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Römische Geschichte

Livius: Römische Geschichte - Kapitel 56
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Geschichte Bd. I
authorTitus Livius
translatorKonrad Heusinger
firstpub1821
year1821
publisherFriedrich Vieweg Verlag
addressBraunschweig
titleRömische Geschichte
created20060416
sendergerd.bouillon
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411 Einundzwanzigstes Buch.

1. Die Erklärung, welche so viele Geschichtschreiber an die Spitze ihres Ganzen gestellt haben, kann ich diesem Theile meines Werks vorangehen lassen, daß ich den merkwürdigsten aller Kriege, die je geführt sind, beschreiben werde; den nämlich, welchen unter Hannibals Oberbefehle die Carthager mit dem Römischen Volke geführt haben. Denn theils richteten nie mächtigere Staten und Völker die Waffen gegen einander, theils hatten selbst diese nie so viele Stärke und Kraft. Auch waren sie sich in den Künsten des Krieges, mit denen sie gegen einander auftraten, nicht unbekannt, sondern hatten sich schon im ersten Punischen Kriege kennen gelernt: und das Kriegsglück war so abwechselnd und der Kampf so mißlich, daß die Gefahr auf Seiten derer größer war, welche siegten. Ja sie kämpften fast mit größerer Erbitterung, als Kräften; die Römer, aus Unmuth, daß sie als Sieger von ihren Besiegten angegriffen waren; die Punier, weil sie glaubten, daß man gegen sie als Besiegte oft den übermüthigen und habsüchtigen Gebieter gemacht habe. Auch hat man die Sage: Hamilcar habe, als er nach Beendigung des Africanischen Krieges schon im Begriffe, ein Heer nach Spanien überzusetzen, den Göttern opferte, den beinahe neunjährigen Hannibal, der den Väter kindlich schmeichelnd bat, ihn mitzunehmen, zum Altare treten lassen, und ihn unter Berührung des Opfers eidlich verpflichtet, sobald er könne, als Feind der Römer aufzutreten. Der hohe Geist des Helden konnte Siciliens und Sardiniens Verlust nicht verschmerzen: denn Sicilien habe man aus Muthlosigkeit viel zu schnell verloren gegeben, und 412 Sardinlen während der Africanischen Unruhen durch Römische List eingebüßt, die ihnen sogar noch eine Kriegssteuer auferlegt habe.

2. In der Spannung, die ihm dieser Kummer machte, benahm er sich während der fünf Jahre des Africanischen Krieges, welcher gleich nach dem Friedenschlusse mit den Römern ausbrach, und in den folgenden neun Jahren bei der Erweiterung der Punischen Oberherrschaft in Spanien, offenbar so, daß man sah, er denke auf einen wichtigeren Krieg, als der war, der ihn jetzt beschäftigte; und die Punier würden, wenn er länger gelebt hätte, den Angriff auf Italien, den sie unter Hannibals Führung unternahmen, schon unter Hamilcar gethan haben. Hamilcars jetzt eintretender Tod, und Hannibals Jugend verschoben den Krieg. Zwischen Vater und Sohne hatte beinahe acht Jahre lang Hasdrubal den Heeresbefehl, dem, wie man, sagt, die Reize seiner Jugend zuerst Hamilcars Gunst gewannen, dann seine großen Anlagen dem Bejahrteren zum Schwiegersohne empfahlen, und der sich gerade als dieser Schwiegersohn durch den Einfluß der Barcinischen Partei, der bei dem Heere und Volke überwiegend war, gegen den Willen der Großen, den Oberbefehl erwarb. Als ein Mann, der öfter den Weg der Klugheit, als den der Gewalt, einschlug, verschaffte er der Sache Carthago's größere Vortheile durch seine Gastfreundschaften mit den Fürsten und dadurch, daß er sich bei dem Wohlwollen der Großen immer neue Völker gewann, als durch Krieg und Waffen. Und dennoch schützte ihn der Friede eben so wenig. Ein Spanier ermordete ihn, die Hinrichtung seines Herrn zu rächen, ganz öffentlich; machte, von den Umstehenden ergriffen, ein Gesicht, als wäre er entkommen; ja als er unter Foltern zerfleischt wurde, behielt er in der alle Schmerzen überwiegenden Freude einen Zug des Lachens. Mit diesem Hasdrubal hatten die Römer, weil er in der Kunst, die Völker anzulocken und sie an seine Oberherrlichkeit zu fesseln, Meister war, das Bündniß mit der Bestimmung erneuert, daß der Fluß Ebro die Gränze zwischen beiden Gebieten sein, und den 413 zwischen den Gebieten beider Völker wohnenden Saguntinern ihre Freiheit gelassen werden solle.

3. Bei der Wiederbesetzung seiner Feldherrnstelle war es keinem Zweifel unterworfen, daß auf die vorläufige Wahl von Seiten der Soldaten, vermöge welcher sogleich der junge Hannibal in das Feldherrnzelt getragen und unter dem einstimmigen Geschreie und Beifalle Aller zum Feldherrn ausgerufen war, auch die Genehmigung des Volkes folgen würde. Ihn hatte kaum als werdenden Mann Hasdrubal durch einen Brief zu sich entboten: und die Sache war selbst im Senate zur Sprache gekommen, da die Barciner es zu bewirken suchten, daß Hannibal sich als Soldat anlernen und den ganzen Einfluß seines Vaters erben möchte. Hanno, das Haupt der Gegenpartei, sagte: «Hasdrubal scheint etwas sehr Billiges zu fordern, und dennoch bin ich der Meinung, man müsse ihm seinen Wunsch nicht gewähren.» Da Alle vor Verwunderung über eine so räthselhafte Erklärung die Augen auf ihn wandten, sprach er: «Hasdrubal glaubt mit vollem Rechte, die Blüte der Jugend, deren Genuß er selbst dem Vater Hannibals gestattete, wieder am Sohne ernten zu dürfen. Für uns aber ist es durchaus unschicklich, unsre Jugend, als gehörte dies zu den Lehrjahren des Kriegsdienstes, mit der Zügellosigkeit ihrer Vorgesetzten vertraut zu machen. Oder fürchten wir etwa, daß einem Sohne Hamilcars die unbeschränkten Befehlshaberstellen und das Bild des väterlichen Königthums zu spät vor Augen stehen werde, und daß wir dem Sohne jenes Königs, dessen Schwiegersohne unsre Heere erblich hinterlassen wurden, nicht früh genug dienstbar sein werden? Ich gebe meine Stimme dahin ab, daß man den jungen Menschen zu Hause behalte und ihn unter Gesetzen und Obrigkeiten mit Andern auf gleichen Fuß leben lehre, damit nicht früh oder spät dieser kleine Brand zu einer großen Flamme aufschlage.»

4. Wenige, und fast die Rechtlichsten alle, stimmten dem Hanno bei; allein, wie gewöhnlich, siegte die größere Partei über die bessere. Hannibal wurde nach Spanien 414 geschickt, und zog gleich bei seiner ersten Ankunft die Blicke des ganzen Heeres auf sich. Die alten Soldaten glaubten, Hamilcar in seinen Jugendjahren sei ihnen wiedergegeben: sie sahen ihm dieselbe Lebhaftigkeit des Blickes an, eben das Feuer in den Augen, die Gesichtsbildung, die Züge. Bald aber brachte er es dahin, daß sein Vater für ihn nur die kleinste Empfehlung war. Nie paßte sich ein und derselbe Kopf in die zwei entgegengesetztesten Dinge, in das Gehorchen und Befehlen, besser. Darum war es schwer zu entscheiden, ob er dem Feldherrn, oder dem Heere, lieber war: und so wie Hasdrubal, wenn eine Unternehmung Muth und Pünktlichkeit forderte, die Leitung keinem Andern lieber gab, so hatte auch der Soldat unter keinem andern Führer mehr Zutrauen oder Muth. Er zeigte bei Übernehmung der Gefahren die höchste Kühnheit, während der Gefahren selbst die höchste Besonnenheit. Durch keine Beschwerde ward sein Körper erschöpft, sein Muth besiegt. Gegen Hitze und Kälte war seine Ausdauer gleich: das Maß seiner Speisen und Getränke wurde vom Bedürfnisse der Natur, nicht vom Vergnügen bestimmt. Seine Zeit zum Wachen und Schlafen wurde nie durch Tag und Nacht geschieden: was ihm die Geschäfte übrig ließen, ward der Ruhe gegönnt; aber auch sie wurde so wenig durch ein weiches Lager, noch durch Stille herbeigerufen: vielmehr haben ihn Viele oft mit einem Soldatenmantel zugedeckt zwischen den Wachen und Posten der Soldaten liegen sehen. Seine Kleidung war vor seines Gleichen nie hervorstechend, aber seine Waffen und Rosse zeichneten sich aus. Er war bei weitem sowohl der beste Soldat zu Pferde, als zu Fuß. In das Treffen ging er voran; hatte es einmal begonnen, dann schied er als der Letzte. Diesen so großen Tugenden des Mannes hielten übergroße Fehler das Gleichgewicht; eine unmenschliche Grausamkeit, mehr als Punische Treulosigkeit: Wahrheit war ihm fremd, nichts ihm heilig; ihn band keine Furcht vor Gott, kein Eid, kein Gewissen. Mit dieser Ausstattung von Tugenden und Fehlern diente er drei Jahre unter Hasdrubals Oberbefehle, ohne das Mindeste, was ein künftiger 415 Feldherr von Bedeutung thun oder sehen muß, außer Acht zu lassen.

5. Von dem Tage an aber, da er zum Feldherrn erklärt war, beschloß er, – gleich als wäre ihm zum Orte seiner Bestimmung Italien angewiesen und der Krieg gegen Rom schon aufgetragen; ohne sich einen Aufschub zu erlauben, damit nicht auch ihn, wie seinen Vater Hamilcar, wie nachher den Hasdrubal, ein Unstern abriefe, – die Saguntiner zu bekriegen. Da nun ein Angriff auf sie unfehlbar Rom zum Kriege auffordern mußte, so rückte er mit seinem Heere zuvor in das Gebiet derIn der Nähe des jetzigen Toledo. Olcaden; – dies Volk wohnte auf jener Seite des Ebro, die den Carthagern zwar noch nicht unterwürfig, aber doch überlassen war; – um sich den Schein zu geben, als habe er es nicht auf die Saguntiner angelegt, sondern sei durch den Gang der Dinge, da er, nach Bezwingung ihrer Nachbaren, sie selbst seinen Besitzungen habe einreihen müssen, in diesen Krieg hineingezogen. Er erstürmte Althäa, die reiche Hauptstadt jenes Volks, und plünderte sie. Hiedurch geschreckt unterwarfen sich die kleineren Städte und wurden zinsbar. Siegreich und mit Beute beladen wurde das Heer nach Neu-Carthago in die Winterquartiere geführt. Nachdem er sich hier durch freigebige Vertheilung der Beute und pünktliche Auszahlung des rückständigen Soldes in der Liebe sämtlicher Unterthanen und Bundesgenossen befestigt hatte, zog er mit dem Anfange des Frühlings in fortschreitendem Angriffe gegen die Vaccäer. HermandicaMan setzt Hermandica in die Gegend des heutigen Salamanca; doch scheint unter Helmantica (dieser vermuthlich richtigern Lesart aus Polyb.) eine andre Stadt gemeint zu sein. und Arbocala, die Städte der Vaccäer, wurden mit Sturm genommen. Arbocala vertheidigte sich durch die Tapferkeit und Volkszahl seiner Bewohner lange. Die Flüchtlinge von Hermandica, die sich mit den Olcadischen Vertriebenen, des im vorigen Sommer unterjochten Volks, vereinigten, wiegelten die CarpetanerNoch jetzt heißt Madrid Lateinisch Mantua Carpetanorum. auf, und 416 da sie den Hannibal auf seinem Rückzuge aus dem Vaccäerlande nicht weit vom Flusse Tagus angriffen, brachten sie seinen mit Beute belasteten Zug in Unordnung. Hannibal ließ sich auf ein Treffen nicht ein: da er sein Lager am Ufer genommen hatte, ging er, sobald die Feinde ruhig und still wurden, an einer seichten Stelle durch den Strom, und nachdem er mit seinem Walle so weit gegen die Feinde vorgerückt war, daß er ihnen Raum ließ, durch den Fluß zu setzen, beschloß er, sie bei ihrem Übergange anzugreifen. Seiner Reuterei gab er Befehl zum Angriffe, sobald sie den Feind in das Wasser gehen sähen. Sein Fußvolk pflanzte er am Ufer auf, und vor diesem vierzig Elephanten. Die Carpetaner mit den sich anschließenden Oleaden und Vaccäern beliefen sich auf hunderttausend Mann; ein unüberwindliches Heer, hätte man auf freiem Felde gefochten. Da sie also, trotzig von Natur, auf ihre Menge sich verlassend, und in der Einbildung, der Feind habe sich aus Furcht zurückgezogen, nur darin einen Aufschub ihres Sieges fanden, daß der Strom sie trenne, so rannten sie nach erhobenem Geschreie ohne Ordnung und Befehl, wo Jeder am nächsten zukam, in den Strom. Allein auch von der andern Seite des Ufers rückte die Reuterei in bedeutender Menge in den Fluß; und man traf mitten in seinem Bette in einem sehr ungleichen Kampfe zusammen; weil eben da, wo der Fußgänger, ohne festen Stand, und kaum auf dem Boden ordentlich Fuß fassend, selbst von einem unbewaffneten Reuter, wenn dieser sein Pferd nur geradezu gehen ließ, umgeworfen werden konnte, der Reuter, seines Körpers und seiner Waffen Meister, auf seinem selbst mitten in den Tiefen standfesten Pferde sich im Stande sah, in der Nähe so gut, als aus der Ferne zu fechten. Also wurde ein großer Theil vom Flusse verschlungen; Andre, die der Strom in seinen Strudeln unter die Feinde trieb, wurden von den Elephanten zertreten; und als die Letzten, die sich, durch die Umkehr nach ihrem Ufer, retteten, aus einer so großen Verwirrung sich wieder zusammen fanden, jagte sie Hannibal, ehe sie von dem großen Schrecken sich wieder erholen konnten, durch einen 417 Angriff mit geschlossenen Gliedern vom Ufer in die Flucht. So mußten sich also auch die Carpetaner, nach Verwüstung ihres Gebiets, in wenig Tagen ergeben. Und schon gehörte Alles jenseit des Ebro, die Saguntiner ausgenommen, den Carthagern.

6. Noch hatte Hannibal mit den Saguntinern keinen Krieg; indessen wurden schon, um Krieg mit ihnen zu haben, allerlei Streitigkeiten zwischen ihnen und ihren Nachbaren eingeleitet, hauptsächlich mit den Turdetanern. Da nun diese gerade bei dem, der den Streit veranlasset hatte, Unterstützung fanden, und aus Allem hervorging, daß es nicht auf rechtliche Verhandlung, sondern auf Gewalt angelegt sei, so schickten die Saguntiner Gesandte nach Rom, um sich für einen Krieg, der offenbar schon im Anzuge sei, Beistand zu erbitten.

Consuln waren damals zu Rom Publius Cornelius Scipio und Tiberius Sempronius Longus. Als sie nach Aufstellung der Gesandschaft im Senate über die Angelegenheiten des Stats den Vortrag eröffnet, und die Väter für gut befunden hatten, Gesandte nach Spanien abgehen zu lassen, um die Lage der Bundesgenossen zu untersuchen, und wenn sie gegründete Ursachen fänden, theils dem Hannibal anzudeuten, sich nicht an den Saguntinern, als Roms Bundesgenossen, zu vergreifen, theils auch nach Carthago in Africa überzugehen, um dort die Beschwerden der Römischen Bundesstadt vorzutragenquerimonias deferrent. Hac legatione]. – Das Punctum vor hac ist unrichtig, weil mit diesen Worten der Nachsatz anfangen muß. Ich folge also lieber Crevier, der nur ein Kolon hat.: so kam unterdeß, daß die Gesandschaft schon beschlossen, aber noch nicht abgefertigt war, die Nachricht von der Belagerung Sagunts der Erwartung Aller zuvor. Nun wurde die Sache von neuem im Senate zur Sprache gebracht. Einige, nach deren Meinung die Consuln in Spanien und Africa auftreten sollten, stimmten dafür, den Krieg zu Lande und zu Wasser zu führen: Andre wollten den Krieg ganz gegen Spanien und gegen den Hannibal gerichtet wissen. Auch fehlte es nicht an solchen, welche den Rath gaben, sich 418 nicht so geradezu auf eine Sache von dieser Wichtigkeit einzulassen, sondern die Rückkehr der Gesandten aus Spanien abzuwarten. Diese Meinung, welche die sicherste schien, behielt die Oberhand; und so viel eiliger ließ man als Gesandte den Publius Valerius Flaccus und Quintus Bäbius Tamphilus zum Hannibal nach Sagunt abgehen, und, falls er vom Kriege nicht abstände, von dort nach Carthago, um zur Genugthuung für den Bundesbruch die Auslieferung des Feldherrn selbst zu verlangen.

7. Während dieser Vorbereitungen und Verhandlungen in Rom wurde Sagunt schon auf das heftigste bestürmt. Diese Stadt, bei weitem die wohlhabendste jenseit des Ebro, lag nicht völlig tausend Schritte vom Meere. Ihre Einwohner sollten aus der Insel Zacynthus herstammen, und sich mit ihnen einige aus Ardea von Rutulischer Abkunft vermischt haben. Und zu ihrer so großen Macht waren sie in kurzem gestiegen, entweder durch ihren Erwerb zur See, oder zu Lande, oder durch ihre zunehmende Volksmenge, oder durch jene ehrwürdige Sittlichkeit, mit der sie ihrer Bundespflicht selbst bis zu ihrem eignen Verderben treu blieben.

Hannibal, der mit seinem Heere feindlich ihnen ins Land rückte, verwüstete Alles weit und breit, und griff die Stadt von drei Seiten an. Eine Ecke der Mauer trat in ein Thal hervor, welches flacher und freier war, als die übrigen Umgebungen. Gegen diese Ecke ließ Hannibal die Annäherungshütten anlegen, um unter diesen den Sturmbock an die Mauer bringen zu können. So wie aber die Gegend in der Ferne von der Mauer eben genug war, die Annäherungshütten fortzuführen, so wenig glücklich ging das Werk von statten, als es seine Wirkung thun sollte. Theils ragte hier ein gewaltiger Thurm; theils war die Mauer hier, als an einer bedenklichen Stelle, zu einer vorzüglichen Höhe aufgeführt; theils leistete eine auserlesene Mannschaft gerade da, wo sich die meiste Gefahr und Arbeit zeigte, auch den kräftigsten Widerstand. Und anfangs trieben sie den Feind mit Pfeilen ab und ließen die Schanzenden nirgend ein sicheres Plätzchen finden. Bald 419 aber blitzten ihre Waffen nicht bloß zum Schutze der Mauer und des Thurms, sondern sie hatten Muth genug, auf die feindlichen Posten und Werke Ausfälle zu thun, und in diesen überraschenden Gefechten hatten die Saguntiner fast nie größeren Verlust, als die Punier. Als aber Hannibal selbst, wie er sich zu unvorsichtig an die Mauer wagte, mit einem Wurfspieße vorn an der Hüfte schwer verwundet zu Boden sank, so wurde die Flucht und Bestürzung um ihn her so allgemein, daß beinahe die Werke und Annäherungshütten preisgegeben wären.

8. Hierauf wurde die Stadt einige Tage über, so lange die Wunde des Feldherrn geheilt wurde, mehr eingeschlossen gehalten, als bestürmt. So wie man während dieser Zeit von allen Gefechten ruhete, so fuhr man mit der Fertigung der Sturmmaschinen und mit den Schanzarbeiten ununterbrochen fort. Folglich erhob sich der erneuerte Sturm so viel heftiger, und an mehreren Stellen, von denen manche die Anlegung von Werken kaum gestattete, wurden Annäherungshütten aufgeführt und Mauerbrecher angebracht Und Hannibal hatte einen Überfluß an Truppen: denn man schätzt seine Stärke mit ziemlicher Gewißheit auf hundert und funfzigtausend Mann. Die Belagerten hingegen, wenn sie Alles decken und bereichen wollten, mußten sich auf zu viele Punkte vertheilen: auch hielten die Mauern nicht länger aus; denn sie wurden schon mit Sturmböcken bearbeitet, und hatten viele schadhafte Stellen bekommen. An Einer Stelle, wo eine ganze Strecke eingeschossen war, stand die Stadt schon offen: dann waren drei Thürme nach der Reihe und das ganze Zwischenstück der Mauer mit großem Krachen niedergestürzt: und schon versprachen sich die Punier von ihrem Falle die Eroberung der Stadt, als man von beiden Theilen, gleich als hätten beide bisher die Mauer zur Schutzwehr gehabt, zum Kampfe hervorbrach. Dieser hatte nicht die mindeste Ähnlichkeit mit jenen unvorbereiteten Gefechten, wie sie bei Bestürmung der Städte die dem andern Theile sich darbietende Gelegenheit zu veranlassen pflegt: sondern vollständige Schlachtreihen hatten sich, als auf freiem 420 Felde, zwischen den Trümmern der Mauer und den nicht weit davon entfernten Häusern der Stadt aufgestellt. Hier spornte den Muth die Hoffnung, dort die Verzweiflung; da die Punier, wenn sie sich nur einigermaßen anstrengten, die Stadt schon erobert zu haben glaubten; die Saguntiner hingegen für ihre von Mauern entblößte Vaterstadt ihre Körper aufpflanzten, und keiner von ihnen einen Fuß breit wich, um nicht in die von ihm verlassene Stelle den Feind einrücken zu lassen. – Je hitziger also und gedrängter sie von beiden Seiten fochten, je mehrere wurden verwundet, weil es unmöglich war, daß auch ein einziger Pfeil ohne zu treffen zwischen Waffen und Männern niederfiel. Die Saguntiner bedienten sich der Falarica, eines Wurfspießes mit tannenem, übrigens rundem, Schafte, außer an dem Ende, aus welchem das Eisen hervorstand. Hier war sie, wie unser Wurfpfeil, viereckig, wurde hier mit Werg umwunden und mit Pech bestrichen. Das Eisen hatte drei Fuß Länge, so daß es den Mann samt den Waffen durchbohren konnte. Wenn sie aber auch, ohne in den Körper einzudringen, im Schilde hängen blieb, so war sie doch hauptsächlich dadurch fürchterlich, daß sie mit brennender Mitte abgeschossen wurde, und wenn sie einmal Feuer gefangen hatte, mit einer selbst durch die Bewegung angefachten Flamme geflogen kam, wodurch sie den Feind nöthigte, die Waffen von sich zu werfen, und sich ohne Bedeckung jedem folgenden Schusse bloß zu stellen.

9. Als der Streit lange unentschieden geblieben war, und den Saguntinern, weil sie über alle Erwartung Widerstand leisteten, der Muth wuchs, der Punier hingegen, eben weil er nicht gesiegt hatte, für besiegt galt, erhoben die Belagerten plötzlich ein Geschrei und trieben den Feind auf die Trümmer der Mauer, und da ihm diese im Wege lagen und er in Verwirrung gerieth, jagten sie ihn auch über diese hinaus, und endlich als den völlig Geschlagenen in sein Lager zurück. Indeß war die Ankunft Römischer Gesandter gemeldet. Hannibal schickte ihnen an das Meer entgegen und ließ ihnen sagen, es würde für sie nicht ohne Gefahr sein, wenn sie sich unter dem 421 Waffengetümmel so vieler erbitterten Völker bis zu ihm wagen wollten; und auch für ihn sei jetzt im Augenblicke der wichtigsten Entscheidung die Zeit nicht, Gesandschaften zu hören. Er sah leicht ein, daß die nicht Vorgelassenen geradezu nach Carthago abgehen würden. Also schrieb er den Häuptern der Barcinischen Partei durch voreilende Boten, sie möchten ihre Freunde vorbereiten, damit sich nicht etwa die Gegenpartei den Römern gefällig erweisen möge.

10. Folglich war auch diese Gesandschaft, außer daß sie vorgelassen und angehört wurde, vergeblich und ohne Erfolg. Der einzige Hanno nahm gegen die im Senate herrschende Stimmung das Bündniß in Schutz, unter allgemeiner Stille der Zuhörer, die er aber seinem Ansehen, nicht ihrem Beifalle verdankte. «Bei den Göttern, den Richtern und Zeugen der Bündnisse, habe er sie aufgefordert und früh genug gewarnt, keinen von Hamilcars Nachgelassenen zum Heere zu senden. Der Geist des Mannes so wenig, als seine Nachkömmlinge könnten Ruhe halten, und die Bündnisse mit Rom würden nie, so lange von Barcinischem Blute und Namen noch jemand übrig sei, unangefochten bleiben. Einen Jüngling, der von Begierde nach Alleinherrschaft brennt, und den einzigen Weg sie zu erreichen darin sieht, wenn er durch Aufstellung eines Krieges nach dem andern im Kreise von Waffen und Legionen lebt, habt ihr, als wolltet ihr dem Feuer Stoff geben, zu den Heeren gesandt. So habt ihr denn dem Brande, von dem ihr jetzt ergriffen seid, die Nahrung selbst gereicht. Eure Heere umlagern jetzt Sagunt, dessen Boden ihnen der Vertrag untersagt: bald werden Römische Legionen Carthago umlagern, von eben den Göttern herangeführt, durch welche sie im vorigen Kriege des Bundesbruches Rächer wurden. Miskennt ihr etwa den Feind, oder euch selbst? oder beider Völker Glück? Gesandten, die von Bundesgenossen und für Bundesgenossen kamen, ließ euer sauberer Feldherr nicht in sein Lager zu: er vernichtete das Völkerrecht. Und sie – da weggewiesen, wo man selbst feindlichen Gesandten den Zutritt nicht wehret, wenden sich an euch, 422 verlangen, dem Bundesvertrage gemäß, Genugthuung. Dem State wollen sie keine böse Absicht beimessen: nur den Urheber des Frevels, ihn, den der Vorwurf trifft, wollen sie ausgeliefert haben. Je schonender sie zu Werke gehen, je zögernder sie beginnen, je beharrlicher, fürchte ich, wird, wenn sie einmal angefangen haben, ihre Erbitterung sein. Stellet euch die Ägatischen Inseln und den Berg EryxEryx, Bergfestung in Sicilien, wo das Punische Heer gegen Ende des ersten Punischen Krieges von den Römern eingeschlossen war und nur durch den Friedensschluß gerettet wurde. vor Augen, und was ihr zu Lande und zu Wasser in jenen vierundzwanzig Jahren gelitten habt. Und dort war nicht dieser Knabe Feldherr, sondern der Vater selbst, Hamilcar, der zweite Mars, wie gewisse Leute wollen. Allein damals hatten wir uns, dem Vertrage zuwider, an Tarent, also an Italien vergriffen, so wie wir uns jetzt an Sagunt vergreifen. Folglich wurden wir von Göttern und Menschen besiegt; und fehlte es gleich nicht an Wortstreit darüber, welches von beiden Völkern den Bund gebrochen habe, so gab doch der Ausgang des Krieges, gleich einem gerechten Richter, demjenigen den Sieg, auf dessen Seite das Recht stand. An Carthago's Mauern rückt Hannibal jetzt mit seinen Annäherungshütten und Thürmen; auf Carthago's Mauern thut er die Stöße mit dem Sturmbocke. Sagunt's Trümmer – möchte ich ein falscher Prophet sein! – werden auf unsre Häupter fallen, und den mit den Saguntinern angefangenen Krieg werden wir mit den Römern zu führen haben. Also sollten wir den Hannibal ausliefern? möchte jemand sagen. Ich weiß, daß mein Gutachten, wegen meiner Feindschaft mit seinem Vater, gegen ihn wenig Gewicht haben mag. Allein so wie ich mich darüber, daß Hamilcar umkam, deswegen freute, weil wir, wenn er noch lebte, schon mit den Römern Krieg hätten, so hasse und verabscheue ich diesen jungen Menschen, als die Furie und Fackel des neuen Krieges. Und ich meine, man müsse diesen Sündenträger des Bundesbruchs nicht bloß ausliefern, sondern, wenn ihn niemand verlangte, ihn an die 423 entlegensten Enden des Meeres und der Erde wegführen und an einen Ort hinausschaffen, von welchem sein Name und der Ruf von ihm weder zu uns gelangen, noch den Stat in seiner Ruhe stören könne. Ich gebe meine Stimme dahin ab, daß man sogleich Gesandte nach Rom gehen lasse, um dem Senate genugzuthun; eine zweite Gesandschaft, dem Hannibal anzudeuten, daß er sein Heer vor Sagunt abführe, und den Hannibal selbst dem Vertrage gemäß den Römern auszuliefern: auf eine dritte Gesandtschaft trage ich an, den Saguntinern Ersatz zu geben.»

11. Als Hanno seinen Vortrag schloß, hatte auch nicht ein Einziger nöthig, sich in einer Gegenrede mit ihm einzulassen, so sehr war fast der ganze Senat auf Hannibals Seite, und sie beschuldigten den Hanno, er habe feindseliger geredet, als Valerius Flaccus, der Römische Gesandte. Darauf ertheilte man den Römern die Antwort: «Der Krieg sei von den Saguntinern veranlasset; nicht von Hannibal. Das Römische Volk thue Unrecht, wenn es den Saguntinern vor dem uralten Bundesvereine mit den Carthagern den Vorzug geben wolle.»

Indeß die Römer mit Absendung von Gesandschaften die Zeit verloren, gab Hannibal seinen durch Gefechte und Arbeiten ermüdeten Soldaten, nachdem er bei den Annäherungshütten und andern Werken Bedeckungen ausgestellt hatte, einige Tage zum Ausruhen. Während dieser befeuerte er ihren Muth dadurch, daß er bald ihre Erbitterung gegen den Feind spornte, bald sie Belohnungen hoffen hieß. Und als er nun vor der Versammlung die Beute der eroberten Stadt für ein Eigenthum der Soldaten erklärte, so wurden dadurch Alle so begeistert, daß ihnen dem Anscheine nach, hätte er sogleich das Zeichen gegeben, Nichts würde haben widerstehen können.

Hatten die Saguntiner von Gefechten Ruhe gehabt, insofern sie in mehreren Tagen weder angriffen, noch angegriffen wurden; so hatten sie auch weder bei Tage, noch bei Nacht, die Arbeit unterlassen, um auf der Seite, wo die Stadt durch die Lücken der Mauer geöffnet war, eine neue Mauer aufzuführen. Darauf wurden sie in einem weit 424 heftigeren Sturme, als vorher, angegriffen, und da Alles von mancherlei Geschreie ertönte, so blieben sie in Ungewißheit, wo die schnelleste oder nachdrücklichste Hülfe nöthig sei. Hannibal selbst war als Ermunterer da zugegen, wo er den Rollthurm anrücken ließ, der an Höhe die sämtlichen Festungswerke der Stadt übertraf. Als dieser, näher gebracht, durch die auf alle seine Stockwerke vertheilten kleineren und größeren Wurfgeschütze die Mauern von Vertheidigern entblößt hatte, so schickte Hannibal, um diesen Augenblick zu nutzen, an fünfhundert Africaner mit Brecheisen gegen die Mauer, um sie von unten zu durchbrechen; und sie hatten keine schwere Arbeit, weil die Steine nicht durch Mörtel gekittet, sondern nach der alten Bauart, mit Lehm eingestrichen waren. Folglich stürzten die Steine in weiterem Umfange, als gebrochen wurde, und durch die weiten Lücken schritten Züge von Bewaffneten in die Stadt. Ja sie gewannen auch eine Höhe, welche sie, als sie hier die kleinern und größern Wurfgeschütze zusammengefahren hatten, mit einer Mauer umschlossen, um an diesem Bollwerke in der Stadt eine Alles beherrschende Festung zu haben; und die Saguntiner zogen vor den noch nicht eroberten Theil der Stadt eine innere Mauer. Von beiden Seiten mauerte und focht man mit der höchsten Anstrengung: allein die Saguntiner machten dadurch, daß sie nur das Innere zu behaupten suchten, die Stadt mit jedem Tage kleiner. Zugleich stieg bei der langen Einschließung der Mangel an Allem, und die Erwartung einer Hülfe von außen nahm immer mehr ab, da die Römer, die einzige Hoffnung, so fern, und Alles umher in den Händen der Feinde war. Doch auf eine kurze Zeit erholte sich ihr gesunkener Muth durch den Zug, den Hannibal unvermuthet gegen die Oretaner und Carpetaner unternahm, zwei Völkerschaften, welche über die strenge Werbung empört, durch Festnehmung der Werber einen Aufstand besorgen ließen, allein durch Hannibals Geschwindigkeit überrascht die schon ergriffenen Waffen wieder aufgaben.

12. In der Bestürmung Sagunts wurde dadurch nichts 425 versäumt, weil Himilcons Sohn, Maharbal, dem sie Hannibal übertragen hatte, so thätig dabei zu Werke ging, daß die Abwesenheit des Feldherrn weder den Soldaten, noch den Feinden bemerklich ward. Er lieferte mehrere glückliche Gefechte, warf mit drei Sturmböcken einen beträchtlichenDas aliquantulum verträgt sich mit dem gleich folgenden strata omnia recentibus ruinis so wenig, daß ich mich nicht enthalten kann, mit Frobenius und den wenigen Handschriften, die nach Drakenborch aliquantum wirklich lesen, dies letztere vorzuziehen. Weil die Abschreiber das aliquantum nicht verstanden, und es mit aliquantulum für einerlei hielten, so setzten sie dies oft für das erste, wo bessere Handschriften aliquantum beibehalten, wie Cic. de off. I, 1. 2. Lael. 12, 3. Crevier hat aliquantum schon in den Text aufgenommen. Theil der Mauer nieder und zeigte dem Hannibal bei seiner Ankunft lauter Strecken, mit neuen Trümmern bedeckt. Also wurde das Heer sogleich vor die Burg selbst geführt: ein fürchterlicher Kampf begann, mit großem Verluste auf beiden Seiten, und ein Theil der Burg wurde erobert.

Jetzt ließen sich zwei Männer, freilich mit schwacher Hoffnung, auf Versuche zum Frieden ein; Alcon, ein Saguntiner, und Alorcus, ein Spanier. Nachdem Alcon, der durch Bitten etwas auszurichten glaubte, ohne Wissen der Saguntiner bei Nacht zum Hannibal übergegangen war, so blieb er, als seine Thränen nichts vermochten, und lauter harte, von einem erbitterten Sieger zu erwartende Bedingungen gemacht wurden, aus einem Fürsprecher in einen Überläufer umgewandelt, bei dem Feinde, indem er versicherte, der würde des Todes sein, der einen Frieden unter solchen Bedingungen in Vorschlag brächte. Man verlangte aber, sie sollten den Turdetanern Ersatz leisten, nach Ablieferung alles Goldes und Silbers in einem einzigen Rocke aus der Stadt wandern, und an dem Orte sich niederlassen, den ihnen Hannibal anweisen würde.

Als Alcon dabei blieb, daß die Saguntiner diese Friedensbedingungen nicht annehmen würden, erbot sich Alorcus mit der Behauptung, daß da, wo Alles bräche, auch der Muth breche, zum Vermittler dieses Friedens. Er diente damals unter dem Hannibal, hatte aber von 426 Seiten seines Stats mit den Saguntinern Freundschaft und Gastrecht. Er gab sein Gewehr vor Aller Augen an die feindliche Wache ab, wurde in die Festung gelassen und, wie er es selbst verlangte, vor den Saguntinischen Prätor geführt. Da sich hier sogleich Leute von allen Ständen sammelten, so ließ der Senat die übrige Menge abtreten, den Alorcus einführen; und dieser hielt folgende Rede:

13. «Wenn euer Mitbürger Alcon, so wie er, den Frieden zu erbitten, zum Hannibal kam, auch mit den Bedingungen des Friedens vom Hannibal zu euch zurückgekehrt wäre, so würde dieser Gang von meiner Seite sehr zwecklos gewesen sein, insofern er mich weder als Hannibals Abgeordneten, noch als Überläufer zu euch geführt hätte. Da er aber entweder durch eure, oder durch seine Schuld, bei dem Feinde geblieben ist; – durch seine eigene, wenn er die Besorgniß heuchelte; durch eure, wenn man mit der Angabe der Wahrheit bei euch Gefahr läuft: – so bin ich, damit es euch nicht unbekannt bliebe, daß es für euch doch noch Bedingungen der Rettung und des Friedens gebe, vermöge des alten Gastrechts, worin ich mit euch stehe, zu euch gekommen. Daß ich aber das, was ich jetzt zu euch rede, bloß in Rücksicht auf euch, und auf niemand anders, rede, muß euch schon daraus erwiesen sein, daß ich weder, so lange ihr mit eignen Kräften Widerstand leistetet, noch, während ihr von den Römern Hülfe hofftet, des Friedens je bei euch erwähnt habe. Da ihr aber von den Römern nicht das Mindeste zu hoffen habt, und euch so wenig eure Waffen, als eure Mauern länger schützen, so trage ich euch einen Frieden an, der mehr nothwendig, als billig ist; den ihr nur dann vielleicht hoffen könnt, wenn ihr, so wie Hannibal als Sieger ihn vorschreibt, als Besiegte ihm Gehör gebt; wenn ihr nicht das, was ihr einbüßet, als Verlust; – da doch Alles dem Sieger gehört – sondern was euch noch gelassen wird, als Geschenk ansehen wollet. Die Stadt, die er, großentheils zertrümmert, so gut als ganz erobert hat, nimmt er euch: eure Ländereien läßt er euch, weil er euch einen Platz 427 anweisen will, wo ihr eine neue Stadt bauen könnt: alles Gold und Silber, Statsschatz und eignes Vermögen, heißt er euch abliefern, läßt euch aber eure Gattinnen, eure Personen und Kinder unangetastet, wenn ihr unbewaffnet, jeder nur mit zweiWar Alorcus gleich kein Abgeordneter Hannibals, so scheint doch Hannibal, weil er sah, daß Alcon jene früheren Bedingungen den Saguntinern anzubringen Bedenken trug, dem Alorcus gelindere Vorschläge mitgegeben zu haben. Der vorhin zum Besten der Turdetaner geforderte Ersatz fällt hier weg, und statt des früher zugestandenen Einen Rockes werden zwei bewilliget. Drakenb. Kleidungsstücken aus Sagunt abziehen wollt. Dies sind die Forderungen, auf die der Feind als Sieger besteht. So drückend und hart sie sind, so räth euch doch eure Lage, sie anzunehmen. Ich gebe zwar nicht alle Hoffnung auf, daß er bei gänzlicher Hingebung von eurer Seite eins und das andre erlassen werde. Allein ich würde euch lieber rathen, selbst dies zu erdulden, als euch selbst niederhauen zu lassen, und eure Gattinnen und Kinder nach Kriegsrecht geraubt und weggeschleppt zu sehen.»

14. Als durch die nach und nach herbeigeströmte Menge, welche diese Eröffnungen hatte anhören wollen, eine Volksversammlung sich mit dem Senate gemischt hatte, so traten plötzlich die Angesehensten noch vor Ertheilung der Antwort ab, brachten alles Silber und Gold aus dem Schatze und eignem Vermögen auf den Markt, warfen es in ein zu dieser Absicht schnell veranstaltetes Feuer und stürzten sich meistentheils selbst ihm nach. Schrecken und Bestürzung hierüber verbreitete sich durch die ganze Stadt, da hörte man von der Burg her einen neuen Lärm. Ein Thurm, der dem Mauerbrecher lange Widerstand gethan, war gefallen, und da die Punische Cohorte, die durch die Lücke eindrang, ihren Feldherrn wissen ließ, daß die Stadt von den gewöhnlichen feindlichen Posten und Wachen entblößt sei, so eroberte sie Hannibal, der bei einer solchen Gelegenheit nicht säumen zu müssen glaubte, durch einen Angriff mit seiner ganzen Macht im Augenblicke, und gab den Wink, alle Erwachsenen niederzuhauen. Daß dieser grausame Befehl gleichwohl beinahe nothwendig war, zeigte 428 der wirkliche Erfolg. Denn wessen konnte man von solchen Feinden schonen, die sich entweder mit Weib und Kind in ihren Häusern verschlossen und sich mit ihnen verbrannten, oder bewaffnet den Kampf nur mit ihrem Leben endeten?

15. Mit der Stadt gewannen die Sieger eine ansehnliche Beute. Zwar hatten die Eigenthümer Vieles absichtlich verderbt; bei dem Gemetzel hatte die Erbitterung kaum einige Rücksicht auf irgend ein Alter genommen, und die Gefangenen wurden den Soldaten als Beute überlassen: und dennoch ergiebt sich, daß der Werth der verkauften Sachen eine bedeutende Geldsumme einbrachte und viele kostbare Geräthe und Kleidungsstücke nach Carthago geschickt wurden.

Nach einigen Schriftstellern wurde Sagunt im achten Monate nach eröffneter Belagerung erobert. Von da soll sich Hannibal nach Neu-Carthago in die Winterquartiere begeben haben, und dann erst im fünften Monate nach seinem Aufbruche von Neu-Carthago, in Italien angekommen sein. Verhält sich dies so, so können Publius Cornelius und Tiberius Sempronius nicht dieselben Consuln gewesen sein, welche im Anfange der Belagerung von den Saguntinern beschickt wurden, und doch in ihrem Amte dem Hannibal, der Eine am Flusse Ticinus, und Beide eine ganze Weile nachher am Trebia, die Schlacht lieferten. Entweder rückt dies Alles auf weit kürzere Zeit zusammen, oder die Belagerung Sagunts wurde mit dem Anfange des Jahrs, in welchem Publius Cornelius und Tiberius Sempronius Consuln waren, nicht eröffnet, sondern beendet. Denn die Schlacht am Trebia läßt sich nicht auf das Jahr des Cneus Servilius und Cajus Flaminius hinaussetzen, weil Flaminius sein Consulat zu Ariminum antrat, nachdem er es unter dem Vorsitze des Consuls Tiberius Sempronius erhalten hatte; und dieser kehrte nach Beendigung des Wahlgeschäfts zu seinem Heere in die Winterquartiere zurück, als er erst nach der Schlacht am Trebia zur Consulnwahl nach Rom gegangen warIn Blair's Zeittafeln ist die Eroberung Sagunts richtiger auf das vorige Jahr gesetzt. Denn nach Crevier's Berechnung brach Hannibal, nachdem er den ganzen Winter, der auf die Eroberung von Sagunt folgte, seinen Soldaten Ruhe gegönnt und Vielen Urlaub gegeben hatte, (s. unten Cap. 21) erst um dieselbe Zeit aus Spanien auf, in welcher Cornelius Scipio und Sempronius Longus ihr Consulat antraten. Dies thaten sie den 15ten März. Folglich muß Sagunt schon etwa im Herbst des Jahrs 333 unter dem ersten Consulate des Marcus Livius Salinator und Lucius Ämilius Paullus erobert sein..

429 16. Fast um eben die Zeit, als die von Carthago zurückgekommenen Gesandten die Nachricht brachten, daß nichts als Krieg zu erwarten sei, erfuhr man auch die Zerstörung Sagunts: und die Väter fühlten sich zugleich von Betrübniß, von Mitleid mit den so schmählich umgekommenen Bundsgenossen, von Beschämung, ihnen nicht geholfen zu haben, von Zorn gegen die Carthager, und nicht anders, als stände der Feind schon vor den Thoren, von Besorgniß für den ganzen Stat, so stark ergriffen, daß sie, von so vielen Gemütsbewegungen auf Einmal erschüttert, mehr durch einander lärmten, als sich beriethen. «Nie habe man mit einem hartnäckigeren, kriegerischeren Feinde zu thun gehabt, und nie sei der Römische Stat so abgespannt, so ungerüstet gewesen. Die Sardinier und Corsen, die Istrier und Illyrier hätten die Römischen Waffen mehr geneckt, als geübt, und mit den Galliern habe man mehr einen Kriegslärm als wahren Krieg gehabt. Die Punier, diese erprobten Feinde, seit dreiundzwanzig Jahren in den härtesten Feldzügen unter Spanischen Völkern beständig Sieger, zuerst unter Hamilcar, dann unter Hasdrubal; jetzt von Hannibal, dem unternehmendsten Feldherrn, eingewöhnt, kämen nach der Zerstörung der mächtigsten Stadt neugestärkt über den Ebro, zögen so viele Völker Spaniens hinter sich her, und würden die immer kampflustigen Völkerschaften Galliens aufstören. Mit dem ganzen Erdkreise werde man Krieg zu führen haben, und das in Italien und für Roms Mauern.»

17. Benannt waren den Consuln ihre Provinzen schon früher: jetzt mußten sie darüber losen. Den Cornelius traf Spanien; den Sempronius Africa nebst Sicilien. Sechs Legionen wurden ihnen für dies Jahr bestimmt, so 430 viele Bundsgenossen, als sie nöthig finden würden, und eine Flotte, so groß sie sie ausrüsten könnten. Sie brachten vierundzwanzig tausend Mann Römisches Fußvolk auf und tausend achthundert Ritter; von den Bundsgenossen vierzigtausend zu Fuß, viertausend vierhundert zu Pferde; und machten zweihundert und zwanzig Linienschiffe und zwanzig Jachten segelfertig. Darauf wurde die Frage an das Volk gebracht: «Ob es genehmige und beschließe, daß dem State von Carthago der Krieg angekündigt werde.» Und dieses Krieges wegen wurde in der Stadt ein Betfest angestellt, und die Götter angeflehet, dem Kriege, den das Römische Volk beschlossen habe, einen gesegneten und glücklichen Erfolg angedeihen zu lassen.

Die Truppen wurden unter die Consuln so vertheilt. Sempronius bekam zwei Legionen, jede zu viertausend Mann und dreihundert Rittern; sechzehntausend Mann Bundsgenossen zu Fuß, und tausend achthundert zu Pferde; hundert und sechzig Kriegesschiffe und zwölf Jachten. Mit diesen Truppen zu Lande und zu Wasser wurde Sempronius nach Sicilien geschickt, um damit, wenn der andre Consul zur Abhaltung der Punier, von Italien hinreichte, nach Africa überzugehen.

Dem Cornelius gab man weniger Truppen, weil der Prätor Lucius Manlius ebenfalls mit einem nicht schwachen Heere nach Gallien geschickt wurde. Vorzüglich verringerte man dem Cornelius die Zahl der Schiffe. Man gab ihm sechzig Linienschiffe; denn man glaubte nicht, daß der Feind zur See herankommen, oder überhaupt sich auf diese Art der Kriegsführung einlassen werde: ferner vier Legionen Römer mit ihrer vollzähligen Reuterei, und vierzehntausend Mann Bundesgenossen zu Fuß mit tausend sechshundert zu Pferde.

Zwei Römische Legionen, zehntausend Mann Bundesgenossen zu Fuß, tausend Mann Bundesgenossen zu Pferde und sechshundert Römische Ritter bekam die Provinz Gallien, welche gegenEodem anno versa in Punicum bellum habuit.] – In keiner einzigen Handschrift findet sich das Wort anno, und Drakenborch (mit Gronov und Crevier) verwirft es, wie ich glaube, mit Recht. Gronov will statt eodem lieber nondum lesen. Ich glaube nicht, daß es dieser Änderung bedarf. Livius sagte Cap. 10, daß die Römer sich gefürchtet hätten, Hannibal werde Spanier und Gallier mitbringen: sie vermutheten also, daß er zu Lande durch Gallien kommen werde. Selbst in unserm 17ten Cap. geben sie dem Scipio weniger Schiffe, weil sie Hannibals Angriff nicht von der Seeseite erwarten. Sie schicken also, um dem Hannibal den Weg zu Lande zu wehren, den Consul Scipio nach Spanien und den Prätor Manlius nach Gallien. Eben dieses für Gallien bestimmte Heer gebraucht auch Consul Scipio nachher gegen den Hannibal, nachdem er sein eignes seinem Bruder Cneus für Spanien abgegeben hat. Daß dies für Gallien gegen Hannibal bestimmte Heer nachher die Bojer und Insubrier beschäftigen, es überfallen und schlagen, konnten die Römer jetzt noch nicht wissen; es war also auch nicht zunächst gegen diese, sondern überhaupt gegen Norden, von wo Hannibal kam, bestimmt. Nach erfolgter Ergänzung (Cap. 26. im Anfange) ist es wieder stark genug, daß es Scipio (Cap. 32. eo, qui circa Padum erat, exercitu Italiam defensurus) gegen den Hannibal anzuführen wagt. Auch hatte ja Livius kurz vorher gesagt: Cornelio minus copiarum datum, quia L. Manlius praetor et ipse cum haud invalido praesidio in Galliam mittebatur. Hieraus ersieht sich die Absicht, daß die Truppen des Manlius eodem versa, in Punicum bellum, sein sollten. Sie hatten nur Nebenkohr ein sollen, und vielleicht siegte Hannibal nachher auch darum so viel eher am Ticinus, weil sie aus Noth zum Hauptkohre gemacht waren. dieselbe Seite des 431 Angriffs zum Punischen Kriege aufgestellt wurden.

18. Nach diesen Vorkehrungen schickte man, um ehe es zum Kriege käme, jede Pflicht erfüllt zu haben, von den bejahrteren Senatoren den Quintus Fabius, Marcus Livius, Lucius Ämilius, Cajus Licinius, Quintus Bäbius als Gesandte nach Africa, um bei den Carthagern anzufragen, ob Hannibal Sagunt mit Zustimmung des Stats belagert habe; und wenn sie dies, was man vermuthete, eingestehen und als Maßregel des Stats rechtfertigen wollten, dem Carthagischen Volke den Krieg anzukündigen. Als die in Carthago angelangten Römer vor den Senat gelassen waren, und Quintus Fabius, dem Auftrage gemäß, bloß jene einzige Frage that, so sprach einer von den Carthagern: «Auch eure vorige Gesandschaft, ihr Römer, war sehr zufahrend, da ihr den Hannibal ausgeliefert haben wolltet, als hätte er Sagunt auf seine Verantwortung belagert: allein diese, wenn gleich bis jetzt in den Ausdrücken milder, ist in der That noch beleidigender. Damals wurde Hannibal zugleich beschuldigt und zur Auslieferung verlangt: jetzt wollt ihr uns das Geständniß einer Schuld abnöthigen, und sogleich, 432 als hätten wir sie schon gestanden, Ersatz haben. Meiner Meinung nach muß hier nicht gefragt werden: Hat Hannibal Sagunt für sich oder mit Zustimmung des Stats belagert? sondern: That er das mit Recht oder mit Unrecht? Ob er es auf eignen, oder unsern Antrieb gethan hat, darüber haben bei unserm Unterthan nur wir zu untersuchen und zu verfügen. Mit euch beruhet der Streit bloß darauf, ob unser Vertrag das zugelassen habe. Weil ihr indeß die Frage ausgemacht wissen wollt, was die Feldherren nach des States Ermessen und was sie auf eignen Antrieb thun sollen; so hat ja auch euer Consul Lutatius einen Vertrag zwischen euch und uns geschlossen: und als in diesem die Bundesgenossen beider Theile sicher gestellt wurden, fiel nicht ein Wort von Sicherstellung der Saguntiner vor; denn sie waren eure Bundesgenossen noch nicht. Aber, sagt ihr, in dem Vertrage, den wir mit Hasdrubal schlossen, war sie den Saguntinern ausdrücklich ausbedungen. Hierauf werde ich nichts erwiedern, als was ich von euch gelernt habe. Ihr wolltet damals an den ersten Vertrag, welchen Consul Lutatius mit uns schloß, durchaus nicht gehalten sein, weil er weder nach einem Gutachten des Senats, noch auf Befehl des Volks geschlossen war. Deswegen wurde ein anderer ganz neuer mit Zustimmung eures Stats geschlossen. Wenn ihr euch nicht an Verträge bindet, die nicht auf euer Gutachten oder Geheiß geschlossen sind, so hat auch Hasdrubals Vertrag, den er ohne unser Wissen schloß, uns nicht verpflichten können. So höret doch auf, Sagunt und den Ebro im Munde zu führen, und lasset das, womit euer Inneres so lange schon schwanger geht, endlich hervortreten.» Da sprach der Römer, indem er seine Toga in eine VertiefungIn Niedersachsen: in eine Schlippe zusammenfassen. zusammenfaßte: «Hier bringen wir euch Krieg und Frieden: nehmt, was euch beliebt!» Auf diese Worte erwiederten sie nicht minder trotzig mit Geschrei: Er möge ihnen geben, welches von beiden er wolle. Und als er dagegen, 433 indem er die Vertiefung ausschüttete, sich erklärte: Er gebe ihnen den Krieg; so antworteten Alle: «Sie nähmen ihn an, und würden mit eben dem Muthe, womit sie ihn annahmen, ihn führen.»

19. Diese gerade Anfrage und Kriegserklärung schien der Würde des Römischen Volks angemessener zu sein, als sich über das Recht der Verträge in einen Wortstreit einzulassen, selbst wenn es vor der Zerstörung Sagunts geschehen wäre; um so viel mehr jetzt nach derselben. Denn wenn hier eine Auseinandersetzung in Worten Statt finden sollte, wie konnte man Hasdrubals Vertrag mit dem ersten, nachher geänderten, Vertrage des Lutatius zusammenstellen, da im Vertrage des Lutatius, der ausdrückliche Zusatz gemacht war: «er solle nur dann gültig sein, wenn das Volk es für gut fände;» – in Hasdrubals Vertrage hingegen dergleichen nicht nur nie bevorwortet war, sondern dieser selbst durch ein vieljähriges Stillschweigen noch bei Hasdrubals Leben so volle Gültigkeit bekam, daß auch nicht einmal bei seinem, des Stifters, Tode etwas darin abgeändert wurde? Selbst wenn man sich an den älterenAn den vom Lutatius mit Römischer Genehmigung geschlossenen. Vertrag halten wollte, so war in diesem für die Saguntiner hinlänglich dadurch gesorgt, daß die Bundesgenossen beider Theile sicher gestellt waren: denn es war weder hinzugesetzt: «Bloß diejenigen, die wir jetzt haben;» noch auch, daß man keine neue annehmen sollte. Und wenn man neue Bundesgenossen annehmen durfte, wer könnte dann es sich denken, daß man nicht entweder dieses und jenes Volk seiner Verdienste wegen annehmen, oder die in den Bund Aufgenommenen unbeschützt lassen werde? wenn man nur Carthagische Bundsgenossen eben, so wenig zum Abfalle reizte, als sie, wenn sie von selbst abfielen, in Schutz nahm.

Die Römischen Gesandten gingen, wie ihnen zu Rom befohlen war, von Carthago nach Spanien über, wo sie die Staten bereisen sollten, um sie zum Römischen Bunde zu bereden, oder von den Puniern abzuziehen. Zuerst 434 kamen sie zu den Bargusiern. Weil diese der Punischen Oberherrschaft überdrüssig waren, wurden sie gütig aufgenommen, und weckten bei vielen Völkern den Wunsch nach einer neuen Lage. Von hier kamen sie zu den Volcianern, deren in Spanien ruchtbar gewordene Antwort die übrigen Völker vom Römischen Bunde abwandte. Der Älteste von ihnen ließ sich vor der Versammlung so heraus: «Mit welcher Unverschämtheit, ihr Römer, verlangt ihr, daß wir eure Freundschaft der Carthagischen vorziehen sollen, da ihr an den Saguntinern, die dies gethan haben, als Bundesgenossen mit mehr Grausamkeit zu Verräthern geworden seid, als die Punier, ihre Feinde, zu Mördern? Ich dächte, ihr suchtet euch Bundesgenossen, wo man vom Unglücke der Saguntiner nichts weiß. Für Spaniens Völker werden die Trümmer Sagunts eine eben so auffallende, als traurige Warnung sein, sich auf Roms Treue und Bündniß nicht zu verlassen.» Darauf wurde ihnen angedeutet, aus dem Volcianischen sich sogleich zu entfernen, und nun erhielten sie von keiner einzigen Versammlung in Spanien eine freundlichere Antwort. So gingen sie, nachdem sie Spanien vergeblich bereiset hatten, nach Gallien hinüber.

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