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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 37
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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9. Luna und die Gestirne.

Auch Luna, welche sich zur Diana verhält wie Sol zum Janus, wurde von der italischen Bevölkerung, wenigstens den Sabinern und Etruskern göttlich verehrt. Denn auch sie wird unter den von T. Tatius verehrten Gottheiten genannt, und auf einem etruskischen Spiegel erscheint Losna d. i. Louna, welches wieder auf lux und lumen zurückweist, mit dem Attribute des Halbmondes neben Pollux, auf einem andern Denkmale als Lala d. i. Lara, Δέσποινα, neben dem Sonnengotte ApluGerhard etrusk. Spiegel t. 171, Gotth. d. Etrusk. S. 39 t. II. Losna f. Louna wie casnar für canus. Cic. N. D. II, 27 Luna a lucendo nominata; eadem est enim Lucina.. In Rom gab es einen Tempel der Luna Noctiluca, welcher in der Nacht erleuchtet wurde, auf dem Palatin, und ein altes, oft erwähntes Heiligthum der Luna, wahrscheinlich das von Servius Tullius gestiftete, auf dem Aventin über dem CircusTacit. Ann. XV, 41, vgl. Liv. XL, 2, Appian bell. civ. 1, 78, Becker Handb. 1, 456.. Als Monatsgöttin wurde sie am letzten Tage des ersten Monates März gefeiert, s. Ovid. F. III, 883, Fast. Praen. Verfinsterungen des Mondes pflegte man nach einem weit verbreiteten Aberglauben mit lärmendem Getöse von ehernen Becken und Blasinstrumenten zu vertreiben, Liv. XXVI, 5, Tacit. Ann. 1, 28. Uebrigens 290 war auch Luna eine circensische Gottheit, weil auch sie wie Sol auf einem Wagen fahrend gedacht wurde, nur daß dem Sonnengotte die prächtige und stolze Quadriga vorbehalten blieb und Luna sich mit der bescheidneren Biga und einem Gespann von Mauleseln begnügen mußteTertull. de Spectac. 9, vgl. Paul. p. 148 mulus und Anthol. ed. H. Meyer n. 891, 17 Lunae biga datur semper, Solique quadriga, Castoribus simpli rite dicantur equi.. Sol und Luna zusammen aber sind gewöhnliche Bilder der Ewigkeit, er aufsteigend sie niedersteigend, beide mit dem Epitheton aeternus und aeterna, in welcher Weise sie oft neben einander abgebildet, verehrt und pro salute imperii oder pro salute eines Kaisers angerufen wurdenOr. n. 1926–29, O. Jahn Archäol. Beitr. S. 89..

Unter den Gestirnen wurde auch in Italien vorzüglich der Morgen- und Abendstern ausgezeichnet. Man nannte ihn Iubar wegen seines strahlenden Glanzes oder weil die Strahlen dieses Glanzes sich mähnenartig ausbreitenVarro l. l. VI, 6, VII, 76, Paul. p. 104, Placid. p. 474. Iubar hieß überhaupt Alles was einen strahlenden Glanz verbreitete, daher man auch iubar solis, lunae, argenti und gemmarum sagte, daher der Stern Iubar bei Serv. V. A. IV, 130 wohl richtig durch Iuvar und stella Iovis erklärt wird. Also wäre auch dieses Wort und vermuthlich auch Iugula d. i. Orion, Paul. p. 104, auf den Stamm Iov zurückzuführen, s. oben S. 165., auch Vesper oder Vesperugo, welches Wort aus vesperu einer älteren Form für vesperi entstanden istQuintil. 1, 7 interim g quoque (adiecta), ut est in pulvinari Solis, qui colitur iuxta aedern Quirini VESPERVG, quod vesperuginem accipimus. Vgl. Plaut. Amphitr. 1, 1, 116 credo ego hoc noctu Nocturnum obdormuisse ebrium und die Inschriften bei Henzen z. Or. n. 5857. 58., und Nocturnus d. i. den Stern der Nacht, endlich Lucifer, wenn dieser Name nicht erst durch Uebersetzung des griechischen Φωσφόρος entstanden ist. Gewöhnlich galt er für einen Stern der Venus Urania, namentlich als nächtlicher Abendstern, der die Braut zum Bräutigam führtCatull. 62, vgl. Serv. V. A. IV, 130 und Augustin C. D. VII, 15. Nach Varro führte der Venusstern den Aeneas nach Latium, Serv. V. A. II, 801., hin und wieder und wohl als Morgenstern auch für einen Stern des Jupiter oder der Iuno Lucina. Außerdem veranlaßten wie überall vorzüglich der große Bär, die Plejaden und Hyaden und der Orion zur volksthümlichen Beobachtung und Benennung. Der große Bär hieß bei den italischen Bauern bald plaustrum und dessen Deichsel temo, bald wegen der nächtlichen Umdrehung septem triones, das sind eigentlich sieben Dreschochsen, die auf der 291 Tenne umgehend das Korn dreschen, triones von terereVarro l. l. VII, 73–75, Serv. V. A. 1, 744, vgl. J. Grimm D. M. 688.. Die Pleiaden hießen Vergiliae, nach der gewöhnlichen Erklärung, weil ihr Aufgang mit dem Frühling (ver) zusammenfällt, auch Suculae d. i. ein Rudel kleiner Ferkel und das Gestirn der Palilien (sidus parilicium), weil sie um die Zeit dieses ländlichen Festes erschienenPlin. H. N. XVIII, 26, 246, Fest. p. 372 Vergiliae, Serv. V. A. 1, 744. Vgl. das Kal. Venus. Mai. Non.. Endlich der Orion hieß Iugula, welcher Name verschieden erklärt wurde.

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