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Christoph Martin Wieland: Rosemunde - Kapitel 2
Quellenangabe
typetragedy
booktitleC. M. Wieland's sämmtliche Werke. Achtundzwanzigster Band.
authorChristoph Martin Wieland
year1857
firstpub1779
publisherG. J. Göschen'sche Verlagshandlung
addressLeipzig
titleRosemunde
pages65
created20131110
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vorbericht
der ersten Ausgabe.

Heinrich Plantagenet, erster König von England, aus dem Hause Anjou, – den uns die Geschichte als einen Prinzen beschreibt, der alle Vollkommenheiten des Leibes und Gemüths, die den liebenswürdigen Mann und den großen Fürsten machen, in sich vereinigte, – und seine Vermählung mit der vormaligen Gemahlin Ludwigs VII. von Frankreich, Eleanor oder Elinor, Erbin von Poitou und Guyenne, – und die Händel, die ihm der herrschsüchtige, unbändige Charakter dieser Frau zugezogen, seine Liebe zu der schönen Rosemunde und der unglückliche Ausgang, den sie durch die Eifersucht der Königin Elinor genommen: Alles dieß ist theils aus der Geschichte, theils aus einer schönen alt-englischen Ballade, wozu sie den Stoff gegeben, so bekannt, daß es Ueberfluß wäre, sich hier darüber auszubreiten. Von der letztern wird die artige, wiewohl ziemlich modernisirte Uebersetzung aus der Iris den Lesern vermuthlich noch im Andenken seyn. Auch findet sich in der Bibliothèque Univers. des Romans (Octobre 1776. Tom. I. p. 14 f.) und im 36. Stück des berlinischen literarischen Wochenblatts 1777 eine umständliche historisch-romantische Erzählung dieser durch Tradition und Poesie in die Wette verschönerten Liebesgeschichte, auf welche wir die Liebhaber allenfalls verweisen. Die alten englischen Chronikschreiber scheinen (sagt der Herausgeber der Relicks of Anc. English Poetry) dem Mönch Higden gefolgt zu seyn, aus welchem Stow diese Nachricht gibt: »Rosemunde, die schöne Tochter Walthers, Lords Clifford, und König Heinrichs II. Beischläferin, starb (wie Einige sagen, vergiftet von der Königin Elinor) im Jahr 1177 zu Woodstock, wo König Heinrich ein Haus von wunderbarer Bauart für sie hatte bauen lassen. Es wurde, nach Einigen, Labyrinthus oder Dädaluswerk genannt, weil es wie ein Irrgarten gebaut war, so daß Niemand, ohne vom König unterrichtet zu seyn, zu Rosemunden kommen konnte. Gleichwohl ging die Sage, die Königin habe vermittelst eines Knäuls Zwirn oder Seide (den der König, ohn' es gewahr zu werden, da er aus ihrem Zimmer zu Rosemunden gegangen, nachgeschleppt) den Weg zu ihr gefunden und sey so übel mit ihr umgegangen, daß sie nicht lange mehr gelebt habe.« Rosemunde wurde in einem Frauenkloster zu Godstow begraben, bei dessen Secularisirung man ihre Gebeine noch in einem bleiernen Sarge fand, und wie er geöffnet wurde (sagt der englische Alterthumsforscher Leland) ging ein gar lieblicher Geruch daraus hervor. Von ihrem Labyrinth sollen noch ums Jahr 1718 Ueberbleibsel zu Woodstock gefunden worden seyn.

Man hat in gegenwärtigem Singspiel den Umstand, daß Königin Elinor mit Gift und Dolch zu Rosemunden kommt – und den, daß sie nicht wirklich vergiftet wird, aus dem Singspiel gleiches Namens entlehnt, welches der berühmte Addison im Jahre 1706 auf die englische Schaubühne gebracht; wiewohl von dem letztern Umstand hier ein ganz andrer Gebrauch gemacht wird. Ueberhaupt hat man sich mit einer Geschichte, die sich aus der Geburtszeit der alten Ritterromane herschreibt und so nah an die Fabel grenzt, alle Freiheiten erlaubt, welche theils das Interesse des Stücks, als musikalisches Drama betrachtet, theils andere Rücksichten zu erfordern schienen. Geschrieben im Jahre 1778.

 


 

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