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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 35
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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7. Mater Matuta.

Das Wort Matuta hängt zusammen mit mane, manus und matutinus und bedeutet eine Göttin des Frühlichts, der Morgenröthe, welche Mater Matuta in demselben Sinne genannt wird wie Ianus als Pater Matutinus angerufen wurdePaul. p. 122, Non. Marc. p. 66, Priscian II, 10 p. 94, vgl. oben S. 73, 86 und Lucret. V, 654 roseam Matuta per oras aetheris auroram differt et lumina pandit.. Es war eine gute und segensreiche Göttin, welche, wie sie das Licht aus der Finsterniß an den Tag führte, also auch eine Göttin der Geburt war und darum vorzüglich von den Frauen angerufen wurde, daher ihr Fest schlechthin Matralia hieß d. h. das Fest der Mütter, welches zu Rom am 11. Juni begangen wurde, s. Ovid F. VI, 469, die Kalender und Paul. p. 125. Außerdem wurde sie aber auch als See- und Hafengöttin verehrt, wie die griechische Leukothea, mit welcher sie später gewöhnlich identificirt wurde, wie der an ihrer Seite verehrte Hafengott Portunus mit Palämon oder Melikertes, dem Sohne der Leukothea. Der Cultus der Mater Matuta scheint bei der alten Bevölkerung Italiens sehr verbreitet gewesen zu sein. Sehr berühmt war ihr Tempel zu Satricum im Lande der Volsker, welchen ein dämonischer Ruf mit furchtbaren Drohungen im J. 377 vor der Zerstörung durch die Latiner bewahrte und auch die Römer später verschonten, s. Liv. VI, 33, VII, 27, XXVIII, 11. Auch wurde sie in derselben Gegend zu Cora verehrt, Or. n. 1501, wie in Campanien zu Cales, Mommsen I. N. n. 3952. 3953, ferner zu Pisaurum in Umbrien, Or. 1500, welche Inschriften meist auf den Cult der Matronen deuten. Aber auch die Göttin von Pyrgi, der Hafenstadt von Caere, mit dem reichen, von Dionysius, dem bekannten 286 Tyrannen von Sicilien geplünderten Tempelschatze, welche Göttin die Griechen bald in ihre Eileithyia bald in die Leukothea übersetzten, ist wahrscheinlich die italische Mater MatutaStrabo V p. 226, Müller Etr. 2, 55.. In Rom wurde ihr zuerst von dem Könige Servius Tullius ein Tempel gestiftet, den Camill um die Zeit der Eroberung von Veji wiederherstellte. Er lag an dem Forum BoariumLiv. V, 19. 23, XXV, 7, XXXIII, 27, XLI, 28, Ovid F. VI, 467 ff.. Becker Handb. 1, 481 ff.. Eigenthümliche Gebräuche und Vorschriften dieses Cultus waren, daß alle Sklavinnen ausgeschlossen blieben bis auf eine, welche mit einem Backenstreiche aus dem Tempel wieder hinausgetrieben wurde, und daß nur eine in erster Ehe lebende Frau das Bild der Göttin bekränzen durfte, ferner daß die Frauen zuerst für das Wohl ihrer Geschwisterkinder, erst dann für das ihrer eignen Kinder beteten, endlich daß die Opferkuchen nach alterthümlicher Weise gekocht, nicht gebacken wurdenVarro l. l. V, 106; Tertull. de Monogam. 17, Plut. Camill. 5, Qu. Ro. 16. 17, vgl. Cic. N. D. III, 19, Tusc. 1, 12, Ovid F. l. c, Prob. V. Ge. 1, 437, Lactant. 1, 21, 23.: lauter Bestimmungen welche später so gut es ging durch die Geschichte der Leukothea motivirt wurden. Da auch diese Göttin zugleich eine Göttin des Frühlichts, der beruhigten See und Amme des Dionysoskindes war und an allen Küsten des Mittelmeers, namentlich auch in Elea und Massilia verehrt wurde, so war ihre Verschmelzung mit der Mater Matuta natürlich. Desto weniger paßte Portunus, wahrscheinlich eine Nebenform des Janus (S. 158) zum Melikertes, indessen wurden auch sie gleichgesetzt und der alte italische Hafengott Pater Portunus (Virg. Aen. V. 241) dadurch zu einem Kinde. So entstand die Geschichte daß die thebanische Princessin, die Tochter des Kadmus, nach ihrem Sprunge ins Meer von den Nereiden an die Mündung des Tiber geführt worden sei, wo sie ihre Schwester Semele wiedergefunden habe; diese wurde nehmlich seit der Verbreitung der Bacchanalien in Ostia unter dem Namen Stimula verehrt. Die von der Juno gehetzten Mänaden wollen ihr das Kind rauben; da flüchtet sie nach Rom, wo Hercules ihr beisteht und Carmentis (die Heiligthümer von beiden lagen nicht weit von dem der M. Matuta) sie gastlich bei sich aufnimmt. Carmentis räth ihr auch in Rom zu bleiben und sich und ihr Kind mit einheimischen Namen zu benennen. 287

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