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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 74
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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6. Der Cultus der Laren.

Das Wort Lares scheint ursprünglich wie Manes den allgemeinen Sinn von guten Geistern der Erde gehabt zu haben, nur daß der Begriff Manes speciell die Güte und Reinheit dieser Geister hervorhebt, Lares dagegen eigentlich »die Herrn« bedeutet gleich dem griechischen Worte ήρωες (S. 72), wie die italischen Laren und die griechischen Heroen denn in der That viel Verwandtes haben. Mit der Zeit aber wurden, wie Divi Manes speciell die Geister der Verstorbnen sind, so auch die Laren meist für die verklärten Geister der Vorfahren gehalten: wodurch eine gewisse Idealität dieses Begriffs keineswegs ausgeschlossen wird, da z. B. der lar familiaris eines Hauses als dessen Ursprung und idealer Schutzgeist nicht der Geist eines verstorbnen Mitgliedes desselben gewesen sein kann. So ist auch der Kreis, innerhalb dessen die Laren thätig gedacht werden, zu ausgebreitet als daß man ihn blos von den Geistern der Verstorbnen ausgefüllt denken könnte, wie andrerseits das verwandte Wort larva wie lemur zunächst im Allgemeinen den Geist eines Verstorbnen, anima, ψυχή bedeutet, dann speciell den in der Nacht umgehenden Geist. Daher die schwankenden Vorstellungen und Erklärungen der Alten, nach welchen der Volksglaube bei dem Worte Laren meist an die Schutzgötter der Wege und Straßen dachte, während Nigidius Figulus sie bald für die Schutzgötter der Häuser erklärt bald mit den kretischen Kureten und idäischen Daktylen verglichen, Varro aber bald die italischen Manen und Genien bald die griechischen Heroen zur Vergleichung herbeigerufen hatteArnob. III, 41 vgl. Hygin. f. 139. Nach Serv. V. A. V, 64 vgl. VI, 152 wären die Verstorbenen eines Hauses in alter Zeit sogar in demselben begraben worden, doch ist das wohl nur eine Conjectur um die Entstehung des Dienstes der Hauslaren und der Penaten zu erklären, die man für die Geister der Verstorbenen hielt. Nach Fulgent. expos. p. 560 wurden die Leichen von Kindern unter vierzig Tagen dicht am Hause unter dem Schirmdache (suggrunda) eingescharrt, daher solche Gräber suggrundaria hießen.. Noch später, als man die Geister aller Arten und Klassen durch 487 einander zu werfen und nur noch etwa nach dem Unterschiede von guten und bösen zu sondern pflegte, hieß es gewöhnlich daß die Seelen von guten Menschen nach ihrem Tode zu Laren, die von bösen zu Larven würdenApulej. d. Deo Socr. p. 152 Oudend., Augustin C. D. IX, 11, Martian. Cap. II, 155..

Jedenfalls war auch der Glaube an diese guten Erdgeister ein allgemein italischer, da er sich nicht blos bei den Latinern, sondern auch bei den Sabinern nachweisen läßt und bei den Etruskern schon wegen der Identität des Sprachgebrauchs vorausgesetzt werden darfVarro l. l. V, 74. Die Etrusker rühmten sich im Besitze gewisser Sacra zu sein, durch welche die Geister der Verstorbnen zu Göttern (dii animales) d. h. zu Laren und Penaten erhoben wurden, s. Arnob. II, 62, Serv. V. A. III, 168.. Und zwar wird man auch hier den ländlichen Larenglauben gewiß für den ältesten halten dürfen, wo sie als segnende und behütende Geister der Flur, des Weinbergs, der Wege und alles ländlichen Verkehrs verehrt wurden, im Hause aber als familiares, unter denen namentlich der lar familiaris schlechthin der eigentliche Schutzgeist der Familie ist, der für die Fortdauer derselben sorgt und gelegentlich auch selbst zeugend auftritt. So in der merkwürdigen Sage vom Ursprunge des Königs Servius Tullius, welcher dadurch nach lateinischem Glauben für einen Sohn des lar familiaris im königlichen Hause der Tarquinier erklärt wird und als Sohn eines Laren auch die Larenfeier der städtischen Compitalien gestiftet haben sollDionys. Hal. IV z. A., Plin. H. N. XXXVI, 27, 70., während in der Familientradition der Valerier die Laren des Heerdes oder des Hains vor der Thüre ihres Ahnen im Sabinerlande dem verzweifelten Vater den Weg zur Rettung der Kinder zeigen (S. 470). Nicht weniger alterthümlich ist die Sage von dem berühmten Seher Atta Navius, wie dieser als Kind in seiner sabinischen Heimath die Schweine hütete und sich von seiner Heerde einst, da er eingeschlafen war, einige Thiere verlaufen hatten. Er weinte bitterlich darüber, denn er fürchtete den Zorn des strengen Vaters; dann aber faßte er sich ein Herz, ging zu der Larencapelle des nächsten Weinbergs und bat die Laren mit heißem Gebete, daß sie ihm wieder zu seinen Schweinen verhelfen möchten; wenn er sie wiederfinde, wolle er ihnen die größte Traube in dem ganzen Weinberge darbringen. Er fand die Thiere und wollte das Gelübde erfüllen, aber wie sollte er es anfangen um genau die größte Traube des 488 Weinbergs aufzufinden? Traurig bat er um ein Zeichen, da fand er durch Eingebung die Kunst der Beobachtung des Vögelflugs und eine Traube von wunderbarer Größe, worüber der Vater hinzukam und den Geist seines Sohns erkennend ihn in die Stadt zu den Meistern der Weissagekunst und andrer Wissenschaft führte. So wissen wir auch aus Cicero daß die Laren auf dem Lande allgemein in Hainen verehrt wurdenCic. de Leg. II, 8, 19 lucos in agris habento et larum sedes. 11, 27 neque ea quae a maioribus prodita est cum dominis tum famulis posita in fundi villaeque conspectu religio larium repudianda est. Vgl. Serv. V. A. I, 441, III, 302 und oben S. 71. In Rom gab es u. a. einen vicus larum ruralium., und der den sanften Stimmungen des ländlichen Lebens ergebene Tibull versichert II, 1, 59: »Auf dem Lande war es, daß zuerst ein Knabe aus Frühlingsblumen Kränze flocht und damit die alten Laren schmückte«, während nach Cato r. r. 2 jeder Hausvater, wenn er aufs Land geht, zuerst den lar familiaris begrüßen und erst dann seinen Umgang durch die Felder halten soll. Selbst die Compitalienfeier des Servius Tullius ist nur für die Uebertragung eines ländlichen Gebrauchs auf die Stadt zu halten, da es so gut auf dem Lande wie in der Stadt vici und compita gab und sowohl diese größeren Quartiere als die einzelnen Häuser und Höfe neben ihren schützenden Silvanen auch behütende und segnende Laren verehrten.

Den lar familiaris schlechthin lehren uns verschiedene Stellen bei Plautus näher kennen. So in dem Prologe zur Aulularia, wo der lar familiaris selbst auftritt und den Zusammenhang des Stücks erklärt. Er sei der Schutzgeist des Hauses. Viele Jahre schon behüte er dasselbe und der Vater wie der Großvater des jetzigen Hausherrn seien seine guten Freunde gewesen. Der Großvater habe ihm einen Schatz anvertraut, den er heimlich am Heerde berge; den wolle er jetzt der einzigen Tochter des Hauses zuwenden, einem guten und frommen Mädchen, das ihm täglich Gaben spende, etwas Weihrauch und Wein oder Kränze und sonst etwasMan kannte in Italien auch eine eigne Klasse von Geistern, welche von verborgenen Schätzen wissen und dieselben bebüten. Sie heißen incubones und tragen Kappen (ein Symbol ihres verborgenen und heimlichen Wesens). Wenn man ihnen dieselben raubt, kann man sie zur Offenbarung des Schatzes zwingen. Also ganz wie unsre Hausgeister. Petron. S. 38 vgl. Grimm D. M. 479.. Eben so Trinumm. 39 ff., wo der Familienvater beim Wechsel der Wohnung seine Frau 489 auffordert den lar zu bekränzen, damit ihnen auch die neue Wohnung gesegnet sei. Neben diesem lar familiaris im Singular, welcher auch der lar schlechthin heißt oder als Lar Pater angerufen, auch nicht selten schlechtweg für Haus und Heimath genannt wirdPlaut. Merc. V, 1, 5 Dii Penates meum parentum familiaeque Lar Pater. Horat. Od. I, 12, 43 avitus apto cum lare fundus. Der Prolog des Laberius bei Macrob. II, 7, 3 eques Romanus ex lare egressus meo domum revertar mimus. Sallust. Cat. 21 illos binas aut amptius domos continuare, nobis larem familiarem nusquam ullum esse? Seneca Med. 20 per urbes erret ignotus, egens, exsul, – incerti laris. Martial. XI, 82, 2 lar conductus. Virgil Ge. IV, 43 gebraucht lar von dem Stocke der Bienen, wie er ihnen v. 155 auch Penaten zuschreibt, Valer. Flacc. IV, 44 von dem Neste der Vögel., giebt es dann auch viele lares oder lares familiares, welche wie jener von der Familie als Schutzgötter verehrt und sehr oft neben den Penaten genannt und mit diesen verwechselt werdenCic. Rep. V, 5, 7 ad vitam autem usumque vivendi ea descripta ratio est iustis nuptiis, legitimis liberis, sanctis Penatium Deorum Larumque familiarium sedibus (d. h. durch Eintheilung des Grund und Bodens unter den verschiednen Familien und Hausständen), ut omnes et communibus commodis et suis uterentur. Pro Domo 41, 108 ista tua pulchra Libertas Deos Penates et familiares meos Lares expulit. Vgl. pro Quinct. 26, 83 und 27, 27, Virg. Aen. IX, 258. Bei Ennius Ann. vs. 163 ist zu lesen: Vosque Lares, tectum [et] nomen qui funditus curant. Bei Sueton Calig. 5 heißt es zur Characteristik der Verzweiflung nach dem Tode des Germanicus: lapidata sunt templa, subversae deum arae, Lares a quibusdam familiares in publicum abiecti, partus coniugum expositi. Or. n. 1666 lares domestici., wie diese beiden Klassen von Geistern denn auch neben einander auf dem Heerde verehrt wurden. Alles was die Familie Theures, Heimathliches und an schönen und lieben Erinnerungen besaß, was sie in Freud und Leid bewegte, sowohl die wichtigeren Momente des Tages als die des Jahres, Geburtstage, Hochzeiten, Sterbefälle, Abreise und Wiederkehr des Hausvaters u. s. w., Alles pflegte man diesen Göttern ans Herz zu legen, mit ihnen zu berathen, zu ihnen dafür zu beten und bei dem Gebete fromme Gaben darzubringen: daher das römische Alterthum keinen innigeren, keinen eigentlicheren Ausdruck für das was wir Heimath nennen hatte als wenn es an die Laren und an die Penaten erinnerte.

Nach aller Sitte, sie erhielt sich am längsten auf dem Lande, war das Atrium der allgemeine Familien und Speisesaal und in demselben der Heerd die Stätte der Laren und der Penaten, vor welchem die Familie bei allen feierlichen und fröhlichen 490 Gelegenheiten zusammenkam und namentlich die tägliche Mahlzeit in traulicher Geselligkeit einnahmServ. V. A. I, 726 nam, ut ait Cato, et in atrio et duobus ferculis eputabantur antiqui. Varro b. Non. Marc. p. 531, 14 in foco larum familiarium. Plaut. Aulul. II, 8, 16 haec imponentur in foco nostro lari. Horat. S. II, 6, 65 ipse meique – ante larem proprium vescor. Ovid F. VI, 299 ante focos olim scamnis considere longis mos erat et mensae credere adesse deos. Plin. H. N. XXVIII, 20, 81 focus larum, quo familia convenit. Colum. XI, 1, 19 consuescat (villicus) rusticos circa larem domini focumque familiarem semper epulari atque ipse in conspectu eorum similiter epuletur. Schol. Horat. Epod. 11 iuxta focum dii Penates positi fuerunt Laresque inscripti ideo, quod ara deorum Larum focus sit habitus. Daher die drei Gebote nach Varro bei Non. Marc. p. 479 Non male dicere, pedem in focum non imponere, sacrificari und die Zusammenfassung aller Heiligthümer einer Stadt in der Formel arae et foci, d. h. die Heiligthümer der Tempel und der Häuser, s. Serv. V. A. III, 134.. Hier standen die Bilder der Laren, einfach aus Holz geschnitzt, daher die anmuthige Dichtung Tibulls I, 10, 15, wenn er die väterlichen Laren um Schutz bittet, wie sie seine zarte Jugend, da er noch zu ihren Füßen herumgelaufen, behütet und bewahrt hätten, dieselben alten hölzernen Larenbilder, welche der fromme Großvater mit einfachen Gaben verehrt habe, einer Traube, einem Aehrenkranze, in außerordentlichen Fällen etwa mit einem Opferkuchen. Vorzüglich hatte die Hausfrau, die Schaffnerin des Heerdes, die Pflicht für den lar familiaris und die Laren überhaupt zu sorgen, daher sie nach Cato r. r. 143 den Heerd vor allen Dingen rein halten und täglich ehe sie zu Bette geht abkehren, an den Kalenden, Iden und Nonen jedes Monats aber einen Kranz auf den Heerd legen und dabei dem lar familiaris nach bestem Vermögen eine Spende darbringen und zu ihm beten solle, wozu bisweilen auch das Opfer eines Schweines hinzutrat. Besonders waren die Kalenden jedes Monats ein Tag solcher frommen GabenTibull. I, 3, 33 ut mihi contingat patrios celebrare Penates reddereque antiquo menstrua tura Lari. Vgl. Propert. IV, 3, 53, Horat. Od. III, 19, 9 und 23 z. A. Caelo supinas si tuleris manus nascente luna, rustica Phidyle, si ture placaris et horna fruge Lares avidaque porca., vor allen übrigen Kalenden wie es scheint die des Maimonats, welcher Tag in dem Kal. Venusinum als Tag der Laralia bezeichnet wird, die nach Fest. p. 253 zu den sacra popularia gehörten d. h. zu solchen Gottesdiensten, welche ohne bestimmtere Betheiligung der Priester familienweise und in allen Hausständen begangen wurden. Dahingegen der Kranz bei den verschiedensten Gelegenheiten, namentlich bei allen Familienfesten die Laren schmückte, und zwar immer ein recht großer und schwerer Kranz, so daß die kleinen Larenbilder 491 gewöhnlich ganz in Blumen und Blättern versteckt warenPaul. p. 69 Donaticae coronae.. Ausserdem bekamen die Laren bei jeder Mahlzeit ihre bestimmten Opfer von Speise und Trank, die ihnen, nachdem die erste Schüssel abgegessen war, unter andachtsvollem Schweigen in kleinen dazu bestimmten Schüsselchen (patellae) auf den Heerd gesetzt und in die Flamme geschüttet wurden, bis nach dem Rufe Dii propitii! die Mahlzeit fortgesetzt werden konnteServ. V. A. I, 730, oben S. 426, 1063 und die Erzählung von der Ocrisia, welcher sich der lar familiaris bei diesem Speiseopfer in der Flamme des Heerdes zeigt, s. Dionys. IV, 2, Ovid F. VI, 621 ff., Plut. de fort. Ro. 10. Vgl. Plin. XXVIII, 2, 5 in mensa utique id (ein zur Erde gefallener Bissen) reponi adolerique ad larem piatio est. Varro b. Non. p. 544 patella: Quocirca oportet bonum civem legibus parere et deos colere, in patellam dare μικρὸν κρέας. Ovid F. II, 638 nutriat incinctos mixta patella lares. Vgl. Pers. S. III, 24 c. Schol. Bei Petron. 60 werden die Larenbilder auf den Tisch gesetzt, weil der Heerd nicht in der Nähe ist. Sie heißen hier Cerdo, Felicio und Lucio.. Daher bei Plautus Cistell. II, 1, 46 der Ausdruck: Di me omnes magni minutique et patellarii d. h. die großen, die kleinen und die Hausgötter, die man täglich beköstigt und die ganz nothwendig zur Familie gehören. In den verschiedensten Wendungen und Ausdrücken wiederholt sich dieses Gefühl, daß die Laren recht eigentlich die belebenden und beseelenden Geister des Hauses sind. Jedes Fest trifft sie mit, Geburtstage, der Eintritt eines Sohns in die männlichen Jahre, wo die Bulla der kindlichen Jahre den Laren geweiht wurde, das jährliche Erinnerungs- und Familienfest der Caristien, die Feier der glücklichen Rückkehr eines Familienmitgliedes oder eines Freundes von der Reise oder aus der gefahrvollen See oder aus dem Kriege, wo den Laren auch wohl ein Stück der Beute geweiht wurde, der Genesung aus schwerer KrankheitPlaut. Aulul. II, 8, 15, Horat. S. II, 3,163, Propert. II, 30, 23, Ovid F. II, 629 ff, Pers. S. V, 30, Iuvenal. XII, 86 ff., 113, vgl. Henzen z. Or. n. 5770 a C. Salvius Entychus Lar(ibus) Cas(anicis) ob redit(um) Rectinae nep. v. s., aber auch alle Noth der Familie, Dürftigkeit, Trauer u. s. w.Propert. IV, 1, 127; 3, 53, Tibull. I, 1, 23.. Die Bilder, welche auf dem Lande bei feierlichen Gelegenheiten mit Wachs gebohnt wurdenHorat. Epod. 2, 66 positosque vernas – circum renidentes Lares, wenn dieses nicht auf den fettigen Glanz der Speiseopfer zu beziehn ist. Iuvenal. XII, 87 inde domum repetam, graciles ubi parva coronas accipiunt fragili simulacra nitentia cera., in der Stadt meist von Stein oder Metall waren, hatten ihre 492 herkömmliche Darstellung mit aufgeschürzten Togen und Hörnern, Schalen oder Kannen in der HandOvid F. II, 634 incincti, Pers. V, 31 succincti. Vgl. die Nachweisungen bei O. Jahn zu ds. St. und b. O. Müller Handb. d. Arch. § 405, 7.. Tertullian erzählt daß man mit diesen Bildern so wenig Umstände mache, daß sie sobald sie abgenutzt wären und eben kein Geld da sei, auch wohl verpfändet, verkauft und zu allerlei unsaubern Zwecken ausgetauscht würdenTertull. Apolog. 13, vgl. Iuven. VIII, 110 ipsi deinde Lares, si quod spectabile signum, si quis in aedicula deus unicus.; doch kann dieses nur von der Stadt und den späteren Zeiten gelten, wo man unter den Laren die Hausgötter überhaupt verstand und die Bilder von diesen in den anständigeren Häusern gewöhnlich von Silber waren.

Nächst den lares familiares sind die lares compitales oder viales die wichtigsten, sowohl auf dem Lande als in der Stadt. Man kann sie lares publici nennen im Gegensatze zu den lares privatiPlin. H. N. XXI, 3, 8 iam tunc coronae deorum honos erant et larum publicorum privatorumque ac sepulcrorum et Manium., denn ihr Gottesdienst gehörte allerdings zu den öffentlichen; doch gingen sie zunächst nur das compitum an, welches unter ihrem Schutze stand, d. h. den Kreuzweg und das zu demselben gehörige ländliche oder städtische Quartier, von dem sie eben verehrt wurden. Compitum ist nehmlich eigentlich der Punkt wo mehrere Wege sich treffen, dann das über einer solchen Wegscheide errichtete Gebäude mit Durchgängen und Capellen, immer an lebhaften Verkehrspunkten, daher die gesammte Nachbarschaft dort zusammenzukommen, gemeinschaftliche Angelegenheiten zu berathen, volksthümliche Feste zu feiern pflegte, namentlich auf dem LandePers. IV, 28 mit den Scholien und Auslegern, vgl. Philargyr. z. Virg. Ge. II, 382, Isidor. Orig. XV, 2, 15 u. a. In der einfacheren Bedeutung des Scheidewegs, ubi plures viae competunt, wird das Wort z. B. von Varro b. Non. Marc. p. 94 und von Pers. V, 35 gebraucht, in der eines Gebäudes b. Grut. p. 107, 1 compitum refecerunt, Mommsen I. N. 1504 compitum a solo pecunia sua fecerunt, Grat. Cyneg. 483 molimur compita lucis.. Eben deswegen hatten vorzüglich die schützenden Laren der ganzen Nachbarschaft (vicinia von vicus) dort ihre Capellen, sowohl auf dem Lande als in der Stadt, wo die Larencapelle so wesentlich zu den Heiligthümern der Bewohner des Straßenquartiers gehörte, daß nach altem römischen Herkommen jede junge Frau, wenn sie zuerst in das Haus ihres Mannes eintrat, nicht blos diesem und den lares familiares des Hauses, sondern auch denen des nächsten 493 compitum einen As geben und sich damit symbolisch in die neue Genossenschaft einkaufen mußteVarro b. Non. Marc. p. 531. Zu vergleichen ist der Kaufschilling, welcher für die Gebornen, die Neubürger und die Verstorbenen in den Kasten der Lucina, Iuventas und Libitina gethan werden mußte. Auch mußte bei jeder Compitalienfeier jedes Haus einen Opferkuchen steuern, Dionys. H. IV, 14.. Und zwar sind diese lares compitales die Schutzgeister des gesammten Verkehres der Nachbarschaft und als solche immer vialesVarro l. l. VI, 25 Compitalia dies attributus Laribus ut alibi; ideo ubi viae competunt tum in compitis sacrificatur. Man liest gewöhnlich Laribus Compitalibus, doch würde es leichter und natürlicher sein zu ändern Vialibus, vgl. Plaut. Merc. V, 2, 22 invoco vos Lares viales ut me bene iuvetis, und die Inschriften b. Or. n. 1762. 1894. Ueber Tertull. de Spectac. 5 s. oben S. 421, 1051., der Zahl nach in der Stadt immer zwei, welche mythologisch für Brüder, nehmlich für Söhne des Mercurius und der Lara galtenOvid F. II, 613 fitque gravis geminosque parit qui compita servant et vigilant nostra semper in Urbe lares. Vgl. oben S. 459.. Dem gemäß gab es auch sowohl ländliche als städtische Compitalien, wie namentlich Cato jener wiederholt gedenkt und auch von den festlichen Schmäusen der Landleute bei ihnen wiederholt die Rede istCato r. r. 5, 4 und 57, vgl. Plin. H. N. XIX, 6, 34, Anthol. lat. ed. H. Meyer n. 105, 27, Grut. p. 106, 13, Fabretti p. 232, 610.. Um so häufiger werden die städtischen genannt, welche Servius Tullius, nach dem Glauben des Volks der Sohn eines Laren, in Wahrheit als Begründer einer das ganze Rom zusammenfassenden städtischen Eintheilung in sogenannte vici gestiftet hatte. Mit dieser Eintheilung hängt es zusammen, daß damals für alle zu demselben vicus gehörenden Bürger beim nächsten compitum eine Capelle der Laren und eine jährliche Feier derselben gestiftet wurde, mit einem gemeinschaftlichen Opfer, zu welchem jedes zu dem vicus gehörige Haus einen Opferkuchen steuern mußte. Bei dem Opfer sollten nach der Einsetzungsformel denen die es im Namen der vicinia brachten nicht Freie, sondern Sklaven zur Hand gehn, als ob die Laren diese am liebsten sähen: wahrscheinlich ein Rest der guten alten Zeit, wo die Sklaven dem Familienleben noch so viel näher standen und, wie sie auf dem Felde mitarbeiteten, so auch bei der Erndte und andern ländlichen Festen mitfeierten: worin man später einen von den vielen Zügen der Güte und Menschenfreundlichkeit finden wollte, die man sich von dem sehr populären Könige Servius Tullius erzählte. Der Zeit nach fiel dieses Fest bald nach den Saturnalien, doch waren die Tage nicht 494 bestimmt, sondern sie wurden jährlich angesagtVarro l. l. VI, 25, Paul. p. 62 conceptivae feriae, Macrob. S. I, 16, 6. Nach Dionys. IV, 14 fielen sie gleich nach den Saturnalien, nach Cic. in Pis. 4, ad Att. II, 3, VII, 7, 3 gewöhnlich in den Januar. Die Ankündigungsformel des Prätor hat Gellius N. A. X, 24 erhalten: Dienoni (für die nono) populo Romano Quiritibus Compitalia erunt. Quando concepta fuerint, nefas. Vgl. Macrob. I, 4, 27 und Marini Atti p. 128.. Unter den Gebräuchen waren manche, welche an Todtendienst und frühere Menschenopfer erinnerten. So wurde vom Volke der Gebrauch beobachtet, den Laren in der Nacht allerlei Gegenstände, namentlich Knäuel und Puppen von Wolle an den Kreuzwegen und vor den Hausthüren aufzuhängen und dabei in den Häusern Köpfe von Mohn oder Knoblauch zu opfern, welche wie jene Knäuel (pilae) und Puppen (maniae) für die Häupter und Leiber der Familienmitglieder gelten sollten: wobei man sich erzählte daß der böse Tarquinius einst wirkliche Kinder als Opfer für die Laren und Mania, ihre Mutter gefordert, der gute Brutus aber dafür den milderen Gebrauch eingeführt habePaul. p. 121 laneae effigies, p. 239 pilae, vgl. Non. Marc. p. 538 Varro Sesquiulixe: Suspendii Laribus manias (v. marinas), molles pilas, reticula ac strophia, und Macrob. I, 7, 34.. So scheinen bei diesem Feste auch Sühnopfer und andre Opfer zum Andenken an die Verstorbenen an den Kreuzwegen dargebracht zu seinPropert. IV, 1, 23 parva saginati lustrabant compita porci. Charis. 1, 13, 5 p. 20 Compitalia i. e. ubi eos qui peregre moriuntur colunt parentarium dicitur. Auch Prudent. adv. Symmach. 1, 190 tot templa deum Romae quot in Urbe sepulcra heroum numerare licet, quos fabula Manes nobilitat, noster populus veneratus adorat, meint die compita.. Dahingegen auf der andern Seite diese Compitalien wegen der dabei herkömmlichen Spiele und Lustbarkeiten, welche ohnehin gewöhnlich in compitis d. h. auf den Versammlungsplätzen der vici veranstaltet wurden, ein sehr heitres und volksthümliches Fest waren, bei welchem der alte Dorfcharacter der Stadt und ihrer aus so vielen Dörfern und kleinen Städten Latiums zusammengesiedelten Bevölkerung wieder einmal recht vernehmlich durchblickte. Denn wie in der Stadt bei den compitis d. h. an den Straßenecken immer am meisten Leben war, indem dort die meisten Anschläge zu lesen waren und bald eine Auction bald eine Versammlung gehalten wurdeVgl. Cic. de lege agr. I, 3, Horat. S. II, 3, 25; 6, 50, Iuvenal 1, 63, Ammian. M. XXVIII, 4, 29 videre licet per fora et compita et plateas et conventicula circulos multos collectos. Vgl. meine Regionen S. 79 ff., so waren auch die Faustkämpfer, Schauspieler, Gladiatoren, welche sich bei den 495 Compitalien dort sehen ließen zwar nicht immer die besten, dafür aber die volksthümlichstenHorat. Ep. I, 1, 49 Quis circum pagos et circum compita pugnax magna coronari contemnat Olympia? Vgl. Sueton Octav. 43 und 45, Tacit. Hist. II, 95. Auf solche Spiele beziehe ich auch das Fragment des Naevius b. Fest. p. 230, Comici lat. ed. Ribbeck p. 20 Theodotum compiles, qui aras Compitalibus sedens in cella circumtectus tegetibus Lares ludentes peni pinxit bubulo, wo die spielenden Laren höchst wahrscheinlich die üblichen Vergnügungen dieser Spiele vergegenwärtigen sollten. Afranius hatte eine fabula togata, Laberius einen Mimus unter dem Titel Compitalia gedichtet.; daher auch die reicheren Bürger solche Spiele oft gaben oder unterstützten, um sich dadurch bei dem gemeinen Manne beliebt zu machen. Ja es entstanden in den Zeiten der Demokratie und Demagogie eigne collegia compitalicia d. h. Vereine zum Behuf dieser Spiele, deren Vorsteher, von den Demagogen der Zeit unterstützt, die ludi compitalicii zu geben und dafür solchen Demagogen, einem Clodius und Consorten mit ihrem Anhange unter dem Janhagel zu jedem beliebigen Gegendienste bereit waren; daher diese Spiele und jene Clubbs für den Senat und die Partei der Optimaten ein nicht geringer Greuel warenCic. in Pis. 4, 8 und dazu Ascon. p. 7 Or., vgl. Mommsen de collegiis p. 74 sqq.. Erst als August die politischen Clubbs gänzlich beseitigt, den vicis und compitis aber eine polizeiliche Ordnung und in den Viertelsmeistern (den magistris vicorum) einen verantwortlichen Vorstand gegeben hatte, kamen die Compitalien und die ludi compitalicii wieder zu Ehren, wie denn damals auch regelmäßige Bekränzungen der lares compitales vorgeschriebenSueton Octav. 31, Acron. z. Horat. S. II, 3, 281. und für die Feier der Compitalien den neu eingesetzten Viertelsmeistern der Hauptdienst zugewiesen wurde. Zugleich wurde von ihm eine Einrichtung getroffen, welche gewiß mehr wie alle übrigen dazu beigetragen hat, seinen Namen und sein Andenken im Volke zu befestigen. Zu den beiden Laren jeder Compitalcapelle wurde nehmlich damals der Genius Augusti d. h. sein personificirter Geist und Lebensdämon, der nach seinem Tode zum Gott erhoben wurde, hinzugefügt, so daß das römische Volk fortan durch die ganze Stadt, und nicht allein in Rom, sondern auch in Italien und soweit sich die neue Einrichtung sonst verbreiteteVgl. die aus verschiedenen Gegenden gesammelten Inschriften b. Or. n. 1654 ff. und Boissieu Inscr. de Lyon p. 48 sqq., neben jenen altherkömmlichen Schutzgeistern des Quartiers den individuellen Schutzgeist dieses Fürsten 496 verehrte, welcher somit in dieselbe Stellung eines populären Schutzgeistes mit einrückteOvid F. V. 145 Mille lares geniumque ducis qui tradidit illos Urbs habet et vici numina trina colunt. Vgl. Marini bei Visconti Mus. P. Cl. IV p. 298 ff., meine Regionen S. 82 ff., und W. A. Zumpt de Augustalibus et Seviris August. p. 3 sqq..

Es ist noch übrig von verschiedenen Arten und besondern Beinamen dieses städtischen Larendienstes zu sprechen, in welchen sich einzelne Reste des älteren Glaubens erhalten hatten, da sonst die Restauration des August wie in andern Fällen das Alte meist beseitigt hatte. Zunächst gehören dahin die Lares grundules, wahrscheinlich eine alte Larencapelle, wo zu den beiden Laren ein Mutterschwein mit dreißig Jungen hinzugefügt war, wohl mit Beziehung auf die bekannte Ueberlieferung von den Albanischen ColonieenNon. Marc. p. 114 Grundules Lares dicuntur Romae constituti ob honorem porcae, quae triginta pepererat. Vgl. Cassius Hemina b. Diomed. 1 p. 379 ed. P., wo dieses Wunder auf die Gründung Roms bezogen wird, und Arnob. 1, 28. Man leitete den Namen ab von grunnire d. i. grunzen.. Ferner die Lares praestites d. h. die behütenden Vorsteher und Beschützer der Stadt, welche als solche von einem Hunde begleitet und selbst mit Hundsfellen bekleidet waren: auch ein sehr alter, aber mit der Zeit verfallener Altar, an dem man am 1. Mai, dem alten Festtage des Laren opferte, welcher seit August zu einem allgemeinen Festtage der städtischen Laren überhaupt erhoben worden warOvid F. V, 129 ff., eine in mehr als einer Hinsicht unklare Stelle, Plut. Qu. Ro. 51. Der Name Lares Praestites ist zu erklären wie Iup. Praestes, Genius Praestes u. s. w., s. Martian. Cap. II, 152 c. nota. Der Hund war auch der Mana Genita heilig, s. oben S. 459.. Ferner gab es Lares Hostilii, denen man einen Schutz der Stadt gegen die Feinde zuschriebPaul. p. 102. Da aber hostis in alter Sprache der Fremde ist, so dürften es ursprünglich die in der Fremde behütenden Laren gewesen sein. Uebrigens vgl. Ovid F. V, 135 Stant quoque pro nobis et praesunt moenibus Urbis etc. und Propert. III, 3, 10 Hannibalem Lares Romana sede fugantes: daher der Genius Tutanus, Non. Marc. p. 47. Lares Militares b. Or. n. 1665, Henzen n. 5631, Lar Victor Or. n. 1673., wie anderswo von einem Lar Victor und von Lares militares die Rede ist und auf einer Münze der Familie Caesia die Laren als zwei sitzende und leicht bekleidete, mit einem Speer bewaffnete Jünglinge, zwischen denen ein Hund sitzt, abgebildet werden. Außerdem werden Lares permarini genannt, welchen L. Aemilius Regillus nach einem glücklichen Seetreffen mit der Flotte des Antiochus einen Tempel gelobt hatte, der im Marsfelde lag und im J. 575 d. St. 497 (179 v. Chr.) von dem Censor M. Aemilius Lepidus eingeweiht wurde. Diese Laren hatten auch einen eignen Festtag am 22. DecemberLiv. XL, 52, wo die Verse der Dedication erhalten sind, Macrob. I, 10, 10. Die Fasti Praen. bemerken zum 22. Dec: laribus permaRINIS IN PORTu.. Außer diesem Tempel der Laren gab es einen zweiten, der auf der Höhe der Sacra Via, beim Aufgange zum Palatium lag und den Laribus publicis heilig war. Augustus nennt ihn unter seinen NeubautenMon. Ancyr. t. IV, 7, vgl. Tacit. Ann. XII, 24, Solin. 1, 23 Ancus Marcius in summa Sacra Via, ubi aedes Larum. Die Dedicationsinschrift vom J. 4 v. Chr.: Laribus Publicis Sacrum Imp. Caesar Divi F Augustus etc. ist in derselben Gegend gefunden, s. Or. n. 1668, Mommsen I. N. n. 6764. Den Tag bemerkt Ovid F. VI, 782. Ob der bei Cic. N. D. III, 25 erwähnte T. der Laren derselbe ist, muß dahin gestellt bleiben.; der Dedicationstag war der 27. Juni, welches also wahrscheinlich der zweite jener beiden von August für den Cult der städtischen Laren angesetzten Festtage war. Endlich werden Lares alites erwähnt d. h. geflügelte Laren, nach denen ein vicus in Rom benannt war. Also wurde den Laren Hülfe und Beistand bei den verschiedensten Veranlassungen zugeschrieben; und auch die Bilder der Laren können höchstens in gewissen Grundzügen, namentlich darin daß sie immer als Brüderpaar auftraten, dieselben gewesen sein, da sie sonst wenigstens in älterer Zeit hinsichtlich der Darstellung und der Attribute sehr verschieden gewesen sein müssen.

Aus solchen Elementen also bildete sich mit der Zeit ein Cultus der Laren, der von dem ältern in mehr als einer Hinsicht verschieden war. Zunächst insofern als man die Laren immer mehr mit den Genien und Seelen der Lebenden oder Verstorbenen identificirte, in welchem Sinne der Genius Augusti zum lar publicus und die lares compitales zu lares Augusti werden konnten und in diesem Sinne namentlich am 1. August, dem Namenstage des August, gefeiert wurdenOvid F. V, 147 Quo feror? Augustus mensis mihi carminis ius habet. Auch die von August im J. 7 v. Chr. eingeführten Vicomagistri traten ihr Amt am 1. August an, welcher nach Papencordt Cola di Rienzo S. 125 noch jetzt ein Freudentag in Rom ist.. Ferner dadurch daß auch die Familienlaren mehr und mehr mit dem Culte berühmter Verstorbenen und dem der Schutzgötter des Hauses und Hofes überhaupt identificirt wurdenOr. n. 1604 Silvano lari agresti Martius Proculus, vgl. Henzen Suppl. p. 148.. Endlich konnte auch der Umstand nicht ohne bedeutenden Einfluß auf den 498 Dienst der Laren bleiben, daß der alte Familiensaal mit dem Heerde, wo die Bilder der Laren standen, in der Stadt den bequemeren und eleganteren Einrichtungen der Neuzeit weichen mußte; daher wir seitdem eigne Lararien d. h. Larenschränke und Betcapellen erwähnt finden und zwar entweder gleich beim Eintritt in das Haus in einem Wandschrank auf der Diele, wo die silbernen Larenbilder beim Ein- und Ausgange begrüßt und bei festlichen Gelegenheiten durch Schmuck und Opfer geehrt wurdenHieronym. in Esai. I. XVI c. 57, 7. nullusque fuerit locus qui non idololatriae sordibus inquinatus sit, in tantum ut post fores domorum idola ponerent, quos domesticos appellant lares et tam publice quam privatim animarum suarum sanguinem funderent. Vgl. Petron. S. 29 und die Inschriften b. Or. n. 3838, Henzen n. 5770., oder neben dem Schlafzimmer, wo namentlich die Vornehmeren eine eigne Betcapelle der Laren zu haben pflegtenSueton Domit. 17 vgl. Octav. 7 und die Fortuna aurea oder regia im Schlafzimmer der Kaiser, Iul. Capitolin. Antonin. P. 12, Ael. Spartian. Sev. Imp. 23.. Auch wurden nun außer den Familienlaren im älteren Sinne und den Hausgöttern auch die Genien von Lebenden und Verstorbenen häufig mit verehrt, in allen Privathäusern vor allen der Genius des jedesmaligen Kaisers, in vielen die von geliebten Freunden und Lehrern oder von großen GönnernSueton Vitell. 2, Iul. Capitol. M. Antonin. Ph. 3. Eben dahin gehört die Verehrung der Laren eines Hauses durch einen Clienten desselben, Or. n. 2411. 2412.. Denn natürlich hatte der Hausgottesdienst im Wesentlichen denselben Verlauf wie der öffentliche, so daß in beiden Kreisen die allgemeine Krankheit der Zeit, Apotheose und Theokrasie, in gleichem Maaße um sich griff. Hatte doch der Kaiser Alexander Severus in seinem Palaste nicht allein ein, sondern zwei Lararien, das eine neben seinem Schlafgemache, wo er morgens seine Andacht zu verrichten pflegte und wo man außer einer Auswahl der consecrirten Kaiser die Bilder von solchen Männern sah, die durch Weisheit und Heiligkeit berühmt geworden waren, Apollonius von Tyana neben Christus, Abraham neben Orpheus und andre Auserwählte, auch Alexander den Großen und die Bilder der Ahnen. Das andre Lararium enthielt die Bilder von berühmten Dichtern, Schriftstellern und Helden der griechischen und römischen Vorzeit, das des Virgil, des Cicero, des Achill u. A.Ael. Lamprid. Alex. Sev. 28.. 499

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