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Römische Mythologie

Ludwig Preller: Römische Mythologie - Kapitel 128
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Mythologie
authorLudwig Preller
year1858
firstpub1858
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleRömische Mythologie
pages801
created20090801
sendergerd.bouillon@t-online.de
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a. Dea Syria

deren angesehenstes Heiligthum sich in Hierapolis nicht weit vom Euphrat und der Grenze Mesopotamiens befand; die Stadt hieß auch Bambyke, bei den Syrern Mabog (jetzt Mambig oder Bambig). Die Göttin hieß in der Landessprache Atargatis, d. i. dieselbe welche die älteren Griechen gewöhnlich Derketo nennen, die späteren und die Römer die syrische Göttin schlechthinStrabo XVI p. 748 und 785, Plin. H. N. V, 23.. Als Crassus sich auf seinem Feldzuge gegen die Parther an ihren Schätzen vergriff, gab sie ihm das erste Unglückszeichen, wie Plutarch erzählt, welcher hinzusetzt daß Einige sie für die Venus, Andre für die Juno hielten, noch Andre für das feuchte Princip in allen natürlichen und für das gute in allen menschlichen DingenPlut. Crass. 17. Nach einer vom Nigidius Fig. bei Schol. German. Arat. v. 240 und Ampel. lib. memor. II, 35 erhaltenen Legende fanden die Fische ein großes Ei im Euphrat, welches sie ans Ufer schoben, wo es von einer Taube ausgebrütet wurde. So sei die syrische Venus entstanden, eine gute und gnädige Göttin, welcher die Menschen sehr viele Wohlthaten verdanken.. Am ausführlichsten berichtet Lucian in der bekannten Schrift über diesen Cultus. Das Heiligthum war sehr alt und angeblich von der Semiramis begründet, doch verdankte es seinen späteren Flor den Seleuciden, unter denen eine Königin Stratonike es mit prächtigen Gebäuden, zahlreichen Schaaren von Priestern und Verschnittenen und einem glänzenden Gottesdienst ausgestattet hatte. Der alte nationale Begriff der Göttin und ihre bildliche Darstellung hatten sich in Folge davon so erweitert daß sie zugleich an Juno, die strenge Gemahlin des Jupiter, an Venus, die Buhle des Adonis, an die phrygische Rhea, die Geliebte des Attis, und außerdem noch an Minerva, DianaNach G. Gran. Liciniani fragm. ed. Pertz p. 46 machte Antiochus IV Epiphanes Anstalt die Diana von Hierapolis zu freien, um dadurch in den Besitz ihres Tempelschatzes zu gelangen. Dieselbe Thatsache, die mit seinem Tode endigte, wird im Buche der Maccabäer II, 1, 13–16 erzählt, wo Nane wohl Anaitis ist., an die Parcen und andre Götter erinnerte. Am Eingange des Tempels standen zwei riesigePhalli, welche angeblich Bacchus errichtet hatte, im Tempel selbst thronten die vergoldeten und kostbar geschmückten Bilder des Jupiter und dieser Juno, beide auf einem Paar symbolischer Thiere die sie trugen, das des Jupiter auf zwei 745 Stieren, das der Juno auf zwei LöwenVgl. die M. des Alexander Sever aus Hierapolis bei Neumann Numi vet. II p. 74 sq. t. III, 2, Eckhel D. N. III p. 162, Seidl über den Dolichenuscult t. VI, 6. Auch auf den M. von Antiochien und Arados sieht man diese symbolischen Thiere. Zwischen ihnen stand ein kleineres Bild der Semiramis; anderswo im Tempel befand sich ein Thron des Sonnengottes, weil man von ihm selbst kein Bildniß machen wollte, und ein Bild des Apoll, welcher hier wie in Heliopolis bärtig und ganz bekleidet war und durch die Bewegungen seines Bildes Orakel ertheilte. Ferner sah man im Tempel und draußen an einem großen Altare in seltsamer Vermischung der griechischen und orientalischen Mythologie und Sage die Bilder des Atlas, des Hermes, der Eileithyien, der Semiramis, der Helena, der Hekabe, des Paris u. s. w., des Kombabos, welcher das Idealbild der Verschnittenen dieses Orts war, angeblich Geliebter der Stratonike, Alexanders d. Gr. und Sardanapals. In der Nähe des Tempels befand sich ein großer Park für die geweihten Thiere, Ochsen, Pferde, Adler, Bären und Löwen, und immer waren große Schaaren von Priestern beschäftigt zu schlachten, zu spenden, Feuer anzuzünden, über dreihundert, alle weiß gekleidet und mit einer spitzen Kegelmütze auf dem Kopfe. Außerdem gab es eine große Menge von Flötisten, Verschnittenen und Bajaderen. Täglich wurde zweimal geopfert; jährlich aber wurden zwei große Feste gefeiert, das eine zur Erinnerung an eine große Wasserfluth, wobei man in großer Procession einen heiligen See besuchte, wahrscheinlich vor dem Eintritt der Regenzeit, das andre beim Beginn des Frühlings und mit Beziehung auf die Wiederkehr der Sonne, bei welcher Gelegenheit ein großer Scheiterhaufen errichtet und mit vielen Opferthieren, Kostbarkeiten und Specereien zuerst durch einen Umzug geweiht und dann verbrannt wurde. Namentlich bei diesem Feste pflegten die Verschnittenen mit ihren heiligen Tänzen aufzutreten, bei denen sie sich verwundeten, stießen und entmannten, unter der Begleitung einer eigenthümlichen Musik von Pauken und Flöten und unter Absingung gewisser heiliger Gesänge. Immer versammelte sich zu solchen Festen eine große Menge Volks aus Syrien, Arabien, auch vom andern Ufer des Euphrat und aus Cappadocien. Außerdem pflegten aber auch viele ambulante Trupps von jenen Fanatikern und Verschnittenen unter diesen Völkern, ja bis nach Griechenland und Italien herumzustreifen, um durch ihre verzückte Tänze und Weissagungen den Dienst 746 ihrer Göttin zugleich zu verbreiten und milde Gaben für sie zu sammeln: eine Propaganda welche bei derartigen Culten von jeher herkömmlich war. Nach solchen Vorbildern werden uns diese Geweiheten der syrischen Göttin von Lucian in seinem Lucius oder der Esel c. 35 und 37 und nach ihm von Apulejus Metam. VIII p. 571 sqq. beschrieben, wo das scheinheilige und liederliche Wesen dieser vagabundirenden Bettelpriester mit den grellsten Farben gemalt wird. Wenn der Zug in ein Dorf gekommen, steht der Esel mit dem Bilde der Göttin still und die Verschnittenen beginnen mit gelösten Haaren ihre Tänze, wobei sie mit dem Kopfe wackeln, den Leib wirbeln, sich die Arme und die Zunge verwunden, endlich aber Geld und Victualien einsammeln, Alles zur Ehre ihrer Göttin. Es sind die Kedaschim der Bibel, welche in den späteren Zeiten oft mit den Verschnittenen der Großen Mutter verwechselt wurdenS. Movers Phönicier 1, 678 ff. und das Bild aus dem Columbarium der Villa Pamfili bei O. Jahn in den Abhandl. der Münchner Akademie 1857 T. II S. 23 ff.. Daß der Dienst der Dea Syria auch in Rom und Italien und weiter im Abendlande hin und wieder Anklang gefunden hatte, wird sowohl durch die Nachricht von Neros vorübergehender Vorliebe als durch verschiedene Inschriften bewiesen, obwohl deren im Vergleiche mit andern ausländischen Gottesdiensten nicht viele sindOr. n. 1946–48 aus Rom, Henzen n. 5861 aus England, 5861 a aus Salona, Mommsen I. N. n. 5763 aus Amiternum, Corp. I. Gr. n. 5372 aus Syracus..

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