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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 36
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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8. Sol.

Sicheren Spuren einer alten und weit verbreiteten Verehrung des Sonnengottes sind wir schon im Culte des Janus, auch in dem des Vejovis, des Jupiter Anxur und des Apollo Soranus begegnet, und zwar scheinen namentlich die Sabiner dieser Religion des Lichtes vor Alters zugethan gewesen zu sein. So war ihnen auch der Name Sol für die Sonne eigen, den Varro l. l. V, 68 sogar aus ihrer Sprache abzuleiten geneigt ist, wie Sol denn auch unter den Göttern des T. Tatius genannt wird, ib. V, 74, Dionys H. II, 50. Auch das zweite Wort, welches in Italien die Sonne und ihren leuchtenden Glanz bezeichnete, war bei den Sabinern einheimisch. Es ist dieses ein auf die Wurzel aus, sanskr. ush, lat. uro, welche zugleich brennen und leuchten bedeutet, zurückweisendes Wort, das bei den Sabinern ausel lautete, daher der Geschlechtsname der Auseli d. h. AureliiPaul. p. 23 Aureliam familiam ex Sabinis oriundam a Sole dictam putant, quod ei publice a populo Ro. datus sit locus in quo sacra faceret Soli, qui ex hoc Auseli dicebantur, ut Valesii, Papisii pro eo quod est Valerii, Papirii., bei den Etruskern der Lichtgott Usil, und in den alten Saliarischen Liedern zu Rom die Anrufung Ozeul adosiose d. i. Sol venerandeBergk de Carm. Saliar. reliq. p. IV. Vgl. den etruskischen Spiegel bei Gerhard t. 76 und desselben Gottheiten der Etrusker t. II.. Auch das lateinische Wort Aurora stammt von derselben Wurzel, so wie das griechische αfώς d. i. ηώς und αfέλιος d. i. ηέλιος. Die alte sabinische Cultusstätte des Sol in Rom befand sich dicht bei dem Tempel des QuirinusQuintil. 1, 7 in pulvinari Solis, qui colitur iuxta aedem Quirini, Varro l. l. V, 52, wo man am besten liest: advorsum Solis pulvinar cis aedem Salutis, vgl. K. F. Hermann de loco Apoll. in carm. Horat. sec. p. 8., vor welchem wohl eben deshalb im J. 293 v. Chr. durch L. Papirius Cursor die erste Sonnenuhr aufgestellt wurde. Nach den Kalendern des Augusteischen Zeitalters feierte man diesen Sol am 9. August, dem Tage der Schlacht bei Pharsalus, und zwar mit dem Beinamen Indiges, der schwerlich so alt ist wie man gewöhnlich annimmt. Höchst wahrscheinlich bedeutet er in dieser Anwendung dasselbe wie Index, denn man glaubte in Rom wie in Griechenland, daß der Sonnengott alles Verborgene wisse, also auch verborgene List und Verrätherei anzuzeigen vermöge. So habe er auch um die Verschwörung gegen Cäsar gewußt und deshalb an 288 dem Tage vor seiner Ermordung von der sechsten Stunde bis zur Nacht sein Haupt verborgenVirg, Georg. 1, 463 ff. und Serv. zu vs. 466 constat autem occiso Caesare in senatu pridie Iduum Martiarum Solis fuisse defectum ab hora sexta usque ad noctem, vgl. Ovid Met. XV, 785. Bei Diod. Exc. Mai. XXXVII, 4 in dem Eide des Drusus ist für τὸν γενάρχην ‛Ήλιον zu lesen ’Ενυάλιον, s. oben S. 81.; daher zu vermuthen ist, daß er erst seit dieser Zeit als Indiges verehrt wurde. Auch die Bilder des Sonnengottes in der Gestalt eines umstrahlten Hauptes und seines Tempels auf den Münzen des Antonius und des Octavian wird man am besten durch diesen Glauben erklären. Außerdem wurde Sol im Circus verehrt, wo sein Tempel in der Mitte der Rennbahn standTertull. de Spectac. 8. Vermuthlich am Abhange des Aventin über dem Circus, da die Regionen ihn zwar in der 11. Region, aber neben dem T. der Luna nennen, s. meine Reg. d. St. Rom S. 192. und sein Bild auf dem Giebel des Tempels; ja er war als der göttliche und unermüdliche Wagenlenker am himmlischen Plane der vornehmste Schutzgott dieses alten für die Circensischen Spiele und die Kunst der Wagenlenkung bestimmten Raumes. Auch der Obelisk im Circus war ihm heilig, wie die ägyptische Theologie es verlangte, und häufig erscheint sein Bild auf den Familienmünzen als Wagenlenker, immer jugendlich und mit der Strahlenkrone. Sonst galt auch hier der Glaube an seine allsehende Kraft und Vorsicht, daher sich dieselbe Verherrlichung des Sonnengottes auf Veranlassung einer diesmal vereitelten Verschwörung bei diesem Cultus in der Geschichte des Nero wiederholte, s. Tacit. Ann. XV, 74. Auch werden dem Sol wegen dieser allwissenden Fürsorge nicht selten öffentliche Denkmäler z. B. die Gräber empfohlenOr. n. 4791 Sol tibi commendo qui manus intulit ei. n. 4792 Quisquis ei laesit aut nocuit Severae immerenti, Domine Sol tibi commendo, tu indices eius mortem. Ich glaube daß auch das so oft als Amulet angebrachte und abgebildete Auge ursprünglich als Symbol den Schutz des Sonnengottes ausdrücken sollte., während ihn andre Inschriften wegen seiner gütigen Hülfe als Sol iuvans anrufen, oder als Sol aeternus d. h. als Bild der Ewigkeit, oder als Sanctissimus d. h. als strahlendes Bild des Lichtes und der ReinheitOr. n. 910. 1928. 4934., obwohl bei solchen Prädicaten schon der spätere, gegen den Ausgang des Heidenthums sehr weit verbreitete Sonnencultus mit im Spiele ist. Daneben erhielt sich das Bild des Sonnengottes auf Münzen und andern öffentlichen Monumenten als Allegorie des Aufgangs in der geographischen Bedeutung des 289 Ostens, des Sol oriens. So erscheint das Bild oder das Haupt des Sol namentlich auf den Münzen des Vespasian und Trajan, der Sieger über den Orient, und es scheint daß Vespasian in demselben Sinne den Coloß des Nero in den des Sonnengottes umschaffen ließ, als welcher er sich in den folgenden Zeiten erhieltEckhel D. N. VI p. 335. 439. Vgl. Virg. Aen. V, 739 et me saevus equis Oriens afflavit anhelis, für Sol oriens. Ueber den Coloß des Nero s. Becker S. 220 A. 441. Auf andern Münzen wird dasselbe durch das Bild der Aurora ausgedrückt, welche in ältern römischen Gedichten auch wohl die Tochter des Sonnengottes genannt wurdeFest. p. 197 Obstinet dicebant antiqui quod nunc est ostendit, ut in veteribus carminibus: Sed iam se caelo cedens Aurora obstinet suum patrem. Vgl. Riccio t. 37, 12; 62, 6 und Eckhel D. N. VI p. 442. und auf einem Denar der gens Plautia nach griechischer Weise als Führerin der Sonnenrosse auftritt.

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