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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 38
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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10. Winde und Stürme.

Auch die Winde und Stürme wurden in Italien und den westlichen Provinzen häufig verehrt, zu Lande und zur See, als wohlthätige oder gefährliche Dämonen. Unter den wohlthätigen war vor allen beliebt und geehrt der befruchtende Favonius, der dem griechischen Zephyr entspricht und seinen Namen wie der gute Berggeist Faunus von favere hat, denn er wirkte befruchtend wie dieser und brachte, wenn er um die Mitte des Februar zu wehen anfing, die Schwalbe und den FrühlingVarro d. r. r. 1, 28. 29. Cic. Verr. II, 5, 10, Horat. Od. 1, 4, 1 Solvitur acris hiems grata vice veris et Favoni. Lucret. 1, 11 genitabilis aura Favoni, V, 735 it ver et Venus et veris praenuntius ante pennatus graditur Zephyrus. Vgl. Plin. H. N. II, 47, 47 und XVIII, 34, 77.. Gefürchtet dagegen waren besonders die Nordwinde, welche mit markdurchbohrender Kälte aus den nördlichen Gebirgen daherfuhren und die junge Vegetation tödteten, der Septemtrio und der Aquilo d. h. der mit Adlersfittigen daherstürmende, ein gewöhnliches Bild für alle stürmende Kraft auch in Griechenland und im NordenDie stürmende Kraft der Nordwinde beschreibt Varro b. Non. Marc. p. 46 v. syrus, Varro Marcipore: Ventique frigido se ab axe eruperant frenetici, Septemtrionum filii, secum ferentes tegulas, tamos, syrus. Vgl. Virg. Ge. III, 196 ff.. Doch waren auch die Südwinde gefährlich, welche dicke Wolken und erschlaffende Hitze mit sich führten, der Auster, welcher im Herbst die meisten Gewitter brachte und deshalb wie Jupiter, Juno und andre Götter mit dem Blitze bewehrt gedacht wurdeLucret. V, 742 Inde aliae tempestates ventique secuntur, altitonans Volturnus et Auster fulmine pollens. Vgl. Serv. V. A. VIII, 429 Nonnulli vero manubias fulminis his numinibus i. e. Iovi, Iunoni, Marti et Austro vento adserunt attributas. Der Name Auster hängt mit αύω und austerus zusammen. Vgl. Horat. Od. II, 14, 15; III, 23, 5, Sat. II, 6, 18, Virg. Georg. III, 277 nigerrimus Auster, IV, 261, Macrob. Somn. Scip. II, 5, 20., und der von Afrika herüber wehende 292 Africus, vollends wenn sie mit den Winden der entgegengesetzten Richtung, dem Aquilo oder den Ostwinden zusammengeriethenEnnius b. Macrob. S. VI, 2, 28, Horat. Od. 1, 3, 12, Epod. X, Virg. Aen. II, 416 ff.. Die wohlthätigen, befruchtenden und beruhigenden Winde wurden mit weißen, die bösartigen Aequinoctial- und Winterstürme mit dunkeln Opferthieren bedacht, gewöhnlich mit Böcken oder LämmernHorat. Ep. X, 23, Virg. Aen. III, 120, V, 172, Or. n. 1339 Ara Tranquillitatis. 1340 Ara Neptuni, auf der Rückseite Ara Ventorum, vgl. die beiden Windesgötter in den Monum. Archeol. 1855 T. VIII u. IX und p. 50. Mommsen I. N. 5012 Tempest. Sacr. aus Aesernia in Samnium., und manche Capelle mit manchem Altare mag sich den Stürmen und Winden (tempestatibus ventisque) an den Küsten oder am Fuße hoher Gebirge erhoben haben, z. B. an dem des Apulischen Voltur, welcher für Italien ein so auserwählter Sitz der Winde war, daß er dem Volturius den Namen gegeben. Man glaubte in Italien wie anderswo, daß Stürme und Schlossen durch Zaubergesang sowohl erregt als beschworen werden könnten; in den Weinbergen suchte man sich dadurch zu schützen, daß man im Herbste das geweihte Bild einer gemalten Traube zwischen die Weinstöcke stelltePlin. H. N. XVIII, 29, 70. Vgl. XVII, 28 cum averti carmine grandines credant plerique, cuius verba inserere non equidem serio ausim. Seneca Qu. N. IV, 7 rudis adhuc antiquitas credebat et attrahi imbres cantibus et repelli.. An der Gallischen Küste, vermuthlich zu Narbo, hatte Augustus dem Circius, der mit scharfen Schwingen von dieser Küste übers Meer bis Ostia fuhr und dort wohl selbst die Häuser abdeckte, weil er die Luft reinigte und deswegen der Gesundheit zuträglich war, sogar einen Tempel gestiftet, s. Plin. H. N. II, 47, 46, Seneca Qu. N. V, 17. Werden diese Windesgötter den andern himmlischen Göttern als Trabanten untergeordnet, so ist gewöhnlich Jupiter ihr HerrS. oben S. 170, 278. Henzen z. Or. n. 5615 I. O. M. autori bonarum tempestatum, aus dem südlichen Frankreich. Auch in dem Fragmente des Etruskers Vegoja (S. 229) sendet Jupiter Stürme und Wirbelwinde.. Doch war ihre Verehrung zur See oder mit Beziehung auf die Schiffahrt, also neben dem Neptun, nicht weniger gewöhnlich, auch bei den Römern, deren Feldherrn deshalb, wenn sie in See stechen wollten, neben den andern 293 Göttern gewöhnlich auch zu den Winden und Stürmen beteten und Spenden oder auch blutige Opfer für sie in die Fluthen versenktenCic. N. D. III, 20, Lucret. V, 1224 ff., vgl. Virgil. Aen. III, 120 und 527, V, 772 ff., Liv. XXIX, 27, Appian d. b. civ. V, 98, wo Octavian vor dem Aufbruch der Flotte gegen S. Pompejus im Hafen von Puteoli opfert ανέμοις ευδίοις καὶ ασφαλείω Ποσειδω̃νι καὶ ακύμονι θαλάσση d. h. Ventis Bonis, Neptuno et Tranquillitati. Vgl. die Münze des Commodus b. Eckhel D. N. VII p. 129, wo vor dem Aufbruch der Afrikanischen Flotte Stiere ins Meer versenkt werden.. Selbst in Rom hatten diese Seestürme ein eignes Heiligthum mit bestimmten Opfern bei der porta Capena, wo L. Cornelius Scipio, derselbe dessen Grabinschrift erhalten ist, es gestiftet hatte, wahrscheinlich in Folge eines Gelübdes auf einer Expedition gegen die Sarden und Corsen im J. 259 v. Chr., bei welcher seine Flotte durch die Wuth der Stürme beinahe zu Grunde gerichtet wäreOvid Fast. VI, 193, vgl. meine Regionen d. St. Rom S. 118.. 294

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