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Römische Geschichte

Livius: Römische Geschichte - Kapitel 53
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Geschichte Bd. I
authorTitus Livius
translatorKonrad Heusinger
firstpub1821
year1821
publisherFriedrich Vieweg Verlag
addressBraunschweig
titleRömische Geschichte
created20060416
sendergerd.bouillon
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37. Der andre Consul, Postumius, der sein Heer aus Samnium, wo es ihm an Stoff zum Kriege fehlte, nach Hetrurien herüberführte, hatte anfangs das Gebiet von Volsinii verheert: als darauf die Feinde zum Schutze ihres Landes ausrückten, schlug er sie nicht weit von ihren eignen Mauern. Der gefallenen Hetrusker waren zweitausend achthundert: die übrigen rettete die Nähe der Stadt. Dann ging das Heer in das Gebiet von Rusellä hinüber. Hier wurde nicht bloß das Land verwüstet, sondern auch die Stadt erobert. Über zweitausend Menschen wurden Gefangene, und nicht völlig zweitausend an den Mauern erschlagen. Doch war der daraus hervorgehende Friede ruhmvoller und wichtiger, als der diesjährige Krieg mit Hetrurien gewesen war. Die drei mächtigsten Hauptstädte Hetruriens, Volsinii, Perusia, Arretium baten um 381 Frieden, und da sie sich durch eine Lieferung an Soldatenröcken und Getreide vom Consul die Erlaubniß ausgewirkt hatten, Gesandte nach Rom zu schicken, erhielten sie einen Waffenstillstand auf vierzig Jahre. Jedem dieser Staten wurde eine gleich zu zahlende Geldbuße von fünfmal hunderttausend KupferassUngefähr 15,624 Gulden Conventionsmünze. auferlegt. Als der Consul für diese Thaten, mehr der Sitte gemäß, als in Hoffnung eines Erfolgs, beim Senate um den Triumph anhielt, und dabei sehen mußte, daß die Einen, weil er zu spät aus der Stadt aufgebrochen, die Andern, weil er ohne Erlaubniß des Senats aus Samnium nach Hetrurien übergegangen sei, zum Theile aus Abneigung gegen ihn, zum Theile aus Freundschaft für seinen Amtsgenossen, nun auch ihm den Triumph versagten, um jenen über sein abgeschlagenes Gesuch durch die Gleichstellung beider zu trösten; so sprach er: «Die Ehrfurcht für euren hohen Rang, ihr versammelten Väter, wird mich doch nicht vergessen lassen, daß ich Consul bin. Berechtigt durch denselben Oberbefehl, welchen ich in den zu führenden Kriegen hatte, werde ich nach glücklicher Beendigung dieser Kriege, nach Bezwingung Samniums und Hetruriens und nach errungenem Siege und Frieden, den Triumph halten.» Mit diesen Worten verließ er den Senat. Dies veranlaßte einen Streit der Bürgertribunen unter einander. Der eine Theil erklärte sich zur Einsage bereit, um den Consul nicht vermittelst einer Neuerung triumphiren zu lassen: die andern wollten den Triumphirenden gegen ihre Amtsgenossen in Schutz nehmen. Darüber kam es zu Verhandlungen vor dem Gesamtvolke. Nachdem der vorgeladene Consul angeführt hatte, daß schon die Consuln Marcus Horatius und Lucius Valerius, und neulich Cajus Marcius Rutilus, der Vater dessen, der jetzt Censor sei, ohne Bewilligung vom Senate, bloß auf Verordnung des Volks triumphirt hätten; so fügte er hinzu: «Auch er würde bei dem Volke darauf angetragen haben, wenn er nicht gewußt hätte, daß Bürgertribunen als Leibeigne des Adels, 382 den Vorschlag bestreiten würden. Also werde ihm der Wille und Beifall des einstimmigen Volks jetzt und künftig statt aller Befehle gelten.» Und den Tag darauf hielt er unter dem Beistande dreier Bürgertribunen, der Einsage von sieben Tribunen und dem einstimmigen Willen des Senats zum Trotze, seinen Triumph, und das Volk beging den Tag mit festlicher Freude.

Auch den Nachrichten über dieses Jahr fehlt es an Übereinstimmung. Claudius berichtet, Postumius sei nach Eroberung mehrerer Städte in Samnium, in Apulien völlig geschlagen, und selbst verwundet mit einer kleinen Zahl in Luceria hineingetrieben; die Thaten in Hetrurien habe Atilius verrichtet, und dieser auch triumphirt. Fabius schreibt, die Thaten in Samnium und bei Luceria hätten beide Consuln gethan; dann sei das Heer nach Hetrurien hinübergeführt; er setzt aber nicht hinzu, von welchem Consul; bei Luceria sei der Verlust auf beiden Seiten groß gewesen, und in diesem Treffen dem Jupiter Standgeber der Tempel verheißen, wie ihn schon vorher Romulus verheißen hatte; obgleich bis dahin hier bloß ein Fanum gewesen war, das heißtSed fanum tantum, id est, locus, templo effatus, sacratus fuerat.] – Drakenborch, Duker und Gronov lassen diese Stelle unangefochten, auch Crevier. Stroth aber will das Wort sacratus wegwerfen, das doch in allen Handschriften steht; ja die ganze Stelle scheint ihm eine Glosse. So wenig wir es aber einem Deutschen Geschichtschreiber verargen würden, wenn er uns in einer kleinen Parenthese eine Erklärung z. B. des alten Wortes Weichbild gäbe, so wenig verdiente Livius Tadel, wenn er seinen Moment die Bedeutung des veralteten Wortes fanum giebt. Nur eine kleine Änderung erlaube ich mir. Ich habe immer geglaubt, daß das erste S in sacratus von den Abschreibern unrichtig zu effatu gezogen sei, woraus denn das falsche effatus sacratus entstand. Und ich habe nachher diese Vermuthung durch die von Gebhard (bei Drakenborch) angeführte Lesart am Rande der zweiten Palatinischen Handschrift bestätigt gefunden. Nur interpungire ich sie so, wie es mir am richtigsten scheint: Sed fanum tantum (id est, locus templo effatu sacratus) fuerat., der durch das ausgesprochene Gelübde zum Tempel geheiligte Platz. Erst in diesem Jahre glaubte man sich im Gewissen verbunden, da dem State dasselbe Gelübde schon zweimal gewährt seiCeterum hoc demum anno, ut aedem etiam fieri senatus iuberet, bis eiusdem voti damnata re pubica, in religionem venit.] – So lese ich mit Gronov und Crevier. Drakenborch hat zwei Gründe angegeben, warum er nicht re, sondern res publica lieset, und dieses res publica als Subjekt mit den Worten in religionem venit verbindet. Zuerst seine Handschriften. Allein er führt selbst Beispiele genug an, daß die Abbreviatur R. P. sehr oft von den Abschreibern falsch gelesen sei, und gesteht, daß sie auch an unsrer Stelle, statt re zu lesen, den Nominativ genommen haben könnten. Und zweitens bestimmt ihn die von Duker angezogene Stelle aus Cic. de Nat. Deor. II. 4. remque illam in religionem venisse populo sentiret. Er sagt, weil hier ausdrücklich stehe: res in religionem venit, so wolle er die gewöhnliche Lesart res publica in religionem venit beibehalten. Ich meine hingegen, daß gerade diese Stelle Cicero's (wie alle andern von Gronov und Drakenborch selbst angeführten) offenbar für Gronovs Verbesserung, für re publica, entscheiden. Denn in den Worten Cicero's ist ja res das Object, das dem Subjecte populo zur Gewissenssache wurde, oder in religionem venit. Nach Drakenborchs Verbindung aber müßte in unsrer Stelle res publica (der Stat) das Subject sein, welcher selbst in religionem käme, und dem zufolge müßte man sagen können ego venio in religionem, da es doch nach allen übrigen Stellen (siehe Gronov und Drakenb.) heißen muß: res venit mihi (wie populo) in religionem. Oder sollte vielleicht res publica hier nicht Subject, nicht der Stat selbst sein, sollte es als öffentlich verhandeltes Geschäft hier das Object sein sollen, so kann doch nicht von dem Objecte gesagt werden, daß es iam bis damnata voti sei; dies kann doch nur zu einem Subjecte passen. Es fehlt also bloß das gewöhnlich bei Livius in dieser Formel ausgelassene Subject, hominibus oder populo, oder senatui. Hier eine Paraphrase der Stelle: Huc usque nil nisi fanum fuerat. Ceterum hoc demum anno ea res (scil. dilata voti solutio) in tantam religionem hominibus venit, deorum iram tantopere timendam animis obiecit, quum sibi conscii essent, bis iam eiusdem voti damnatam rem publicam esse, ut eadem etiam aedificari senatus iuberet., nun auch den wirklichen Bau des Tempels durch den Senat befehlen zu lassen.

383 38. Auf dieses Jahr folgt als Consul der durch seines Vaters und seinen eignen Ruhm ausgezeichnete Lucius Papirius Cursor, und ein gewaltiger Krieg mit einem so wichtigen Siege, wie ihn über die Samniten bis auf den Tag niemand, außer des Consuls Vater, Lucius Papirius, errungen hatte. Und gerade hatten sie wieder mit eben der Anstrengung und Zurüstung ihren Kriegern durch einen Aufwand von prächtigen Waffen einen Glanz gegeben, und wieder die Götter zu Hülfe genommen, da sie ihren Soldaten durch eine Vereidigung vermittelst einer uralten Feierlichkeit eine Art von Weihe gaben, und durch ganz Samnium die Werbung nach der neuen Formel hielten, daß jeder Dienstfähige, der sich nicht auf Feldherrnbefehl stellen, oder ohne Erlaubniß sich entfernen würde, für seine Person dem Jupiter zum Opfer verheißen sein sollte. Darauf beschieden sie das ganze Heer nach Aquilonia. Es 384 fanden sich an vierzigtausend ein, die Kerntruppen Samniums. Etwa in der Mitte des Lagers war ein Platz, auf allen Seiten in gleicher Länge von zweihundert Fuß, mit Flechtwerk und Brettern abgezäunt und mit Leinwand überdeckt. Hier wurde nach der aus einem alten auf Leinwand geschriebenen Buche verlesenen Vorschrift geopfert, wobei ein gewisser Ovius Pactius Priester war, ein hochbejahrter Mann, der, seiner Versicherung nach, diese heilige Handlung ans dem uralten Gottesdienste der Samniten entlehnte, welchen ihre Vorfahren damals befolgt hätten, als sie sich zu dem geheimen Anschlage verbanden, den Hetruskern Capua wegzunehmen. Nach vollendetem Opfer ließ der Feldherr jeden durch Geburt und Thaten geadelten Krieger durch einen Gerichtsboten fordern. Sie wurden einzeln hereingeführt. Außer den übrigen Opferanstalten, welche die Seele mit heiligem Schauer durchströmen konnten, standen in der Mitte des rundum verdeckten Platzes Altäre, geschlachtete Opferthiere lagen umher und Hauptleute mit gezückten Schwertern umgaben das Ganze. Der Soldat mußte zu den Altären treten, mehr selbst ein Schlachtopfer, als ein Theilnehmer am Opfer, und ward durch einen Eid verpflichtet, das, was er hier gesehen und gehört hätte, nicht auszusagen. Dann mußte er sich zu einer fürchterlichen Eidesformel verstehen, die als Fluch über sein Haupt, seine Familie und Nachkommen abgefaßt war, wenn er nicht in die Schlacht zöge, wohin ihn seine Feldherren führten, ferner, wenn er selbst aus der Linie flöhe, oder den, den er fliehen sähe, nicht auf der Stelle tödtete. Einige, welche gleich zuerst, dies zu schwören, sich weigerten, wurden neben den Altären ermordet, und dienten, zwischen den gewürgten Opferthieren hingestreckt, den Übrigen zur Warnung, sich nicht zu weigern. Als die Vornehmsten der Samniten unter dieser Verwünschung sich verpflichtet hattenIch folge Drakenborchs Verbesserung: obstrictis, decem nominatis ab imperatore edictum, ut vir u. s. w., gab der Feldherr zehn dazu Ernannten den Befehl, so lange mit der 385 Aushebung von Mann zu Mann fortzufahren, bis sie die Zahl auf sechzehntausend gebracht hätten. Diese wurden von der Decke des umzäunten Platzes, wo der Adel durch den Schwur geweihet war, die Leinwandlegion genannt. Man gab ihnen, zur Auszeichnung vor den Übrigen, vorzügliche Waffen und Helme mit Büschen. Etwas über zwanzigtausend betrug das übrige Heer, das an Körperschönheit, Kriegsruhm und Waffenrüstung der Leinwandlegion nicht nachgab. Diese Menschenmasse, lauter ausgesuchte Mannschaft, lagerte sich bei Aquilonia.

39. Die Consuln brachen von Rom auf. Spurius Carvilius, welcher zuerst mit den ihm bestimmten alten Legionen, die der Consul des vorigen Jahres, Marcus Atilius, im Gebiete von Interamna zurückgelassen hatte, nach Samnium aufbrach, nahm den Feinden, während sie sich, mit abergläubischen Gebräuchen beschäftigt, in ihren Versammlungen einzäunten, die Samnitische Stadt Atinum mit Sturm ab. Hier wurden fast zweitausend achthundert Menschen niedergemacht, und viertausend zweihundert und siebzig gefangen genommen. Papirius erstürmte mit dem der Verordnung gemäß ausgehobenen neuen Heere die Stadt Duronia. Er machte weniger Gefangene, als sein Amtsgenoß, aber er erlegte weit mehr. An beiden Orten gewann man reiche Beute. Nachdem die Consuln Samnium durchstreift und hauptsächlich das Gebiet von Atinum verheert hatten, kam Carvilius vor Cominium an, Papirius vor Aquilonia, wo die Hauptmacht der Samniten stand. Eine ganze Zeitlang unterblieben hier zwar die Angriffe nicht, und doch kam es nicht zu ernsthaften Gefechten. Der Tag ging damit hin, daß man die Stillliegenden beunruhigte, den Widerstandleistenden wich, und öfter drohete, als in Gefechten vordrang: und darüber, daß mau so sich einließ und wieder abtrat, verzog sich die Entscheidung im Großen, wie im Kleinen, von einem Tage zum andern. Das zweite Römische Lager war nur zwanzigtausend Schritte von hier entfernt, so daß auch die Plane des abwesenden Consuls auf jede Unternehmung wirken konnten: und Carvilius hatte mehr 386 Aufmerksamkeit auf Aquilonia, wo die Entscheidung wichtiger war, als auf Cominium, das er belagerte.

Als Lucius Papirius alle Vorkehrungen zu einer Schlacht getroffen hatte, ließ er seinem Amtsgenossen sagen: «Er sei Willens, am folgenden Tage, wenn es ihm der Götterwille gestatte, mit dem Feinde sich einzulassen. Es sei erforderlich, daß auch er Cominium so heftig als möglich bestürme, damit die Samniten nicht daran denken könnten, Aquilonia zu Hülfe zu kommen.» Der Bote hatte den Tag zur Hinreise: in der Nacht kam er mit dem Bescheide zurück, daß der andre Consul dem Entschlusse beistimme. Gleich nach Absendung des Boten hielt Papirius eine Versammlung, redete weitläufig von dem Eigenthümlichen dieses Krieges überhaupt, und eben so von der diesmaligen Rüstung der Feinde, die mehr ein leerer Prunk, als auf den Erfolg von Wirkung sei. «Ein Helmbusch mache ja keine Wunde: der Römische Wurfspieß durchbohre bemalte und vergoldete Schilde eben so gut; und die blendenden Röcke einer schimmernden Linie bekämen, wann das Schwert entscheide, Blutflecke. Schon früher habe sein Vater ein von Gold und Silber strotzendes Heer der Samniten zusammengehauen, und selbst die Besitzer hätten in diesen Waffen nicht so ehrenvoll geprunkt, als der feindliche Sieger in dieser Beute. Vielleicht sei es seinem Namen und seinen Stammgenossen beschieden, immer den kräftigsten Anstrengungen der Samniten als Feldherren entgegengestellt zu werden, und erbeutete Waffen heimzubringen, welche sogar als Prachtstücke öffentlicher Plätze auffielen. Die unsterblichen Götter ständen wegen der so oft erneuerten Friedensgesuche, die eben so viele Friedensbrüche geworden waren, auf Römischer Seite: ja, wenn man dem göttlichen Willen eine Bestimmung zusagen könne, so wären sie nie auf ein Heer so erzürnt gewesen, als auf ein solches, das bei einem gräßlichen Opfer vom Blute unter einander gewürgter Menschen und Thiere bespritzt, einer zwiefachen Götterrache hingegeben, hier vor den Göttern als Zeugen der mit Rom geschlossenen Bündnisse, dort vor der 387 allen Bündnissen zum Trotze auf sich geladenen Verfluchung schaudernd, wider Willen geschworen habe, seine Verpflichtung zur Fahne verabscheue, und sich zu gleicher Zeit vor Göttern, Mitbürgern und Feinden fürchten müsse.»

40. Als der Consul alles dies, was er durch die Aussagen der Überläufer wußte, den ohnehin schon erbitterten Soldaten aus einander gesetzt hatte, so forderten sie, voll Vertrauen auf göttliche und menschliche Mitwirkung, mit einstimmigem Geschreie die Schlacht; sahen ungern den Kampf bis zum folgenden Tage verschoben, und der heutige mit seiner Nacht wurde ihnen unausstehlich lang. In der dritten Nachtwache stand Papirius, der die schriftliche Antwort seines Amtsgenossen schon empfangen hatte, in aller Stille auf und hieß den Hühnerwärter auf die Zeichen des Götterwillens achten. Die Begierde zum Treffen hatte im Lager alle Classen von Menschen ergriffen: Hohe und Niedrige waren in gleicher Spannung, und dem Feldherrn wurde am Soldaten, dem Soldaten am Feldherrn ein brennendes Verlangen unverkennbar. Auch denen, welche den Götterwillen beobachteten, hatte sich diese Kampflust mitgetheilt, und da die Hühner nicht fressen wollten, erlaubte sichs ein Hühnerwärter, eine Angabe des Götterwillens zu erlügen und meldete dem Consul die erfreulichste Freßgier seiner HühnerWenn den heiligen Hühnern, an denen man den Götterwillen ersah, von ihrem Futter vor Freßbegierde etwas entfiel, so galt das für die glücklichste Vorbedeutung und hieß tripudium solistimum.. Der Consul, in voller Freude, verkündigte den Soldaten die herrliche Vorbedeutung und den zugesicherten Beistand der Götter im Gefechte und ließ das Zeichen zur Schlacht aufstecken. Als er eben in die Linie ausrücken wollte, meldete ihm ein Überläufer, zwanzig Cohorten Samniten – jede war fast vierhundert Mann stark – wären nach Cominium aufgebrochen. Er sandte sogleich einen Boten ab, seinen Amtsgenossen davon zu benachrichtigen. Er selbst hieß die Fahnen schneller vorrücken, und hatte schon die sämtlichen Truppen des Rückhalts auf ihren Posten und die Befehlshaber bei den Truppen angestellt. Über den rechten Flügel setzte er 388 den Lucius Volumnius, über den linken den Lucius Scipio, über die Reuterei die andern Legaten, den Cädicius und Trebonius, beide mit Vornamen Cajus. Dem Spurius Nautius befahl er, die Maulthiere ohne Packsättel mit den Flügelcohorten schnell auf einen vor Augen liegenden Hügel herumzuführen, und sich von dortaus während des Gefechtes selbst, durch Erregung eines möglichst großen Staubes bemerklich zu machen.

Während der Feldherr hiermit beschäftigt war, erhob sich unter den Hühnerwärtern über das Vorzeichen dieses Tages ein Streit, welchen Römische Ritter mit anhörten. Weil sie die Sache nicht für unwichtig hielten, so meldeten sie dem Spurius Papirius, des Consuls Brudersohne, man sei über den Götterwillen in Zweifel. Der junge Mann, in einer Zeit geboren, in welcher Gottesverachtung noch nicht Lehre war, unterrichtete sich von der Sache, um nicht dem Consul eine unzuverlässige Angabe zu machen, und zeigte sie ihm an. «Wohl dir,» erwiederte ihm dieser, «daß du so brav und so achtsam bist. Wenn mir aber der, der des Götterwillens wahrzunehmen hat, einen falschen Bericht giebt, so fällt die Verantwortung auf ihn. Für das Römische Volk und unser Heer ist nun einmal die mir gemeldete erfreuliche Freßgier der Hühner zur herrlichsten Vorbedeutung geworden.» Und er befahl den Hauptleuten, die Hühnerwärter vorn in die Linie zu stellen. Nun setzten sich auch die Fahnen der Samniten in Bewegung, denen ihre Linie in einer so prunkenden Rüstung folgte, daß sie selbst als Feinde einen prächtigen Anblick gewährten. Noch ehe es zum Schlachtgeschreie und zum Angriffe kam, sank der Hühnerwärter durch den unbemerkten Schuß eines Wurfspießes in den Vorderreihen nieder. Auf die Meldung antwortete der Consul: «Die Götter walten in der Schlacht! Die Strafe hat das Haupt des Schuldigen getroffen!» Bei diesen Worten des Consuls ließ sich ein vorüberfliegender Rabe mit hellem Krächzen hören. Erfreut über diese Vorbedeutung ließ der Consul unter der Versicherung, daß die Götter nie an menschlichen Angelegenheiten sichtbarern Antheil 389 genommen hätten, die Trompeten blasen und das Feldgeschrei erheben.

41. Es begann ein fürchterliches Treffen, obgleich unter ganz verschiedenen Stimmungen. Voll Zorn, Hoffnung und Kampfbegier stürzten die Römer, nach feindlichem Blute dürstend, zum Gefechte heran: einen großen Theil der Samniten zwang die Noth und ihr gebundenes Gewissen, mehr wider Willen Stand zu halten, als fechtend einzudringen. Auch hätten sie, seit mehreren Jahren gewohnt besiegt zu werden, den ersten Schlachtruf und Angriff der Römer nicht ausgehalten, wenn nicht eine andre mächtigere Furcht in der Tiefe ihres Herzens sie von der Flucht zurückgehalten hätte. Alle Anstalten jenes geheimen Opfers schwebten ihnen vor Augen; die gewaffneten Priester; die unter einander hingewürgten Menschen und Opferthiere; die mit erlaubtem und unerlaubtem Blute bespritzten Altäre; die schreckliche Eidesleistung; die mit den Furien der Hölle drohende, den Fluch über Familie und Nachkommen herabrufende Formel. Durch diese der Flucht vorgeschobenen Riegel festgehalten standen sie, in größerer Scheu vor dem Mitbürger, als vor dem Feinde, da. Die Römer drangen von beiden Flügeln ein, eben so vom Mittelpunkte, und hieben die von Götter- und Menschenfurcht Betäubten nieder. Sie fanden nur muthlosen Widerstand, wie von Leuten, deren Flucht nur durch die Furcht verzögert wurde. Schon näherte sich das Gemetzel ihren Fahnen, als von der Seite ein Staub sich sehen ließ, wie vom Einherzuge eines großen Heeres aufgeregt. Es warDas Schlußwort dieser Periode, erat, sollte billig ein Komma vor sich haben, so daß Sp. Nautius erat zusammengehörte, nicht dux erat. Spurius Nautius, nach Andern Octavius Melius, der Anführer der Flügelcohorten. Sie machten einen größern Staub, als von ihrer Anzahl zu erwarten stand. Die Holzknechte auf den Maulthieren zogen belaubte Zweige an der Erde hinter sich her: voran blitzten Waffen und Fahnen durch die dicke Luft, und der hinterher ziehende höhere und dichtere Staub gab den Anschein einer den 390 Zug schließenden Reuterei. Dies täuschte nicht allein die Samniten, sondern auch die Römer; und der Consul bestärkte sie in ihrem Irrthume, indem er mehrmals im ersten Gliede ausrief, so daß sein Rufen auch zu den Feinden drang: «Cominium sei erobert! Sein Amtsgenosse zeige sich als Sieger! sie möchten den Sieg zu erringen suchen, ehe das andre Heer die Ehre davon habe!» So rief er vom Pferde herab. Dann befahl er den Obersten und den Hauptleuten, sie möchten der Reuterei Bahn machen. Schon früher hatte er selbst bei dem Trebonius und Cädicius bestellt, wenn sie Ihn seinen emporgehaltenen Speer schwenken sähen, möchten sie die Reuterei im heftigsten Ansturze sich auf den Feind werfen lassen. Alles geschah auf den Wink; es war ja verabredet. Zwischen den Ordnungen öffneten sich die Wege: die Reuterei flog hervor, rannte mit eingelegten Lanzen mitten in das feindliche Heer, und wo sie ansetzte, durchbrach sie die Glieder, Volumnius und Scipio kamen nach und streckten den Feind in seiner Bestürzung zu Boden. Da wurden die Leinwandcohorten, bei denen göttliche und menschliche Zwangsmittel die Kraft verloren, geworfen: Vereidete und Unvereidete flohen, und nichts war ihnen fürchterlich, als der Feind. Der Zug des Fußvolks, so viel dessen vom Treffen übrig war, wurde in das Lager bei Aquilonia getrieben. Der Adel und die Reuterei retteten sich nach Bovianum. Der Reuterei ging die Reuterei nach, dem Fußvolke das Fußvolk; und die Römischen Flügel zogen in verschiedener Richtung, der rechte gegen das Samnitische Lager, der linke gegen die Stadt. Das Lager zu erobern, gelang dem Volumnius weit früher: in der Stadt fand Scipio größeren Widerstand; nicht weil diese Besiegten mehr Muth gehabt hätten, sondern weil Mauern gegen Angriff besser schützen, als Schanzpfähle. Von den Mauern trieben jene den Feind mit Steinen ab. Scipio, überzeugt, wenn nicht im ersten Schrecken, ehe sie ihren Muth wieder sammelten, die Sache abgethan würde, so werde sich die Belagerung der festen Stadt in die Länge ziehen, fragte seine Soldaten: «Ob sie es gleichgültig dulden wollten, 391 daß der andre Flügel das Lager erobert habe, und sie als Sieger von den Thoren einer Stadt abgetrieben würden.» Auf ihr einstimmiges lautes Nein, ging er selbst mit über den Kopf gehaltenem Schilde zum Stadtthore voran; die andern, unter einem Schilddache, hinter ihm drein, brachen in die Stadt; und nachdem sie die am Thore stehenden Samniten verjagt hatten, gewannen sie die Mauern. Tiefer in die Stadt zu dringen wagten sie nicht, weil ihrer zu wenige waren.

42. Der Consul wußte anfangs von dem Allen nichts, sondern dachte auf den Rückzug des Heeres: denn schon neigte sich die Sonne stark zum Untergange, und die einbrechende Nacht machte selbst den Siegern Alles gefährlich und verdächtig. Als er weiter vorrückte, sah er zu seiner Rechten das Lager erobert, zu seiner Linken hörte er das Geschrei in der Stadt, das mit dem Getöse der Fechtenden und Nothleidenden sich mischte; und gerade war jetzt das Gefecht am Thore. Als er aber, so wie er näher ritt, die Seinigen auf der Mauer erblickte, und sah, daß ihm hier nicht mehr freie Hand gelassen sei, insofern ihm durch die Verwegenheit einer so kleinen Zahl eine Ausführung von Wichtigkeit geboten werde, so befahl er, die Truppen, die er schon den Rückzug machen ließ, schnell heran zu treiben und in die Stadt zu dringen. Als sie auf der ihnen zunächst liegenden Seite eingerückt waren, machten sie der herannahenden Nacht wegen Halt. In der Nacht verließen die Feinde die Stadt.

An dem Tage fielen bei Aquilonia dreißigtausend dreihundert und vierzig Samniten; man machte dreitausend achthundert und siebzig Gefangene und erbeutete siebenundneunzig Fahnen. Übrigens finde ich noch angemerkt, daß man nicht leicht einen Feldherrn in der Schlacht heiterer gesehen habe; entweder weil ihm dies natürlich, oder weil er des Sieges so gewiß war. Vermöge eben dieser Geistesstärke ließ er sich auch nicht durch das streitige Vorzeichen von der Schlacht abbringen; und in der Gefahr selbst, wo sonst den unsterblichen Göttern Tempel gelobet werden, hatte er dem Jupiter Sieger, falls er die 392 Legionen der Feinde besiegen würde, einen Becher Weinmeth auszugießen gelobt, ehe er selbst Wein tränke. Die Götter nahmen dies Gelübde gnädig auf: und die Vorzeichen schlugen zum Guten aus.

43. Gleiches Glück hatte der andre Consul vor Cominium. Nachdem er seine sämtlichen Truppen an die Mauern geführt hatte, leitete er mit Anbruch des Tages einen Ringsturm ein, pflanzte, jeden Ausfall zu verhindern, den Thoren gegenüber starke Kohre auf, und wollte schon das Zeichen geben, als er sich durch den Eilboten seines Amtgenossen, der die Ankunft jener zwanzig Cohorten meldete, genöthigt sah, den Angriff auszusetzen und einen Theil der Truppen, der schon zum Sturme bereit in Erwartung stand, wieder abzurufen. Er trug dem Legaten Decimus Brutus Scäva auf, mit der ersten Legion, mit zehn Flügelcohorten und der Reuterei dem feindlichen Entsatze entgegenzugehen: wo er ihn auch träfe, da möchte er sich ihm in den Weg stellen und ihn aufhalten; wenn es nöthig wäre, sich mit ihm einlassen, und es auf alle Fälle diesen Truppen unmöglich machen, nach Cominium zu gelangen. Er selbst ließ rund um die Stadt Leitern an die Mauern schlagen und rückte vermittelst eines Sturmdaches an die Thore. Zu gleicher Zeit wurden die Thore erbrochen und die Mauer von allen Seiten bestürmt. Hatten die Samniten, so lange sie noch keine Gegner auf den Mauern sahen, Muth genug gehabt, den Feinden das Eindringen in die Stadt zu wehren, so wurden sie von jetzt an – – da sie sich schon nicht mehr aus der Ferne und mit Geschossen, sondern mit dem Degen angegriffen sahen; und nunmehr auch den mit Mühe vom Boden zur Mauer hinaufgestiegenen Römern nach Besiegung des schlimmsten Hindernisses, ihres Standorts, der Kampf auf gleichem Boden gegen einen ungleichen Feind viel leichter wurde – – mit Hinterlassung ihrer Thürme und Mauern auf den Markt zusammengedrängt, und versuchten von hier aus noch in einem kurzen Gefechte ihr letztes Glück. Endlich warfen sie die Waffen von sich, und gegen elftausend vierhundert Menschen ergaben sich dem Consul. An 393 viertausend dreihundert und achtzig waren gefallen. So ging es vor Cominium, so vor Aquilonia. In der Mitte zwischen beiden Städten, wo man ein drittes Treffen erwartet hatte, fand man die Feinde nicht. Als sie noch siebentausend Schritte von Cominium entfernt waren, verfehlten sie, weil sie von den Ihrigen zurückgerufen wurden, beide Schlachten. Sie hatten schon, als es anfing dunkel zu werden, hier ihr Lager, dort Aquilonia im Gesichte gehabt: ein Geschrei, welches von beiden Seiten gleich laut erscholl, ließ sie Halt machen: darauf bewog sie die aus der Gegend ihres von den Römern angezündeten Lagers sich weit verbreitende Flamme, der sichere Beweis ihrer Niederlage, nicht näher zu kommen. Fast ohne eine Stelle zu wählen streckten sie sich hier allenthalben unter ihren Waffen hin, die ganze Nacht über voll Unruhe, unter Erwartung und Besorgniß, daß es tagen möchte. Bei dem ersten Tageslichte noch ungewiß, nach welcher Seite sie sich wenden sollten, wurden sie plötzlich zur Flucht aufgeschreckt, weil die Reuterei sie entdeckt hatte, die bei der Verfolgung der in der Nacht aus der Stadt entwichenen Samniten eines Schwarms ansichtig wurde, den weder Wall noch Posten schützte. Auch von den Mauern Aquilonia's hatte man diesen Schwarm bemerkt, und schon setzten die Cohorten der Legionen ihm nach. Indeß konnte das Fußvolk die Fliehenden nicht erreichen, und die Reuterei hieb nur vom Nachzuge an zweihundert und achtzig nieder. Doch ließen die Gescheuchten eine Menge Waffen und achtzehn Fahnen im Stiche. Die Übrigen entkamen, so gut es bei einer solchen Verwirrung möglich war, nach Bovianum.

44. Die Freude beider Römischen Heere wurde durch das gegenseitige Glück erhöhet. Beide Consuln gaben, jeder auf das Gutachten des Andern, die von ihnen eroberte Stadt den Soldaten zur Plünderung preis: dann zündeten sie die ausgeleerten Häuser an, und an Einem Tage brannten Aquilonia und Cominium nieder. Unter gegenseitigen Glückwünschen der Legionen und ihrer selbst bezogen die Consuln ein gemeinschaftliches Lager. Im Angesichte beider Heere pries und beschenkte Carvilius die Seinigen 394 nach eines jeden Verdienste; und Papirius, auf dessen Seite der Kampf, in der Schlacht, am Lager, vor der Stadt, so vielfach gewesen war, beschenkte den Spurius Nautius, den Spurius Papirius, den Sohn seines Bruders, vier Hauptleute und eine ganze Rotte vom ersten Gliede mit Armspangen und goldenen Kränzen; den Nautius für jenen Zug, auf dem er sich das dem Feinde so furchtbare Ansehen eines großen Heeres gab; den jungen Papirius für die mit der Reuterei sowohl in der Schlacht, als auch in jener Nacht geleisteten Dienste, in welcher durch ihn den aus Aquilonia heimlich abziehenden Samniten die Flucht so nachtheilig ward; die Hauptleute und jene Soldaten, weil sie sich des Thors und der Mauer von Aquilonia zuerst bemächtigt hatten. Der gesammten Reuterei gab er für ihre bei vielen Gelegenheiten ausgezeichneten Dienste kleine Ehrenhörner und silberne Armspangen. Darauf wurde Kriegsrath gehalten; weil es schon Zeit war, entweder beide Heere, oder doch das Eine aus Samnium abzuführen. Man hielt es für das Rathsamste, bei der jetzt bewirkten Schwäche der Samnitischen Macht, den weitern Verfolg so viel beharrlicher und eifriger zu betreiben, um den folgenden Consuln Samnium völlig bezwungen übergeben zu können. Weil es jetzt kein feindliches Heer mehr gebe, das zu einer Schlacht sich stellen möchte, so sei die einzige noch übrige Art der Kriegsführung die, die Städte anzugreifen, durch deren Zerstörung man dem Soldaten zu reicher Beute verhelfen und den für Altar und Herd kämpfenden Feind vernichten könne. Nachdem sie also dem Römischen Senate und Gesamtvolke von ihren Thaten schriftlichen Bericht erstattet hatten, rückten sie mit den getheilten Legionen aus, Papirius zum Angriffe auf Säpinum, Carvilius gegen Volana.

45. Auf dem Rathhause und in der Volksversammlung erregten die vorgelesenen Briefe der Consuln einen großen Jubel, und an dem viertägigen Dankfeste feierten die Bürger die allgemeine Freude mit eifriger Theilnahme. Auch war dem Römischen Volke dieser Sieg nicht bloß wichtig, sondern auch sehr erwünscht, weil gerade um 395 diese Zeit die Nachricht einlief, daß die Hetrusker den Krieg erneuert hätten. Man stellte die Betrachtung an, wie es möglich gewesen sein würde, im Falle eines unglücklichen Feldzuges gegen Samnium, den Krieg mit Hetrurien auszuhalten, da es, durch die Verschwörung der Samniten zum Aufstande bewogen, gerade weil sich beide Consuln und die ganze Römische Macht gegen Samnium gewandt hätten, diese Abhaltung der Römer als Gelegenheit benutzt habe, den Krieg wieder anzufangen. Die Gesandschaften der Bundesgenossen, die der Prätor Marcus Atilius im Senate einführte, klagten, daß die benachbarten Hetrusker in ihrem Gebiete Alles niederbrennten und verheerten, weil sie vom Römischen Volke nicht abfallen wollten, und beschwuren die versammelten Väter, sie vor den Gewaltthätigkeiten und Mishandlungen ihrer gemeinschaftlichen Feinde zu schützen. Man gab den Gesandten zur Antwort: «Der Senat werde dafür sorgen, daß den Bundesgenossen ihre Treue nicht leid thun solle: es werde den Hetruskern nächster Tage nicht besser ergehen, als den Samniten.» Dennoch würde man in Ansehung Hetruriens gezögert haben, wenn man nicht erfahren hätte, daß sich auch die Falisker, die seit vielen Jahren Roms Freunde gewesen waren, mit den Hetruskern verbunden hätten. Die Nähe dieses Volks machte den Vätern die Sorge dringender, und veranlaßte sie zu dem Beschlusse, durch Bundespriester auf Ersatz antragen zu lassen. Als dieser nicht erfolgte, wurde nach einem Gutachten des Senats den Faliskern durch einen Volkesschluß der Krieg erklärt, und die Consuln erhielten Befehl zu losen, wer von ihnen beiden aus Samnium nach Hetrurien hinübergehen sollte.

Schon hatte Carvilius den Samniten Trolana, Palumbinum und Herculaneum abgenommen, Volana innerhalb weniger Tage, Palumbinum an dem nämlichen, an welchem er vor die Mauern rückte. Bei Herculaneum kam es sogar zweimal zu mißlichen Gefechten, und zwar mit größerem Verluste auf seiner, als auf der feindlichen Seite. Darauf schloß er nach Aufschlagung eines Lagers 396 den Feind in die Mauern ein. Die Stadt wurde gestürmt und erobert. In diesen drei Städten wurden an zehntausend Menschen gefangen oder getödtet, so daß die Mehrzahl der Gefangenen nur um ein Weniges größer war. Als die Consuln um die Kriegsgegenden loseten, fiel Hetrurien dem Carvilius zu, wie es seine Soldaten, denen die heftige Kälte in Samnium unerträglich wurde, sich gewünscht hatten. Gegen den Papirius stellte sich bei Säpinum eine feindliche Macht von größerer Bedeutung auf. Es kam zu öfteren Treffen, in Linie, auf dem Marsche, und an der Stadt gegen die feindlichen Ausfälle; und es war eben so wenig eine wirkliche Belagerung, als eigentlicher Krieg im freien Felde, weil die Samniten, indem sie sich zugleich durch ihre Mauern deckten, die Mauern nicht weniger durch ihre Truppen vertheidigten. Endlich brachte er die Feinde durch Gefechte zu einer völligen Einschließung und eroberte die belagerte Stadt durch Sturm und Werke. Daher wurde auch bei der Einnahme der Stadt aus Erbitterung so viel mehr Blut vergossen. Siebentausend vierhundert Menschen wurden niedergehauen; nicht volle dreitausend zu Gefangenen gemacht. Die Beute, welche sehr beträchtlich war, weil die Samniten ihr Eigenthum nur in wenige Städte geflüchtet hatten, wurde dem Soldaten überlassen.

46. Schon war Alles mit Schnee bedeckt, und man konnte nicht länger ohne Obdach aushalten: also führte der Consul sein Heer aus Samnium ab. Bei seiner Ankunft vor Rom wurde ihm der Triumph einstimmig bewilligt. Er hielt ihn, noch im Amte, in einem für die Umstände der damaligen Zeit prächtigen Aufzuge. Fußvolk und Reuterei zogen in der Auszeichnung der erhaltenen Geschenke vorüber, und man bemerkte viele Bürger-, Lager- und Mauerkronen. Man betrachtete die Samnitische Beute, und verglich sie wegen ihrer Pracht und Schönheit mit der von seinem Vater eingebrachten, von der man so viele an öffentlichen Plätzen aufgestellte Prunkstücke kannte. Mehrere Gefangene von Range, berühmt durch ihre eigenen und ihrer Väter Thaten, schleppten sich vorüber. 397 Dann folgten die Wagen mit zwei MillionenUngefähr 63,520 Gulden. und fast dreiunddreißig tausend schweren Kupferassen, und dieses Kupfer war der Angabe nach aus dem Verkaufe der Gefangenen gelöset. Das in den Städten erbeutete Silber betrug tausend dreihundert und dreißig PfundNach Crevier 2078 Pariser Mark, oder etwa 41,560 Gulden.. Alles Silber und Kupfer wurde in die Schatzkammer gelegt. Den Soldaten gab man von der Beute nichts; und hierüber wurde der Bürgerstand um so viel ungehaltener, weil zum Solde der Krieger sogar eine Steuer aufgebracht werden mußte; da man doch, wenn man über die Ehre, von dem erbeuteten Gelde die Schatzkammer bereichert zu haben, hätte wegsehen wollen, von dieser Beute sowohl jetzt dem Soldaten hätte ein Geschenk machen, als auch den Sold der Krieger hatte zahlen können. Den Tempel des Quirinus (ich finde bei keinem der älteren Geschichtschreiber, daß ihn Papirius in der Schlacht selbst gelobet habe: auch hatte er ihn wahrlich in so kurzer Zeit nicht vollenden können) den sein Vater als Dictator verheißen hatte, weihete der Sohn als Consul ein, und verherrlichte ihn mit Prachtstücken von der feindlichen Beute, deren Menge so groß war, daß man nicht allein diesen Tempel und den Markt damit zieren konnte, sondern auch Bundesgenossen und benachbarten Pflanzstädten zum Schmucke ihrer Tempel und öffentlichen Plätze davon mittheilte. Nach dem Triumphe führte er sein Heer in die Winterquartiere auf das Gebiet von Vescia, weil diese Gegend von den Einfällen der Samniten litt.

Indeß hatte Consul Carvilius in Hetrurien aus Troilium, welches er zuerst angriff, vierhundert und siebzig der Reichsten, die ihm den gestatteten Abzug mit einer ansehnlichen Geldsumme bezahlten, entlassen: die übrigen Einwohner mit der Stadt selbst bekam er durch Sturm in seine Gewalt. Darauf erstürmte er fünf Schlösser von natürlich fester Lage. Hier wurden zweitausend vierhundert Feinde getödtet, nicht volle zweitausend gefangen. Auch 398 bewilligte er den um Frieden bittenden Faliskern einen jährigen Waffenstillstand, für den sie ihm hunderttausend3124 Gulden Conventionsgeld. schwere Kupferasse und den Sold auf dies Jahr für seine Soldaten versprechen mußten. Nach diesen Verrichtungen, ging er zum Triumphe ab, welcher freilich als Triumph über die Samniten dem, welchen sein Amtsgenoß gehalten hatte, an Glanze nicht gleichkam, allein durch die Zugabe des Hetruskischen Krieges ihn erreichte. Er lieferte dreihundert und achtzigtausend12,186 Gulden. schwere Kupferasse in die Schatzkammer: seinen Feldherrnantheil an dem übrigen Gelde bestimmte er zu einem Tempel der Fors Fortuna, welcher nach seiner Bestellung neben dem Tempel dieser Göttinn, den ihr König Servius Tullius geweiht hatte, erbaut werden sollte. Auch gab er von der Beute jedem Soldaten hundert und zwei51 Ggr. oder 2 Thaler ungefähr. Asse, und den Hauptleuten und Rittern doppelt so viel; ein Geschenk, dem die Unmilde seines Amtsgenossen in den Augen der Empfänger einen so viel größern Werth gab. Die Liebe des Consuls gereichte seinem Legaten Lucius Postumius bei dem Volke zum Schutze: denn da ihm von dem Bürgertribun Marcus Cantius ein Gerichtstag gesetzt warS. Cap. 37. Er war mit seinem Heere ohne Befehl aus Samnium nach Hetrurien hinübergegangen, und hatte gegen die Einsage von sieben Tribunen, weil er drei auf seiner Seite hatte, einen Triumph gehalten., so hatte er sich, wie die Leute sagten, vor der Verurtheilung beim Volke in die Unterfeldherrnstelle geflüchtet, und die Klage gegen ihn konnte zwar zur Sprache gebracht, aber doch nicht entschieden werden.

47. Nach Ablauf des Jahrs hatten die neuen Bürgertribunen ihr Amt schon angetreten, weil aber bei ihrer Wahl ein Fehler vorgefallen war, wurden nach fünf Tagen statt ihrer andere gewählt. Die Censorn Publius Cornelius Arvina und Cajus Marcius Rutilus schlossen in diesem Jahre die Schatzung: die Zahl der Geschatzten betrug zweihundert zweiundsechzig tausend dreihundert und 399 zweiundzwanzig. Seit den ersten Censorn waren diese die sechsundzwanzigsten, und ihr Schatzungsopfer das neunzehnte. In diesem Jahre sahen die für ihre Thaten im Kriege mit Kränzen Beschenkten den Römischen Spielen zum erstenmale in ihren Kränzen zu; und zum erstenmale wurden nach einer aus Griechenland entlehnten Sitte den Siegern Palmzweige gereicht. Die Curulädilen, welche diese Spiele veranstaltet hatten, setzten in diesem Jahre von den, den Pächtern öffentlicher Weideplätze auferlegten, Strafgeldern die Pflasterung der Heerstraße mit Kieseln vom Marstempel bis Bovillä fortDen Anfang dieser Pflasterung vom Capenischen Thore bis zum Marstempel hatte Livius oben im 23sten Cap. gemeldet. Crevier..

Den consularischen Wahltag hielt Lucius Papirius, und ließ den Quintus Fabius Gurges, des Maximus Sohn, und den Decimus Junius Brutus Scäva zu Consuln wählen. Papirius selbst wurde zum Prätor ernannt.

Die vielen erfreulichen Begebenheiten dieses Jahrs gewährten kaum für ein einziges Übel Entschädigung, für eine zugleich Stadt und Land heimsuchende Pest, die durch ihre Verwüstung auf ein übernatürliches Strafgericht zu deuten schien. Man ließ auch in den heiligen Büchern nachsehen, ob sich von den Göttern eine Erlösung von diesem Unglücke oder ein Gegenmittel hoffen ließe. Aus den Büchern ersah man, daß Äsculap von Epidaurus nach Rom geholt werden müsse. Weil aber die Consuln mit dem Kriege zu thun hatten, so geschah für dies Jahr in der Sache nichts weiter, außer daß man dem Äsculap zu Ehren Einen Tag als Betfest feierte.

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