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Römische Geschichte

Livius: Römische Geschichte - Kapitel 48
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Geschichte Bd. I
authorTitus Livius
translatorKonrad Heusinger
firstpub1821
year1821
publisherFriedrich Vieweg Verlag
addressBraunschweig
titleRömische Geschichte
created20060416
sendergerd.bouillon
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37. Durch diesen Zug des Consuls war der Krieg eher ausgebreitet, als getilgt. Denn die Verheerung war der am Fuße des Ciminischen Gebirges liegenden Gegend fühlbar geworden, und im Unwillen hatte sie nicht bloß die Völkerschaften Hetruriens, sondern auch die benachbarten Umbrier aufgewiegelt. Also zog sich ein Heer, so groß es vorher noch nie gewesen war, nach Sutrium, und rückte nicht bloß mit seinem Lager aus dem Walde hervor, sondern ließ sich aus Begierde zu schlagen eiligst auf die Ebene herab; hielt sich anfangs, nachdem es den Feinden, um sich gegenüber aufzustellen, Raum gelassen hatte, auf seinem Standpunkte, und erschien dann, als es den Feind einer Schlacht ausweichen sah, vor dessen Verschanzungen. Als die Hetrusker sahen, daß sogar die Posten in die Werke zurückgezogen waren, forderten sie sogleich mit Geschrei ihre Feldherren auf, ihnen die Kost auf heute aus dem Lager hieherbringen zu lassen; sie würden hier unter den Waffen bleiben, und entweder noch diese Nacht, oder doch mit anbrechendem Tage das feindliche Lager angreifen. Das eben so unruhige Römische Heer zügelte der Befehl seines Feldherrn. Es war etwa vier Uhr Nachmittags, als der Consul seine Soldaten essen hieß: er befahl ihnen, in den Waffen zu sein, zu welcher Stunde er, Tags oder Nachts, das Zeichen gäbe. Er redete sie mit wenigen Worten an, schilderte die Kriege mit den Samniten als schwer, setzte hingegen die Hetrusker herab; sagte: «Sie dürften diese gar nicht als Feinde mit jenem Feinde, noch ihre Menge mit jener Menge in Vergleich bringen. Außerdem würden sie, wann es Zeit sei, noch von einem insgeheim bereiteten Schlage zu hören bekommen: bis dahin müsse die Sache verschwiegen bleiben.» Er wollte durch diesen Wink, um seinen vor der Menge der Feinde besorgten Soldaten Muth zu machen, auf einen Verrath von 295 Seiten der Feinde deuten, und die Vorspiegelung war um so glaublicher, da sich diese ohne alle Befestigung hier gelagert hatten. Nachdem sie sich mit Speise gepflegt hatten, legten sie sich schlafen, und etwa gegen die vierte Nachtwache griffen sie, in aller Stille geweckt, zu den Waffen. Den Holzknechten wurden Brecheisen ausgetheilt, um das Pfahlwerk niederzubrechen und die Graben zu füllen: innerhalb der Verschanzungen stellte sich die Linie, und an den Ausgängen des Lagers wurden auserlesene Cohorten aufgepflanzt. Kurz vor Tage, gerade in dem Augenblicke, wo in den Sommernächten Alles im tiefsten Schlafe liegt, brach die Linie über den niedergestürzten Wall hervor und hieb auf die allenthalben herumliegenden Feinde ein: einige überraschte der Tod, ehe sie sich regten; andre halb im Schlafe; die meisten im Hinstürzen zu ihren Waffen: nur wenigen wurde Zeit gelassen, sich hineinzuwerfen. Aber selbst diese, die auf kein Zeichen, auf keinen Führer angewiesen waren, trieb der Römische Soldat in die Flucht und die Reuterei setzte den Fliehenden nach. In verschiedenen Richtungen zogen sie, hier ihrem Lager, dort dem Walde zu. Die sicherste Zuflucht gewährte ihnen der Wald; denn das Lager, das in einer Ebene lag, wurde noch an diesem Tage genommen. Das Gold und Silber mußte dem Consul geliefert werden; die übrige Beute gehörte dem Soldaten. Getödtet oder gefangen wurden an dem Tage an sechzigtausend Feinde.

Diese so berühmte Schlacht jenseit des Ciminischen Waldes soll, nach einigen Berichten, bei Perusia geliefert, und Rom in großer Besorgniß gewesen sein, daß das durch einen so fürchterlichen Gebirgwald abgeschnittene Heer von den rund umher aufgestandenen Tuskern und Umbriern zu Grunde gerichtet werden möchte. Indeß, die Schlacht mag vorgefallen sein, wo sie will, so waren die Römer Sieger, und deswegen kamen auch von Perusia, Cortona, Arretium, welche damals etwa die Hauptstaten in Hetrurien ausmachten, Gesandte, welche in Rom auf Frieden und Bündniß antrugen, allein nur einen Waffenstillstand auf dreißig Jahre erhielten.

296 38. Während dieser Vorfälle in Hetrurien nahm der andre Consul Cajus Marcius Rutilus den Samniten Allifä mit Sturm. Viele andre kleine Festungen und Flecken wurden entweder feindlich zerstört, oder kamen in gutem Zustande in der Römer Gewalt. Da um eben die Zeit auch eine Römische, vom Publius Cornelius, den der Senat über die Seeküste gesetzt hatte, nach Campanien geführte Flotte bei Pompeji gelandet war, so gingen die Schiffsoldaten auf Plünderung in das Gebiet von Nuceria, verheerten im Fluge die nächsten Orte, von wo sie einen sichern Rückweg zu den Schiffen hatten, ließen sich aber, wie gewöhnlich, durch den Reiz der Beute zu weit locken und machten die Feinde rege. So lange sie auf dem Lande zerstreut waren, kam ihnen, ob sie gleich völlig hätten aufgerieben werden können, niemand entgegen: aber auf ihrem sorglosen Rückzuge holten die Landleute nicht weit von den Schiffen sie ein, nahmen ihnen den Raub wieder ab, und tödteten einen Theil: in voller Bestürzung wurde der Haufe, der dem Schwerte entrann, auf die Schiffe zurückgejagt.

So groß der Schrecken gewesen war, den der Zug des Quintus Fabius über den Ciminischen Wald in Rom verursachte, so groß war die Freude, die der Ruf davon unter den Feinden in Samnium verbreitete: sie erzählten sich schon von der Einschließung des abgeschnittenen Römischen Heers und von einem Gegenstücke zu der Niederlage der Römer bei der Caudinischen Klause. «Bei der ihrem Volke eigenen Begierde, immer weiter vorzudringen, eben so unbesonnen, wie damals, in unwegsame Gebirgwälder geführt, wären sie jetzt durch die Waffen der Feinde nicht eigentlicher, als durch die schlimme Gegend eingefangen.» Schon mischte sich in ihre Freude eine Art von Neid, daß das Glück einen so glänzenden Sieg im Römerkriege den Samniten misgönnt und den Hetruskern zugewandt habe. Also strömten sie mit bewaffneten Scharen herzu, den Consul Cajus Marcius in den Staub zu treten, und gleich von hier, falls sich Marcius in kein Gefecht einließe, durch das Land der Marser 297 und Sabiner nach Hetrurien zu gehen. Allein der Consul stellte sich ihnen. Auf beiden Seiten focht man wüthend und mit ungewissem Ausgange. Bei unentschiedenem Verluste sprach dennoch das Gerücht die Niederlage den Römern zu, weil einige vom Ritterstande und von den Kriegsobersten, auch ein Legat geblieben waren, und was die Sache auffallend machte, der Consul eine Wunde bekommen hatte. Das hiedurch, wie gewöhnlich, vergrößerte Gerücht erfüllte die Väter mit großem Schrecken, und sie beschlossen, einen Dictator zu ernennen: auch zweifelte niemand, daß die Ernennung den Papirius Cursor treffen würde, auf den man damals im Kriege am meisten rechnete; allein theils waren sie ungewiß, ob sie bei lauter gefährlichen Wegen die Bestellung ins Samnitische mit Sicherheit machen könnten, theils auch darüber, ob der Consul Marcius noch lebe. Und der andere Consul, Fabius, lebte mit dem Papirius in persönlicher Feindschaft. Damit diese Erbitterung dem Besten des Ganzen nicht hinderlich werden möchte, beschloß der Senat, aus der Zahl der Consularen Abgeordnete an ihn zu schicken, welche ihn durch bewegende Rücksichten nicht bloß auf den Stat, sondern auch auf ihre Person, dahin vermögen sollten, die Mishelligkeit dem Vaterlande zu Liebe zu vergessen. Als die an den Fabius abgegangenen Gesandten ihm den Senatsschluß überreicht und ihre Bestellungen mit einem dazu passenden Vortrage begleitet hatten, ließ sie der Consul, der sich mit zur Erde gesenktem Blicke stillschweigend entfernte, in Ungewißheit, was er thun werde. In der folgenden Nacht ernannte er, der Sitte gemäß, in der Stille, den Lucius Papirius zum Dictator; und da ihm die Gesandten als dem rühmlichen Besieger seiner selbst ihren Dank abstatteten, blieb er bei jenem hartnäckigen Schweigen, und entließ sie ohne Antwort und ohne seiner Verrichtung zu erwähnen; zum Beweise, daß er nur mit großer Geistesfassung einen so empfindlichen Schmerz unterdrücke.

Papirius ernannte den Caius Junius Bubulcus zum Magister Equitum, und als er bei den Curien auf die 298 Vollmacht als Feldherr antrug, verschob ein Umstand von trauriger Vorbedeutung die Sache bis zum folgenden Tage; der nämlich, daß die Curie Faucia zuerst stimmen mußte, die durch jene beiden Unglücksfälle, durch die Eroberung Roms und den Caudinischen Vertrag eine Auszeichnung erhalten hatte, weil in jenen beiden Jahren das Los der ersten Stimme gerade dieser Curie zugefallen war. Licinius Macer macht sie dadurch noch mehr zur Unglückscurie, daß er ihr eine dritte Niederlage, die am Flusse Cremera, aufbürdete.

39. Nach erneuerter Gewißheit der göttlichen Zustimmung setzte der Dictator am folgenden Tage seinen Antrag durch; und da er mit den Legionen aufbrach, die man neulich auf die Schreckensnachricht geworben hatte, daß das Heer durch den Ciminischen Gebirgwald geführt sei, kam er nach Longula, ließ sich vom Consul Marcius das ältere Heer übergeben und rückte mit seinen Truppen in die Linie aus: auch schienen die Feinde eine Schlacht nicht abzulehnen. Da aber keiner von beiden Theilen den Anfang zum Treffen machte, so überfiel sie, gestellt und schlachtfertig, wie sie waren, die Nacht. Ruhig standen sie nun einige Zeit über, weil sie ohne Mistrauen auf eigne Kräfte auch den Feind nicht verachteten, im Lager einander in der Nähe.

Unterdeß gab es Auftritte in Hetrurien. Denn theils kam es zu einem entscheidenden Treffen mit dem Heere der Umbrier: doch wurden die Feinde mehr aus einander gejagt, als niedergehauen, weil sie in dem muthig angefangenen Kampfe nicht ausdauerten: theils lieferten die Hetrusker, welche ihr Heer vermittelst eines Banngesetzes aufgeboten hatten, so daß jeder Mann den andern warb, am See Vadimo eine Schlacht mit einer alles Vorige übersteigenden Truppenzahl und Tapferkeit; und man focht mit einer so wetteifernden Erbitterung, daß auf beiden Seiten kein Wurfspieß abgeschossen wurde. Mit den Schwertern eröffneten sie die Schlacht; und so hitzig sie begann, so wurde sie durch den Eifer selbst, der lange keine Entscheidung bewirkte, noch feuriger; so daß die 299 Römer nicht mit den so oft besiegten Hetruskern, sondern mit einem noch ungeprüften Volke zu kämpfen glaubten. Auf keiner Seite machte man die geringste Bewegung zur Flucht: die Vorderlinien fallen; und um die Fahnen nicht von Vorfechtern entblößen zu lassen, tritt die zweite Linie statt der ersten auf: dann holt man aus den letzten Hintertreffen die Streiter herbei; und Anstrengung und Gefahr steigen so völlig zur letzten Höhe, daß die Römischen Ritter ihre Pferde abgaben und über Waffen und Leichen zu den ersten Reihen des Fußvolks vordrangen. Diese unter lauter Ermüdeten hervortretende gleichsam neue Schlachtordnung brachte die Fahnen der Hetrusker in Verwirrung. Dadurch, daß die übrige Menge, so ermattet sie war, sich an diesen Angriff anschloß, durchbrach auch sie endlich die Reihen der Feinde. Nun begann der Sieg über den Trotz, und einige Haufen wandten sich ab; und sobald sie Einmal den Rücken kehrten, überließen sie sich der entschiedenen Flucht. An diesem Tage wurde zum erstenmale die durch langen Wohlstand üppige Macht der Hetrusker gebrochen. Der Kern ihrer Truppen fiel in der Schlacht, und in demselben Sturme wurde ihr Lager erobert und geplündert.

40. Fast zu gleicher Zeit erfolgte eine eben so gefährliche und dem Ausgange nach eben so rühmliche Schlacht im Lande der Samniten, die, außer ihren übrigen kriegerischen Zurüstungen, dafür gesorgt hatten, daß ihre Linie in neuem Waffenprunke glänzte. Sie hatten zwei Heere: die Schilde des einen hatten sie mit Golde ausgelegt, die des andern mit Silber. Der Gestalt nach war ihr Schild der Langschild; nur der Obertheil, wo er Brust und Schultern deckt, war breiter und von gleichen Seiten; nach unten zu war er, um leichter zu sein, mehr keilförmig. Zur Brustdecke hatten sie einen Schwamm, und das linke Bein deckte eine Schiene. Die Helme hatten Büsche, dem Körper einen Schein von Größe zuzulegen. Die mit Gold geschmückten Soldaten trugen bunte Unterkleider, die mit Silber weiße leinene: diesen wurde der rechte Flügel angewiesen; jene traten auf den linken.

300 Die Römer waren dieser prächtigen Rüstung schon gewohnt geworden, und ihre Feldherren hatten sie belehrt: «Der Soldat müsse furchtbar aussehen; nicht mit Gold und Silber ausgelegt sein, sondern auf Schwert und Muth sich stützen. Jene Dinge seien mehr eine Beute, als wirkliche Waffen; glänzend, ehe es zur That komme; unter Blut und Wunden verschmutzt. Des Kriegers Schmuck sei Tapferkeit: jene Kostbarkeiten sämtlich fielen dem Siege anheim, und am reichen Feinde belohne sich der noch so arme Sieger.» Mit solchen Ausdrücken beseelte Cursor seine Soldaten und führte sie zur Schlacht. Auf dem rechten Flügel nahm er selbst seinen Platz; über den linken setzte er den Magister Equitum. Der Wetteifer mit dem Feinde wurde gleich nach geschehenem Angriffe hitzig: eben so lebhaft ward er zwischen dem Dictator und Magister Equitum, auf wessen Seite der Sieg beginnen würde. Es traf sich, daß Junius zuerst mit seinem linken Flügel den feindlichen rechten zum Weichen brachte, jene nach Samnitischer Sitte durch das Banngesetz geweiheten Soldaten, die eben darum durch die weiße Tracht und eben so blendendweiße Waffen sich auszeichneten. Da er mit dem wiederholten Ausrufe: «Er weihe diese dem Orcus zu Schlachtopfern» auf sie einbrach, brachte er ihre Glieder in Unordnung, und machte in ihre Linie offenbar eine Beugung. Als dies der Dictator gewahr wurde, rief er: «So soll der Sieg auf dem linken Flügel anfangen, und der rechte, wo der Dictator die Linie anführt, sich nur an den Sieg eines Andern anschließen, nicht selbst das Meiste zum Siege beitragen?» Dies brachte die Soldaten zum Schritte. Und die Reuterei gab an Tapferkeit dem Fußvolke, die Legaten an Eifer den Feldherren nichts nach. Marcus Valerius und Publius Decius, beide Consularen, jagten, jener vom rechten Flügel, dieser vom linken, zu der neben die Flügel gestellten Reuterei, forderten sie auf, mit ihnen an der Ehre Theil zu nehmen, und brachen in die Seiten des Feindes ein. Da dieser neu hinzukommende Schrecken die feindliche Linie von beiden Seiten umfaßte, und die Römischen Legionen, ebenfalls um 301 sie zu schrecken, mit erneuertem Geschreie hereinschritten, so nahm auf Seiten der Samniten die Flucht den Anfang. Bald waren mit hingestreckten Menschen und prächtigen Waffen die Felder bedeckt. Und anfangs nahm die gescheuchten Samniten ihr Lager auf: dann aber behaupteten sie auch dieses nicht. Erobert und geplündert, wurde es noch vor Nacht angezündet.

Der Dictator hielt nach einem Senatsschlusse einen Triumph, und bei weitem das größte Ansehen gaben diesem Triumphe die erbeuteten Waffen. Man fand sie so prächtig, daß man die mit Gold belegten Schilde, um den Markt damit zu zieren, an die Besitzer der Wechslerladen austheilte. Und dies soll für die Ädilen die Veranlassung geworden sein, den Markt aufzuputzen, wenn die Götterwagen ihren Aufzug halten. So verwandten die Römer die herrlichen Waffen der Feinde doch noch zur Ehre der Götter: die Campaner hingegen bewaffneten aus Übermuth und Haß gegen die Samniten die Klopffechter, die sie zur Augenweide bei Tafel auftreten ließen, mit diesen Prachtstücken und gaben ihnen den Namen Samniten.

In diesem Jahre focht auch der Consul Fabius bei Perusia, welches den Waffenstillstand ebenfalls gebrochen hatte, mit dem Reste der Hetrusker so, daß der Sieg weder streitig noch schwer war. Er hätte die Stadt selbst erobert, denn er rückte nach seinem Siege vor ihre Mauern, wenn nicht Gesandte, mit der Übergabe bevollmächtigt, zu ihm hinausgegangen wären. Der Consul, der eine Besatzung in Perusia legte, und die um Freundschaft nachsuchenden Gesandschaften Hetruriens nach Rom an den Senat vorauf schickte, zog triumphirend über einen Sieg, welcher den des Dictators noch übertraf, in die Stadt ein. Ja die Besiegung der Samniten wurde auch großentheils den Legaten Publius Decius und Marcus Valerius angerechnet, welche das Volk auf dem nächsten Wahltage mit großer Übereinstimmung, den einen zum Consul, den andern zum Prätor erklärte.

41. Dem Fabius wurde wegen der rühmlichen Bezwingung Hetruriens das Consulat verlängert, Decius ihm 302 zum Amtsgenossen gegeben, und Valerius zum viertenmale zum Prätor gewählt. Die Consuln loseten um die Schauplätze ihrer Kriegsführung: den Decius traf Hetrurien, den Fabius Samnium. Er zog vor Nuceria Alfaterna, und ohne jetzt die Bitte der Einwohner um Frieden anzunehmen, weil sie ihn damals, als er ihnen gegeben sei, nicht hätten halten wollen, nöthigte er sie durch Belagerung zur Übergabe. Er lieferte den Samniten eine Schlacht. Die Besiegung der Feinde kostete wenig Mühe, und das Andenken dieser Schlacht würde nicht aufbewahrt sein, wenn nicht in derselben die Marser zum erstenmale mit den Römern gefochten hätten. Die Peligner, welche sich an die abgefallenen Marser angeschlossen hatten, hatten auch mit ihnen gleiches Schicksal. Auch dem andern Consul, Decius, war das Glück im Kriege günstig. Bloß durch: Furcht hatte er die Tarquinienser gezwungen, seinem Heere Getreide zu liefern und auf vierzig Jahre um Waffenstillstand zu bitten. Den Volsiniern nahm er mehrere kleine Festungen durch Sturm; einige davon zerstörte er, damit sie den Feinden nicht zum Zufluchtsorte dienen sollten; und dadurch, daß er seine Waffen nach allen Seiten wandte, machte er sich so furchtbar, daß das ganze Hetruskische Gesamtvolk bei dem Consul auf ein Bündniß antrug. Dies wurde freilich abgeschlagen; doch gab er ihnen einen jährigen Waffenstillstand. Dem Römischen Heere zahlte der Feind den Sold dieses Jahrs, und mußte für jeden Mann zwei Unterkleider liefern. Dies war der Preis des Waffenstillstandes.

Aus dieser schon beruhigten Lage störte die Hetrusker der unerwartete Abfall der Umbrier von Rom, eines von den Übeln des Kriegs verschont gebliebenen Volks, außer daß ihr Land den Durchzug des Heers empfunden hatte. Da sie ihre ganze Mannschaft aufgeboten, und einen großen Theil der Hetrusker zur Erneuerung des Krieges bewogen hatten, so hatten sie ein so mächtiges Heer aufgestellt, daß sie, ruhmredig über sich selbst und unter verächtlichen Ausdrücken gegen die Römer, sich verlauten ließen, sie würden den Decius in Hetrurien hinter sich 303 stehen lassen und gerade vor Rom gehen, um es zu belagern. Als der Consul Decius dieses ihr Vorhaben erfuhr, zog er in Eilmärschen aus Hetrurien gegen Rom, und blieb im Pupinischen Gebiete stehen, auf jede Nachricht vom Feinde aufmerksam. In Rom war man ohnehin gegen den Krieg der Umbrier nicht gleichgültig; und nun hatte die Drohung bei den Römern Besorgniß erregt, weil sie in dem unglücklichen Gallischen Kriege erfahren hatten, was für eine unhaltbare Stadt sie bewohnten. Also ließen sie durch Abgeordnete dem Consul Fabius sagen, wenn er auf irgend eine Weise vom Samnitischen Kriege abkommen könnte, so möchte er eilends mit seinem Heere in Umbrien einrücken. Der Consul gehorchte und kam in starken Märschen nach Mevania, wo jetzt die Truppen der Umbrier standen. Die schnelle Ankunft des Consuls, den sie weit von Umbrien in Samnium mit einem andern Kriege beschäftigt geglaubt halten, schreckte die Umbrier so sehr, daß einige der Meinung waren, man müsse sich auf die Festungen zurückziehen, andre, man müsse den Krieg aufgeben. Nur Einer von ihren Kreisen, er hat bei ihnen den Namen der Materinische, erhielt die übrigen nicht bloß in den Waffen, sondern vermochte sie auch, sogleich ein Treffen zu liefern. Eben ließ Fabius die Pfähle zum Lager setzen, als sie ihn angriffen. Als sie der Consul in vollem Laufe gegen seine Werke heranstürzen sah, stellte er seine vom Schanzen abgerufenen Soldaten, so gut es Boden und Zeit gestatteten, ermunterte sie durch das gerechte Lob, das er ihren sowohl in Hetrurien, als in Samnium verrichteten Ehrenthaten ertheilte, und forderte sie auf, den kleinen Anhang des Hetruskischen Krieges abzuthun, und für die lästernde Drohung, die Stadt Rom bestürmen zu wollen, an den Feinden Rache zu üben. Die Soldaten hörten dies mit solcher Begeisterung an, daß ein ohne Geheiß erhobenes Geschrei den redenden Feldherrn unterbrach. Ohne den Befehl abzuwarten, stürzten sie bei dem Wettklange der Trompeten und Hörner in ungehemmtem Laufe auf den Feind. Nicht als gegen Männer, nicht als gegen Bewaffnete, rannten sie auf sie ein: nein, 304 – kaum glaubt man es der Erzählung! – sie rissen anfänglich den Fahnenträgern die Fahnen aus den Händen, dann zogen sie die Fahnenträger selbst zum Consul her, und schleppten die bewaffneten Soldaten aus jener Linie in diese herüber; und wo es ja einigen Kampf gab, da arbeiteten sie mehr mit den Schilden, als mit den Schwertern. Mit den Schildbuckeln und mit Schulterstößen streckten sie die Feinde zu Boden. Es gab mehr Gefangene, als Todte, und durch das ganze Heer lief die allgemeine Aufforderung an die Feinde: «Strecket die Waffen!» Also schritten selbst noch während des Kampfs die Haupturheber des Krieges zur Übergabe. Am nächsten und den folgenden Tagen ergaben sich auch die übrigen Völkerschaften Umbriens. Nur die Ocriculaner nahm man, nach gegenseitiger Zusage, zu Verbündeten auf.

42. Fabius, in einem Kriege Sieger, den das Los einem Andern bestimmt hatte, führte sein Heer an den Ort seiner Bestimmung zurück. Dieser so glücklichen Thaten wegen ließ ihn der Senat, so wie ihm im vorigen Jahre das Volk das Consulat verlängert hatte, für das folgende Jahr, in welchem Appius Claudius und Lucius Volumnius Consuln waren, den Heeresbefehl behalten; so sehr auch Appius dagegen war. In einigen Jahrbüchern finde ich, Appius sei bei der Bewerbung um das Consulat noch Censor gewesen, und seine Wahl sei von dem Bürgertribun Lucius Furius so lange untersagt geblieben, bis er die Censur niedergelegt habe. Nach seiner Wahl zum Consul blieb er, da seinem Amtsgenossen die Führung des Kriegs gegen neue Feinde, gegen die Sallentiner, angewiesen wurde, zu Rom, um sich selbst, weil die Ehre vom Kriege Andern zufiel, durch die Künste des Friedens zu heben.

Volumnius fand sich an seinem rechten Platze. Er besiegte die Feinde in vielen Treffen, und nahm ihnen mehrere Städte mit Sturm ab. Mit der Beute war er freigebig, erhöhete die an sich schon willkommene Milde durch Leutseligkeit und hatte dem Soldaten durch diese Mittel Gefahr und Arbeit wünschenswerth gemacht.

Der Proconsul Quintus Fabius schlug mit den 305 Samniten bei der Stadt Allifä Linie gegen Linie. Der Sieg war nicht im geringsten zweifelhaft. Die Feinde wurden geworfen und in ihr Lager getrieben; auch das Lager hätten sie nicht behauptet, wenn nur etwas mehr vom Tage übrig gewesen wäre: doch wurde es noch vor Nacht umringt, und in der Nacht gehütet, um niemand entschlüpfen zu lassen. Am folgenden Morgen, als es kaum halbhelle war, schritten die Feinde zur Übergabe, und bedungen sich aus, daß sämtliche Samniten, jeder mit einem einzelnen Kleidungsstücke, entlassen würden. Diese Alle mußten unter dem Jochgalgen durchziehen. Den Bundesgenossen der Samniten war nichts bevorwortet, und ihrer an siebentausend wurden im Kreise des Heers zu Sklaven verkauft. Wer sich als gebornen Herniker angab, wurde in besondern Verhaft gegeben. Alte diese schickte Fabius nach Rom an den Senat; nach angestellter Befragung, ob sie als vom State Geworbene, oder als Freiwillige, für die Samniten gegen Rom gefochten hätten, wurden sie unter den Latinischen Völkern in Gewahrsam gegeben; auch erhielten die neuen Consuln, Publius Cornelius Arvina und Quintus Marcius Tremulus – denn diese waren schon gewählt – den Befehl, die Sache von neuem vor den Senat zu bringen. Dies verdroß die Herniker; und in einer von den Anagninern auf ihrer sogenannten See-Rennbahn gehaltenen Versammlung der sämtlichen Völkerschaften erklärte das ganze Gesamtvolk der Herniker, die Staten von Alatrium, Ferentinum und Verulä ausgenommen, dem Römischen Volke den Krieg,

43. Auch in Samnium brachen, weil Fabius dort abgezogen war, neue Unruhen aus. Calatia und Sora mit den darin liegenden Römischen Besatzungen wurden durch Sturm genommen, und die gefangenen Soldaten grausam gemishandelt. Deswegen wurde Publius Cornelius mit einem Heere hingeschickt. Die neuen Feinde, die Anagniner und übrigen Herniker – denn der Krieg gegen sie war schon genehmigt – wurden dem Marcius angewiesen. Anfangs hatten die Feinde durch Besetzung aller tauglichen Plätze die beiden Lager der Consuln so 306 von einander abgeschnitten, daß auch kein leichter Bote durchkommen konnte, daß beide Consuln mehrere Tage einer über den andern in Ungewißheit und Sorgen waren, und diese Besorgniß sich bis nach Rom verbreitete, so daß alle Dienstfähigen in Eid genommen und auf nicht vorherzusehende Ereignisse zwei volle Heere geworben wurden. Übrigens war der Krieg mit den Hernikern weder dem damaligen Schrecken, noch dem alten Ruhme dieses Volkes angemessen. Ohne irgendwo etwas Merkwürdiges gewagt zu haben, verloren sie in wenig Tagen drei Lager und erkauften einen Waffenstillstand von dreißig Tagen, um an den Senat Gesandte nach Rom schicken zu dürfen, mit einer Lieferung an Sold und Getreide für zwei Monate, und mit einem Rocke für jeden Soldaten. Vom Senate wurden sie an den Marcius zurückgewiesen, weil ihm durch einen Senatsschluß die Verfügung über die Henriker anheimgestellt war, und an ihn ergab sich das ganze Gesamtvolk.

Auch in Samnium war der andre Consul an Stärke den Feinden überlegen, aber durch die Gegend noch mehr gehindert. Sie hatten alle Wege gesperrt, und die gangbaren Waldpässe besetzt, um jede Zufuhr zu verhindern: auch konnte sie der Consul, da er täglich in Linie ausrückte, nie zu einem Treffen herauslocken; und es ergab sich deutlich, daß den Samniten mit einer Schlacht auf der Stelle so wenig gedient sei, als den Römern mit einem Aufschube. Allein die Ankunft des Marcius, der nach Bezwingung der Herniker seinem Amtsgenossen zu Hülfe eilte, bestimmte sie, das Treffen nicht länger zu verschieben. Denn da sie bei der Überzeugung, nicht einmal dem einen Heere gewachsen zu sein, dann vollends nicht die mindeste Hoffnung übrig haben konnten, wenn sie beide consularische Heere sich vereinigen ließen, so griffen sie den ankommenden Marcius an, der auf dem Zuge nichts weniger als schlachtfertig war. Schleunig ließ er das Gepäck in die Mitte zusammenbringen, und stellte seine Linie so gut es die Umstände gestatteten. Bei dem andern Consul setzte zuerst das Geschrei, das bis zu seinem Standorte drang, dann der in der Ferne erblickte Staub Alles 307 in seinem Lager in Bewegung. Sogleich hieß er seine Soldaten zu den Waffen greifen, rückte mit ihnen eilig zur Schlacht aus, und fiel dem feindlichen Heere, das schon mit einem andern Kampfe zu thun hatte, in die Seite, unter der wiederholten Betheurung, «Es würde für sie die größte Schande sein, wenn sie das andre Heer beider Siege theilhaftig werden ließen, und die Ehre von dem ihnen übertragenen Kriege nicht selbst behaupteten.» Da; wo er den Angriff gethan hatte, brach er durch, drang mitten durch der Feinde Heer in ihr Lager, und ohne Vertheidiger wurde es erobert und angezündet. Als das Heer des Marcius den Brand gewahr wurde, und die Feinde sich darnach umsahen, so begann auf allen Punkten die Flucht der Samniten: allein allenthalben sperrte ihnen Gemetzel den Weg und nirgends fanden sie sichere Rettung.

Schon waren dreißigtausend Feinde gefallen, schon hatten die Consuln das Zeichen zum Rückzuge gegeben und zogen ihre Truppen unter gegenseitigen Glückwünschungen zusammen, als sich plötzlich in der Ferne neue feindliche, zu Ergänzungstruppen geworbene, Cohorten sehen ließen und ein neues Gefecht veranlaßten. Ohne Geheiß der Consuln, ohne gegebenes Zeichen gingen die Sieger mit dem Ausrufe auf sie ein: «Man müsse dem Samnitischen Neulinge seine erste Ausflucht ungesegnet bekommen lassen.» Die Consuln ließen den erhitzten Legionen ihren Willen, weil sie wohl wußten, daß jene Neugeworbenen, im Gemische mit ihren schon durch die Flucht muthlos gewordnen Altkriegern, nicht einmal im Stande sein würden, ein Gefecht zu versuchen. Und sie täuschten sich nicht. Die sämtlichen Samnitischen Truppen, alte und neue, flohen auf die nächsten Berge. Dort hinauf zog sich auch die Römische Linie: die Geschlagenen sicherte jetzt auch der Ort nicht mehr; von den Höhen, welche sie besetzt hatten, wurden sie herabgeschlagen, und nun baten sie Alle einstimmig um Frieden; Nach einer ihnen auferlegten Lieferung Getreides auf drei Monate, eines jährigen Soldes, und eines Unterkleides für 308 jeden Soldaten durften sie Friedensgesandte an den Senat abgehen lassen. Cornelius blieb in Samnium stehen.

Marcius hielt bei seiner Rückkehr in die Stadt seinen Triumph über die Herniker, und. ihm wurde ein auf dem Markte zu errichtendes Standbild zu Pferde zuerkannt, welches vor dem Tempel des Castor aufgestellt wurde. Den drei Völkerschaften der Herniker, von Alatrium, Verulä und Ferentinum, wurde ihre Verfassung, weil sie diese dem Römischen Bürgerrechte vorzogen, gelassen, und ihnen das Recht der wechselseitigen Verheirathung gestattet, welches sie von allen Hernikern allein eine ganze Zeitlang behalten haben. Denen von Anagnia und den andern, welche gegen Rom gekriegt hatten, wurde das Bürgerrecht ohne Stimme gegeben, aber alle Zusammenkünfte und Ehen unter einander verboten; auch ihren Obrigkeiten, außer der Besorgung des Gottesdienstes, alle Geschäfte untersagt. Auch wurde in diesem Jahre vom Censor Cajus Junius Bubulcus der Bau eines Tempels der Salus, den er im Samnitischen Kriege als Consul gelobet hatte, in Verding gegeben. Er und sein Amtsgenoß Marcus Valerius Maximus legten auch auf öffentliche Kosten Heerstraßen durch das Land an. Und mit den Carthagern wurde in eben diesem Jahre das Bündniß zum drittenmale erneuert, und ihren hierzu gekommenen Gesandten ließ man mit Höflichkeit Geschenke reichen.

44. Dies Jahr hat auch einen Dictator gehabt, den Publius Cornelius Scipio, mit dem Magister Equitum Publius Decius Mus. Von ihnen wurde der consularische Wahltag gehalten, um dessentwillen man sie gewählt hatte, weil keiner der beiden Consuln vom Kriege abkommen konnte. Consuln wurden Lucius Postumius, Tiberius Minucius. Diese Consuln führt Piso gleich nach dem Quintus Fabius und Publius Decius auf, so daß die zwei Jahre ausfallen, in welchen ich den Claudius mit dem Volumnius, und Cornelius mit dem Marcius, als Consuln angegeben habe. Ob ihn bei der Anordnung seiner Jahrbücher das Gedächtniß getäuscht, oder ob er mit Fleiß 309 die beiden Consulare, weil er sie für unrichtig hielt, übergangen habe, weiß ich nicht.

In diesem Jahre thaten die Samniten Einfälle in das zum Campanischen gehörige Stellatische Gebiet. Also wurden beide Consuln nach Samnium geschickt: sie zogen in entgegengesetzten Richtungen, Postumius nach Tifernum, Minucius nach Bovianum, und unter Anführung des Postumius kam es bei Tifernum früher zur Schlacht. Nach einigen Nachrichten war der Sieg über die Samniten völlig ausgemacht und brachte zwanzigtausend Gefangene ein: nach andern heißt es, die Schlacht sei unentschieden gewesen, und Postumius habe, dem Scheine nach aus Furcht, heimlich bei Nacht sein Heer auf das Gebirge abgeführt: die Feinde, die ihm gefolgt wären, hätten sich ebenfalls auf festen Plätzen zweitausend Schritte von ihm gelagert. Nachdem der Consul, um sich den Schein zu geben, als habe er nur ein sicheres, leicht zu versorgendes Standlager beziehen wollen – und wirklich hatte er dies jetzt – sein Lager theils durch Werke befestigt, theils mit allen Bedürfnissen in Überfluß versehen hatte; so führte er mit Hinterlassung eines starken Kohrs, in der Nacht zwischen zwölf und drei Uhr seine Legionen ohne Gepäcke auf den nächsten Wegen seinem Amtsgenossen zu, der eben so andern Feinden gegenüber lag. Hier mußte, nach dem Entwürfe des Postumius, Minucius seine Feinde angreifen, und als das Treffen ohne Entscheidung bis tief in den Tag hinein fortdauerte, da fiel Postumius mit seinen frischen Legionen unvermuthet in die schon ermüdete feindliche Linie. So wurden die Feinde, denen Ermattung und Wunden selbst die Flucht unmöglich machten, sämtlich niedergehauen, und einundzwanzig Fahnen erbeutet. Und von da ging der Zug wieder zum Lager des Postumius. Hier griffen die beiden siegreichen Heere den schon durch das Gerücht geschreckten Feind an, schlugen und vertrieben ihn: sechsundzwanzig Fahnen wurden erbeutet, der Feldherr der Samniten, Statius Gellius, und eine große Menge Menschen gefangen, und beide Lager erobert: auch Bovianum, dessen Belagerung den Tag 310 nachher begann, wurde in kurzem genommen; und die Consuln hielten nicht ohne großen Thatenruhm ihren Triumph. Einige geben an, der Consul Minucius, den man schwer verwundet in das Lager zurückgebracht habe, sei gestorben, und in seine Stelle Marcus Fulvius als Consul nachgewählt, und von ihm sei, nachdem man ihn zum Heere des Minucius geschickt habe, Bovianum erobert. In diesem Jahre wurden Sora, Arpinum, Censennia den Samniten abgenommen. Ein großes Standbild des Hercules ward auf dem Capitole aufgestellt und eingeweihet.

45. Unter den Consuln Publius Sulpicius Saverrio und Publius Sempronius Sophus, schickten die Samniten, die entweder das Ende, oder einen Aufschub des Krieges wünschten, des Friedens wegen Gesandte nach Rom. Auf ihren flehentlichen Antrag bekamen sie zur Antwort: «Wenn die Samniten nicht schon so oft bei ihren Rüstungen zum Kriege um Frieden nachgesucht hätten, so hätte man nach gegenseitigen Erörterungen einen Frieden abschließen können. So aber, da man sich auf ihre Worte bis jetzt nie habe verlassen können, müsse man sich an Wirklichkeiten halten. Der Consul Publius Sempronius werde nächstens mit einem Heere in Samnium sein; ihn würden sie über ihre Stimmung zum Kriege oder zum Frieden nicht täuschen können: er werde Alles seiner eignen Wahrnehmung gemäß dem Senate berichten: dann möchten sie dem Consul bei seinem Abzuge aus Samnium Gesandte folgen lassen.» Da nun in diesem Jahre das Römische Heer, dem die Samniten die Bedürfnisse willig lieferten, ganz Samnium, ohne Feindseligkeiten zu erfahren, durchzogen hatte, so wurde das ehemalige Bündniß mit ihnen erneuert.

Nun wandten sich die Römischen Waffen gegen die Äquer, diese alten Feinde, ob sie sich gleich seit vielen Jahren unter dem Scheine des Friedens, so unzuverlässig er war, ruhig verhalten hatten. Sie hatten nämlich, als noch die Herniker eine Macht waren, mit diesen zugleich den Samniten von Zeit zu Zeit Hülfsvölker geschickt: dann hatte, nach Bezwingung der Herniker, fast das ganze 311 Gesamtvolk, ohne es zu verhehlen, daß dies Maßregel des States sei, sich zu den Feinden Roms geschlagen; und als nun, nach dem zu Rom mit den Samniten abgeschlossenen Bündnisse, durch Bundespriester Schadenersatz verlangt wurde, hatten sie geantwortet: «Dies sei nur ein Versuch, ob sie, durch die Drohung des Krieges geschreckt, es sich gefallen lassen würden, Römer zu werden. Und wie sehr dies zu wünschen sei, hätten die Herniker gezeigt; da diejenigen von ihnen, denen man freie Wahl gelassen habe, ihre Verfassung dem Römischen Bürgerrechte vorgezogen hätten; und die, die nicht nach eignem Wunsche hätten wählen dürfen, das aufgedrungene Bürgerrecht als eine Strafe tragen würden.» Weil dies die allgemeine Sprache in ihren Volksversammlungen gewesen war, so befahl das Römische Gesamtvolk, die Äquer zu bekriegen, und beide Consuln, die zu dem neuen Kriege auszogen, nahmen viertausend Schritte vom feindlichen Lager ihren Stand. Das Heer der Äquer, das einem zusammengerafften Haufen glich, – hatten sie doch seit vielen Jahren keinen Krieg im Namen ihres States geführt – gerieth, ohne festgesetzte Anführer und Oberbefehl, in Verlegenheit. Einige stimmten dafür, man müsse zur Schlacht ausrücken; Andre, das Lager vertheidigen: die Meisten fanden die zu erwartende Verheerung der Ländereien bedenklich, und dann hinterher die Zerstörung der Städte, die man mit schwachen Besatzungen zurückgelassen habe. Kaum also ließ sich unter den vielen Vorschlägen auch der Eine hören, der mit Aufgebung der Sorge für das Ganze Jeden auf sein Eigenthum Rücksicht nehmen hieß, daß sie nämlich, um Alles fortzubringen und hinter Mauern zu bergen, um die erste Nachtwache Jeder seines Weges aus dem Lager in ihre Städte abziehen wollten; so erklärten sich Alle mit lauter Beistimmung für diesen Vorschlag. Schon hatten sich die Feinde über das Land vertheilt, als die Römer mit dem Tage ausrückten und in Schlachtordnung traten, und weil ihnen niemand entgegen kam, in vollem Schritte dem feindlichen Lager zueilten. Als sie hier weder an den Thoren eine Wache, noch irgend jemand auf dem Walle, 312 noch das einem Lager eigene Getöse bemerkten, so blieben sie, über die ungewöhnliche Stille stutzig, aus Furcht vor einem Hinterhalte, stehen. Dann aber stiegen sie über den Wall, fanden Alles verlassen und machten sich auf, der Spur des Feindes zu folgen; allein eben diese Spuren, die bei der Zerstreuung der Feinde, gleich auffallend nach allen Seiten führten, ließen sie anfangs in Ungewißheit: als sie aber nachher durch Kundschafter den Plan der Feinde erfuhren, zogen sie vor eine Stadt nach der andern und nahmen in fünfzig Tagen einundvierzig Städte, alle durch Sturm, ein. Die meisten wurden zerstört und verbrannt, und der Gesamtstat der Äquer fast bis zur Vernichtung aufgelöst. Über die Äquer wurde ein Triumph gehalten: an ihrem Unglücke spiegelten sich die Marruciner, Marser, Peligner, Frentaner, und schickten Gesandte nach Rom, sich Frieden und Freundschaft zu erbitten. Der Bitte dieser Völker wurde das Bündniß zugestanden.

46. In diesem Jahre war der Schreiber, Cneus Flavius, des Cneus Sohn, eines Freigelassenen Enkel, allein bei seiner niedrigen Abkunft ein verschlagener und beredter Mann, Curulädil. In einigen Jahrbüchern finde ich, da er gesehen habe, daß ihn, ob er gleich im Dienste der Ädilen stand, der erste Bezirk zum Ädil ernenne, daß aber sein Name darum nicht angenommen werde, weil er eine Schreiberstelle habe, so habe er die Schrifttafel von sich gelegt, und geschworen, er wolle den Schreiberdienst nicht länger fortsetzen. Allein als Beweis, daß er das Schreiberamt schon weit früher abgegeben haben müsse, führt Licinius Macer an, er habe schon vorher das Tribunal und zwei Triumvirate bekleidet, das eine zur Erhaltung der nächtlichen Sicherheit, das andre bei einer auszuführenden Pflanzung. Worin Alle übereinkommen, ist das, daß es sein Trotz mit den seine Niedrigkeit verachtenden Adlichen aufnahm. So machte er die Rechtsregeln, die bis dahin in den Geheimstuben der Oberpriester verwahrt lagen, bekannt, und stellte am Markte den Gerichts-Calender auf einem weißen Brette aus, damit jedermann wissen möchte, an welchen Tagen man sich an die Gerichte zu wenden 313 habe. So weihete er den Tempel der Eintracht auf dem Vulcanusplatze zum größten Verdrusse des Adels; und durch einen einstimmigen Volksschluß sah sich der Hohepriester Cornelias Barbatus genöthigt, die Formel der Weihe auszusprechen, ob er gleich behauptet hatte, dem Herkommen gemäß könne kein Anderer, als ein Consul oder Feldherr, einen Tempel einweihen. Darum wurde auch nach einem Senatsgutachten bei dem Gesamtvolke darauf angetragen, daß niemand ohne Genehmigung des Senats oder des größern Theils der Bürgertribunen einen Tempel oder Altar solle weihen können. Einen Auftritt will ich noch erwähnen, der an sich selbst wenig Denkwürdiges hatte, wäre er nicht ein Beweis des bürgerlichen Freimuths gegen adlichen Übermuth. Als Flavius zu seinem kranken Amtsgenossen kam, um ihn zu besuchen, und nach einer Verabredung unter den jungen Adlichen, die hier am Bette saßen, niemand, ihm Platz zu geben, aufstand, so ließ er sich seinen Thronsessel herbringen und übersah von seinem Ehrenstuhle seine vor Neid sich ärgernden Feinde.

Übrigens hatte den Flavius eine Marktpartei zum Ädil gemacht, die durch die Censur des Appius so vielvermögend geworden war. Dieser hatte zuerst den Senat durch die hineingenommenen Enkel der Freigelassenen verunehrt; weil sich aber niemand an diese Aufnahme kehrte, und Appius im Senate den dadurch bezweckten Einfluß auf die Regierung Roms nicht erlangte, so hatte er durch Vertheilung des niedrigsten Pöbels unter die sämtlichen Bezirke den Wahlen auf dem Markte und auf dem Marsfelde einen falschen Gang gegeben. Und die Wahl des Flavius erregte auch eine so große Unzufriedenheit, daß die meisten Adlichen sich des Gebrauchs der goldenen Ringe und des Ritterschmucks begaben. Von der Zeit an zerfiel die Bürgerschaft in zwei Parteien. Ein andres Augenmerk hatte das unverdorbene Gesamtvolk, als Begünstiger und Verehrer der Rechtschaffenen; ein anderes die Marktpartei; bis endlich Quintus Fabius und Publius Decius Censorn wurden, und Fabius, theils, die Eintracht wieder herzustellen, theils, um die Wahlen nicht in den Händen der Niedrigsten zu lassen, den ganzen Schwarm der Marktpartei aussonderte, zusammen in vier Bezirke warf und diese die Städtischen nannte. Er fand mit dieser Maßregel so großen Beifall, daß er sich den Zunamen Maximus, den ihm so viele Siege nicht erworben hatten, durch dies berichtigte Verhältniß der Stände erwarb. Er soll auch das eingeführt haben, daß die Ritter am funfzehnten Quinctilis ihren Aufzug halten.

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