer. Hatte er sich denn früher einsam gefühlt?

Die Tür des Zimmers in seinem Rücken öffnete sich leise und schloß sich; dann blieb alles still. Er wendete sich um, da stand vor der weißen Tür im dunklen Kleid die Tochter seiner Gastfreunde. »Fräulein Anna!« rief er aus. Sie trat langsam näher, ergriff seine Hand und sprach:

»Ich habe allem, was Sie gesagt, genau zugehört. Sie sind sehr hoch gestiegen, Sie wollen immer noch weiter steigen. Aber Sie sind ganz allein, Sie gehen in den Schneebergen. Ich weiß, daß ich nur ein gewöhnlicher Mensch bin im Vergleich zu Ihnen, aber ich habe etwas, das Sie nicht haben und das Sie gebrauchen. Sie haben keine Liebe. Ich weiß auch genau, was Ihr Stiefvater geleistet hat, ich habe begriffen, was nun, nach seinem Tode, in seinem Auftrage durch Sie ausgeführt werden soll. Aber auch er hatte keine Liebe. Ich habe in meinem Leben, schon von Kindheit an, viele Liebe empfangen, ich habe sie nie ausgegeben. Ihnen will ich sie geben, Sie sollen sie haben, denn Sie gebrauchen sie.«

Sie stand vor ihm mit geöffneten Händen und sah ihm leise errötend und mit halb offenen Lippen ins Gesicht.

Er wich zurück bis ans Fenster, schlug die Hände vor das Gesicht und schwieg. Nach langer Zeit sagte er: »Sie wissen ja nicht, was das für mich bedeutet, Sie wissen das ja nicht.«

»Doch, ich weiß es,« sagte sie.

»Ich habe mich ja so gesehnt, Sie wissen nicht, wie furchtbar die Sehnsucht ist,« rief er.

»Vielleicht kenne auch ich die Sehnsucht,« erwiderte sie errötend.

Er ging auf sie zu, ergriff ihre Hände und sagte: »Haben Sie gefühlt, was ich selber nicht wußte, was ich erst jetzt weiß – wie ist das denn möglich?« Er ließ ihre Hände los, wendete sich ab und fuhr fort: »Ach, wie ist das denn möglich, wie darf ich mich an einen Menschen ketten, wie darf ich einen Menschen an mich ketten! Ich bin ja ruhelos, ich fühle es. Ich muß ja ruhelos sein. Ich weiß nicht, weshalb das so ist.« Er schob sie von sich und rief: »Gehen Sie, gehen Sie, Sie sollen glücklich werden, aber ich würde Sie verlassen.«

»Was ist Glück?« fragte sie achselzuckend.

»Hören Sie nicht? Ich werde Sie verlassen. Ich gehöre nicht mir, sondern irgendeiner Macht in mir, die ich selber nicht kenne, die mir befiehlt, ich weiß heute noch nicht, was sie mir morgen befiehlt. Ich weiß nur: ich muß ihr gehorchen, sonst bin ich ein gemeiner Mensch. Nüchterne Leute müssen sagen, daß das Wahnsinn ist, vielleicht ist es Wahnsinn, vielleicht ist es das Höhere, das den andern nur nicht zum Bewußtsein kommt. – Übrigens drücke ich mich immer falsch aus,« sagte er nach einer Pause. »Wo ist meine Sicherheit? Ich wußte doch so genau, was ich tun muß, nun weiß ich noch nicht einmal, was ich fühle. Habe ich denn eben gelogen? Ist das denn alles so? Oder kann ich das nur nicht ausdrücken, was in mir ist?« Er schrie laut: »Ach, ich verstehe jetzt, wie ich einen Menschen ermorden könnte.«

Er kniete nieder vor ihr, hielt ihre weichen warmen Hände vor sein Gesicht, das Tränen überströmten. »Ich bin ja schwach, ich muß einen Menschen haben,« rief er, »aber nicht Sie, nicht Sie, ich würde Sie zu sehr lieben, ich muß ja die Menschen verbrauchen.«

Sie küßte ihn aus die Stirn und sprach leise: »Wenn es so ist, so sollen Sie mich verbrauchen, denn ich weiß, daß ich für mich allein nichts leisten kann, so bin ich denn doch für etwas nütze, denn Sie sollen etwas leisten.«

Damit ging sie aus dem Zimmer.

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