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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 39
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierter Abschnitt.
Mars und sein Kreis.

Diese Göttergruppe ist in gewisser Hinsicht die interessanteste, weil sie uns nehmlich den tiefsten Blick in das alte nationale Leben der Bevölkerung von Italien thun läßt und von fremden Zuthaten am wenigsten berührt ist. Es ist das centrale Land der Berge und Wälder, auf die wir durch sie zurückgewiesen werden, das Land der Viehzucht und des nomadisirenden Hirtenlebens, die Zeit der ersten Ansiedelung und der kriegerischen Ausbreitung und Eroberung. Zugleich zeigt sich in allen Gottesdiensten dieser Gruppe eine eigenthümliche Verschmelzung von Naturbegeisterung und den Stimmungen des ältesten Volksthums, wie sie das früheste Stadium der Religionen des vorchristlichen Alterthums überhaupt characterisirt. Mars ist der Mittelpunkt und das Haupt des ganzen Kreises, der Gott eines mächtigen und männlichen Naturtriebes, wie er sich vorzüglich im Frühlinge offenbart, und der Gott der kriegerischen Begeisterung schlechthin, der sowohl die alten Umbrer und Sabiner sammt ihren jüngern Stammgenossen als die Latiner und Römer zum Siege führte. Neben ihm stellt sich im Picus, im Faunus, im Silvanus zugleich die Dämonologie des Waldlebens und das Element der natürlichen Inspiration und der ersten Ansiedelung dar, in einer Reihe von weiblichen Gottheiten, welche neben diesen männlichen Göttern verehrt wurden oder dem Wesen nach zu ihnen gehören, derselbe Liebes- und Befruchtungstrieb auf der einen und dieselbe weissagerische und kriegerische Naturbegeisterung auf der andern Seite. Endlich im Pales, dem männlichen und der weiblichen, kommen noch einmal die 295 Stimmungen und Traditionen jenes altitalischen Hirtenlebens, des zu allen Zeiten in dieser Halbinsel weit verbreiteten, zu Tage. Noch eine Eigenthümlichkeit aller dieser Götter und Gottesdienste ist die, daß sich in ihnen eine gewisse Praxis der religiösen Sühne und Weihe ausgebildet hatte, welche bei sehr verschiedenen Gelegenheiten zur Uebung kam und wohl in dem Umstande seine Erklärung findet, daß alle Götter dieses Kreises als Frühlingsgötter und Götter der Befruchtung zugleich solche sind welche den Winter, den Tod und andre im Gedanken sich von selbst anschließende Schrecknisse austreiben und sowohl die Natur als das menschliche Gemüth davon zu befreien die Macht haben. Ein Ideenzusammenhang welcher auch in andern Naturreligionen gewöhnlich ist und in diesem Kreise, namentlich in der Religion des Mars, des Faunus Lupercus, der Pales, in verschiedenen eben so alterthümlichen als eigenthümlichen Gebräuchen sich ausdrückt.

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