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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 75
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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7. Die Larven und Lemuren.

Wurden die Laren als holde und gute Geister gedacht, so waren die Larven die unholden, die ungeheuren Geister des römischen Volksglaubens, die als Gespenster umgehenden Seelen der Verstorbenen, sei es daß sie in Folge eines Versäumnisses der vorgeschriebenen religiösen Gebräuche nicht zur Ruhe gekommen waren oder daß sie sonst erregt und umgetrieben wurden; denn wie bei andern Völkern, so glaubte man auch in Rom nicht allein an die Möglichkeit eines Verkehrs zwischen Verstorbenen und Lebendigen, sondern auch an bestimmte Epochen der Jahreszeit und gewisse Tage, wo die Geister aus ihrer dunklen Tiefe emporkämen und auf der Erde umgehend ihre ehemaligen Wohnungen und ihre Angehörigen aufsuchten. Natürlich verband sich damit bald der Glaube, daß solche Spukgeister entweder durch eigne Verschuldung oder in Folge schwerer Unbill, die sie erlitten, namentlich eines gewaltsamen Todes, nicht zur Ruhe kommen könntenLiv. III. 58 Manesque Virginiae, mortuae quam vivae felicioris, per tot domos ad petendas poenas vagati nullo relicto sonte tandem quieverunt. Vgl. Plaut. Mostell. II, 2, 68 und über den Gespensterglauben überhaupt Lucret. 1, 131 ff., Virg. Aen. X, 641.: daher die Larven insgemein für böse und verdammte Geister von schrecklicher Gestalt und sinnverwirrender Wirkung gehalten wurden, die gewöhnlich gleichbedeutenden LemurenHorat. Ep. II, 2, 208, Pers. V, 185 c. Schol., Non. Marc. p. 135 Lemures larvae nocturnae et terrificationes imaginum et bestiarum, Augustin C. D. IX, 11. Andre gebrauchen das Wort Lemures von den Geistern der Verstorbenen überhaupt, Larvae von den Gespenstern der Bösen, Apul. de Deo Sacr. p. 152 vgl. Apolog. p. 535, Martian. Cap. II, 162. aber vermöge der in der römischen Volkssprache früher und jetzt sehr gewöhnlichen Verwechslung von l und r mit dem gewaltsamen Tode des Remus in Verbindung gebracht wurden, dessen zürnender Geist von dem Bruder Romulus erst durch die Stiftung eines eignen Sühnfestes der Lemurien habe zur Ruhe gebracht werden könnenOvid F. V, 451 ff, Serv. V. A. I, 276 und 292, Porphyrion z. Horat. l. c. zu lesen: lemures umbras vagantes hominum ante diem mortis mortuorum et ideo metuendos etc.. Dieses Fest wurde in drei Nächten, am 9. 11. und 13. Mai begangen und scheint ursprünglich nichts weiter als ein allgemeines Todtenfest gewesen zu sein, wie das der Feralien im Februar, nur daß 500 man bei diesen die Todten an ihren Gräbern durch Opfer und Gebete versöhnte, bei den Lemurien aber sie als nächtlich umgehende und ihre alten Wohnungen und Gewohnheiten aufsuchende dachte, also die zu ihrer Beruhigung nöthigen Gebräuche im eignen Hause verrichtete. Diese von jedem Hausvater beobachteten Gebrauche beschreibt Ovid ausführlichFast. V, 419 ff., vgl. die Kal. Maff. Venus. z. 9. 11. 13. Mai und Paul. p. 87 fabam. Auch Varro b. Non. Marc. p. 135 spricht von diesem Gebrauche: Quibus temporibus in sacris fabam iactant noctu ac dicunt se lemures domo extra ianuam eiicere.. Um Mitternacht erhebt sich derselbe, schreitet mit bloßen Füßen durch das Haus und macht mit der Hand das Zeichen, welches die Geister scheuchtVs. 433 Signaque dat digitis medio cum pollice iunctis, Occurrat tacito ne levis umbra sibi.. Dann wäscht er sich die Hände mit reinem Quellwasser, steckt schwarze Bohnen in den Mund, wirft diese wieder durch das Haus schreitend hinter sich und sagt dazu neunmal ohne umzublicken: »Dieses gebe ich her und mit diesen Bohnen erkaufe ich mich und die Meinigen.« Denn ungesehn schlüpfen die Geister hinter ihm her und sammeln die Bohnen auf. Dann reinigt er sich abermals mit Wasser, schlägt an ein ehernes Becken und bittet daß die Geister nun sein Haus verlassen mögen. Hat er dieses neunmal mit den Worten: Manes exite paterni! wiederholt, so darf er umblicken, denn er hat dem alten Brauch Genüge gethan. Hernach erzählt auch Ovid das Mährchen vom Geiste des Remus und fügt endlich hinzu, in älterer Zeit sei dieser Tag viel heiliger und festlicher gewesen, auch seien damals wie an den Feralien die Tempel verschlossen gewesen und man habe eben so sorgfältig wie an jenen Tagen alle Heirathen vermieden. Mit der Zeit wurde namentlich die Vorstellung von den Larven noch immer mehr im Sinne des Volksglaubens an böse Geister und Gespenster ausgebildet. Sie schlagen die Lebendigen mit WahnsinnPaul. p. 119 larvati; Non. Marc. p. 44 cerriti et larvati, vgl. Plaut. Amphitr. II, 2, 145, Aulul. IV, 4, 15, Captiv. III, 4, 66, Casina III, 4, 2, Menaechm. V, 4, 2 u. a. und sind selbst in der Unterwelt für die Verstorbenen schreckliche PlagegeisterPlin. H. N. I praef. 10, Seneca Apocol. 9, 3.. Man dachte sie sich wie abgezehrte Gliederfiguren und SkeleteSeneca Ep. 24 larvarum habitum nudis ossibus cohaerentium. Anthol. lat. 1647, 12 macies larvalis. Ammian. M. XXXI, 1, 3 larvale simulacrum regis. Daher b. Petron. 34 eine solche larva von Silber, sic aptata ut articuli eius vertebraeque laxatae in omnem partem verterentur auf den Tisch geworfen wird, um nach der beliebten Sitte der Alten durch die Erinnerung an den Tod zum Lebensgenuß aufzufordern. Paul. p. 123 Sunt qui Maniam larvarum matrem aviamve putant. Wie unsre des Teufels Großmutter. und 501 nannte nun auch die Mania im Sinne dieses Gespensterglaubens nicht mehr die Mutter der Laren, sondern die Mutter oder die Großmutter der Larven. 502

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