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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 8
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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8. Die römische Mythologie seit Niebuhr.

Erst seit einer solchen Behandlung, wie sie das römische Alterthum durch Niebuhr erfahren hatte, ist eine eigenthümliche Behandlung auch der römischen und italischen Religion d. h. ihrer nationalen Bestandtheile möglich geworden; hat Niebuhrs Ansicht von der lateinischen Sprache als sei sie eine Mischsprache, sein Glaube an ein nationales Epos der Römer auch wieder aufgegeben werden müssen, so wurde doch in seinem Werke über die römische Geschichte zuerst der Weg gewiesen, auf welchem die Späteren das Richtige finden konnten. O. Müller hat das Verdienst in seinem Werke über die Etrusker (1828) den ersten bedeutenden Fortschritt gethan zu haben; es wurde hier zum erstenmal ein nach allen Richtungen ausgeführtes Bild von diesem merkwürdigen Volke gegeben und darin auch von seinen Glauben und seinen Göttern ausführlich gehandelt, dabei aber auch das übrige italische Alterthum, seine Dialekte und seine Götter, eingehender als es bisher geschehen war berücksichtigt. Weiterhin erschien von J. A. Hartung die Religion der Römer, Erlangen 1836, 2 Bde., ein Buch in welchem die nationale Selbständigkeit und eigenthümliche Wichtigkeit der römischen Religion zuerst erkannt und insofern auch die Aufgabe der Untersuchung richtig erfaßt wurde»Von der größten Wichtigkeit scheint Ein Resultat, welches aus dieser Untersuchung hervorgeht, daß nehmlich die römische Religion des klassischen Zeitalters unter dem Einflusse fremder Götterhimmel mit ihren Sagengeschichten, besonders des griechischen, völlig verändert und sich selbst entfremdet worden war. Es ist ein alter Tempel von einem Ueberbau verhüllt worden, sodann sind beide eingestürzt, und wir haben nun die Trümmer des ersteren Gebäudes unter dem Schutte des zweiten hervorzugraben.«. 42 Demselben Gesichtspunkte folgten bald darauf die Untersuchungen von R. H. Klausen, namentlich in seinem Hauptwerke: Aeneas und die Penaten, die italischen Volksreligionen unter dem Einfluß der griechischen, Hamburg und Gotha 1839, 2 Bde., nehmlich daß die Eigenthümlichkeit des italischen Götterglaubens durch den Einfluß der griechischen Bildung und Mythologie ganz entstellt sei und den gangbaren Ueberlieferungen der Römer durch mühsame Untersuchung wieder abgewonnen werden müsse; nur daß die Ausführung und nähere Begründung dieses Satzes in dem engen und künstlichen Zusammenhange der Aeneassage und hinsichtlich der Methode viel zu wünschen übrig läßt. In einer andern Richtung bewegen sich die Untersuchungen von L. Krahner, welcher namentlich auf die Wichtigkeit der Schriften Varros und auf die verschiedenen Epochen der römischen Staatsreligion hingewiesen hat, und die von J. A. Ambrosch, welcher in seinen Untersuchungen über den Zusammenhang der römischen Stadtgeschichte mit der Geschichte der älteren Culte, so wie in denen über die römischen Priesterthümer und die Religionsbücher der Römer, gleichfalls vieles Wichtige zuerst anregte. Andre Forscher haben auf Veranlassung einzelner Schriftsteller gewisse Abschnitte der sacralen Alterthümer behandelt, wie namentlich R. Merkel in seiner Ausgabe von Ovids Fasten, Andre, namentlich A. Schwegler in seinem Werke über die Römische Geschichte im Zeitalter der Könige, Tüb. 1853. 8, mit dem römischen Alterthum auch die Sagengeschichte von Rom und Latium auf lehrreiche und anregende Weise beleuchtet. Endlich ist neuerdings von Marquardt ein Buch über den gesammten Gottesdienst der Römer erschienen, welches auch für unsre Zwecke ein reiches Material darbietet. Außer den eigentlichen Studien des römischen Alterthums aber sind auch die neuerdings mit so vielem Erfolge betriebenen der vergleichenden Linguistik und die der vergleichenden Mythologie für unsre Aufgabe von großer Wichtigkeit, zumal da die Quellen sonst so spärlich fließen und vieles Alte und Ursprüngliche, oft das Wichtigste, ohne die Hülfsmittel jener beiden vergleichenden Studien gar nicht 43 erkannt werden kann. Das eine führt auf die alten Wortstämme der Götternamen eingehend zu dem Ursprünglichen der dabei zu Grunde liegenden Vorstellung, welche durch die falsche Etymologie und deutelnde Willkür der Alten oft ganz verloren gegangen war. Das andre lehrt durch Vergleichung verwandter Religionssysteme, namentlich der auch in der Sprache verwandten Völker, das in der Ueberlieferung des einen Volks Verdunkelte oft auf überraschende Weise aufklären. 44

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