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Römische Geschichte

Livius: Römische Geschichte - Kapitel 37
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Geschichte Bd. I
authorTitus Livius
translatorKonrad Heusinger
firstpub1821
year1821
publisherFriedrich Vieweg Verlag
addressBraunschweig
titleRömische Geschichte
created20060416
sendergerd.bouillon
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81 Siebentes Buch.

1. Dies Jahr wird durch das Consulat eines Emporkömmlings merkwürdig bleiben, merkwürdig durch zwei neue Ämter, die Prätur und Curulädilität. Diese Ehrenstellen verschafften sich die Patricier für das eine dem Bürgerstande eingeräumte Consulat. Dies Consulat gaben die Bürger dem Lucius Sextius, dessen Vorschläge sie es zu danken hatten; die Prätur verschaffte der Einfall der Väter auf dem Wahlfelde dem Spurius Furius Camillus, des Marcus Sohne; die Ädilität dem Cneus Quinctius Capitolinus und Publius Cornelius Scipio, lauter Männern ihres Standes. Dem Lucius Sextius wurde zum Amtsgenossen aus den Vätern Lucius Ämilius Mamercinus gegeben.

Im Anfange des Jahrs kam es theils wegen der Gallier, welche sich nach ihrer ersten Zerstreuung in Apulien, wie das Gerücht sagte, wieder sammelten, theils über den Abfall der Herniker mehrmals zu Anträgen. Da man aber absichtlich alles aufschob, um dem bürgerlichen Consul keinen Stoff zu Thaten zu geben, so herrschte in den Geschäften eine allgemeine Stille und einem Gerichtsstillstande ähnliche Ruhe; dies einzige ausgenommen, daß die Tribunen es nicht ungerügt ließen, daß sich der Adel zum Ersatze der Einen bürgerlichen Consulstelle drei Ämter für seine Patricier angemaßt habe, welche in der Purpurverbrämung gleich Consuln auf Thronsesseln dasaßen; ja daß auch ein Prätor, noch dazu mit der Gerichtspflege beauftragt, den Consuln als Amtsgenoß zugegeben, und gleich ihnen durch Befragung der Vögel geweihet werde; – und dadurch dem Senate die Bescheidenheit aufnöthigten, die Wahl der Curulädilen aus den Vätern nicht zu fordern. Zuerst verglich man sich dahin, sie ein Jahr um das andre 82 aus dem Bürgerstande zu wählen: nachher hatten beide Theile ohne Unterschied gleichen Zutritt.

Unter dem folgenden Consulate des Lucius Genucius und Quintus Servilius, in welchem weder Aufruhr noch Krieg die Ruhe störte, brach nun, damit es nie an Besorgniß und Gefahr fehlen möchte, eine heftige Pest aus. Ein Censor, ein Curulädil, drei Bürgertribunen sollen gestorben, und nach Verhältniß auch unter dem übrigen Volke viele Leichen gewesen sein. Und vorzüglich denkwürdig machte diese Pest der, wenn auch nicht zu frühe, dennoch kränkende Verlust des Marcus Furius. Denn wirklich war der Mann in jeder Lage einzig; schon ehe er in die Verbannung ging, im Frieden und Kriege der Erste; glänzender noch durch diese Verweisung, sei es, weil der Stat ihn vermißte, der, selbst in Feindes Hand, den Abwesenden um Rettung anflehete, oder weil ihm das Glück beschieden war, bei seiner Wiederaufstellung in der Vaterstadt mit sich selbst zugleich die Vaterstadt wieder herzustellen. Und in den folgenden fünf und zwanzig Jahren; denn so lange lebte er nachher noch; behauptete er sich in der Auszeichnung, die ein so hoher Ruhm ihm gab, und galt für den Mann, der es verdiente, nächst dem Romulus als Stifter Roms gepriesen zu werden.

2. In diesem und im folgenden Jahre, unter den Consuln Cajus Sulpicius Peticus und Cajus Licinius Stolo dauerte die Pest. Darum wurde nichts Denkwürdiges unternommen, außer daß man, um die Gnade der Götter zu erflehen, jetzt zum drittenmale nach Roms Erbauung, ein GöttermahlV. 13. im Jahre Roms 356. hat uns Livius das erste Lectisternium beschrieben. Wann das zweite gehalten sei, finden wir bei ihm, wie, wir ihn jetzt haben, nicht angegeben. Vielleicht war es ihm auch zu unwichtig. anstellte. Und da weder menschliche Mittel, noch göttliche Hülfe die Gewalt der Krankheit milderten, so sollen, wie es heißt, bei der abergläubischen Stimmung der Leute, unter andern Sühnmitteln des göttlichen Zorns auch die Spiele der Bühne aufgekommen sein, für ein kriegerisches Volk, dem bisher nur Spiele der Rennbahn eine Augenweide gewährt hatten, etwas ganz Neues. 83 Aber auch diese waren zuerst, wie fast aller Anfang, nur klein und noch dazu ausländisch. Ohne allen Gesang, ohne alle Darstellung des Gesungenen durch Gebehrdenspiel, machten die aus Hetrurien geholten Spieler, in Tuskischen von einer Flöte begleiteten Tänzen ganz artige Bewegungen. Die Jünglinge ahmten ihnen nach, zugleich ließen sie sich unter einander in scherzhaften frei gearbeiteten Versen hören, und die Gebehrdung war dem Vortrage nicht unangemessen. Die Sache fand Beifall und hob sich durch die öftere Ausführung. Weil ein Spieler auf Tuskisch Hister hieß, so gab man auch den heimischen Künstlern den Namen Histrio; welche nun nicht mehr, wie sonst, ungefeilte und holperichte Verse, den FescenninenVon der Hetruskischen Stadt Fescennium oder Fescennia (orum) hatten die Fescenninischen Verse ihren Namen, die am häufigsten bei Hochzeiten und Erntefesten gesungen wurden, ihrem Silbenmaße nach ebenso unrein, als gewöhnlich ihrem Inhalte nach. ähnlich, als Wechselgespräch hinwarfen, sondern ein im Silbenmaße vollendetes Allerlei, als ein von der Flöte geleitetes Singstück, mit angemessenem Gebehrdenspiele aufführten. MehrereAliquot darf hier nicht einige übersetzt werden, sondern mehrere; so wie auch aliquantum und aliquanto oft beträchtlich bedeutet. Denn dieser Grieche, Livius Andronicus, ein Freigelassener des Marcus Livius Salinator, gab seine Stücke um das Jahr Roms 512, im zweiten Punischen Kriegt; also 120 Jahre später. S. Ern. Glossar, Liv. in aliquanto und aliquantam, und Cic. de off. I. 1. 2. Jahre nachher soll Livius, der es zuerst wagte, statt des Allerlei ein Schauspiel mit einer Haupthandlung anzulegen, als ihm bei den geforderten öfteren Wiederholungen eine Heiserkeit zustieß; – er war nämlich, wie damals Alle, zugleich Verfasser und Geber seiner Stücke – nach erbetener Erlaubniß einen Knaben zum Singen vor den Flötenspieler gestellt und den Gesang der Einen Person mit so viel lebhafterer Bewegung begleitet haben, weil ihm nun der Aufwand seiner Stimme nicht mehr hinderlich war. Seitdem ließ man zu dem Gebehrdenspiele der Histrionen einen andern singen, und nur der Wechselgesang blieb ihrer eignen Stimme vorbehalten. Als sich die Form der Bühnenstücke durch diesen regelmäßigen Gang immer mehr vom bloßen Lachen und 84 ausgelassenen Scherze entfernte, und ihr Spiel allmälig zu einer Kunst gediehen war, so überließen die jungen Römer die Aufführung der Bühnenstücke den wirklichen Schauspielern, und machten sichs zum eigenen Geschäfte, allerlei Stoff zum Lachen in Versen vorzutragen, welche man nachher, unter der späteren Benennung der Nebenspiele, hauptsächlich mit den Atellanischen PossenspielenDiese Posse – Witz und Satire war ihr Hauptinhalt – von der Kürze eines Zwischenspiels oder Nachspiels, hatte ihren Namen von der Campanischen oder Oskischen Stadt Atella, (denn die Osker waren ein Campanisches Volk) zwischen Capua und Neapolis. Man vergleiche Suetonius Galba 13. und Domitian 10. in Verbindung setzte. An diese den Oskern abgelernten Spiele hielt sich die Jugend und ließ sie nicht von den Histrionen entweihen. Daher wurde es zur bleibenden Sitte, daß die Geber Atellanischer Stücke darum nicht aus ihrem Bezirke gestoßen werden und Kriegsdienste thun dürfen, als wären sie mit der Schauspielerkunst außer aller Verbindung

Unter den Nachrichten über den kleinen Anfang so mancher andern Einrichtung glaubte ich auch dem ersten Ursprunge der Schauspiele einen Platz geben zu müssen, um es bemerklich zu machen, von was für einem gesunden Anfange sie zu diesem Unsinne übergingen, für welchen selbst die Reichthümer mächtiger Reiche kaum hinlänglich sind.

3. Und doch befreiten diese Spiele, die ihrem Ursprunge nach der Abwendung des göttlichen Zorns gewidmet waren, weder die Herzen von ihrer Götterfurcht, noch die Körper von der Krankheit. Ja als die ausgetretene Tiber, weil sie die Rennbahn überschwemmte, die Spiele mitten in der Handlung unterbrach, so jagte ihnen dies besonders großen Schrecken ein; als hätten die abgewandten Götter selbst die Sühnmittel ihres Zorns zurückgewiesenMan hüte sich, in dem Worte aspernor, das nicht von spernere, sondern von asper herzuleiten ist, ein Verachten zu finden; es bedeutet vielmehr ein Abweisen aus Zorn, oder Härte. S. meines Vaters Anmerkung zu Cic. de off. III. 8. 2.. Da also unter dem Consulate des Cneus Genucius und Lucius Ämilius Mamercinus, der es zum zweitenmale verwaltete, die Auffindung der Sühnmittel mehr die 85 Gemüther, als die Krankheit die Körper quälte, so soll man auf ein altes Mittel zurückgekommen sein, weil sich die Bejahrteren erinnerten, daß vormals durch einen vom Dictator eingeschlagenen Nagel die Pest gedämpft sei. In dieser frommen Rücksicht beschloß der Senat, einen Dictator zur Einschlagung des Nagels zu ernennen. Der dazu ernannte Lucius Manlius Imperiosus nahm den Lucius Pinarius zum Magister Equitum. Ein uraltes Gesetz, in alter Schrift und Sprache abgefaßt, verordnet, daß der jedesmalige oberste Vorsteher am dreizehnten September den Nagel einschlagen soll. Es hat am Tempel des allmächtigen Jupiter zur rechten Seite gehangen, wo Minerva ihre Capelle hat. Nach diesen Nägeln soll man in jenen Zeiten, in denen die Buchstabenschrift eine Seltenheit war, die Jahre gezählt, und das Gesetz selbst der Capelle der Minerva gewidmet haben, weil die Zahl eine Erfindung der Minerva sein soll. Daß auch zu Volsinii, im Tempel der Nortia, einer Hetruskischen Göttinn, solche Nägel zu sehen gewesen sind, die man als Zeichen der Jahrszahl eingeschlagen habe, versichert und CinciusLucius Cincius Alimentus (Hannibals Gefangener nach Liv. XXI. 38.) vielleicht nach Liv. XXVI. 23. Prätor, schrieb (nach Dionys. Halicarn. I. 75.) die Römische Geschichte vom Ursprunge Roms an., ein auf dergleichen Denkmale sehr aufmerksamer Schriftsteller. Vermöge des Gesetzes vollzog der Consul Marcus Horatius die feierliche Einschlagung des Nagels am TempelIch folge, wie Crevier, der Vermuthung Gronovs, welcher statt templum lieber templo lieset. Ob es hier ea lege oder ex lege heißen müsse, verschlägt dem Zusammenhange wenig. des allmächtigen Jupiter in dem Jahre nach Vertreibung der Könige: von den Consuln ging die Feierlichkeit nachher zu den Dictatoren über, weil ihr Amt eine höhere Gewalt hatte. Als man nachher den Gebrauch unterließ, fand man die Sache an sich wichtig genug, einen Dictator bloß dazu zu ernennen. Und bloß hierzu ernannt quälte dennoch Lucius Manlius, um sich die Führung des Krieges mit den Hernikern zuzueignen, als hätte man ihn zu Unternehmungen an die Spitze des Stats gestellt, und nicht 86 vielmehr dazu gewählt, den Stat einer heiligen Obliegenheit zu entledigen, die Jugend durch eine mit Strenge betriebene Werbung; bis er endlich, weil alle, Bürgertribunen gegen ihn aufstanden, von ihnen dazu gezwungen, oder aus Scheu, gezwungen zu werden, seine Dictatur niederlegte.

4. Dessenungeachtet forderte im Anfange des folgenden Jahres, in welchem Quintus Servilius Ahala und Lucius Genucius Consuln waren, der Bürgertribun Marcus Pomponius den Manlius vor Gericht. Seine Härte bei der Werbung hatte ihn verhaßt gemacht, welche die Bürger nicht bloß durch Auspfändungen, sondern auch durch Zerfleischung ihrer Körper empfunden hatten, indem er diejenigen, die bei dem Aufrufe ihrer Namen nicht antworteten, theils mit Ruthen hauen, theils gefangen legen ließ: und vorzüglich haßte man den ihm eigenen Starrsinn, und den einem freien State unausstehlichen Beinamen Imperiosus (der Gebieterische), den ihm die unverhehlte Äußerung einer Härte zuzog, welche er an Fremden nicht strenger, als gegen nahe Verwandte, ja selbst an seinem eigenen Blute ausübte. Darum machte ihm auch der Tribun unter andern Beschuldigungen einen Vorwurf daraus, «daß er seinen Sohn, einen Jüngling, den er keines Verbrechens zeihen könne, als einen aus der Stadt, aus dem Hause Verbannten, von den Penaten, vom Markte, vom Tageslichte, vom Umgange mit Seinesgleichen Geschiedenen, zu sklavischer Handarbeit, als in einen Kerker, in einen Sklavenzwinger, hingegeben habe, in welchem dieser Jüngling vom höchsten Range, eines Dictators Sohn, unter täglichem Elende sich überzeugen müsse, daß er in der That einen gebieterischen Vater habe. Und welches Verbrechens wegen? Weil ihm die fließende Rede, die fertige Zunge fehle. Ob er als Vater, wenn er nur einige Menschlichkeit besäße, diesen Naturfehler schonend habe mildern, oder durch Strafe und Mishandlung so viel auffallender machen müssen? Selbst die unvernünftigen Thiere hegten und pflegten dasjenige von ihren Jungen, was etwa nicht vollkommen gerathen sei, darum nicht weniger. Aber bei Gott! Lucius Manlius vergrößere das 87 Übel seines Sohns durch schlimme Behandlung, halte den schwerfälligen Geist sogar nieder und ersticke den Funken natürlicher Lebhaftigkeit, der etwa noch in ihm sei, dadurch, daß er ihn als einen Dorfbuben in bäurischem Aufzuge unter dem Viehe leben lasse.»

5. Alle andern wurden durch diese Beschuldigungen erbittert, nur der Jüngling nicht: im Gegentheile voll Verdruß darüber, daß auch er zum Vorwande dienen müsse, Haß und Verläumdung gegen seinen Vater zu wecken, faßte er, um alle Welt es erfahren zu lassen, daß er es mit seinem Vater, nicht mit dessen Feinden halte, einen Entschluß, wie ein roher und bäurischer Muth ihn eingiebt, der aber, so wenig er für das bürgerliche Leben ein Muster sein kann, in Rücksicht der kindlichen Liebe Lob verdiente.

Ohne daß jemand darum wußte, ging er, mit einem Dolche unter dem Kleide, in aller Frühe zur Stadt und vom Thore geradezu vor das Haus des Tribuns Marcus Pomponius. Dem Thürsteher sagte er, «er müsse unverzüglich seinen Herrn sprechen; er möge nur den Titus Manlius, den Sohn des Lucius, melden.» Da er sogleich vorgelassen wurde, (denn es ließ sich erwarten, daß er auf seinen Vater ergrimmt entweder eine neue Beschuldigung oder einen der Sache förderlichen Wink mitzutheilen habe) sagte er nach gegenseitiger Begrüßung, «er habe etwas mit ihm ohne Zeugen zu besprechen.» Kaum hatte sich auf Befehl jedermann entfernt, so zog er den Dolch, und indem er über das Bett herragend das Mordgewehr auf den Tribun hielt, drohte er, ihn auf der Stelle zu durchbohren, wenn er ihm nicht den vorgesagten Eid nachschwüre, «daß er in der Klage gegen seinen Vater nie wieder eine Volksversammlung halten wolle.»

Der Tribun in Angst – denn er sah den Stahl vor seinen Augen blitzen, sich selbst allein und wehrlos; sich gegenüber einen handfesten und; was noch schlimmer war, auf seine Stärke tollkühnen Jüngling – schwur den verlangten Eid von Wort zu Worte, und trug kein Bedenken, öffentlich zu gestehen, diese Gewaltthat habe ihn genöthigt, 88 die Sache liegen zu lassen. Und danach zu rechnen, daß das Volk es allerdings lieber gesehen hätte, wenn es gegen einen so grausamen und übermüthigen Beklagten sein Stimmrecht hätte ausüben können, nahm es doch dem Sohne die für seinen Vater gewagte That so übel nicht; ja man fand sie darum noch so viel lobenswerther, weil selbst die große Härte des Vaters sein Herz der kindlichen Liebe nicht untreu gemacht hatte. Folglich erließ man nicht nur dem Vater die Vertheidigung, sondern der Vorfall verhalf auch dem jungen Manne zu einer Ehre: denn da man in diesem Jahre zum erstenmale die Einrichtung traf, die Kriegstribunen für die Legionen durch Stimmengebung zu ernennen: – vorher nämlich stellten die Feldherren selbst auch diese an, so wie noch jetzt die, welche RufuliDiese, nicht vom Volke, sondern vom Feldherrn in der Legion angestellten Obersten, hießen Rufuli und Rutili, weil ein Rutilius Rufus einen ihre Rechte betreffenden Vorschlag gethan hatte. (Festus.) Stroth. Wenn vier Legionen geworben waren, so waren eigentlich vier und zwanzig Soldatentribunen anzustellen. Die gleich nachher genannten sechs Plätze beweisen also, daß der Wahl des Volks nur wenig Stellen überlassen blieben. Crevier. heißen; – so erhielt er von sechs Plätzen den zweiten, ohne daß ihm irgend ein Verdienst im Frieden oder Kriege dies Wohlwollen erworben hätte, da er seine Jugend auf dem Lande und in der Abgeschiedenheit vom menschlichen Umgange zugebracht hatte.

6. In eben dem Jahre soll, entweder durch ein Erdbeben, oder durch sonst eine gewaltsame Wirkung, etwa die Mitte des Marktplatzes in eine weite Kluft zu einer unermeßlichen Tiefe hinabgesunken sein; und dieser Schlund soll sich durch alle hineingeschüttete Erde, die jeder nach Kräften herbeischaffte, nicht haben ausfüllen lassen, bis man auf göttliche Erinnerung die Frage aufwarf, worin eigentlich die Hauptstärke des Römischen Volks bestehe: denn dies mußte nach dem Ausspruche der Propheten diesem Abgrunde geeignet werden, wenn man dem Römischen State seine Dauer sichern wollte. Da heißt es nun, Marcus Curtius, ein im Kriege ausgezeichneter Jüngling, habe diejenigen, welche ihre Ungewißheit hierüber äußerten, 89 verweisend gefragt, ob es für Römer ein höheres Gut gebe, als kriegerische Tapferkeit. Nach gebotener Stille habe er unter Erhebung seiner Blicke zu den am Markte ragenden Tempeln der unsterblichen Götter und zum Capitole; und die Hände im Gebete bald zum Himmel empor, bald in die weite Öffnung der Erde zu den Göttern der Todten hinabstreckend, sich selbst zum Opfer eingeweiht, und auf seinem Pferde, das er so herrlich als möglich aufgeschmückt hatte, in voller Rüstung sich in den Schlund hinabgestürzt; eine Menge Männer und Weiber hätten Geschenke und Früchte über ihn zusammengeworfen, und der Curtische See habe seinen Namen nicht von jenem früheren Curtius, der auch Mettus hieß, dem Krieger des Titus TatiusSiehe Buch I. Cap. 12 und 13., sondern von diesem bekommen. Könnte irgend ein Weg den Forscher hier auf die Wahrheit leiten, so würde ichs an meinem Fleiße nicht fehlen lassen: jetzt aber müssen wir uns da, wo ein zu hohes Alter die sichere Beglaubigung verweigert, an die geschichtliche Sage halten; und wirklich kennen die Meisten den Namen des Sees nur aus dieser späteren Erzählung.

Nach der Sühnung eines so außerordentlichen Schreckzeichens beschloß in diesem Jahre der Senat, der nach einer die Herniker betreffenden Sitzung, vergebens durch abgesandte Bundespriester Genugthuung von ihnen verlangt hatte, daß je eher je lieber bei dem Gesamtvolke darauf anzutragen sei, den Hernikern den Krieg anzukündigen; und das Volk genehmigte diesen Krieg in zahlreicher Versammlung. Ihn zu führen, bestimmte das Los den Consul Lucius Genucius.

Weil die Einholung des Götterwillens in dem zu führenden Kriege zum erstenmale von einem bürgerlichen Consul abhing, so war der Stat in Erwartung; bereit, in der zugestandenen Gemeinschaft der höchsten Ämter, je nachdem der Erfolg sein würde, eine glückliche oder unglückliche Maßregel zu finden. Ein Misgeschick wollte, daß Genucius, der auf seinem Zuge gegen den Feind viel 90 Unternehmungsgeist blicken ließ, in einen Hinterhalt fiel; und da die Legionen im Schrecken des Überfalls flohen, erlegten die Feinde den umringten Consul, ohne zu wissen, wen sie getödtet hatten.

Als diese Nachricht in Rom einlief, riefen die Väter, lange nicht so betrübt über den Verlust des Stats, als sie sich durch die verunglückte Anführung des bürgerlichen Consuls gehoben fühlten, allenthalben laut: «Nun könne man hingehen und Consuln vom Bürgerstande wählen, und die Einholung des Götterwillens auf die übertragen, denen sie nicht ohne Sünde anvertraut werden könne. Die Väter hätten durch den Bürgerbefehl aus den ihnen gebührenden Ämtern verdrängt werden können: ob sich aber auch die unsterblichen Götter an dies ohne ihre Zustimmung gegebene Gesetz gekehrt hätten? Sie selbst hätten ihren göttlichen Willen und die Art, ihn zu erfragen, in Schutz genommen: kaum habe der erste, dem dies nach menschlichen und göttlichen Rechten untersagt war, sich darein vergriffen, so habe die Vertilgung des Heers sammt seinem Führer die warnende Lehre gegeben, inskünftige nicht mit Zerrüttung der Familienrechte Wahlen anzustellen.» Das Rathhaus und der Markt ertönten von solchen Ausrufungen. Und nun ernannte der Consul Servilius den Appius Claudius, der jetzt, weil er das Gesetz widerrathen hatte, mit so viel größerem Gewichte den Erfolg eines von ihm gemisbilligten Entschlusses rügen konnte, nach einmüthigem Erkenntnisse der Patricier zum Dictator; und Werbung und Gerichtsstillstand wurden angesagt.

7. Ehe der Dictator und die neuen Legionen im Gebiete der Herniker ankamen, bot sich dem Unterfeldherrn Cajus Sulpicius die Gelegenheit, seine Soldaten zu einer herrlichen That zu führen. Von ihm als Unterfeldherrn ermuntert, und voll von Zorn und Unwillen, thaten sie auf die Herniker, die nach dem Tode des Consuls auf das Römische Lager mit Verachtung und in der sichern Hoffnung, es zu erstürmen, anrückten, einen Ausfall. Und die Erwartung der Herniker, dem Lagerwalle beizukommen, sah 91 sich im Erfolge so sehr getäuscht, daß sie vielmehr in völlig zerrütteten Gliedern abzogen. Darauf vereinigte sich bei der Ankunft des Dictators das neue Heer mit dem alten, und die Stärke der Truppen verdoppelte sich: durch das vor der Versammlung dem Unterfeldherrn und den Soldaten, die das Lager so tapfer vertheidigt hatten, ertheilte Lob, erhöhete der Dictator den Hörern ihres verdienten Lobes den Muth, und spornte die übrigen, jenen Verdiensten nachzueifern. Eben so thätig setzten sich die Feinde zum Kampfe in Bereitschaft: ohne ihres vorhin erfochtenen Ruhms zu vergessen; und, von der Verstärkung der feindlichen Streitkräfte unterrichtet, verstärkten auch sie die ihrigen. Alles, was Herniker hieß, jeder dem Alter nach Dienstfähige, wurde aufgerufen. Acht Cohorten., jede von vierhundert auserlesenen Kraftmännern, wurden ausgehoben. Und dieser Blüte von Kerntruppen flößten sie auch dadurch Hoffnung und Muth ein, daß sie ihnen den Empfang eines doppelten Soldes zusicherten. Auch waren sie frei von andern Soldatendiensten, um es sich bewußt zu sein, daß sie, für die einzige Arbeit der Schlacht ausgehoben, mehr, als jeder andre Mann, zu leisten hätten. Ferner hatten sie in der Linie ihren abgesonderten Stand, um ihre Tapferkeit so viel bemerkbarer zu machen. Eine Ebene von zweitausend Schritten schied das Römische Lager von dem der Herniker: in beinahe gleicher Entfernung von beiden schlug man sich, auf diesem Zwischenraume.

Anfangs stand die Schlacht ohne Entscheidung, weil die Römischen Ritter mehreremal vergeblich versucht hatten, durch ihren Angriff die feindliche Linie in Unordnung zu bringen. Da nun die Reuterei durch das wirkliche Gefecht noch weniger bewirkte, als durch ihren Andrang, so flogen die Ritter, die nach der vom Dictator auf ihre Anfrage erhaltenen Erlaubniß ihre Pferde abgaben, mit großem Geschreie vor die Linien und begannen den Kampf von neuem: und nichts würde sie haben aufhalten können, hätten sich nicht die außerordentlichen Cohorten mit einem ihrer Körperkraft entsprechenden Muthe ihnen entgegen geworfen.

92 8. Nun fochten an der Spitze beider Völker ihre Edlen. Was auf dieser oder jener Seite dem gemeinsamen Lose der Schlacht erlag, gab einen vielfachen, nicht nach der Anzahl zu schätzenden Verlust: die übrigen Haufen der Bewaffneten, gleich als hätten sie die Schlacht den Edlen übertragen, erwarteten ihr Schicksal von fremder Tapferkeit. Auf beiden Seiten blieben viele; noch mehrere wurden verwundet. Endlich brachen die Ritter, – die sich Einer den Andern verweisend fragten: «Was nun noch übrig sei, da sie weder als Reuterei den Feind geworfen hätten, noch jetzt als Fußvolk den mindesten Ausschlag gäben? Welche dritte Art zu fechten sie noch erwarten könnten? Zu welchem Zwecke sie so kühn an die Spitze der Linie geflogen wären, und als Stellvertreter Anderer föchtenIch weiß, daß ein dicebant oder ein ähnliches Wort zuweilen bei Eröffnung solcher Reden fehlt. Hier ist es aber nicht nöthig, es in Gedanken zu suppliren, wenn man nur mit His inter se vocibus etc. kein neues Punctum anfängt, sondern nach Livius Art das Ganze fortlaufen lässet: Tandem equites, alios alium incitantes etc. – – – – clamore renovato, inferunt pedem. Man vergleiche oben V. 25. im Anfange.?» – durch diesen gegenseitigen Zuruf in Schritt gesetzt, mit erneuertem Geschreie in den Feind; brachten ihn zuerst aus der Haltung, dann zum Weichen, und endlich zur völligen Flucht. Auch läßt sich nicht leicht bestimmen, welchem Umstande der Sieg über so gleiche Gegenkräfte zuzuschreiben war; wenn nicht etwa das jedem Volke eigne Glück, sich selbst getreu, hier den Muth hob, und dort ihn niederschlug. Die Römer verfolgten die fliehenden Herniker bis an ihr Lager: auf die Bestürmung des Lagers ließen sie sich nicht ein, weil es schon spät am Tage war. Das längere Ausbleiben günstiger Opferzeichen hatte dem Dictator nicht erlaubt, das Zeichen vor Mittag zu geben; darüber hatte sich der Kampf bis in die Nacht verzogen. Am folgenden Tage fand man das Lager durch die Flucht der Herniker preisgegeben und einige Verwundete zurückgelassen; das Heer der Fliehenden wurde von den Einwohnern von Signia, welche die schwach bemannten Fahnen an ihren Mauern vorbeiziehen sahen, geschlagenIch kann mich nicht enthalten, mit Crevier zu lesen: agmenque fugientium ab Signinis, quum praeter moenia eorum infrequentia signa conspecta essent, fusum ac per etc. Er bemerkt sehr richtig, daß die Römische Colonie Signia im Volskischen sehr nahe bei Ferentinum, der Hauptstadt der Herniker, lag. S.  XXXII. 2, 4. Es wäre fast ein Wunder, wenn die Abschreiber hier bei fugientium ab und dem bald folgenden conspecta signa nicht aus dem Worte Signinis ihr signis gemacht hätten, so wie sie XXXII. 2, 4. statt Signiam Signam lasen, und VIII. 3, 9. praeter signa statt praeter Signiam., und verlief sich auf eilfertiger Flucht in die Dörfer. Auch auf Seiten der Römer war der Sieg nicht ohne Blut: man vermißte den vierten Theil der Soldaten, und was kein geringerer Verlust war, mehrere Römische Ritter waren gefallen.

9. Als im folgenden Jahre die Consuln Cajus Sulpicius und Cajus Licinius Calvus ein Heer gegen die Herniker geführt, und weil sie den Feind im Freien nicht fanden, seine Stadt Ferentinum mit Sturm erobert hatten, so schlossen ihnen auf ihrem Rückzuge von dort die Tiburtiner ihre Thore. Dies wurde die entscheidende Veranlassung, da man schon vorher von beiden Seiten viele Beschwerden gegen einander geführt hatte, dem Volke von Tibur, nachdem man bei ihm durch Bundespriester Genugthuung gefordert hatte, den Krieg anzukündigen. Daß Titus Quinctius Pennus in diesem Jahre Dictator und Servius Cornelius Maluginensis sein Magister Equitum gewesen sei, ist außer Zweifel. Nur soll jener, wie Licinius Macer berichtet, des zu haltenden Wahltags wegen und zwar vom Consul Licinius ernannt sein, um der bösen Absicht seines Amtsgenossen zu begegnen, der sich beeilet habe, die Wahl noch vor dem Kriege zu veranstalten, um sein Consulat fortzusetzen. Durch das Lob, welches Licinius hiedurch auf seine eigne Familie fallen lässet, verliert seine Aussage an Glaubwürdigkeit; und da ich Jenes Umstandes in älteren Jahrbüchern gar nicht gedacht finde, so bin ich geneigter zu glauben, man habe einen Dictator des Gallischen Krieges wegen ernannt. Wenigstens hatten in diesem Jahre Gallier ein Lager am dritten Meilensteine auf dem Salarischen WegeDie via salaria ging vom Collinischen Thore in das Sabinerland, und könnte der Salzweg übersetzt werden, weil die Sabiner auf dieser Heerstraße das Salz vom Meere holten. Crevier., jenseit der Brücke des Anio.

94 Nachdem der Dictator auf den Schrecken eines Gallischen Krieges einen Gerichtsstillstand verordnet hatte, nahm er alle Dienstfähigen in Eid, rückte mit einem großen Heere aus der Stadt und schlug am diesseitigen Ufer des Anio sein Lager auf. Die Brücke in der Mitte ließen beide Theile unabgebrochen, um nicht einen Schein von Furcht auf sich zu laden. Sie zu besetzen, fielen öftere Gefechte vor; und so lange beide ihre Stärke noch nicht gemessen hatten, ließ sich nicht entscheiden, wer sie behaupten würde. Da trat ein Gallier von ausgezeichneter Körpergröße auf die ledige Brücke, und rief mit der ganzen Kraft seiner Stimme: «Wen Rom jetzt als seinen Tapfersten stellen kann, auf! er trete zum Kampfe vor, damit der Ausgang zwischen uns beiden darthue, welches Volk im Streite des andern Meister sei!»

10. Lange war unter den edlen Jünglingen der Römer alles still, weil sie sich schämten, den Kampf auszuschlagen, und auch nicht Lust hatten, das Los einer so vorzüglichen Gefahr auf sich zu nehmen. Da ging des Lucius Manlius Sohn, jener Titus, der seinen Vater von der Plackerei des Tribuns gerettet hatte, vom Vorposten zum Dictator und sprach: «Ohne dein Geheiß, Feldherr, möchte ich nicht außer dem Gliede fechten; auch dann nicht, wenn ich den Sieg vor Augen säheWenn hier die strenge Wahrheit der Geschichte unsern Livius auf einen Eid zöge, ob der junge Manlius wirklich damals die Worte gesprochen habe, die ihm der Geschichtschreiber in den Mund legt, so würde er diesen Eid wenigstens mit dem Vorbehalte leisten können, daß er den Jüngling in dem Charakter sprechen lasse, den ihm als Manne selbst die Geschichte beilegt. Wie schön läßt uns Livius hier schon in dem Jünglinge den Mann ahnen, der einst seinen Sohn, den Sieger im verbotenen Zweikampfe, B. VIII. Cap. 7. zur Todesstrafe ziehen wird.. Genehmigst Du es aber, so will ich jenem Unthiere, weil es doch so keck den feindlichen Reihen vorantanzt, zeigen, daß ich jenem Stamme entsprossen sei, der einen Schwarm Gallier am Tarpejischen Felsen hinabwarf!» Da sprach der Dictator:

«Bleib diesem Muthe treu, Titus Manlius! so wie deiner kindlichen Liebe gegen Vater und Vaterland! Geh 95 hin und stelle unter dem Segen der Götter das Römische Volk als das Unüberwindliche dar.»

Nun bewaffneten den Jüngling seine Freunde. Er nimmt den Schild eines Fußgängers und läßt sich mit einem, zum Gefechte in der Nähe tauglichen, Spanischen Kurzdegen gürten. So gewaffnet und ausgestattet führen sie ihn dem Gallier entgegen, dem ausgelassenen Pocher, der aus Hohn (die Alten haben nun einmal den Umstand des Aufbehaltens werth gefunden) sogar die Zunge ausstreckte. Sie ziehen sich auf ihren Posten zurück; und die beiden Gerüsteten werden in der Mitte mehr nach Sitte eines Schaukampfes, als dem Gebote des Kriegs gemäß, allein gelassen; dem Ansehen und ihrem Äußern nach zu urtheilen, keinesweges einander gleich. Dort – ein Körper von Riesengröße, umschimmert von vielfarbiger Kleidung und bunten mit Gold ausgelegten Waffen. Hier – die mittlere Höhe eines Kriegers; in seinen mehr führbaren, als schönen Waffen, nur mäßiger Prunk: kein Gesang, kein Getobe, kein nichtiges Waffengetümmel; aber seine Brust, voll Muth und stillen Zorns, sparte jeden Kraftausbruch auf die wirkliche Entscheidung des Kampfes. Als sie zwischen beiden Schlachtreihen dastanden, und die Herzen so vieler Sterblichen umher in Furcht und Hoffnung schwebten, schmetterte der Gallier als ein herüberragender Berg, während er sich mit der Linken den Schild vorhielt, auf die Waffen des anrückenden Feindes sein Schwert in vergeblichem Hiebe mit großem Geprassel herab. Der Römer, mit schräg gerichteter Klinge, stieß ihm mit seinem Schilde unten gegen den Schild, schmiegte sich mit seinem ganzen Körper, vor jeder Wunde schon durch die Nähe gedeckt, zwischen des Feindes Körper und Waffen, bohrte ihm einen und gleich noch einen Stich in die Weichen des Unterleibes und streckte den lang Hinstürzenden zu Boden. Gegen den Körper des Daliegenden erlaubte er sich keine weitere Mishandlung; nur die Halskette nahm er ihm, die er sich selbst, so bespritzt von Blute sie war, um den Hals wand.

Bestürzung und Staunen machte die Gallier starr. Die 96 Römer, die von ihrem Posten ihrem Krieger frohlockend entgegen eilten, begleiteten ihn unter Glückwünschen und Lobeserhebungen zum Dictator. Unter den Scherzen, die der Soldat in kunstlosen versartigen Zeilen singt, hörte man damals auch den Zunamen Torquatus (der Bekettete); welcher nachher, als er in Umlauf gekommen war, noch den Erben des Manlius und seinem Stamme zur Ehre gereichte. Der Dictator fügte das Geschenk eines goldnen Kranzes hinzu, und pries diesen Zweikampf vor der Versammlung mit außerordentlichen Lobsprüchen.

11. Und wirklich war dies Gefecht für den Erfolg des Krieges im Ganzen so entscheidend, daß das Heer der Gallier, welches in der nächsten Nacht sein Lager eiligst verließ, ins Tiburtinische, und gleich, darauf von da, nach einem mit den Tiburtinern geschlossenen Kriegsbündnisse und durch reichliche Zufuhr von ihnen unterstützt, nach Campanien hinüberging. Dies war der Grund, warum im folgenden Jahre der Consul Cajus Pötelius Balbus, da das Los seinem Amtsgenossen, Marcus Fabius Ambustus, den Krieg gegen die Herniker beschieden hatte, nach einem Volksschlusse ein Heer gegen die Tiburtiner ausführte. Als nun zu ihrer Hülfe die Gallier aus Campanien zurückkamen, so übten diese, offenbar von den Tiburtinern geführt, im Gebiete von Lavici, Tusculum und Alba schreckliche Verwüstungen: und da sich der Stat zur Führung des Krieges gegen die Tiburtiner mit einem Consul begnügen konnte; so machte der Schrecken des Gallischen Krieges die Wahl eines Dictators notwendig. Quintus Servilius Ahala, der dazu gewählt wurde, ernannte den Titus Quinctius zum Magister Equitum, und gelobte nach einem Gutachten der Väter, auf den Fall eines glücklichen Erfolgs in diesem Kriege, die Feier großer SpieleEs darf hier nicht heißen: der großen Spiele, denn die eigentlichen großen Spiele (ludi Magni oder Romani) waren jährlich, durften also nicht erst verheißen werden. Vergl. B. IV. Cap. 27. (Crevier.) .

Der Dictator, der das consularische Heer, um die Tiburtiner durch ihren eignen Krieg zurückzuhalten, dort 97 bleiben hieß, nahm alle Dienstfähigen in Eid, und keiner weigerte sich des Dienstes. Es erfolgte eine Schlacht, in welcher Rom seine sämtlichen Kräfte aufbot, nicht weit vom Collinischen Thore, im Angesichte der Ältern, Gattinnen und Kinder: und diese selbst auf Abwesende mächtig wirkenden Ermunterungen des Muths befeuerten den Krieger, jetzt seinen Blicken dargestellt, zugleich durch Ehrgefühl und Mitleiden. Nach großem Verluste auf beiden Seiten wurde endlich das Heer der Gallier weggeschlagen. Fliehend eilten sie nach Tibur, nicht anders, als habe hier der Gallische Krieg seinen Sitz, wurden aber in ihrer Zerstreuung vom Consul Pötelius nicht weit von Tibur in Empfang genommen, und zugleich mit den zu ihrer Hülfe ausgerückten Tiburtinern in die Thore hineingejagt. Dem Dictator sowohl, als dem Consul machte der Feldzug Ehre. Auch der andre Consul Fabius besiegte die Herniker anfangs in kleinen Gefechten, zuletzt in einer Hauptschlacht, in welcher ihn die Feinde mit ihrer ganzen Macht angegriffen hatten.

Der Dictator, nachdem er den Consuln im Senate sowohl, als vor dem Volke erhöhetes Lob ertheilt hatte, worin er sogar zu ihrem Vortheile den Ruhm seiner eignen Thaten schmälerte, legte seine Dictatur nieder. Pötelius hielt einen doppelten Triumph, über die Gallier und Tiburtiner: Fabius begnügte sich mit dem kleineren Einzuge in die Stadt. Über den Triumph des Pötelius spotteten die Tiburtiner. «Sie möchten wohl wissen, wo er ihnen eine Schlacht geliefert habe. Es wären einige von ihnen, um die Flucht und Verwirrung der Gallier mit anzusehen, vor die Thore hinausgegangen: und wie sie gesehen hätten, daß man auch auf sie losgehe und ohne Unterschied jeden vor die Klinge kommenden niederhaue, hätten sie sich wieder zur Stadt hereingemacht. Das hätten nun die Römer eines Triumphs würdig gehalten! Damit ihnen die Erregung eines Auflaufs an feindlichen Thoren nicht ferner in dem Lichte einer höchst seltnen und großen That erscheinen möge, so sollten sie bald einen schreckenvollern Auftritt unter ihren eignen Mauern sehen.»

98 12. Und wirklich brachen sie im folgenden Jahre, unter dem Consulate des Marcus Popillius Länas und Cneus Manlius, in der ersten Stille der Nacht mit einem Heere von Tibur zu einem feindlichen Angriffe auf und kamen vor Rom. Die plötzlich aus dem Schlafe Aufgestörten erfüllte das Unerwartete der Sache und die nächtliche Bestürzung mit Schrecken: noch dazu wußte so Mancher nicht, was für Feinde, und woher sie kämen. Doch rief man schleunig Alles zu den Waffen und sicherte die Thore durch Posten, die Mauern durch Truppen; und sobald das erste Tageslicht nur einen mäßigen Schwarm noch außer den Mauern, und keinen andern Feind, als den Tiburtiner sehen ließ, griffen die Consuln, die aus zwei Thoren rückten, das Heer, das schon die Mauern stürmen wollte, von zwei Seiten an: und da zeigte sichs, daß es sich mehr im Vertrauen auf den Überfall, als auf seine Tapferkeit, so weit gewagt hatte; so wenig hielt es kaum den ersten Angriff der Römer aus. Ja man kam darin überein, daß diese Erscheinung für Rom ein Glück gewesen sei, und daß die Furcht vor dem Kriege in einer solchen Nähe den zwischen Vätern und Bürgern schon beginnenden Zwist niedergeschlagen habe.

Im nächstfolgenden Kriege zeigte sich ein andrer Feind, dessen Ankunft dem Lande schrecklicher war, als der Stadt. Verheerend durchstreiften die Tarquinienser das Römische Gebiet, hauptsächlich auf jener Seite, wo es an Hetrurien stößt: nach vergeblich geforderter Genugthuung kündigten ihnen die neuen Consuln, Cajus Fabius und Cajus Plautius auf Befehl des Gesamtvolks den Krieg an, und das Los gab diesen Krieg dem Fabius zu führen, den gegen die Herniker dem Plautius. Auch verbreitete sich das Gerücht von einem Anzuge der Gallier. Bei so vielen Drohungen tröstete sich Rom mit dem Frieden, den es den Bitten der Latiner bewilligte, und daß ihm diese vermöge des alten Vertrages, den sie seit vielen Jahren unbeobachtet gelassen hatten, eine große Anzahl Soldaten stellten. Da der Stat auf diese Verstärkung fußen konnte, so fand man die gleich nachher eingelaufene Nachricht, 99 daß die Gallier nach Präneste gekommen wären und in der Nähe von Pedum sich gesetzt hatten, so schrecklich nicht. Man beschloß, den Cajus Sulpicius zum Dictator zu ernennen: der hierzu einberufene Consul Cajus Plautius ernannte ihn: der dem Dictator zugegebene Magister Equitum war Marcus Valerius. Sie führten den Kern der Truppen, den sie aus beiden consularischen Heeren zogen, gegen die Gallier.

Der Gang dieses Krieges war weit zögernder, als beiden Theilen lieb war. Da anfangs bloß die Gallier die Kampflustigen waren, nachher aber der Römische Soldat, in seinem blinden Hange zu Waffen und Gefecht der Gallischen Keckheit es noch weit zuvorthat; so hatte gleichwohl der Dictator gar nicht Lust, ohne alle dringende Noth sich bloß dem Glücke zu überlassen, und zwar gegen einen Feind, welchen Zeit und fremder Himmel mit jedem Tage schwächer machen müßten; der ohne aufgeschüttete Vorräthe, ohne haltbare Werke stillsitze; noch mehr, dessen Muth und Körper dazu geeignet sei, alle Kraft im Ansturze zu äußern, aber auch bei dem mindesten Zögern zu erschlaffen. Unter diesen Ansichten zog der Dictator den Krieg in die Länge, und hatte schwere Strafe darauf gesetzt, wenn sich jemand ohne Erlaubniß mit dem Feinde einließe.

Die Soldaten, hiermit unzufrieden, verkleinerten den Dictator anfangs nur in Gesprächen unter sich auf ihren Posten und Wachen; zuweilen schalten sie auch auf die Väter insgesamt, daß sie den Krieg nicht den Consuln übertragen hätten. «Sie hätten ihnen einen herrlichen Befehlshaber ausgesucht; einen Feldherrn, einzig in seiner Art, der darauf warte, daß ihm während seines Nichtsthuns der Sieg vom Himmel in den Schoß herabfliegen werde.» Bald aber ließen sie sich eben so und noch trotziger an hellem Tage ganz öffentlich verlauten: «Sie würden, ohne den Befehl des Feldherrn abzuwarten, entweder schlagen, oder im Zuge nach Rom gehen.» Nun traten auch Hauptleute den Soldaten bei: man hörte nicht bloß truppweise rufen, sondern schon strömten die lauten 100 Zirkel in der Hauptgasse des Lagers und auf dem Feldherrnplatze zusammen: der Haufe schwoll zu einer förmlichen Versammlung und allenthalben wurde geschrieen: «Man müsse sofort zum Dictator gehen: Wortführer des Heers müsse, wie es seinem Verdienste gebühre, Sextus Tullius sein.»

13. Schon zum siebentenmale führte Tullius als Hauptmann den ersten Haufen seiner Legion, und im ganzen Heere war unter allen zu Fuß Dienenden kein Mann durch Thaten geehrter, als er. Er ging, dem Zuge der Soldaten voran, zur Feldherrnbühne, und redete den Sulpicius, der sich über den Schwarm; noch mehr über den Tullius, diesen sonst dem Oberbefehle pünktlichst folgsamen Krieger, als Führer des Schwarmes wunderte, so an:

«Ich muß dir sagen, Dictator, daß das gesammte Heer, in der Meinung, du habest es der Feigheit schuldig befunden, und nicht anders als zur schimpflichen Strafe ohne Waffen blankgestellt, mich gebeten hat, seine Sache vor dir zu führen. Wenn wir den Vorwurf hören müßten, irgendwo von der Stelle gewichen zu sein, dem Feinde den Rücken gekehrt, die Fahnen schimpflich verlassen zu haben, so dächte ich doch, wir dürften dich durch unsre Bitten dahin vermögen, daß du uns erlaubtest, unsre Schuld durch Tapferkeit wieder gut zu machen, und das Andenken unsrer Schande durch neuen Ruhm zu tilgen. Auch die an der Allia geschlagenen Legionen eroberten doch eben die Vaterstadt, die sie durch ihre feige Flucht verloren hatten, als sie nachher von Veji hinzogen, durch ihre Tapferkeit wieder. Wir aber haben, Dank sei der Gnade der Götter und deinem und des Römischen Volkes Glücke, im Felde und an Ehre noch nichts verloren. Wiewohl über unsern Ruhm äußere ich mich nur schüchtern, so lange theils die Feinde uns hinter dem Walle Versteckten, als wären wir Weiber, unter allen möglichen Schmähungen höhnen dürfen; theils du selbst, du unser Feldherr, und das ist uns noch kränkender, deinem Heere Muth und Waffen und Hände absprichst, und ohne uns geprüft zu haben, ein so völliges 101 Mistrauen in uns setzest, daß du dich für einen Anführer von Krüppeln und Schwächlingen ansiehst. Worin sollen wir sonst die Ursache suchen, warum du, als Feldherr ergrauet, selbst der tapferste Krieger, mit gefalteten Händen, wie man es nennt, dasitzest? denn auf jeden Fall ist es doch anständiger, daß du an unsrer Tapferkeit gezweifelt zu haben scheinest, als wir an deiner. Stammet aber diese Maßregel nicht von dir, sondern von Mehrern her, und hält uns eine Verabredung der Väter, nicht der Gallische Krieg, in der Verweisung von Rom und unsern Hausgöttern, so bitte ich dich, siehe das, was ich nun noch zu sagen habe, nicht an, als sagten dies die Soldaten ihrem Feldherrn, sondern den Vätern der Bürgerstand, der etwa spräche, er dürfe, so wie ihr eure Maßregeln habt, auch die seinigen für sich haben. Darf denn jemand darüber ungehalten sein, daß wir Soldaten sind, und nicht eure Sklaven? daß wir in den Krieg, nicht ins Elend geschickt sind? daß wir, wenn uns jemand das Zeichen gäbe, uns in die Schlacht führte, uns als Männer und Römer halten wollen; wenn es aber der Waffen nicht bedarf, unsre Ruhe lieber in Rom, als im Lager, verleben wollen? Dies Alles gilt bloß den Vätern. – Dich aber, Feldherr, bitten wir, deine Soldaten, gieb uns Gelegenheit zum Fechten. Wir wünschen zu siegen, noch lieber unter dir zu siegen, dir den ehrenvollen Lorber zu überreichen, mit dir triumphirend in die Stadt zu ziehen, hinter deinem Wagen her glückwünschend und jubelnd zum Tempel des allmächtigen Jupiter hinanzugehen.» An die Rede des Tullius schlossen sich die Bitten der Menge; und von allen Seiten schrieen sie, er möge das Zeichen geben, möge sie berechtigen, zu den Waffen zu greifen.

14. Sah der Dictator gleich, daß dies an sich nicht böse Benehmen des Beispiels wegen nicht zu loben sei, so machte er sich doch anheischig, den Wunsch der Soldaten zu erfüllen, fragte aber den Tullius, den er allein nahm, was das für eine Aufführung, was das für eine Zucht sei. Tullius bat ihn flehentlich, «er möge ja nicht glauben, daß er der Kriegszucht, seiner selbst oder des 102 feldherrlichen Oberbefehls uneingedenk gewesen sei; er habe aber der aufgebrachten Menge, die sich gewöhnlich nach ihren Aufwieglern richte, seine Leitung nicht entziehen wollen, damit nicht ein andrer, und ein solcher, wie er sich von der Wahl eines gährenden Haufens erwarten lasse, die Stelle einnähme. Er für seine Person werde sich durchaus dem Ermessen seines Oberbefehlshabers fügen; aber auch dieser müsse ernstlich darauf bedacht sein, daß ihm der Gehorsam seines Heeres nicht entstehe. So aufgebrachte Gemüther hinzuhalten, sei nicht möglich: sie selbst würden sich den Platz und die Zeit zur Schlacht wählen, sobald sie ihnen der Feldherr nicht gäbe.»

Während dieser Gespräche wurden einige Pferde, die gerade vor dem Lagerwalle weideten, einem Gallier, der sie wegtreiben wollte, von zwei Römischen Soldaten genommen. Auf diese warfen die Gallier mit Steinen. Nun erhob sich vom Römischen Vorposten ein Geschrei: von beiden Seiten stürzte man hervor; und Alles stand zu einem förmlichen Treffen, als die Hauptleute eiligst dem Gefechte Einhalt thaten. Wenigstens bestätigte dieser Vorfall dem Dictator die Versicherung des Tullius; und da die Sache schon keinen Aufschub mehr litt, so ließ er bekannt machen, sie sollten am folgenden Tage schlagen. Weil ihn aber mehr die Hitze seiner Truppen, als das Vertrauen auf ihre Stärke zum Treffen vermocht hatte, so sah er sich nach allen Seiten um und dachte darauf, den Feind durch eine List zu schrecken. Seine Erfindungskraft gab ihm ein neues Mittel an, dessen sich nachher viele Feldherren, unsere und fremde, ja einige noch in unsern Zeiten bedient haben. Den Maulthieren, denen er die Packsättel abnehmen ließ, mußten nur zwei Satteldecken gelassen werden, und die Pferdeknechte aufsitzen, die er mit erbeuteten Waffen, oder denen der Kranken, versah. Unter diesen fast auf tausend gebrachten Haufen steckte er hundert Ritter, mit dem Befehle, sich in der Nacht über das Lager auf die Gebirge zu ziehen, sich im Walde zu verbergen, und von dort sich nicht eher in Bewegung zu setzen, bis sie von ihm ein Zeichen bekämen. Sobald es Tag 103 wurde, breitete er seine Linie geflissentlich am Fuße der Gebirge aus, um dem Feinde die Stellung den Bergen gegenüber zu geben. Die Einrichtung zu jenem blinden Lärmen, der aber beinahe wirksamer wurde, als der Gebrauch der wahren Kräfte, war getroffen; und noch glaubten die Gallischen Anführer, die Römer würden nicht in die Ebene herabkommen: als sie aber unerwartet den Herabzug schon bewerkstelligt sahen, rannten auch sie, auf den Kampf begierig, ins Treffen, und ehe noch die Feldherren das Zeichen gaben, begann die Schlacht.

15. Den heftigsten Angriff thaten die Gallier mitIch folge Drakenborchs Vermuthung, als dem leichtesten Heilmittel, den Verwirrungen über den rechten und linken Flügel auszuweichen, und lese hier dextro cornu, nicht dextrum. Sonst müßte man, wie Stroth thut, § 6. statt profligato dextro cornu, obequitabat hostium munimentis geradezu sinistro lesen, welches Drakenborch für zu gewagt erklärt. Seine Verbesserung giebt auch den Worten §. 4. signa in laevum cornu confert den richtigen Sinn, nämlich in laevum cornu Gallorum. Es ist doch nicht wahrscheinlich, daß hier unter dem laevum cornu, in quod ipse dictator signa conferebat, das Römische zu verstehen sei. ihrem rechten Flügel; und man würde diesen nicht haben aushalten können, wäre nicht gerade hier der Dictator gegenwärtig gewesen, der den Sextus Tullius laut bei Namen rief und die Fragen an ihn that: «Ob er ihm angelobt habe, daß die Soldaten auf die Art fechten würden? wo jene Schreier wären, die die Waffen verlangt hatten? wo die Drohungen, ohne des Feldherrn Willen in die Schlacht gehen zu wollen? Hier rufe sie der Feldherr selbst mit lauter Stimme ins Treffen, und schreite, die Waffen in der Hand, vor die ersten Glieder. Ob ihm wohl einer von denen folge, die eben noch hätten anführen wollen; im Lager so keck, in der Schlacht so zaghaft?»

Sie hörten nichts, als Wahrheit: also fühlten sie sich durch die Beschämung so mächtig gespornt, daß sie sich in die feindlichen Waffen stürzten, mit einem von jedem Gedanken an Gefahr entfremdeten Muthe. Dieser beinahe wüthende Angriff bewirkte zuerst bei den Feinden eine Unordnung, und in dieser Unordnung jagte die auf sie gelassene Reuterei sie in die Flucht. Sobald der Dictator ihre Linie auf einer Seite wanken sah, wandte er sich mit 104 seinem Angriffe auf ihren linken Flügel, auf welchem, wie er bemerkte, der Feind im Gedränge sich häufte, und gab denen auf dem Gebirge das verabredete Zeichen. Als nun auch diese unerwartet ihr Geschrei erhoben, und schräg am Berge herab ihre Richtung, wie es schien, auf das Gallische Lager nahmen, so gaben die Gallier, um nicht abgeschnitten zu werden, das Gefecht auf und eilten in vollem Laufe ihrem Lager zu. Da ihnen hier der Magister Equitum Marcus Valerius entgegenkam, der nach Verjagung des feindlichen rechten Flügels vor ihren Verschanzungen herumschwärmte, so wandten sie ihre Flucht gegen die Gebirge und Wälder, wo die meisten von der täuschenden Scheinreuterei und den Pferdeknechten in Empfang genommen wurden: auch diejenigen, welchen die Angst den Wald erreichen half, traf nach schon geendigter Schlacht ein schreckliches Gemetzel. Und in der That triumphirte über die Gallier nächst dem Marcus Furius niemand mit größerem Rechte, als Cajus Sulpicius. Er legte auch von der Gallischen Beute auf dem Capitole einen nicht unbeträchtlichen Klumpen Goldes, als heiligen Schatz nieder, den er mit Quadersteinen vermauren ließ.

In diesem Jahre führten auch die Consuln ihre Kriege, doch mit ungleichem Erfolge. Die Herniker wurden vom Cajus Plautius besiegt und bezwungen. Sein Amtsgenoß Fabius lieferte den Tarquiniensern eine Schlacht ohne Vorsicht und Überlegung; und sein Verlust im Treffen war nicht so schmerzhaft, als daß die Tarquinienser dreihundert und sieben gefangene Römische Soldaten als Opfer schlachteten; eine Hinrichtung, die durch ihre Abscheulichkeit den Schimpf des Römischen Volks weit ruchtbarer machte. An diese Niederlage schloß sich die Verwüstung des Römischen Gebiets, welche die Privernaten und dann die Veliterner nach einem plötzlichen Einbruche ausübten. In eben diesem Jahre bekam die Stadt zwei neue Bezirke, den Pomptinischen und Publilischen. Die den Göttern gelobeten Spiele, welche ihnen Marcus Furius als DictatorCamillus; als durch die von den Vätern gegebene Einwilligung zum bürgerlichen Consulate die Eintracht der Stände wieder hergestellt wurde. VI. 42. 105 verheißen hatte, wurden gefeiert: auch wurde auf Betrieb der Väter jetzt zum erstenmale ein Vorschlag gegen ungebührliche Amtsbewerbung, vom Bürgertribun Cajus Pötelius, an das Gesamtvolk gebracht: und sie schmeichelten sich, durch dies Gesetz vorzüglich diejenigen niederzuhalten, welche sich durch die auf Wochenmärkten und Sammelplätzen erschlichene Stimmenmehrheit zu Emporkömmlingen zu heben suchten.

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