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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 4
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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4. Latium und die Latiner.

Die Latiner sind nicht allein die nächsten Verwandten der Römer, sondern sie sind auch zwei Jahrhunderte lang ihre engen Verbündete gewesen und in älterer Zeit durch massenhafte Uebersiedelung nach Rom, später durch Geschlechtsverbindung, Einwanderung und unablässigen Verkehr dergestalt mit ihnen verschmolzen, daß beide von jeher als ein und dasselbe Volk angesehen wurden. Auch die Sage und die Geschichte der Latiner durchkreuzt sich beständig mit der römischen, welche eine geraume Zeit hindurch nur einen besondern Abschnitt der Geschichte des latinischen Namens überhaupt gebildet haben mag. Bei dem frühen Verfall des latinischen Bundes ist nur das Eine gewiß geblieben, daß Alba Longa die Urheberin und das erste Haupt dieses Bundes gewesen, welcher aus ihren eignen 9 Colonieen und andern Städten latinischer Nation bestand; übrigens ist diese alte Hauptstadt so früh zerstört worden, daß sich bei den ohnehin bald in ganz andrer Richtung beschäftigten Römern nur ein sehr ungewisses Andenken von ihr erhalten hatte. Ueber ihr erhob sich der Mons Albanus, über welchem noch später Jupiter Latiar als höchster Gott und unsichtbares Oberhaupt von ganz Latium gefeiert wurde; unter ihr befand sich im schattigen Haine bei Marino das Heiligthum und die Quelle der Ferentina, wo der latinische Bund seine Versammlungen hielt. In seiner Nachbarschaft waren dem Meere näher die wichtigsten Städte Aricia und Lanuvium, deren Gebiet sich bei Velitrae und Corioli mit dem der Volsker berührte: Aricia durch seinen Dienst der Diana in dem stillen Winkel am See von Nemi berühmt und in älterer Zeit eine Hut des wichtigen Passes nach Süden, durch welchen später die Appische Straße nach Terracina und Campanien führte, Lanuvium nicht weniger angesehen wegen seiner Juno Sospita. Von Lanuvium gelangt man in wenigen Stunden ans Meer und nach Ardea, der durch die Aeneassage so berühmt gewordenen Burg und Stadt der Rutuler, während weiter abwärts an der Küste das in der älteren römischen Geschichte so oft als Seestadt genannte Antium schon wieder den Volskern gehörte, welche sich von allen diesen verwandten Völkern am meisten auf der See versucht haben. Denn die Latiner selbst hatten das Meer nur an der kurzen und die Schiffahrt auch in alter Zeit wenig begünstigenden Strecke zwischen Ardea und der Tibermündung gewonnen, wo sich mit den letzten Resten des latinischen Bundes, Laurentum und Lavinium, auch die latinische Sage von den alten Königen Picus, Faunus und Latinus und der Cultus der Bundes-Penaten am längsten behauptet hat. Landeinwärts von Alba Longa war die nächste Stadt von Bedeutung das alte und feste Tusculum, ehedem eine der mächtigsten Städte des Bundes, später oft von den Aequern bedrängt und deshalb den Römern gefügig. An diese Aequer, einen andern verwandten Stamm, grenzte auch das am meisten landeinwärts gelegene Präneste, eine eben so feste als rüstige Stadt, deren Götter und deren Bürger es am längsten mit den römischen aufgenommen haben, während seine Priester mehr als einen Rest alter unvermischter Sage bis auf die Zeiten des Cato bewahren konnten. Auf halbem Wege von dort nach Rom lag das später ganz verfallene Gabii, welches einst gleichfalls von Rom gefürchtet wurde und in alter Zeit ein Mittelpunkt priesterlicher Auguraldisciplin gewesen war. Endlich noch höher hinauf am Anio, wo dieser 10 aus den Bergen der Sabiner hervortritt, das schöne Tibur, eine der ersten Eroberungen der latinischen Aboriginer, berühmt durch seine Wasserfälle und seine weissagende Nymphe Albunea, seinen Hain des Tiburnus und seinen alten Dienst des Hercules. Vielfach bedroht von den benachbarten Etruskern, Sabinern, Aequern und Volskern, vermochten sich diese Städte zu behaupten, so lange sie einig waren und keine unter ihnen zu mächtig wurde. Auf den Vorstand von Alba Longa folgte der von Rom, welches seit den Tarquiniern an der Spitze des Bundes stand und die schnelle Zunahme seiner Macht ohne Zweifel weit mehr als die römische Geschichte es gestehen mag diesem Bunde verdankt. Selbst in den späteren Zeiten rühmten sich viele der ausgezeichnetsten und tüchtigsten Geschlechter in Rom ihres latinischen Ursprungs, daher das von solchen Familien geprägte Silbergeld der Republik nicht selten auf die Culte, die Sagen, die alten Zeiten von Latium zurückweist.

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