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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 32
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
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4. Minerva.

Auch diese Göttin ist dem Namen nach italisch, doch scheinen etruskische und griechische Einflüsse in ihrem Culte wenigstens in Rom bald die Oberhand gewonnen zu haben. Der Name Minerva oder Menerva, auf etruskischen Denkmälern Menerfa und Menrfa ist auf den Stamm men zurückzuführen, zu welchem auch die Wörter mens, memini, das griechische μένος, im Sanskrit manas gehören, so daß die Grundbedeutung auf eine göttliche Macht des Verstandes, des sinnigen Denkens und Erfindens hinweistQuintil. 1, 4, 17 Quid? non E quoque I loco fuit? ut Menerva et leber et magester et Dijove et Fejove pro Diiovi et Veiovi? Vgl. die Inschr. b. Or. n. 1421 Pl. Specios Menervai donom port. und die Form promenervat für monet aus dem carmen Saliare b. Fest. p. 205. Das V wird oft nach R eingeschoben, wie in dem Liede der Arvalen luerve d. i. luervem für luerem steht und arvum von arare gebildet ist, vgl. auch caterva, nervus, servus, cervus u. a. Bei Paul. p. 123 heißt es Minerva dicta quod bene moneat. Sonst pflegen die Alten speciell die Thätigkeit des Gedächtnisses, der memoria, von der Minerva abzuleiten, s. Augustin C. D. VII, 3, Arnob. III, 118.. Sie wurde auch bei den Sabinern als Burggöttin verehrt, in welcher Bedeutung sie u. a. in der Gegend von Reate einen sehr alten Tempel hatteDionys I, 14, vgl. Varro l. l. V, 74 und das Capitolium vetus ib. 158. Auch bei den Aurunkern und in Campanien und Samnium wurde Minerva verehrt, s. Mommsen I. N. n. 4093. 5356, Klausen Aeneas S. 692.. Vorzüglich aber scheint ihr Cultus doch bei den Etruskern gepflegt zu sein, als der einer blitzschleudernden Göttin der Höhen und aller sinnreichen Erfindungen, namentlich auch der gottesdienstlichen Flötenmusik, welche diese etruskische, in mancher Hinsicht an Lydien erinnernde Minerva wahrscheinlich mit sich nach Rom gebracht hat. Noch später trat der griechische Einfluß hinzu, der sich namentlich im Gebiete der Poesie und der Schauspielkunst geltend machte, welche wie wir sehen werden in Rom gleichfalls unter den Schutz der Minerva gestellt wurden. Ueberhaupt kannte Rom zwar auch die blitzschleudernde und die kriegerische MinervaVgl. Liv. XXXII, 1, XLV, 33 und Virgil. Aen. I, 42, XI, 259 mit den Noten des Servius., die griechische Pallas, doch herrschten ihre friedlichen Beschäftigungen vor, bis Minerva eben in Rom zuletzt ganz einseitig die Göttin aller Erfindungen und aller Kunst und Wissenschaft geworden ist.

259 Die ältesten und wichtigsten Heiligthümer der Minerva lagen alle auf den Höhen der Stadt, auf dem Capitol, dem Aventin und dem Caelius. Auf dem Capitol befand sich ihre Cella zur Rechten des Jupiter (S. 193), welcher Platz nicht immer nothwendig der Ehrenplatz war, wie denn Juno als Gattin des Jupiter und als Regina jedenfalls mehr zu bedeuten hatte als Minerva. Daß diese auch auf dem Capitol vorzugsweise das geistige Princip, Intelligenz und Erfindsamkeit vertrat, sieht man aus dem Gebrauch, den Jahresnagel in der Wand zwischen ihrer und Jupiters Cella einzuschlagen, weil die Zahl eine Erfindung der Minerva seiLiv. VII, 3. Varro erklärte Jupiter für den Himmel, Juno für die Erde, Minerva für die Ideen, dieses im Sinne der Platonischen Philosophie, coelum a quo fiat aliquid, terram de qua fiat, exemplum secundum quod fiat, August. C. D. VII, 28.. Uebrigens hatte sie sowohl an den Römischen Spielen als bei andern Gelegenheiten den gleichen Antheil wie Juno, mit welcher sie auch das Opfer einer Ferse (iuvenca) gemein hatteFulgent. p. 560 iniuges boves. Kühe, die das Joch noch nicht getragen haben, sind iuvencae. Die Beziehung auf die Jungfräulichkeit der Minerva ist später hineingelegt.. Daß auch der Tempel auf dem Aventin alt und angesehn warUeber die Lage s. Becker Handb. 1, 454, wo Orosius Hist. V, 12 übersehen ist, nach welcher Stelle dieser Tempel nicht weit von dem der Diana lag. Nach Verr. Flaccus in den Pränestin. Fasten u. Fest. p. 257 wurde der Tag der größeren Quinquatrus d. h. der 19. März zugleich als Geburtstag der Minerva und als Stiftungstag dieses Tempels gefeiert, nach Ovid F. VI, 722 und dem Kal. Amitern. und Esquil. der 19. Juni, bald nach den kleineren Quinquatrus., folgt aus seinem engen Zusammenhange mit dem Feste der Quinquatrus, sowohl der größeren als der kleineren, bei denen wahrscheinlich diese Minerva als Schutzpatronin der Pfeiferzunft vorauszusetzen ist. Eben dieses mag der Grund gewesen sein, warum später auch die scribae und histriones d. h. die Dichter und Schauspieler von Dramen in griechischer Manier unter den Schutz derselben Minerva auf dem Aventin gestellt wurden und dort ein amtliches Local für die Versammlungen und Uebungen ihrer Zunft angewiesen bekamen. Es geschah zur Zeit und zur Ehre des Livius Andronicus, weil dessen Gedicht auf die Juno Regina (S. 254) einen vorzüglichen Erfolg gehabt hatte, daher die Zunft der Dichter und der Schauspieler den Livius später in diesem Tempel als ihren Stifter verehrteFest. p. 333 Scribas proprio nomine antiqui et librarios et poetas vocabant. – Itaque cum Livius Andronicus bello Punico secundo scripsisset carmen, quod a virginibus est cantatum, quia prosperius resp. populi R. geri coepta est, publice adtributa est ei (vulg. et) in Aventino aedis Minervae, in qua liceret scribis histrionibusque consistere ac dona ponere in honorem Livi, quia is et scribebat fabulas et agebat. Vgl. Valer. Max. III, 7, 11 und O. Jahn in den Leipz. Berichten 1856, 293 ff. und Verrius Flaccus zum 19. März diesen Tag, 260 den Einweihungstag des Tempels, einen Tag der Künstler (dies artificum) nennt. Endlich auf dem Caelius wurde eine Minerva Capta oder Capita verehrt, deren Tempel nach Ovid u. A. am Tage der Quinquatrus eingeweiht worden war, so daß also auch sie bei diesem Feste betheiligt gewesen sein muß. Der Name wird sehr verschieden erklärt, am wahrscheinlichsten dadurch daß der Kopf für den Sitz des Verstandes und Minerva in Rom vorzugsweise für die Göttin der Intelligenz galtOvid F. III, 835 ff. Capitale vocamus ingenium sollers: ingeniosa Dea est. Vgl. Io Lyd. de Mens. IV, 39 κεφαλαίαν δὲ ’Αθηνα̃ν τὴν φρόνησιν άν τις είποι, und Cic. ad Q. Fr. II, 13, 4 von dem Historiker Philistus: Siculus ille capitalis, creber, acutus etc. Trebell. P. XXX tyr. 10 capitali etiam ioco regna promeruit. Die bei Ovid zuletzt erwähnte Beziehung des Namens auf Capitalstrafen wird durch Paul. p. 66 capitalis lucus unterstützt, vgl. Brunn Annal. dell' Inst. 1849 p. 376..

Wie der Juno so scheint auch der Minerva seit alter Zeit der März und der Juni geweiht gewesen zu sein, und zwar in beiden Monaten der fünfte Tag nach den Idus, welcher nach einem im älteren Italien ziemlich allgemeinen Sprachgebrauche Quinquatrus genannt wurdeMan zählte nehmlich von den Idus an Triatrus, Quinquatrus, Sexatrus, Septimatrus, Decimatrus, s. Varro l. l. VI, 14, Fest. p. 254. Vgl. Charis. 1 p. 62 und Serv. V. Georg. 1, 277.: also der 19. März und der 19. Juni, welche Tage zugleich als Einweihungstage der Tempel auf dem Aventin und dem Caelius gefeiert wurden. Auch galt die Fünfzahl überhaupt für die der Minerva und der 19. März für ihren Geburtstag. Indessen hatte man später das richtige Verständniß des Wortes Quinquatrus verloren, daher man dieses Fest nun fünf Tage lang vom 19. bis zum 23. März feierte, von welcher Feier Ovid F. III, 809–834 eine Uebersicht giebt. Der erste Tag, also der ursprünglich einzige, sei friedlicher Art, weil Minerva an ihm geboren sei, die folgenden vier würden der kriegerischen Minerva zu Ehren mit Gladiatorenspielen begangen. Indessen scheint dieses erst seit August der Fall gewesen zu seinVgl. Dio LIV, 28. Auch Domitian feierte sie auf seinem Albanum mit Gladiatoren, Dio LXVII, 1. Von Rom und Italien verbreiteten sich diese blutigen Spiele auch nach Griechenland, z. B. nach Korinth und Athen, wo unter den Kaisern sowohl bei den Panathenäen als bei den Dionysien Gladiatoren auftraten, Philostr. v. Apollon. IV, 22., da die Gladiatoren erst seit 264 v. Chr. und lange nur bei 261 Leichenspielen, erst gegen das Ende der Republik auch bei gottesdienstlichen Spielen zugelassen wurden. Vom 19. März wissen wir überdies daß dann eine Feier der Salier auf dem Comitium stattfand, doch scheint diese mehr der sabinischen Nerio, welche später mit Minerva verwechselt wurde, als dieser gegolten zu haben, wie die Tubilustrien am 23. März d. h. die Weihe der zum Gottesdienste erforderlichen Trompeten. Sonst überwog bei den Quinquatrus ganz der friedliche Character von Kunst und Wissenschaft, beides im weitesten Umfange genommen, von dem Lesen und Lernen der lieben Schuljugend und der weiblichen Handarbeit an bis zu dem Pinsel des Malers und dem Meißel des Bildhauers. So waren die Quinquatrus zunächst im Kreise der Schulen ein sehr populäres Fest, sowohl für die lernenden Kinder als für die Lehrer, von denen jene Ferien bekamen und nach dem Feste einen neuen Cursus begannen, diese in der Form eines freiwilligen Geschenks des sogenannten Minerval, ihr Honorar erhielten, s. Horat. Ep. II, 2, 197, Luvenal. X, 114–117 u. A. Ferner verehrten Mädchen und Frauen die Minerva vorzüglich an diesem Feste als die Urheberin der künstlichen Wollarbeit im Spinnen und Weben, welche nach alter Sitte, da die Hausfrau noch selbst für die Bekleidung des Mannes und der Kinder sorgte, in Rom immer sehr hoch geschätzt wurde. Daher kommt es wohl auch daß die solchen Beschäftigungen nahe verwandte Zunft der Walker (fullones), welche die Kleider durch Stampfen, Waschen, Pressen u. s. w. zum neuen Gebrauche herstellten, an diesem Feste merklich hervortritt: ein zahlreiches Gewerbe, welches zu Rom im volksthümlichen Leben eine gewisse Rolle spielte und deshalb auch auf der volksthümlichen Bühne oft bedacht wurde. Wie sie die Minerva überhaupt als ihre Schutzpatronin verehrten und dieselbe deshalb in ihren Werkstätten durch ihre Bilder und Attribute vergegenwärtigten, so wurden namentlich von ihnen die Quinquatrus in heitrer Lust begangenPlin. H. N. XXXV, 11, 40, wo vermuthlich zu lesen ist: Simus (pinxit) iuvenem requiescentem, officinam fullonis Quinquatrus celebrantem. Vgl. O. Jahn Archäol. Ztg. 1854 S. 191 und das Fragm. des Novius bei Non. Marc. p. 508, 20 fullonem compressi Quinquatrubus.. Aber auch andre Handwerker, die Schuster, die Tischler, feierten das Fest in ihrem Sinne mit, ferner die Aerzte, welche allmälich mit der griechischen Wissenschaft nach Rom 262 kamen und dort in der Minerva Medica ihre Schutzpatronin verehrtenS. m. Regionen S. 133. Es scheint daß Varros Satire Quinquatrus eine Gesellschaft von Aerzten, welche dieses Fest feierten, darstellte. Auch die Minerva Memor verschiedner Inschriften aus der Gegend von Placentia, Velleja und Mediolanum b. Or. n. 1427–1429 kann von der M. Medica nicht wesentlich verschieden gewesen sein., endlich die Maler, die Bildhauer, die Redner und Dichter, sammt andern Professionisten der geistigen Arbeit, deren Verhältniß zur Minerva durch die bekannten Redensarten pingui, crassa, invita Minerva und das dem Griechischen nachgebildete Sprichwort sus Minervam (Fest. p. 310) angedeutet wird. Also eine festliche und volksthümliche Bewegung durch alle Häuser und die verschiedenartigsten Berufskreise, daher dieses Fest auch unter den Kaisern immer mit großer Heiterkeit begangen wurde, seit Nero vermuthlich auch mit öffentlichen SpendenSueton Octav. 71 Quinquatrus satis iucunde egimus. Vgl. Tacit. Ann. XIV, 4 und 12 und die Münzen von Nero, Titus, Nerva u. A. b. Eckhel D. N. VI p. 270. 276 u. a., wo bei der Inschrift CONG. DAT. POP. S. C. der Kaiser auf einer Tribüne sitzend die Geschenke vertheilt, das Bild der Minerva und ihre Attribute neben ihm aber wahrscheinlich auf die Quinquatrus deutet..

Die kleinen Quinquatrus an den Iden des Juni entsprachen im Wesentlichen den großen, nur daß sie speciell ein Fest der Pfeiferzunft waren, deren Angehörige dann in der Stadt umherschwärmten, in ihren langen Kleidern und maskirt, häufig auch betrunken, denn die Musik hat von jeher den Wein geliebt, wie Livius bei dieser Gelegenheit hinzusetzt. Auch sie versammelten sich dann beim Tempel der Minerva, ihrer SchutzpatroninVarro l. l. VI, 17 Quinquatrus Minusculae dictae Iuniae Idus ab similitudine Maiorum, quod tibicines tum feriati vagantur per urbem et conveniunt ad aedem Minervae. Vgl. Fest. p. 149, Ovid F. VI, 645 ff, Liv. IX, 30, Valer. Max. II, 5, 4, Censorin d. d. n. 12., hatten aber auch das Recht auf einen festlichen Zunftschmaus im Tempel des Capitolinischen Jupiter an diesem Tage, und dieses gab gelegentlich zu einer nicht geringen Störung Anlaß, die glücklicher Weise mit allgemeiner Heiterkeit endigte. Diese Zunft der Pfeifer war nehmlich seit alter Zeit eine sehr zahlreiche und wichtige, da bei den meisten Opfern, Spielen, auch bei den Leichenbegängnissen die Musik und Begleitung der Flöte nicht zu entbehren war; daher sie nicht allein sehr gut bezahlt, sondern auch sonst ausgezeichnet und verzogen wurden. Als ihnen daher während der berühmten Censur des Ap. Claudius Caecus und C. Plautius im J. 312 v. Chr. jenes alte Recht des 263 Zunftschmauses im T. des Jupiter genommen wurde, waren sie sehr empört und beschlossen die Römer durch eine förmliche Secession von ihrer Unentbehrlichkeit zu überzeugen. Sie rottirten sich also zusammen und zogen nach Tibur, worüber man in Rom wirklich in Verlegenheit kam. Also schickte der Senat nach Tibur, man möge eine Ausgleichung in Güte herbeiführen. Die Tiburtiner suchten ihre Gäste zu überreden; als sie nicht hören wollten, gelang eine wohlberechnete List. An einem Festtage ladet man sie ein, trinkt ihnen weidlich zu, bis sie berauscht und eingeschlummert sind; darauf packt man sie in große Wagen und zurück geht es nach Rom. Auch sollen sie nicht eher zum Bewußtsein gekommen sein, als nachdem sie auf dem Forum richtig angelangt waren und der junge Tag den Katzenjammer beleuchtete. Da lief alles Volk zusammen und sie ließen sich bereden zu bleiben und feierten seitdem jährlich diesen Tag mit lustigen Aufzügen durch die Stadt, auch wurde denen, die zu Opfern aufspielten, das Recht des Mahles auf dem Capitol wieder hergestellt. Ovid erzählt dieselbe Geschichte mit einigen Abweichungen, denen man den Humor des Tages anmerkt.

Je länger Minerva in Rom verehrt wurde, desto mehr trat natürlich die griechische Auffassung in den Vordergrund. So wenn Pompeius ihr nach seinen Feldzügen im Orient von der Beute ein Heiligthum gründete und in demselben ein Verzeichniß seiner Thaten aufstellte, Plin. H. N. VII, 26, 27, wobei ihm die Athena Nike der Griechen vorschwebte; und wenn Cicero das Bild der Minerva, in welchem er die Göttin in seinem Hause verehrte, bei seiner Verbannung aufs Capitol weihte, als Custos Urbis, wie die Inschrift sagte, d. h. als eine solche welche Volk und Senat mit ihrem Geiste erfüllen und behüten sollte, s. Plut. Cic. 31, Cic. de Leg. II, 17. Es ist die von den Griechen allgemein verehrte Athena βουλαία und αγοραία, welcher in Rom das erste Heiligthum von August gestiftet wurde, in Verbindung mit seinem Neubau der Curie am Forum, welche er die Julische nannte und mit einem der Minerva geweiheten Chalcidicum d. h. einer Eingangshalle versah, s. Dio LI, 22. Als diese Curie in späteren Feuersbrünsten unterging, bauete Domitian, der Hersteller des Forums, an ihrer Stelle einen eignen T. der Minerva, welcher neben dem der Castoren und dem des Augustus auf Militärdiplomen bis in die Zeit der Gordiane erwähnt wird. Das neue Senatsgebäude dagegen wurde von ihm in der Gegend des alten Janustempels (S. 154) erbaut und mit demselben auch hier 264 ein eignes atrium Minervae verbunden. Minerva, die personificirte Intelligenz, gehörte seitdem so wesentlich zum Senate, daß auch in Constantinopel, dem neuen Rom, ihr Bild vor der Curie standZosim. V. 24. Sonst pflegt auch die Sapientia und Providentia Principis durch die Attribute der Minerva ausgedrückt zu werden, s. Eckhel D. N. VIII p. 65.. Bei Domitian kam noch die persönliche Vorliebe für den Dienst der Minerva hinzu, wie er denn für einen besondern Schützling, ja sogar für den Sohn der jungfräulichen Göttin gelten wollteSueton. Domit. 15, Quintil. X, 1, 91, Philostr. V. Apollon. VII, 24.. Wie er daher die Stadt und ihre öffentlichen Gebäude, auch seine Münzen zum Ueberdruß mit den Bildern und Attributen der Minerva erfüllte, so pflegte er auch die Quinquatrien in seiner burgartig befestigten Villa am Albaner Berge (in der Gegend von Castel Gondolfo) mit besonderm Eifer zu feiern; ja es war von ihm zu diesem Zweck ein eignes Collegium gestiftet worden, welches für die Feier und für Jagden, scenische Spiele und die damit verbundenen rhetorischen und poetischen Wettkämpfe, deren die Dichter der Zeit wiederholt gedenken, zu sorgen hatteSueton. 4, Dio LXVII, 1, Stat. Silv. III, 5, 28, IV, 2, 64 ff.; 5, 21. Auch V, 3, 228 und oft bei Martial wird auf diese Wettkampfe, bei denen goldne Kränze vertheilt wurden, angespielt.. Auch in Rom entstanden durch diesen Kaiser noch zwei Tempel der Minerva, der der Minerva Chalcidica in der Gegend der Kirche und des Klosters von S. Maria sopra Minerva, wo die schöne Statue der Pallas Giustiniani gefunden sein soll, und der Tempel auf dem von Domitian erbaueten, aber erst unter Nerva vollendeten Durchgangsforum (f. transitorium) in der lebhaften Passage zwischen dem f. Iulium und dem f. Pacis. Die Ruine dieses Tempels hatte sich bis in das 16. Jahrhundert erhalten, ein Theil der Ringmauer aber steht noch, geschmückt mit Bildwerken, welche die Sorge der Minerva für weibliche Handarbeit und die Bestrafung der übermüthigen Arachne vergegenwärtigen. Durch Hadrian wurde in Rom auch ein eignes Athenaeum d. h. eine unter diesem griechischen Namen dem Schutze der Minerva empfohlene Bildungsanstalt in griechischer und lateinischer Rede und Poesie gestiftetDie späteren Kaiser unterhielten diese Stiftung, s. Aurel. Vict. Caes. 14, Lamprid. Alex. Sev. 34, Iul. Capitol. Pertinax 11, Gord. 3, Dio LXXIII, 17.. Ja noch Gordian wurde der Stifter eines neuen Spieles der Minerva, indem er die von Nero den cyclischen Spielen der Griechen nachgebildeten 265 Neronia, das erste Beispiel der Art in Rom, wiederherstellte und der Minerva weihteAurel. Vict. 27, Catal. Imp. p. 647 ed. Mommsen. Leber die Neronia s. Tacit. Ann. XIV, 20, Dial. de Orat. 11, Suet. Nero 12..

Auch das Bild der römischen Minerva war ganz das griechische, ja es fand sich neben den kunstgerechten Bildern der Göttin auch hier ein sogenanntes Palladion, welches wie gewöhnlich für das troische galt und für eins der wirksamsten Unterpfänder des göttlichen Segens gehalten wurde. Die Familie der Nautii, angeblich trojanischen Ursprungs, machte auf die Ehre Anspruch, dieses Bild über Lavinium nach Rom gebracht zu haben. Ihr Stammvater Nautes, hieß es in der gewöhnlichen Ueberlieferung, habe es von Diomedes für den Aeneas in Empfang genommen, Diomedes aber sei von göttlichen Mahnungen getrieben worden, das heilige Bild den trojanischen Helden freiwillig auszuliefernSo berichtete Varro. Nach einer andern Erzählung, welcher Virgil und Dionys VI, 69 folgen, war Nautes schon in Troja ein Liebling und Priester der Pallas. Vgl. Virgil Aen. V, 704 und Serv. zu d. St. und zu Aen. II, 166, III, 407, Cassius Hemina bei Solin. 8, Sil. Pun. XIII, 65 ff., Procop. bell. goth. 1, 15. Ueber das troische Palladion im südlichen Italien und in Rom s. Strabo VI p. 261, XIII p. 601, Lycophr. Alex. 1261. Neben so vielen andern Städten rühmte man sich später auch in Neu Ilion es zu besitzen, s. Iul. Obseq. 56, Serv. V. A. II, 166.. Es wurde unter den heiligsten Heiligthümern im Tempel der Vesta bewahrt und gegen den Ausgang des ersten punischen Kriegs bei einer Feuersbrunst durch den Pontifex Maximus L. Metellus (S. 209) gerettet, worüber er seine Augen verlor, aber die bis dahin unerhörte Ehre gewann, in den Senat fahren zu dürfenCic. pr. Scauro 2, 48, der das Palladium ein pignus nostrae salutis atque imperii nennt, vgl. Phil. XI, 10, 24, Dionys. I, 69, II, 66, Ovid F. VI, 425 ff., Val. Max. 1, 4, 4, Plin. H. N. VII, 43, 45, Lucan I, 592, IX, 991 u. A.. Unter Commodus mußte das Bild nochmals bei einem Brande des Vestatempels gerettet werden, bei welcher Gelegenheit es von verschiednen Personen, damals zuerst von profanen Augen gesehen wurdeHerodian I, 14 vgl. V, 6, Lamprid. Heliog. 6. Bei der Neronischen Feuersbrunst wird seiner nicht gedacht. s. Tacit. A. XV, 41..

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