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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 9
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Erster Abschnitt.
Theologische Grundlage.

Auch der römische Götterglaube ist wesentlich ein polytheistischer; ja es ist oft von älteren und neueren Schriftstellern hervorgehoben worden, daß nach der Zahl ihrer Götter zu urtheilen die Religion der Römer noch weit mehr Polytheismus gewesen sei als die der Griechen. Und dennoch möchte man andrerseits behaupten, daß eine gewisse Hinneigung zum Monotheismus, die keinem polytheistischen Göttersysteme völlig abgeht, hier weit mehr bemerkbar ist als dort, wo die Mythologie und die bildende Kunst zuletzt die Individualität und Characteristik der Götter dergestalt verhärtet und verdichtet hatte, daß vor lauter Mannichfaltigkeit der sinnlichen Erscheinung eine geistige Auffassung sehr schwierig werden mußte. In Rom dagegen d. h. in seinen religiösen Gebräuchen von altitalischem Ursprunge ist die allgemeine Vorstellung der Gottheit immer weit flüssiger geblieben; die göttliche Natur erscheint in diesen Gebräuchen, indem sie bei einzelnen Namen und Beinamen angerufen und nach der jedesmaligen besondern Beziehung auf Menschenleben, Landbau u. s. w. so oder so benannt wird, weit mehr als ein geistiges Fluidum, welches durch alle Natur und alle Lebensformen ausgebreitet ist und die verschiedensten Gestalten annehmen kann, ohne darin nothwendig und ein für allemal zu verharren. Man würde deshalb den Götterglauben der Römer richtiger Pandämonismus nennen als Polytheismus, und unwillkürlich wird man, sobald man sich eingehender mit diesen alten Formeln und Gebeten ihres religiösen Grundgesetzes beschäftigt, an jene Pelasger von Dodona erinnert, welche 45 nach Herodot vor Homer und Hesiod weder Eigennamen noch Beinamen im Sinne Homers und Hesiods d. h. keine nähere mythologische Umschreibung und Bestimmtheit ihrer Götter gekannt hätten. Auch sind in der That die meisten Namen der ältesten römischen Götter, wie wir gleich sehen werden, von so unbestimmter und schwankender Bedeutung, daß sie für persönliche Eigennamen kaum gelten können.

Im Allgemeinen ist zu unterscheiden zwischen den persönlich gedachten Göttern, für welche die römische Sprache den Namen dei, dii, divi hat, und den geisterhaft wirkenden Dämonen, welche Genien, Laren, Manen, Penaten u. s. w. genannt wurden und nicht sowohl an und für sich eine eigne Persönlichkeit haben als dadurch erst bekommen, daß sie sich mit gewissen Menschen, Völkern, Städten und Stätten, oder auch mit gewissen Functionen des menschlichen Lebens oder dessen Geschäften identificiren. Eine dritte Klasse bilden die Semonen und Indigeten, welche sich noch am ersten mit den griechischen Heroen vergleichen lassen und hin und wieder wirklich mit ihnen indentificirt haben, eine vierte die untergeordneten Collectivgottheiten der freien Natur, die Faune und Silvane, Lymphen und Viren, welche meist als dienende Umgebung der höheren Gottheiten erscheinen.

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