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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 30
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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i. Apollo Soranus.

So hieß später der auf dem Gipfel des malerischen Berges Soracte in der Nähe des alten Falerii verehrte Gott, über welchen wir leider gleichfalls nur mangelhaft unterrichtet sind. Mit dem griechischen Namen Apollo benennt ihn namentlich Virgil. Aen. XI. 785 summe deum, sancti custos Soractis Apollo, vgl. Sil. Ital. Pun. V. 175, VII, 662, VIII, 494, ohne Zweifel um ihn als Sonnengott zu characterisiren. Der Name Soranus scheint nicht nach dem des Berges gebildet zu sein, sondern dieser seinen Namen erst durch den Cult des Sonnengottes bekommen zu haben, denn das Wort Soracte oder Sauracte hängt höchst wahrscheinlich zusammen mit dem lateinischen Sol oder Saul, dem gothischen Savil, litth. Saule, da die tenues l und r in den italischen Dialecten sehr oft in einander übergehn und alle diese Wörter ihre gemeinsame Wurzel haben in dem Sanskritstamm svar d. i. glänzenG. Curtius in der Zeitschr. f. vergl. Sprachf. 1, 29 ff. Vgl. Cato bei Varro r. r. II, 3, 3 in Sauracti Fiscello caprae ferae sunt etc., wo von einem andern Berge die Rede ist. Die Endung acte ist zu vergleichen mit Teate, Reate.. Merkwürdig ist es daß auch hier Feronia neben dem Sonnengotte verehrt wird, daher sich dieser Apollo Soranus von selbst zu jenem Iupiter Anxur stellt. Was wir sonst noch von seiner Verehrung erfahren, hängt zum Theil mit der Natur des Berges Soracte zusammen. Derselbe ist aus der Mitte einer fruchtbaren Landschaft von vulkanischen Kräften in die Höhe getrieben; noch jetzt befindet sich an seiner östlichen Seite, in der Nähe der Kirche S. Romana, eine Höhle mit tiefen Spalten (le Voragini), aus welchen böse Dünste aufsteigen, von denen auch die Alten erzählenPlin. H. N. II, 93, 95. Varro wußte auch von einer heißen Quelle am Soracte, die um Sonnenaufgang besonders stark fließe und deren Wasser den Vögeln tödtlich sei, ib. XXXI, 2, 19. Ueber die Oertlichkeiten s. Dennis, die Städte und Begrabnißplätze Etruriens, Lpz. 1852 S. 119 ff.. Das jetzige Dorf Sant Oreste ist wahrscheinlich der alte lucus Feroniae, aus welchem mit der Zeit eine kleine Stadt geworden war, die sehr alte Kirche San Silvestro oben auf dem Soracte liegt vermuthlich auf der Stelle des alten Apollotempels. Der Apennin ist so nahe, daß die Wölfe im Winter zahlreich in dieser Gegend streifen, während sie sich in der besseren Jahreszeit wieder ins Gebirge zurückziehn. Daher die Legende b. 240 Servius zu Aen. XI, 785, daß einst, als man grade dem Dis Pater auf diesem Berge, der ihm und den Todten geweiht sei, geopfert habe, plötzlich Wölfe erschienen seien und die Opferstücke von dem brennenden Altare geraubt hätten. Als die Hirten sie verfolgten, seien sie an eine Höhle gekommen, aus welcher ein mefitischer Dunst mit solcher Stärke hervorgedrungen sei, daß die Hirten alsbald todt niederfielen. Ja es habe sich darüber, daß die Hirten die Wölfe verfolgten, eine Pest über das ganze Land verbreitet, von welcher ein Orakel Erlösung versprochen habe, sobald die Einwohner wie die Wölfe vom Raube leben würden. So sei das Geschlecht der Hirpi Sorani d. h. der dem Gotte des Soracte, den man also später auch für einen Dis Pater nahm, geweiheten Wölfe entstandenHirpi oder irpi ist das sabinische Wort für lupus und nur dialektisch davon verschieden. Der Wolf heißt nehmlich sanskr. vrka, slav. ulk, volk, vlüku, griech. λύκος, lat. lupus, sab. irpus (p für k), goth. wulfs (f für das lat. p), immer dasselbe Wort. Auch die samnitischen Hirpiner hatten ihren Namen daher. Ueber die Hirpi Sorani s. Varro b. Serv. A. XI, 787, Plin. H. N. VII, 2, Strabo V p. 226, Solin. 8. Augur Soranus, Cic. de Divin. 1. 47, 105., ein Geschlecht von welchem sich einige Familien bis in die Zeit der römischen Kaiser erhalten hatten. Es scheinen Geweihte des Gottes vom Soracte gewesen zu sein, welche beiläufig auch die in Italien seit alter Zeit sehr verbreitete Kunst der Vogelschau trieben. Besonders berühmt aber waren sie durch die Künste, mit denen sie bei dem jährlichen Feste des Apollo und der Feronia, welches bei Feronia, dem jetzigen Sant Oreste gefeiert wurde, hervortraten. Sie gingen nehmlich dann mit bloßen Füßen durch brennende Haufen Holzes ohne sich zu verbrennen und waren dafür vom römischen Senate ein für allemal vom Kriegsdienste und andern gemeinen Verpflichtungen freigesprochen. Eigentlich sollte es die Begeisterung des Gottesdienstes sein, welche dieses Wunder verrichtete, doch wußte Varro von einer Salbe, mit welcher diese s. g. Wölfe ihre Fußsohlen bestrichen. Der Gebrauch als solcher erinnert sehr an die Oster- und Johannisfeuer in Deutschland und andern Gegenden, welche gleichfalls der Sonne galten und nach dem Glauben früherer Zeiten eine reinigende Kraft hatten, so daß die hindurchgehenden oder springenden Menschen oder das hindurchgetriebene Vieh, wie dieses auch bei den römischen Palilien geschah, dadurch gesühnt und gereinigt wurde; ja wir wissen von einem schottischen Feste, welches dem alten celtischen Sonnengotte Beal oder Belenus galt, wo eine durch das Loos bestimmte 241 Person dreimal durch ein angezündetes Feuer springen mußte und dabei sein Leben riskirte, doch glaubte man sich auf diese Weise der Gunst des Gottes zu versichern und das Jahr fruchtbar zu machenJ. Grimm D. M. S. 579 ff.. So mögen auch jene geweiheten Wölfe ihren gefährlichen Gang durchs Feuer ursprünglich stellvertretend für das Land oder die Gemeinde der Falisker gethan haben, um dasselbe zu sühnen und ihm die Gunst des auf dem Gipfel des Soracte thronenden Gottes für das bevorstehende Jahr zu gewinnen, denn die Wölfe und die Pestilenz erinnern sehr an den Winter. – Noch ist zu bemerken, daß auch die Tuskulaner einen Jupiter des Frühlings kannten, den sie Deus Maius oder Iupiter Maius nannten und neben der Maia verehrtenMacrob. S. 1, 12, 17, vgl. Henzen Suppl. Or. n. 5637., welche mit der Bona Dea identisch ist und dem Maimonate seinen Namen gegeben hatte: ein Paar, welches von selbst an den volskischen Jupiter und die Juno Virgo und an den Gott vom Soracte und die Feronia erinnert. Daß das Bild eines jugendlichen Jupiter, der zugleich als Sonnengott verehrt wurde, überhaupt in Italien verbreitet war, beweist auch eine im Gebiete des alten Picenum gefundene Bronzefigur in der Gestalt eines anmuthigen, halb bekleideten Jünglings, dessen Haupt wie beim Jupiter Anxur mit Strahlen umgeben ist, mit einer sonst nicht verständlichen Inschrift, in welcher man aber das Wort Juve für Jovi leicht erkenntS. Mommsen Unterit. Dial. t. XVI S. 359 ff., Aufrecht und Kirchhoff Umbr. Sprachdenkm. II, 400, Th. Bergk Zeitschr. f. A. W. 1856 n. 18. Die Inschrift ist Cais Paiz Fariens (der Name) Iuve zalsesure..

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