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Römische Geschichte

Livius: Römische Geschichte - Kapitel 41
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Geschichte Bd. I
authorTitus Livius
translatorKonrad Heusinger
firstpub1821
year1821
publisherFriedrich Vieweg Verlag
addressBraunschweig
titleRömische Geschichte
created20060416
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155 Achtes Buch.

1. Schon waren Cajus Plautius (dieser zum zweitenmale) und Lucius Ämilius Mamercinus Consuln, als von Setia und Norba Boten nach Rom kamen, den Abfall der Privernaten und ihren eignen erlittenen Verlust anzuzeigen. Auch lief die Nachricht ein, daß sich ein Heer Volsker, von den Einwohnern Antiums geführt, bei Satricum gelagert habe. Beide Kriege fielen durch das Los dem Plautius zu. Zuerst zog er gegen Privernum, und lieferte sogleich eine Schlacht. Die Feinde wurden ohne großen Kampf besiegt, die Stadt erobert und nach eingelegter starken Besatzung den Privernaten wiedergegeben; allein zwei Drittheile ihres Gebiets ihnen genommen.

Von da wurde das siegreiche Heer nach Satricum gegen die Antiaten geführt. Hier erfolgte eine mörderische Schlacht mit großem Verluste auf beiden Seiten; und da ein Ungewitter die Streitenden bei gleichen Hoffnungen schied, stellten sich am folgenden Tage die Römer, die der zweifelhafte Kampf nicht ermüdet hatte, wieder zur Schlacht. Die Volsker, welche beim Nachzählen fanden, was für Männer ihnen die Schlacht gekostet habe, fühlten sich zur Wiederholung des Versuchs bei weitem nicht von gleichem Muthe aufgefordert. Besiegten gleich, traten sie in der Nacht ihren Rückzug nach Vitium so eilig an, daß sie ihre Verwundeten und einen Theil des Gepäcks zurückließen. Sowohl zwischen den Leichen des Schlachtfeldes, als im Lager der Feinde, fand man eine große Menge Waffen. Der Consul erklärte, er weihe sie der Mutter LuaAlso mußten sie verbrannt werden. Vergl. 45, 33. Lua ist Ops, Rhea, Terra. Crevier., und verheerte das feindliche Gebiet bis an die Seeküste.

156 Dem andern Consul, Ämilius, stellten die Samniten, denen er ins Land gerückt war, nirgends ein Lager, oder ein Heer entgegen. Als er ihr Gebiet mit Feuer und Schwert verwüstete, erschienen Samnitische Gesandte mit der Bitte um Frieden. Von ihm wurden sie an den Senat verwiesen, und baten, nach erhaltener Erlaubniß zu reden, vom ehemaligen Trotze völlig herabgestimmt, das Römische Volk um Frieden, und zugleich um Erlaubniß, die Sidiciner bekriegen zu dürfen. «Zu diesen Bitten hielten sie sich so viel mehr berechtigt, theils, weil sie in ihren guten Zeiten, und nicht, wie die Campaner, in ihrer Noth, des Römischen Volkes Freunde geworden waren; theils weil ihr Krieg nur den Sidicinern gelten solle, ihren ewigen Feinden, und zu keiner Zeit Freunden Roms; da sie weder, gleich den Samniten, im Frieden mit Rom um seine Freundschaft, noch, wie die Campaner, um seinen Beistand zum Kriege nachgesucht hätten, und weder Schutzverwandte des Römischen Volks, noch dessen Unterthanen wären.»

2. Als der Prätor Tiberius Ämilius den Senat über die Forderungen der Samniten befragte, und die Väter dafür stimmten, sie wieder in das Bündniß aufzunehmen, so bekamen sie vom Prätor die Antwort: »Es habe weder am Römischen Volke gelegen, daß die Freundschaft mit ihnen nicht ununterbrochen geblieben sei, noch sei es jetzt ihnen entgegen, weil sie des durch eigne Schuld sich zugezogenen Krieges überdrüssig wären, die Freundschaft wieder auf den alten Fuß anzuknüpfen. Was die Sidiciner betreffe, so habe man nichts dagegen, daß das Samnitische Gesamtvolk über Krieg und Frieden mit ihnen nach Gutbefinden verfügen könne.»

Kaum waren die Gesandten nach geschlossenem Bündnisse zu Hause eingetroffen, so wurde das Römische Heer von dort abgeführt, nachdem es von ihnen einen jährigen Sold und Getreide auf drei Monate in Empfang genommen: denn dies war die Bedingung gewesen, unter welcher ihnen der Consul bis zur Zurückkunft der Gesandten einen Waffenstillstand bewilligt hatte. Nun brachen die 157 Samniten mit denselben Truppen, welche sie im Römischen Kriege gebraucht hatten, gegen die Sidiciner auf, in der gewissen Hoffnung, sich der feindlichen Stadt sehr bald zu bemächtigen. Da boten sich die Sidiciner zuerst den Römern zur Übergabe an, und da die Väter diese, als zu spät und nur durch die höchste Noth erzwungen, verwarfen, den Latinern, welche schon aus eigner Bewegung die Waffen ergriffen hatten. Ja selbst die Campaner enthielten sich nicht, – so viel lebendiger war ihnen die Erinnerung an die Beleidigungen von Seiten der Samniten, als an die Wohlthat der Römer – an dieser Bewaffnung Theil zu nehmen. Ein großes aus so vielen Völkern vereinigtes Heer, das unter Anführung der Latiner in das Gebiet der Samniten einrückte, that ihnen mehr Abbruch durch Verheerungen, als durch Schlachten. Und waren gleich die Latiner in den Gefechten Sieger, so zogen sie sich doch nicht ungern, um nicht noch öfter zu schlagen, aus dem feindlichen Gebiete. Diese Zwischenzeit nutzten die Samniten, Gesandte nach Rom zu schicken. Als sie vor dem Senate erschienen, baten sie ihn nach vorgebrachter Klage, daß sie im Bündnisse mit Rom dasselbe leiden müßten, was sie als seine Feinde gelitten hätten, in den demüthigsten Ausdrücken: «Die Römer möchten sich damit begnügen, den Samniten den Sieg über ihre Feinde, die Campaner und Sidiciner, entrissen zu haben; sie möchten sie aber nicht durch diese feigesten Völker auch besiegen lassen. Ständen die Latiner und Campaner unter Römischer Hoheit, so möchten sie sie vermittelst ihrer Oberherrschaft aus dem Samnitischen Gebiete entfernen; und wenn sie die Oberherrschaft nicht anerkennen wollten, durch die Waffen im Zaume halten.» Man gab hierauf eine Antwort, welche zwei Seiten hatte, weil man nicht gern gestehen wollte, daß die Latiner schon nicht mehr von den Römern abhingen, und sich scheute, durch geforderte Verantwortung den völligen Bruch zu veranlassen. «Ganz anders stehe es mit den Campanern, die nicht durch ein Bündniß, sondern durch Übergabe, Roms Schutzverwandte geworden seien: folglich müßten die 158 Campaner ruhig sein, sie möchten wollen, oder nicht. Das Bündniß mit den Latinern aber enthalte nichts, was ihnen wehren könne, Krieg zu führen, mit wem sie wollten.»

3. Entließ eine solche Antwort die Samniten in Ungewißheit, was für einen Schritt sie von den Römern erwarten sollten, so bewog sie die bedroheten Campaner zum Abfalle von Rom; und die Latiner erfüllte sie, gleich als müßten ihnen die Römer nun schon Alles erlauben, mit so viel dreisterem Trotze. Ihre Häupter also, die unter dem Scheine des gegen die Samniten zu veranstaltenden Krieges häufige Versammlungen ansagten, brüteten in allen Beratschlagungen insgeheim über einem Kriege gegen Rom. Und auch die Campaner traten diesem Kriege gegen ihre Retter bei. So angelegentlich indeß Alles verheimlicht wurde, und so sehr man die Absicht hatte, mit dem Feinde im Rücken, mit den Samniten, fertig zu sein, ehe die Römer losbrächen; so fanden dessenungeachtet Winke über die Verschwörung durch gastfreundschaftliche Verbindungen und Verwandschaften mancher Häuser den Weg nach Rom. Da nun die Consuln auf Befehl ihr Amt vor der Zeit niederlegten, damit man gegen einen so wichtigen Krieg die neuen Consuln so viel früher wählen könne, so fand man es bedenklich, den Wahltag von Männern halten zu lassen, die an ihrer Amtsführung einen Abgang erlitten hatten. Man schritt also zu einer Zwischenregierung, und hatte zweimal einen Zwischenkönig, den Marcus Valerius und Marcus Fabius. Die gewählten Consuln waren Titus Manlius Torquatus zum drittenmale, Publius Decius Mus. Man weiß, daß in diesem JahreNach Crevier's Behauptung acht Jahre später. Eben dies bemerkt auch Duker aus Dodwell de Cyclis X, 73. Alexander, König von Epirus, in Italien landete. Hätte er bei seiner Unternehmung gleich anfangs mehr Glück gehabt, so würde sich dieser Krieg unstreitig auch auf die Römer ausgedehnt haben. In eben dies Zeitalter fallen auch die Thaten seines Schwestersohns, Alexanders des Großen, des unbesiegten jungen Helden, den das Schicksal 159 in einem andern Welttheile durch eine Krankheit wegraffte.

Die Römer, sahen sie gleich dem Abfalle ihrer Bundesgenossen und der sämtlichen Latiner mit Gewißheit entgegen, beriefen dennoch, dem Scheine nach der Samniten, nicht ihrer selbst wegen, zehn der vornehmsten Latiner nach Rom, ihnen die erforderlichen Befehle zu ertheilen. Latium hatte damals zwei Prätoren, den Lucius Annius und Lucius Numisius, beide aus Römischen Pflanzstädten, jener aus Setia, dieser aus Circeji; und auf ihren Betrieb hatten nicht nur Signia und Veliträ, welche ebenfalls Römische Pflanzstädte waren, sondern auch die Volsker die Waffen ergriffen, Diese ließ man namentlich vorfordern. Der Grund ihrer Vorladung war Jedem einleuchtend. Also zeigten die Prätoren, die vor ihrer Abreise nach Rom eine Versammlung beriefen, dieser an, der Römische Senat habe sie zu sich entboten, und fragten an, was sie auf die Punkte, die man ihnen wahrscheinlich vorlegen werde, zu antworten hätten.

4. Als der Eine dies, der Andre jenes vorschlug, so sprach Annius:

«Ob ich gleich selbst auf eine zu gebende Antwort angetragen habe, so glaube ich doch, daß dem allgemeinen Besten die Frage wichtiger sei, was wir thun, als was wir reden sollen. Haben wir uns über unsre Maßregeln verständigt, so werden sich zu den Sachen die Worte leicht finden lassen. Denn wenn wir uns sogar jetzt noch unter dem Scheine eines Bündnisses auf gleichenIn den Ausgaben von Ernesti und Stroth ist foederis von aequi durch ein Komma geschieden, welches Drakenborch und Crevier nicht haben. Jene glaubten vermuthlich, wenn sie foederis aequi zusammen nähmen, den Annius dadurch ein den Römern ehrenvolles Geständniß thun zu lassen, welches hier freilich am unrechten Orte sein würde. Allein außerdem, daß die aequitas foederis schon sehr durch den Ausdruck umbra verliert, bekommt ja auch gerade das foedus aequum durch servitutem den nöthigen Gegensatz. Hätte Livius das Wort aequi mit pati in Verbindung setzen wollen, so würde er servitutem aequi pati, oder aequo animo pati gesagt, und nicht foederis aequi zusammengesetzt haben. Fuß die Sklaverei gefallen lassen können, was bedarf es denn mehr, als daß wir, mit Aufopferung der 160 Sidiciner, nicht bloß Römischen, sondern auch Samnitischen Befehlen gehorchen, und den Römern zur Antwort geben, wir würden, sobald sie winkten, die Waffen niederlegen? Wird aber endlich unserm Herzen der Biß der erwachenden Sehnsucht nach Freiheit fühlbar; ist das, was wir haben, ein wahres Bündniß; beruhet ein Bund auf der Gleichstellung der Rechte; dürfen wir der Verwandschaft mit den Römern, deren wir einst uns schämten, jetzt sogar uns rühmen; ist unser Bundesheer für sie so bedeutend, daß sie durch Vereinigung mit ihm ihre Macht verdoppeln und daß es zur Beendigung oder zur Eröffnung ihrer eignen Kriege ihren Consuln nicht von der Seite darf: warum wird dann nicht überall Gleichheit eingeführt? warum geben nicht die Latiner den einen Consul? Wo die halbe Macht ist, warum nicht da auch die halbe Regierung? Freilich ist dies an und für sich nicht eben sehr ehrenvoll für uns, weil wir dadurch einräumen, daß Rom Latiums Haupt sei; allein daß es ehrenvoll scheinen kann, haben wir selbst durch unsre lange Nachgiebigkeit bewirkt. Habt ihr euch aber je die Zeit einer Regierungsvereinigung und der Ausübung eurer Freiheit, herbeigewünscht, wohlan, jetzt ist diese Zeit da, durch eure Tapferkeit und die Gnade der Götter euch verliehen. Ihr machtet durch die Weigerung, Soldaten zu stellen, den Versuch, wie viel sie sich gefallen ließen. Wer zweifelt daran, wie sie entglüht sein müssen, als wir eine mehr denn zweihundertjährige Gewohnheit abschafften? Dennoch verbissen sie diesen Schmerz. Den Krieg mit den Pelignern führten wir als für uns selbst bestehender Stat. Und sie, die uns ehedem nicht einmal das Recht gestatteten, unsre Gränzen durch uns selbst zu schützen, hatten nichts dagegen. Daß wir die Sidiciner in Schutz genommen haben, daß die Campaner von ihnen zu uns übergetreten sind, daß wir gegen ihre Verbündeten, die Samniten, Heere rüsten, das Alles erfahren sie und regen sich nicht von der Stadt. Was bewegt sie zu dieser großen Mäßigung? was sonst, als das richtige Ermessen unserer und ihrer Kräfte? Ich habe meine sicheren 161 Nachrichten, daß der Römische Senat den Samniten, als sie sich über uns beklagten, eine Antwort gegeben habe, aus der man deutlich sehen kann, sie selbst machen schon nicht mehr Anspruch darauf, daß Latium unter Römischer Hoheit stehen soll. So macht doch endlich selbst durch eure Forderung Gebrauch von dem, was sie stillschweigend euch einräumen. Ist jemand zu furchtsam, den Antrag zu thun, wohlan, so erbiete ich mich selbst, nicht nur vor des Römischen Volks und Senats, sondern selbst vor Jupiters Ohren, im Capitole, seinem Sitze, zu erklären, daß sie von uns, wenn sie uns als Verbündete und Freunde behalten wollen, den einen Consul und die Hälfte des Senats annehmen müssen.»

Da er mit dieser Keckheit nicht sie bloß aufforderte, sondern sich selbst erbot, so gaben sie ihm Alle unter einem beistimmenden Geschreie die Vollmacht zu handeln und zu reden, wie er es dem allgemeinen Besten Latiums und seinem eignen Werthe gemäß fände.

5. Nach ihrer Ankunft in Rom ließ sie der Senat auf dem Capitole vor sich. Als hier der Consul Titus Manlius im Namen der Väter sich gegen sie darüber erklärte, daß sie die Samniten als Verbündete nicht bekriegen müßten; so begann Annius, als wäre er der siegreiche Eroberer des Capitoliums, uneingedenk, daß er bloß unter dem Schutze des Völkerrechtes als Gesandter sprach:

«Die Zeitumstände hätten es dir anrathen sollen, Titus Manlius, und euch, versammelte Väter, nun nicht länger mit uns befehlsweise zu reden; da ihr sahet, daß Latium durch die Gnade der Götter an Volksmenge und Kriegsmacht zu den gesegnetsten Staten gehört, daß es die Samniten besiegt hat, mit den Sidicinern und Campanern sich verbündet hat, jetzt auch die Volsker sich angeschlossen hat, ja daß selbst eure Pflanzstädte der Römischen Regierung die Latinische vorgezogen haben. Weil ihr euch aber nicht dazu verstehen möget, eurer ungezügelten Tyrannei ein Ziel zu stecken, so wollen wir, ob wir gleich Latiums Freiheit durch die Waffen bewirken könnten, doch die Verwandschaft mit euch so 162 viel gelten lassen, daß wir den Frieden unter uns auf Bedingungen feststellen, welche eben so beiden Theilen gleiche Rechte geben, als es den unsterblichen Göttern gefallen hat, ihnen gleiche Macht zu verleihen. Der eine Consul muß aus Rom, der andre aus Latium gewählt werden; beide Völker stellen eine gleiche Anzahl zum Senate; beide werden zu Einem Volke, zu Einem State; und weil nun einmal, wenn wir einen gemeinschaftlichen Sitz der Regierung und Alle nur Einen Namen haben wollen, einer von beiden Theilen nachgeben muß, so mag immerhin, zum Segen für Beide, diese Vaterstadt den Vorzug haben und wir Alle den Namen Römer führen.»

Es mußte sich treffen, daß auch die Römer am Titus Manlius einen Consul hatten, der diesem Trotze gewachsen war. Er entsah sich nicht, im Zorne gerade herauszusagen: «Wenn die versammelten Väter so toll sein könnten, sich von einem Menschen aus Setia Gesetze vorschreiben zu lassen, so wolle er sich mit angestecktem Schwerte im Senate einstellen, und jeden Latiner, den er im Rathhause fände, mit eigner Hand niederstechen.» Und hingewandt zur Bildsäule Jupiters, rief er:

«Höre, Jupiter, diese Frevel! höret sie, ihr Gottheiten alles dessen, was Recht im Himmel und auf Erden ist! Du, Jupiter, solltest hier als der Gefangene, als der Gebeugte, in deinem geweiheten Tempel ausländische Consuln, einen Senat von Ausländern, sehen? Sind das die Bündnisse, ihr Latiner, die der Römische König Tullus, mit euren Stammvätern, den Albanern; welche späterhin mit euch selbst, Lucius Tarquinius schloß? Entsinnet ihr euch der Schlacht am See Regillus nicht mehr? Habt ihr eure alten Niederlagen, und unsre Verdienste um euch so ganz vergessen?»

6. Als nach der Rede des Consuls auch der Unwille der Väter laut wurde, soll sich Annius gegen die wiederholten Anrufungen der Götter, an welche sich die Consuln mehrmals als an die Zeugen der Bündnisse wandten, Ausdrücke erlaubt haben, aus welchen seine Verachtung gegen die Gottheit des Römischen Jupiter sprach. So viel ist 163 wenigstens gewiß, daß er vor Zorn außer sich in hastigem Schritte vom Eingange des Tempels herabrannte, auf der Treppe ins Fallen gerieth und mit dem Kopfe so heftig gegen die unterste steinerne Stufe schlug, daß er sinnlos dalag. Daß er todt geblieben sei, lasse ich, weil die Nachrichten nicht alle beistimmen, dahin gestellt sein; so wie die Sage, daß sich bei der feierlichen Anrufung der Götter, als Zeugen der gebrochenen Bündnisse, unter einem fürchterlichen Donnerschlage ein Platzregen ergossen habe. Beides kann wahr sein; es kann aber auch als Erdichtung angebracht sein, um einen gleich auf der Stelle erfolgten Wink des göttlichen Unwillens anzudeuten. Als Torquatus, vom Senate zur Abfertigung der Gesandten entlassen, den Annius daliegen sah, rief er so laut, daß Volk und Väter seine Worte hören konnten: «Es steht Alles gut! Die Götter selbst haben unsern gerechten Krieg eröffnet. Noch waltet eine Regierung vom Himmel! Noch lebst du, großer Jupiter! Nicht umsonst haben wir dir, dem Vater der Götter und Menschen, diese heilige Stäte gewidmet! Ihr seid noch unschlüssig, Quiriten, und ihr, versammelte Väter, die Waffen zu ergreifen, da euch die Götter vorangehen? So will ich die Legionen der Latiner zu Boden strecken, wie ihr da ihren Gesandten liegen sehet.»

Diese Äußerung des Consuls, vom Volke mit Beifall beantwortet, setzte die Gemüther in eine so feurige Stimmung, daß die abreisenden Gesandten mehr durch die Fürsorge der obrigkeitlichen Personen, welche ihnen auf Befehl des Consuls das Geleit gaben, als durch das Völkerrecht vor der Wuth und Mishandlung des Pöbels geschützt wurden. Der Senat stimmte gleichfalls für den Krieg; und die beiden Consuln, die mit zwei neu errichteten Heeren durch das Land der Marser und Peligner zogen, schlugen, nach ihrer Vereinigung mit dem Samnitischen Heere, ihr Lager bei Capua auf, wo sich die Latiner mit ihren Bundsgenossen schon versammelt hatten. Hier soll jeder Consul im Traume dieselbe Erscheinung gehabt, einen Mann gesehen haben, von mehr als menschlicher Größe und Erhabenheit; welcher ihnen sagte: «Aus der einen 164 Schlachtordnung gebühre der Feldherr, aus der andern das Heer, den Göttern der Todten und der Mutter Erde: welches Heeres Feldherr die Legionen der Feinde und sich oben ein dem Tode weihen werde, dessen Volke und Partei sei der Sieg beschieden.»

Als sich die Consuln ihre Nachtgesichte einander mittheilten, so beschlossen sie, zur Abwendung des göttlichen Zorns, Schlachtopfer zu bringen: ferner, wenn die Eingeweide dieselbe Bestimmung anzeigten, die ihnen im Traume offenbart sei, so solle der Eine Consul dem Gebote des Schicksals Folge leisten. Da nun mit der ihrem Herzen eingesenkten Ahnung die Antworten der Opferschauer übereinstimmeten, so machten sie, damit nicht der freiwillige Tod eines Consuls das Heer mitten in der Schlacht in Schrecken setzen möchte, mit Zuziehung der Unterfeldherren und Obersten den Befehl der Götter bekannt, und verglichen sich unter einander, daß derjenige Consul, auf dessen Flügel das Römische Heer zuerst wiche, sich für das Römische Volk und die Quiriten dem Tode weihen sollte. Auch besprach man sich im Kriegsrathe darüber, daß man die Kriegszucht, wenn je in einem Kriege die Befehle mit Strenge gehandhabt wären, vorzüglich jetzt wieder auf die alte Sitte zurückführen müsse. Diese Vorsorge war um so nöthiger, weil die Feinde, die man jetzt vor sich hatte, Latiner waren, in Sprache, Sitten, Art der Waffen, und was das wichtigste war, in der ganzen Kriegsverfassung den Römern gleich: ihre Soldaten hatten mit Römischen Soldaten, Hauptleute mit Hauptleuten, Obersten mit Obersten als gemeinschaftlich angestellte Waffenbrüder und Nebenmänner in einerlei Kohre, oft in derselben Rotte gestanden. Um also die Soldaten vor jeder Verwechselung zu sichern, gaben die Consuln den Befehl, daß sich niemand außer dem Gliede auf ein Gefecht einlassen solle.

7. Es traf sich, daß von mehreren Rittmeistern, welche nach allen Seiten auf Kundschaft ausgeschickt waren, Titus Manlius, des Consuls Sohn, mit seinem Geschwader über das feindliche Lager hinaussprengte, so daß 165 er kaum auf Schußweite vom nächsten Posten entfernt war. Hier standen die Tusculanischen Ritter; ihr Führer war Geminus Metius, ein Mann, durch Abkunft und Thaten unter den Seinen in Ansehen, Als dieser die Römischen Ritter, und den unter ihnen sich auszeichnenden Sohn des Consuls an ihrer Spitze ersah; denn sie kannten sich Alle, und vorzüglich Männer von Range; so sprach er: «Also mit Einer Schwadron wollt ihr Römer den Krieg gegen die Latiner und ihre Verbündeten führen? Was beginnen indeß die Consuln und zwei consularische Heere?» – «Sie werden, wenn's Zeit ist, da sein,» versetzte Manlius, «und mit ihnen wird Jupiter selbst dasein, als Zeuge der von euch gebrochenen Bündnisse, der noch mehr leistet, noch mehr vermag. Haben wir am See Regillus so mit euch gefochten, daß ihr dessen genug hattet, so wollen wir es hoffentlich auch hier dahin bringen, daß euch nach Heergefechten und förmlichen Schlachten mit uns nicht sehr verlangen soll.» Da erwiederte Geminus, indem er ein wenig von den Seinen heranritt: «Wolltest du denn wohl indeß, bis jener Tag kommt, an dem ihr mit so großem Aufheben eure Heere in Bewegung setzen werdet, einen Gang mit mir machen; so daß gleich jetzt aus dem Erfolge des Kampfs zwischen uns beiden das große Übergewicht hervorgehe, welches der Latinische Ritter über den Römischen hat?«

War es Zorn, oder Scham, den Kampf abzulehnen, was den feurigen Muth des Jünglings bestimmte? oder die unwiderstehliche Gewalt des Schicksals? Uneingedenk des väterlichen Befehls und der consularischen Bekanntmachung, unterzog er sich rasch einem Kampfe, in welchem für ihn siegen oder besiegt werden, fast auf Eins hinausliefDenn auch auf den Sieg stand ja der Tod. Wenn die Leser diese Anmerkung überflüssig finden sollten, so bitte ich sie, die Übersetzungen von Wagner, Große und Ostertag zu vergleichen.. Nachdem die übrigen Ritter, als zu einem Schauspiele, sich auf die Seiten gepflanzt hatten, sprengten jene auf dem freien Zwischenraume des Feldes mit ihren Pferden gegen einander ein, und da sie mit eingelegter Lanze 166 zusammentrafen, stieß Manlius mit seinem Spieße über dem Helme des Feindes, Metius neben dem Halse des Pferdes, vorbei. Sie schwenkten sich mit den Rossen, und Manlius, der zuerst wieder zu einem neuen Stoße ausholte, bohrte dem Pferde seines Gegners den Spieß zwischen die Ohren. Das Thier, das vor Schmerz der Wunde sich bäumend, aus allen Kräften mit dem Kopfe schlug, warf seinen Reiter ab; und als er eben, auf Speer und Schild gelehnt, vom schweren Falle sich erheben wollte, stach ihn Manlius, bei der Kehle hinein, so daß die Lanze durch die Rippen herausdrang, am Boden fest. Mit der erbeuteten Rüstung ritt er zu den Seinigen zurück, eilte, begleitet von seinem freudig jauchzenden Geschwader, dem Lager zu und gerades Weges in das Hauptzelt zu seinem Vater, ohne zu wissen, was erIch lese mit Crevier ignarus facti; und viele der besten Handschriften stimmen bei. gethan, und was seiner warte; ob er Lob, ob er Strafe verdient habe. «Vater,» sprach er, «damit mich die Welt mit Recht für einen Sprößling deines Blutes erkenne, bringe ich dir diese ritterliche Beute, die ich, zum Kampfe aufgefordert, dem erlegten Feinde nahm.»

So wie der Consul dies vernahm, wies er sogleich seinen Sohn von sich und ließ durch die Trompete zur Versammlung rufen. Als sie sich zahlreich eingefunden hatte, sprach er: «Weil du, Titus Manlius, ohne Achtung für consularischen Befehl und väterlichen Ehrenrang, trotz unsrer Bekanntmachung, außer dem Gliede gegen den Feind gefochten, also so viel an dir lag, die Kriegszucht, durch welche sich Rom bis auf diesen Tag erhielt, vernichtet, und mich in die Notwendigkeit versetzt hast, entweder des Stats, oder mein und der Meinigen zu vergessen, so möge die Strafe unsres Verbrechens lieber uns selbst treffen, als daß der Stat zu seinem so großen Schaden unsre Vergehungen büße. Wir werden ein trauriges, aber für die Zukunft ein der Jugend heilsames Beispiel sein. Zwar läßt mich die natürliche Liebe zu meinen Kindern, und selbst diese Probe deiner Tapferkeit, 167 gegen dich durch den falschen Schein der Ehre Verleiteten nicht ohne Rührung. Da wir aber entweder durch deinen Tod die Befehle der Consuln bestätigen müssen, oder sie durch deine Ungestraftheit auf ewig abschaffen, so denke ich, du selbst, wenn in dir noch ein Tropfen meines Blutes fließt, werdest dich nicht weigern, die durch deine Schuld gefallene Kriegszucht durch deine Strafe wieder herzustellen. Geh, Lictor, bind ihn an den Pfahl!»

Entseelt durch den schrecklichen Befehl, und nicht anders, als sähe Jeder das Beil gegen sich selbst hervorgezogen, schwiegen Alle, mehr aus Furcht, als Bescheidenheit. Sobald aber bei dem Falle des Hauptes das Blut floß, brachen die Zuschauer, welche in Erstarrung verstummet dagestanden hatten, als höbe sich ihr Geist aus der Tiefe des Staunens, laut in unaufgehaltene Klagen aus, so daß sie sich eben so wenig des Jammerns, als der Flüche enthielten, den Körper des Jünglings, mit der von ihm erfochtenen Beute bedeckt, nach einem so feierlichen Leichenbegängnisse, als es der Beeiferung aller Soldaten möglich war, auf einem vor dem Lager aufgeführten Scheiterhaufen verbrannten: und Manlischer Zuchtbefehl erfüllte nicht bloß die damals Lebenden mit Schauder, sondern auch die Nachwelt als Beispiel mit Abscheu.

8. Doch machte die Scheußlichkeit der Strafe die Soldaten dem Feldherrn gehorsamer, und außerdem, daß die Wachen bei Tage und bei Nacht, und der Reihengang der Posten allenthalben so viel sorgfältiger beobachtet wurden, war auch diese Strenge, als man zur Schlacht aufgetreten war, im entscheidenden Kampfe nicht ohne Nutzen. Denn die Schlacht hatte die größte Ähnlichkeit mit einem Bürgerkriege, so völlig hatten die Latiner nichts von den Römern unterscheidendes, den Muth ausgenommen. Vormals hatten die Römer den Rundschild im Gebrauche gehabt; nachher, als sie Sold aufbringen mußten, nahmen sie statt des Rundschildes den Langschild; und hatten sie sonst in Phalanxen, den Macedonischen ähnlich, gestanden, so fingen sie nachher an, ihre Linie in Streithaufen aufzustellen. 168 Zuletzt theilten sie sich in noch mehrere Ordnungen. Jede Ordnung hatte zweiundsechzig Mann, einen Hauptmann und einen Fahnenträger. Die erste Linie machten die Hastaten aus, in fünfzehn durch mäßige Zwischenräume geschiedenen Streithaufen. Jeder Streithaufe hatte zwanzig Leichtbewaffnete und außer ihnen lauter Langschildner. Leichtbewaffnete hießen die, welche nur eine Lanze und Gallische Wurfspieße führten. Dies erste Treffen der Schlachtordnung enthielt lauter blühende zum Kriegsdienst heranreifende Jünglinge.

Auf diese folgten in eben so vielen Streithaufen die von festerem Alter, welche Principen hießen; lauter Langschildner und mit vorzüglich ausgezeichneten Waffen. Diesen ganzen Zug von dreißig Streithaufen nannten sie die (Vorpiken) Antepilanen, weil hinter ihnen unter den Adlern wieder andre fünfzehn Ordnungen aufgepflanzt standen, von denen jede Ordnung ihre drei Rotten hatte. Jede erste dieser Rotten nannten sie die erste Pike: alle drei betrugen hundert sechsundachtzig Mann. Die erste Rotte hatte die Triarier, alte Krieger von bewährter Tapferkeit; die zweite die Rorarier, noch nicht so erstarkt an Jahren, nicht so versucht; die dritte die Überzähligen, auf die man sich am wenigsten verlassen konnte; darum wurden die ins letzte Treffen zurückgesetzt.

Wenn das Heer in solcher Ordnung aufgestellt war, fingen die Hastaten, als die vordersten von Allen, die Schlacht an. Konnten die Hastaten den Feind nicht zur Flucht bringen, so wurden sie, mit gehaltnem Schritte zurückweichend, von den Principen in ihre Zwischenräume aufgenommen. Nun war die Schlacht die Sache der Principen, an die sich die Hastaten anschlossen. Die Triarier lagen indeß unter ihren Adlern im Anschlage, das linke Bein vorgestreckt, ihre Langschilde an die Schulter gelehnt, die Hand an der schräg mit der Spitze emporgerichteten, unten in der Erde steckenden Lanze, gleich einer von umpflanzenden Schanzpfählen starrenden Linie. Waren auch die Principen in ihrem Kampfe nicht glücklich, so zogen sie sich allmälig vom Rande der Schlacht auf die 169 Triarier zurück. Daher hört man so oft, wo es schlimm steht, im Sprichworte sagen: «Es kommt an die Triarier.» Hatten die sich jetzt erhebenden Triarier die Principen und Hastaten in die Zwischenräume ihrer eignen Streithaufen aufgenommen, so war sogleich durch die zusammengeschobenen Streithaufen jeder Durchgang wie verschlossen, und in Einem an einander hängenden Zuge, der nun keine weitere Hoffnung hinter sich hatte, fielen sie auf den Feind. Dies war aber auch dem Feinde gerade das furchtbarste, daß er, seiner Meinung nach schon Verfolger der Besiegten, plötzlich eine neue verstärkte Linie sich erheben sah.

Die geworbenen vier Legionen bestanden jede etwa aus fünftausend Mann zu Fuß, und dreihundert Rittern für jede Legion. Eine gleiche Anzahl lieferten die Werbungen der Latiner, welche nun der Römer Feinde waren und in der Stellung ihrer Linie dieselbe Einrichtung hatten: und es wußten nicht bloß die Rotten der Triarier, daß sie mit eben solchen Rotten, die sämtlichen Hastaten, daß sie mit Hastaten, so wie die Principen, daß sie mit Principen, sondern jeder Hauptmann, mit welchem Hauptmanne er, wenn die Ordnungen nicht versetzt würden, zusammentreffen werde. Von den beiden ersten Hauptleuten der Triarier in beiden Heeren war der Römer nicht eben vom stärksten Körperbaue, übrigens ein tüchtiger Mann von Kriegserfahrenheit; der Latiner bei außerordentlicher Stärke der erste Soldat: und beide kannten sich sehr genau, weil sie immer als anführende Hauptleute in gleichem Range gestanden hatten. Der Römer hatte sich, bei seinem Mistrauen auf sich selbst, schon zu Rom von den Consuln die Erlaubniß ausgewirkt; sich nach Belieben einen Unterhauptmann aufzusuchen, der ihn gegen den Einen ihm bestimmten Feind schützen könnte; und wirklich trug der jüngere Mann, der in der Schlacht gegen den Latinischen Hauptmann auftrat, den Sieg davon. Die Schlacht selbst fiel nahe am Fuße des Berges Vesuvius vor, auf der Seite, wo der Weg nach Veseris führte.

9. Ehe die Römischen Consuln in Linie ausrückten, 170 ließen sie Opferthiere schlachten. Da soll der Opferschauer dem Decius bemerklich gemacht haben, daß auf derjenigen Seite der Leber, welcher die Römer anging, der in der Opfersprache mit dem Namen Haupt belegte Lappen wie abgehauen fehle, übrigens nähmen die Götter das Opfer gnädig an, und Manlius habe sehr erwünscht geopfert. «So steht Alles gut, sprach Decius, wenn nur mein Amtsgenoß glücklich geopfert hat. »,

In der oben beschriebenen Stellung traten sie in Linien auf. Manlius führte den rechten, Decius den linken Flügel. Im Anfange des Gefechts waren auf beiden Seiten gleiche Kräfte, gleiches Feuer des Muths: dann aber zog sich auf dem Römischen linken Flügel das erste Treffen, das den eindringenden Latinern nicht widerstehen konnte, auf das zweite zurück. In dieser Verlegenheit rief der Consul Decius dem Marcus Valerius mit lauter Stimme zu: «Valerius, hier müssen die Götter helfen. Auf! sage du mir als Statsoberpriester des Römischen Volks die Gebetsformel vor, nach welcher ich mich für die Legionen darbringen muß.» Der Oberpriester hieß ihn einen verbrämten Friedensrock anlegen, und mit verhülltem Haupte, die Hand unter dem Rocke neben dem Kinne hervorgestreckt, mit beiden Füßen über einem Pfeile stehend, also sprechen:

«Janus, Jupiter, Vater Mars, Quirinus, Bellona, «ihr Hausgötter, ihr neu aufgenommenen Götter, ihr altheimischen Götter, ihr Götter, in deren Macht wir und die Feinde stehen, und ihr Götter der Todten, zu euch bete, flehe ich, erbitte mir die Gnade und versichere mich ihrer, daß ihr dem Römischen Volke der Quiriten Übermacht und Sieg angedeihen, und über die Feinde des Römischen Volks der Quiriten Schrecken, Entsetzen und Tod kommen lassen wollet. So wie ich euch dies hiemit ausdrücklich verheißen haben will, so weihe ich für den Stat der Quiriten, für ihr Heer, für ihre Legionen und für die Hülfsvölker des Römischen Volks der Quiriten, jetzt die Legionen und Hülfsvölker der Feinde samt mir den Göttern der Todten und der Tellus zum Opfer.»

Nach diesem Gebete hieß er seine Lictoren sich zum 171 Titus Manlius begeben, und seinem Amtsgenossen eiligst melden, daß er sich für das Heer dem Tode geweihet habe. Dann schwang er sich, in die Gabinische Umhüllung geschleiert, bewaffnet auf sein Pferd und stürzte sich mitten in die Feinde. Beide Heere blickten auf ihn, als eine über die Menschheit erhabene Gestalt, sahen in ihm den als Sühnopfer alles göttlichen Zorns vom Himmel Herabgesandten, der alles von den Seinigen abgewandte Verderben auf die Feinde hinübertrüge: so sichtbar setzte gleich anfangs jede Art des Schreckens und Entsetzens, mit ihm hereinbrechend, die Glieder der Latiner in Verwirrung und verbreitete sich dann über ihr ganzes Heer. Das Auffallendste war, daß sie allenthalben, wo er zu Pferde vordrang, nicht anders, als vom Ausflusse eines pestbringenden Gestirnes angeweht, verzagten; und wo er, überdeckt mit Pfeilen, niedersank, da nahmen die Cohorten der Latiner mit unverkennbarem Entsetzen die Flucht und ließen weite Strecken leer. Zugleich erhoben sich auch die Römer, der Furcht vor den Mächten des Himmels entledigt, als wäre ihnen jetzt erst das Zeichen gegeben, und fingen die Schlacht von neuem an. Denn theils brachen die Rorarier zwischen den Antepilanen hervor und verstärkten die Hastaten und Principen; theils warteten schon die Triarier, auf das rechte Knie gestützt, auf den Wink des Consuls zum Aufbruche.

10. Als die Latiner im Fortgange der Schlacht auf andern Punkten durch ihre Anzahl die Oberhand hatten, so war der Consul Manlius, der auf die Nachricht vom Schicksale seines Amtsgenossen, einem so denkwürdigen Tode die ihm vor Menschen und Göttern gebührenden Thränen und Lobsprüche geweihet hatte, ein Weilchen in Ungewißheit, ob es schon Zeit sei, die Triarier sich erheben zu lassen: darauf aber ließ er, überzeugt, daß es besser sei, diese bei frischen Kräften bis auf den Augenblick der Entscheidung aufzubewahren, die Überzähligen vom äußersten Ende des Hintertreffens vor die Fahnen rücken. Sobald diese eintraten, riefen die Latiner, gleich als hätten ihre Gegner dasselbe gethan, ihre Triarier auf. 172 Als diese nun ziemlich lange im hartnäckigsten Gefechte theils sich selbst ermüdet, theils die Spitzen ihrer Lanzen gebrochen oder abgestumpft hatten, doch aber durch ihre Überlegenheit und in der Meinung, daß sie schon dem Ende der Schlacht entgegenkämpften und die letzte Römische Linie erreicht hätten., den Feind zum Weichen brachten; da erst redete der Consul die Triarier an. «Nun erhebt euch, ihr Kraftvollen, gegen Ermüdete; und denkt an Vaterland, Ältern, Gattinnen und Kinder, denkt an den Consul, der für euren Sieg den Tod litt!»

Sobald die geschonten Triarier mit noch blitzenden Waffen, als ein neues plötzlich erscheinendes Heer auftraten und die Antepilanen in die Zwischenräume ihrer Streithaufen aufgenommen hatten, setzten sie schon durch ihr erhobenes Geschrei das Vordertreffen der Latiner in Schrecken: sie stachen ihnen mit ihren Spießen nach den Gesichtern, hieben die Kerntruppen der ersten Linien nieder, drangen beinahe ohne Wunden durch die übrigen Ordnungen, als durch Unbewaffnete, und brachen unter einem solchen Gemetzel durch die Keile des Feindes, daß kaum der vierte Theil desselben übrig blieb. Auch die in einiger Ferne am Fuße des Berges aufgestellten Samniten wurden den Latinern furchtbar.

Übrigens gebührte der Ruhm dieser Schlacht vor allen Bürgern und Bundesgenossen vorzüglich den Consuln, von denen der Eine alle von Göttern des Himmels und der Unterwelt zu befürchtenden Drohungen und Gefahren auf sich selbst ableitete; der Andre im Treffen so viel Tapferkeit und Einsicht bewies, daß die Römischen und Latinischen Schriftsteller, welche die Erzählung von dieser Schlacht der Nachwelt überliefert haben, darin übereinkommen, daß diejenige Partei unstreitig habe siegen müssen, die den Titus Manlius zum Anführer hatte.

Die Latiner zogen sich auf ihrer Flucht nach Minturnä. Ihr Lager wurde nach der Schlacht erobert, und in demselben eine große Menge zu Gefangenen gemacht, hauptsächlich Campaner. Die Leiche des Decius noch an dem Tage zu finden, war nicht möglich: die Nacht 173 übereilte die Suchenden. Am folgenden Tage fand man sie im dichtesten Haufen erschlagener Feinde, mit Pfeilen überdeckt; und sein Amtsgenoß machte die Bestattung so feierlich, als es diesem Tode gebührte.

Als Anhang stehe hier die Bemerkung, daß ein Consul, Dictator und Prätor, das Recht habe, wenn er die feindlichen Legionen dem Tode weihen will, nicht gerade sich selbst, sondern jeden, ihm beliebigen, gebornen Römer, der in einer eingezeichneten Legion steht, hierzu zu weihen. Kommt der Geweihete um, so sei dies eben recht: stirbt er nicht, so müsse sein Standbild von sieben Fuß Höhe oder noch größer in die Erde vergraben, und ein Opferthier zur Sühne geschlachtet werden. Die Stelle, wo dies Bild eingegraben ist, dürfe keine Römische Obrigkeit betreten. Will er aber sich selbst weihen, so wie sich Decius weihete, und er stirbt nicht, so kann ein solcher Geweiheter, ohne sich zu versündigen, kein gottesdienstliches Geschäft, weder für sich, noch für den Stat verrichten. Will er dem Vulcan oder einer andern Gottheit seine Waffen weihen, so darf er die Weihe vermittelst eines Schlachtopfers oder andern heiligen Gebrauchs vollziehen. Der Pfeil, auf dem der Consul stehend gebetet hat, muß nicht in feindliche Hände gerathen; bemächtigt sich dessen der Feind, so müssen dem Mars ein Schwein, Schaf und Stier zur Sühne geopfert werden. Sind gleich alle gottesdienstlichen und menschlichen Gebräuche dadurch, daß man Alles, was neu und ausländisch ist, dem alten und heimischen vorzieht, in Vergessenheit gerathen; so habe ich es doch nicht für zweckwidrig gehalten, diesen selbst in den Ausdrücken zu berichten, in denen man ihn uns überliefert und die man ehemals dabei gewählt hat.

11. Bei einigen Schriftstellern finde ich, daß die Samniten, die den Ausgang der Schlacht abgewartet hätten, erst nach geendigtem Treffen den Römern zu Hülfe gekommen sein sollen. Auch habe man von Lavinium aus, wo man die Zeit mit Überlegen hinbrachte, nur dann erst Hülfstruppen für die Latiner abgehen lassen, als sie schon geschlagen waren. Und als die ersten Fahnen und 174 ein Theil des Zuges aus den Thoren gerückt waren, soll ihr Prätor, Namens Milionius, da auf die eingelaufene Nachricht von der Niederlage der Latiner die umgekehrten Reihen in die Stadt zurückkamen, gesagt haben, «den kurzen Weg werde man den Römern theuer bezahlen müssen.»

Als sich die von der Schlacht übrig gebliebenen Latiner nach ihrer Zerstreuung auf mancherlei Wegen, wieder gesammelt hatten, wurde die Stadt Vescia ihr Zufluchtsort. Hier behauptete in ihren Beratschlagungen ihr Oberfeldherr Numisius: «Das Kriegsglück habe, in Wahrheit unparteiisch, beide Heere in gleicher Niederlage zu Boden gestreckt, und die Römer hätten den Sieg bloß dem Namen nach, übrigens sähen sie sich in ihrer Lage eben so als Besiegte an: in beiden Hauptzelten der Consuln herrsche Trauer; im Einen über den gemordeten Sohn; im Andern über den Verlust des aufgeopferten Consuls: im ganzen Heere habe das Schwert gewüthet: das erste und zweite Treffen sei niedergehauen: vor und hinter den Fahnen sei das Gemetzel allgemein gewesen: nur die Triarier hätten zuletzt noch die Sache wieder hergestellt. Habe nun gleich die Macht der Latiner eben so sehr gelitten, so sei ihnen doch zur Ergänzung Latium oder das Volskische näher, als den Römern Rom. Wenn sie es also guthießen, so wolle er in den Latinischen und Volskischen Völkerschaften schleunig die Dienstfähigen aufbieten, mit diesem Heere angriffsweise auf Capua zurückgehen, und die Römer, die jetzt nichts weniger als eine Schlacht erwarteten, durch seine plötzliche Erscheinung überraschen.» Da sie also falsche Berichte schriftlich in Latium und unter den sämtlichen Volskern herumgehen ließen, so zog sich von allen Seiten, weil diejenigen, welche der Schlacht nicht beigewohnt hatten, so viel leichter ohne Untersuchung glaubten, ein zum augenblicklichen Dienste eilig aufgebrachtes Heer zusammen. Diesem Zuge begegnete der Consul Torquatus bei Trifanum: so heißt ein Ort zwischen Sinuessa und Minturnä. Ohne einen Platz zum Lager zu nehmen, warf man auf 175 beiden Seiten das Gepäck auf einen Haufen zusammen, schlug und entschied. Denn der Verlust war auf der Seite der Latiner so groß, daß sie sich dem Consul, der an der Spitze seines siegreichen Heeres zur Plünderung ihres Gebietes heranrückte, sämtlich ergaben, und an diese Übergabe auch die Campaner sich anschlossen. Latium und Capua büßten mit Verlust an ihrem Gebiete. Die Latinische Länderei, zu welcher man die Privernatische schlug, und das Falernische, welches dem Campanischen Volke gehört hatte, bis an den Fluß Vulturnus, wurden unter den Römischen Bürgerstand vertheilt. Im Latinischen bekam jeder zwei Morgen, und auf das Ganze wurden ihm noch an Privernatischem Dreiviertel zugegeben; im Falernischen gab man drei Morgen, so daß man hier die größere Entfernung durch Zulage eines Viertels vergütete. In diese Strafe waren nicht mitbegriffen, von den Latinern die Laurenter, und von den Campanern die Ritter, weil sie nicht abgefallen waren. Mit den Laurentern mußte das Bündniß auf Befehl erneuert werden, und seitdem wird es jährlich nach dem zehnten Tage des Latinischen Festes erneuert. Die Campanischen Ritter bekamen das Bürgerrecht, und sie hängten zu Rom als bezeugendes Denkmal eine eherne Tafel im Tempel des Castor auf. Dem Campanischen Volke wurde anbefohlen, jedem von ihnen – und ihrer waren tausend sechshundert – jährlich eine Abgabe von vierhundert und fünfzig Denaren zu entrichtenHatten diese Campanischen Denaren den Werth des Römischen später geprägten Silberdenars, der etwa unsern Viergutegroschenstücken gleich ist, so bekam jeder Ritter jährlich 75 Thaler. Also betrug die Abgabe der Campaner für sie jährlich 120,000 Thaler. Doch läßt sich über den Werth des Campanischen Geldes noch weniger mit Gewißheit bestimmen, als über den des Römischen..

12. Als Titus Manlius den Krieg so geführt, und jedem nach Verdienst Lohn oder Strafe zugetheilt hatte, kehrte er nach Rom zurück. Man weiß, daß ihm bei seiner Ankunft nur die Bejahrten entgegengingen, und daß ihn die Jüngeren sowohl damals, wie nachher, Zeit seines Lebens, verabscheueten und verwünschten.

176 Die Antiaten thaten Einfälle in das Gebiet von Ostia, Ardea und das Solonische Gefilde. Weil der Consul Manlius die Führung dieses Krieges seines Befindens wegen nicht selbst übernehmen konnte, so ernannte er den Lucius Papirius Crassus, der damals gerade Prätor war, zum Dictator, und von diesem wurde Lucius Papirius Cursor zum Magister Equitum ernannt. Die Verrichtungen des Dictators gegen die Antiaten blieben ohne Denkwürdigkeit, ob er gleich mehrere Monate im Gebiete von Antium sein Standlager hatte.

Auf dies durch Besiegung so vieler und so mächtiger Völker, ferner durch den ruhmvollen Tod des einen Consuls und durch die zwar harte, aber unvergeßliche Mannszucht des Andern ausgezeichnete Jahr, folgten Tiberius Ämilius Mamercinus und Quintus Publilius Philo, ein Par Consuln, denen theils ein so reichhaltiger Stoff zu Thaten sich nicht bot, theils ihre eignen Angelegenheiten und ihre Partei im State mehr am Herzen lagen, als das Beste des Vaterlandes. In den Fenectanischen Gefilden besiegten sie die aus Verdruß über ihren Länderverlust sich empörenden Latiner und nahmen ihnen ihr Lager. Während hier Publilius, der am Tage der Schlacht die Anführung und Götterleitung gehabt hatte, damit beschäftigt war, die Übergabe dieser Latinischen Völkerschaften anzunehmen, welche hier ihre Truppen verloren hatten, führte Ämilius sein Heer vor Pedum. Die Pedaner hatten Unterstützung von Tibur, Präneste, Veliträ: auch waren Hülfsvölker von Lanuvium und Antium gekommen. Als nun die Römer auch hier in den Gefechten siegten, allein gegen die Stadt Pedum selbst und gegen das an die Stadt stoßende Lager der mit ihr verbündeten Völker noch die volle Arbeit vor sich hatten, fiel es dem Consul ein, den unbeendigten Krieg liegen zu lassen, weil er gehört hatte, daß seinem Amtsgenossen der Triumph bewilligt sei, und nach Rom zurückzukehren, um auch für sich, noch vor dem Siege, den Triumph zu erpochen. Da diese Zudringlichkeit die Väter beleidigte, und sie ihm den Triumph nicht anders, als nach der Erstürmung oder Übergabe von 177 Pedum bewilligen wollten; so setzte Ämilius, von nun an Gegner des Senats, sein Consulat auf den Fuß unruhiger Tribunate. Theils hörte er, so lange er Consul war, nicht auf, die Väter bei dem Volke zu beschuldigen: sein Amtsgenoß aber, welcher ebenfalls vom Bürgerstande war, setzte sich im mindesten nicht dagegen; und den Stoff zu diesen Beschuldigungen bot die den Bürgern gar zu kärglich ausgetheilte Latinische und Falernische Länderei: theils entsah er sich nicht, als die Väter bei dem sich erneurenden Kriege der Latiner, um dem Oberbefehle dieser Consuln ein Ende zu machen, die Ernennung eines Dictators verordneten, und ihm gerade an diesem Tage mit den Ruthenbündeln die ausübende Gewalt gehörte, seinen Amtsgenossen zum Dictator zu ernennen, welcher den Junius Brutus zum Magister Equitum ernannte. Die Freundschaft dieser Dictatur für das Volk äußerte sich theils durch Vorträge, voll Beschuldigungen gegen die Väter, theils dadurch, daß sie drei Vorschläge gültig machte, die dem Bürgerstande höchst vortheilhaft, dem Adel nachtheilig waren; den ersten: die Beschlüsse des Bürgerstandes sollten für alle Quiriten verbindlich sein; den zweiten: die Väter sollten schon vor der Stimmensammlung alle Verordnungen genehmigen, welche auf den nach Centurien gehaltenen Volkstagen gegeben werden möchten; den dritten: da man schon so viel für sich habe, daß man zu Consuln zwei Bürgerliche nehmen dürfe, so solle nun auch der eine von den beiden Censorn aus dem Bürgerstande gewählt werden müssen. Nach der Meinung der Väter wurde von dem Nachtheile, der in diesem Jahre durch die Consuln und den Dictator für das Innere erwuchs, die durch ihre Siege und kriegerischen Thaten bewirkte Erweiterung der Oberherrschaft nach außen hin, überwogen;

13. Im folgenden Jahre, unter den Consuln Lucius Furius Camillus, Cajus Mänius, gab der Senat, um dem Consul des vorigen Jahres, Ämilius, den Vorwurf über den aufgegebenen Krieg bei Pedum so viel fühlbarer zu machen, mit lautem Unwillen die Erklärung, man müsse Waffen und Mann und jede Kraft aufbieten, Pedum zu 178 erobern und zu zerstören; und die neuen Consuln, denen dies zum wichtigsten Geschäfte gemacht wurde, gingen dahin ab.

Latium war jetzt in einer solchen Lage, daß es sich auf Krieg und Frieden gleich ungern einließ. Zum Kriege fehlte es den Latinern an Kraft, und gegen den Frieden empörte sich der Schmerz über ihre Ländereinbuße. Sie glaubten, einen Mittelweg gehen zu müssen: sie wollten sich in ihre Städte zurückziehen, damit die Römer, wenn sie ungereizt blieben, auch keinen Anlaß zum Kriege hätten; allein auf den ersten Ruf von der Belagerung einer Stadt, sollte man aus allen Völkerschaften von allen Seiten den Belagerten zu Hülfe eilen. Dennoch erhielten die Pedaner nur von sehr wenig Völkern Beistand. Die von Tibur und Präneste bewog die Nähe ihrer Lage, sich bei Pedum einzufinden. Die von Aricia hingegen, von Lanuvium und Veliträ schlug der Consul Mänius in einem Überfalle am Flusse Astura, als sie eben zu den Volskern von Antium stoßen wollten. Bei Pedum lieferte Camillus den Tiburtinern, dem stärksten feindlichen Heere, eine Schlacht, die weit mehr Anstrengung forderte, ob sie gleich im Ausgange eben so glücklich war. Ein plötzlicher Ausfall der Belagerten während der Schlacht machte das Gefecht so viel lebhafter: Camillus aber, der einen Theil seines Heers gegen sie sich umwenden ließ, trieb sie nicht allein in die Mauern zurück, sondern erstieg noch an eben dem Tage, an welchem er sie und ihre Hülfsvölker besiegt hatte, die Stadt mit Sturmleitern. Nun beschlossen die Consuln, das siegreiche Heer nach Eroberung dieser ersten Stadt mit erweiterter Kraft und Aussicht zur Unterjochung Latiums von einem Orte zum andern zu führen, und sie ruheten nicht eher, als bis eine Stadt nach der andern durch Sturm oder Übergabe gefallen und ganz Latium bezwungen war. Sie belegten die eroberten Städte mit Besatzungen und zogen nach Rom zurück, zu einem Triumphe, den ihnen Alle einmüthig bestimmt hatten. Außer dem Triumphe erhielten sie noch die Ehre, daß ihnen Standbilder zu Pferde – eine Seltenheit 179 für jenes Zeitalter – auf dem Markte errichtet wurden.

Ehe sie durch einen Wahltag die Consuln für das folgende Jahr bestimmen ließen, machte Camillus im Senate die Latinischen Völkerschaften zum Gegenstande seines Vortrages und erklärte sich folgendermaßen: «Versammelte Väter, Was durch Krieg und Waffen in Latium bewirkt werden sollte, ist jetzt durch die Gnade der Götter und die Tapferkeit der Soldaten erreicht. Bei Pedum und an der Astura sind die Heere der Feinde niedergehauen; die sämtlichen Latinischen Städte, und die Volskische, Antium, durch Sturm oder Übergabe gewonnen, sind mit euren Besatzungen belegt. Jetzt bleibt uns nur noch zu überlegen, weil sie uns so oft durch ihre Empörungen beunruhigen, wie wir sie durch einen daurenden Frieden in Ruhe erhalten mögen. Die unsterblichen Götter haben diese Verfügung so ganz euch anheim gestellt, daß sie das fernere Sein oder Nichtsein Latiums in eure Hände gegeben haben. Was also die Latiner betrifft, so könnt ihr euch, sei es nun durch Härte, oder durch Verzeihen, einen Frieden auf ewig bereiten; Wollt ihr gegen eure Übergebenen, gegen eure Besiegten, grausam verfahren? Es steht euch frei, ganz Latium zu vertilgen, und Gegenden zu weiten Einöden zu machen, aus denen euch mehrmals ein auserlesenes Heer von Verbündeten in vielen und schweren Kriegen zu Gebote stand. Wollt ihr lieber nach dem Beispiele der Vorfahren den Römischen Stat dadurch vergrößern, daß ihr die Besiegten in die Rechte der Bürger aufnehmt? Die Gelegenheit, auf die rühmlichste Art groß zu werden, bietet sich euch jetzt. Wenigstens ist die Herrschaft bei weitem die festeste, welcher die Gehorchenden sich freuen. Allein was ihr über sie zu beschließen geruhet, erfordert Eile. Ihr habt hier der Völker so viele, die alle zwischen Furcht und Hoffnung schweben. Folglich ist es eben so nöthig, daß eure Plane mit ihnen je eher je lieber ausgeführt werden, als daß man ihren Entschlüssen, so lange sie noch in betäubender Erwartung sind, entweder durch Bestrafung oder durch Wohlthat zuvorkomme. Uns lag es ob, euch 180 auf alle Fälle zu Herren eures Entschlusses zu machen: nun liegt es an euch, zu entscheiden, was für euch und den Stat das Beste sei.»

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