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Römische Geschichte

Livius: Römische Geschichte - Kapitel 164
Quellenangabe
typetractate
booktitleRömische Geschichte Bd. I
authorTitus Livius
translatorKonrad Heusinger
firstpub1821
year1821
publisherFriedrich Vieweg Verlag
addressBraunschweig
titleRömische Geschichte
created20060416
sendergerd.bouillon
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26. Und nicht bloß diese Vermittelung gab Perseus aus Geiz auf, da er für eine Geldsumme einmal durch den Eumenes einenquum pecuniam tutam]. – Gron., Duk., Drak. und Crevier vereinigen sich alle, daß es pecunia (im Ablativ) heißen müsse. In dem folgenden m-tutam glaube ich das Wort maturam zu finden. Dem bangen Perseus mußte vorzüglich damit gedient sein, daß dieser Friede bald zu Stande kam, ehe die Römer weiter eindrangen. Tuta aber (man nehme es hier für sicher oder sichernd) konnte der Friede nicht durch die daran gewandte Geldsumme werden; dies hing in der Folge von den Umständen ab. Ich lese also hier: quum pecuniâ maturam et pacem habere – – posset, et etc. Eben so schlimm steht es mit den Worten ac receptus. Gronovs deceptus widerlegt Duker; Dukers Vertheidigung der alten Lesart receptus misbilligt Drakenborch; und dieser nimmt zwar aus dem voraufgegangenen ess et sehr glücklich ein ausgelassenes et an, will aber ac receptus in ea recepta (scil. pace) verwandeln. Das et nehme ich mit Drakenb. an, glaube aber mit Duker, daß wir die alte Lesart receptus behalten können. Unser esset ac receptus entstand, wie ich vermuthe, aus esset; et a r. receptus. Dies sollte heißen: esset; et a Romanis receptus. baldigen Frieden haben konnte, den er sogar mit einem Theile seines Königreichs hätte erkaufen müssen; und zum Andern, in Roms Freundschaft wieder aufgenommen, seinen Feind mit der schwerbeladenen Tasche ans Tageslicht ziehen und die Römer berechtigen konnte, seine Feinde zu werden; sondern ebenfalls aus Geiz ließ er die Verbindung mit dem Könige Gentius, die er schon in Händen hatte, fahren, so wie auch einen großen Schwarm gerade jetzt sich darbietender Gallier, welche sich über ganz Illyricum verbreitet hatten. Sie kamen mit zehntausend Mann Reuterei und eben so vielen Truppen zu Fuß, die theils neben den Pferden her mit ihnen den Lauf aushielten, theils zum Gefechte statt der gefallenen Reuter sich auf die ledigen Pferde schwangen. 406 Sie verlangten, der Reuter zehn, der Fußgänger fünf, der Anführer tausend Goldstücke sogleich als bare Zahlung. Als sie heranzogen, ging ihnen Perseus aus seinem Lager am Enipeus mit der Hälfte seiner Truppen entgegen, und kündigte den in der Nähe des Weges liegenden Dörfern und Städten an, Vorräthe herbei zu schaffen, und es an Getreide, Wein und Schlachtvieh nicht fehlen zu lassen. Er selbst nahm Pferde, Putzschilder für Pferde und Kriegsröcke als Geschenke für die Vornehmeren mit, aber nicht Gold genug, nur zur Vertheilung unter Einige; weil er glaubte, die Menge durch Hoffnung hinhalten zu können. Er kam an die Stadt Almana, und schlug am Ufer des Flusses Axius sein Lager auf. In der Gegend von Desudaba in der Landschaft Mädica hatte sich das Heer der Gallier gelagert, den bedungenen Lohn zu erwarten. Dahin schickte er einen seiner Höflinge, Antigonus, der ihnen sagen mußte, die sämtlichen Gallier möchten nach Bylazora – dies liegt in Päonien – vorrücken, die Vornehmeren aber sich zahlreich bei ihm einfinden. Sie standen aber noch fünfundsiebzigtausendFunfzehn Deutsche Meilen. Schritte vom Flusse Axius und dem Lager des Königs. Als ihnen Antigonus dies bestellte und zugleich erzählte, wie große Vorräthe an Allem ihr Heer längs dem Wege durch die Fürsorge des Königs in Bereitschaft finden, und mit wie herrlichen Geschenken an Gewändern, Silber und Pferden er die Großen bei ihrer Ankunft empfangen werde, antworteten sie, das würden sie dann an Ort und Stelle erfahren. Allein im Punkte der bedungenen baren Zahlung fragten sie, ob er denn nicht das an die einzelnen Fußgänger und Reuter zu vertheilende Gold mitgebracht habe. Als sie hierüber keine Antwort erhielten, sprach ihr Fürst Clondicus: «So geh denn hin und sage deinem Könige wieder, die Gallier würden, wenn sie nicht das Gold und Geisel bekämen, keinen Schritt weiter thun.» Als der König nach diesem Berichte Kriegsrath, hielt, und kein Zweifel darüber war, was ihm Alle rathen würden, so 407 ließ er selbst – ein treuerer Hüter seines Geldes, als seines Reichs – sich auf eine weitläufige Schilderung der Treulosigkeit und Rohheit der Gallier ein. «Durch die früheren Niederlagen so vieler andern Völker habe man die Erfahrung gemacht, wie gefährlich es sei, einen so großen Schwarm in Macedonien aufzunehmen, um dann in ihnen schlimmere Bundsgenossen zu haben, als Feinde in den Römern. An fünftausend Reutern habe man genug, um von ihnen zum Kriege Gebrauch zu machen, ohne sich selbst vor ihrer Menge fürchten zu müssen.»

27. Hieraus wurde ihnen Allen einleuchtend, daß er den Sold für so Viele scheue und weiter nichts: allein da ihm bei der Umfrage niemand zu rathen wagte, so wurde Antigonus wieder hingeschickt, den Galliern zu sagen, der König brauche zum Dienste nur fünftausend Reuter, mit der übrigen Menge sei ihm nichts gedient. Als dies die Barbaren hörten, wurden die andern Alle laut vor Unwillen, daß man sie unnützer Weise von ihrem Standorte habe herkommen lassen; nur Clondicus legte ihm wieder die Frage vor, ob er denn nun, wenigstens diesen fünftausend Mann, die bedungene bare Zahlung leiste. Als er sah, daß sich Antigonus auch hiergegen durch eingewebte Ausflüchte verwahrte, so gingen die Gallier, ohne sich an dem wortbrüchigen Unterhändler zu vergreifen – er selbst hatte kaum gehofft, so gut davon zu kommen – an die Donau zurück, nachdem sie Thracien, so weit es an ihrem Wege lag, verheeret hatten. Wäre dieser Heerhaufe, selbst wenn der König ruhig am Enipeus stehen blieb, durch Perrhäbiens Waldgebirge gegen die Römer nach Thessalien geführt, so konnte er nicht allein durch Plünderungen die Dörfer leeren, so daß die Römer von dort kaum Zufuhr hätten erwarten können, sondern auch die Städte selbst zerstören, während Perseus am Enipeus die Römer festhielt, daß sie ihren Bundesstädten nicht zu Hülfe kommen konnten. Ja die Römer hätten auf ihre eigne Rettung denken müssen, weil sie nach dem Verluste von Thessalien, aus welchem sie ihr Heer versorgten, eben so wenig hätten hierbleiben 408 können, als sie vorrücken konnten, weil ihnen das Macedonische Lager gegenüber [standcastra Macedonum etc.]. – Ich habe die hierauf folgende Lücke nach der von Drakenb. vorgezogenen Ergänzung Creviers übersetzt: quum ex adverso castra Macedonum [essent. Tanta occasione e manibus amissa Perseus Romanorum animos confirmavit, Macedonum] qui ea pependerant spe, haud etc.. Durch diesen so wichtigen, aus den Händen gelassenen Vortheil bestärkte Perseus nicht allein die Römer in ihrem Muthe, sondern schlug auch den Muth der Macedonier,] die sich viel von dieser Aussicht versprochen hatten, gewaltig nieder. Durch eben diesen Geiz machte er sich auch den König Gentius zum Unfreunde. Denn als er zu Pella den vom Könige Gentius hierzu Abgeschickten die dreihundert Talente hatte aufzählen lassen, so gestattete er ihnen, die Gelder einzusiegeln. Zehn Talente davon schickte er an den Pantauchus, mit dem Befehle, sie sogleich an den König abzuliefern. Mit den übrigen, von den Illyriern mit ihrem Petschafte versiegelten, Geldern mußten auf seinen Befehl seine Fuhrleute nur kurze Tagereisen zurücklegen; dann, wenn sie an die Macedonische Gränze kamen, Halt machen und seine Boten erwarten. Gentius, welchem nach Empfang jenes kleinen Theils der Summe Pantauchus anlag, durch irgend eine feindliche That die Römer zu beleidigen, legte den Marcus Perperna und Lucius Petillius, welche eben jetzt als Gesandte zu ihm kamen, ins Gefängniß. Sobald dies Perseus hörte, glaubte er, Gentius habe sich nun selbst in die Nothwendigkeit verwickelt, durchaus mit den Römern kriegen zu müssen, und ließ die Leutead revocandum, qui pecuniam portabat]. – Ich folge Jak. Gron. und Perizon., welche portabant lesen, ohne revocandum in revocandos abzuändern. Drakenborchs Ausweg, die Lesart portabat durch die Erklärung zu retten, omnibus unum praecipua auctoritate praefuisse, scheint mir, weil Liv. oben sagte: portantibus suis praecipit, hier zu gesucht. Über ad revocandum [eos], qui portabant, wie bei Cic. Cat. M. 2. viam, quam nobis quoque ingrediendum sit, siehe meines Vaters Anmerk. zu Cic. de off. I, 31. 7. und Duker zu Liv. V, 7. 9. Von dem als Strich über dem a in portabant ausgefallenen n haben wir gleich wieder Cap. 29. §. 3. zwei Beispiele in den Worten Quibus poterant, Popillius aut Eumenis naves succurrebant. mit den Geldfuhren wieder umrufen; als ginge sein Zweck nur dahin, den Römern bei 409 dem Siege über ihn eine möglichst große Beute aufzusparen. Auch vom Eumenes kam Cryphon zurück, ohne daß man die geheimen Verhandlungen erfuhr. Daß sie über die Gefangenen unterhandelt hätten, hatten die Könige selbst bekannt werden lassen; und dies war auch die Angabe, welche Eumenes darüber, um allen Verdacht zu vermeiden, bei dem Consul machte.

28. Perseus, der nach Cryphons Rückkehr vom Eumenes, diese Hoffnung vereitelt sah, schickte seine Flottenführer, den Antenor und Callippus mit vierzig Barken – zu diesen waren noch fünf Jachten gestoßen – nach Tenedus, um von dort aus seine zwischen den Cycladischen Inseln zerstreutensparsae per Cycladas]. – Ich folge dem von Drakenb. vorgeschlagenen sparsas, theils weil dies der alten Lesart sparsae doch noch näher kommt, als Creviers sparsi; theils weil Antenor in der Gegend der Cycladen Cap. 29. §. 4. alle Frachtschiffe wegnimmt praeterquam si quae Macedoniam peterent. Dies sind meiner Meinung nach dieselben, welche hier per Cycladas sparsae heißen., mit Getreide nach Macedonien zurückgehenden Schiffe in Schutz zu nehmen. Diese zu Cassandrea in See gelassenen Schiffe gingen zuerst in die Seehafen am Fuße des Athosgebirges hinüber, von da bei stiller See nach Tenedus, und ließen die hier unter dem Befehle des Eudamus im Hafen stehenden Rhodischen offenen Schiffe, nicht allein unbeleidigt, sondern sogar nach freundlicher Begrüßung, abziehen. Auf die Nachricht, daß auf der andern Seite der Insel funfzig ihrer Frachtschiffe von den, unter dem Befehle des Damius vor der Mündung des Hafens stehenden, Schnabelschiffen des Eumenes eingeschlossen lägen, segelten sie schnell herum, verjagten die vom Schrecken überraschten feindlichen Schiffe und sandten die Frachtschiffe nach Macedonien, unter mitgegebener Begleitung von zehn Barken, die aber nach Tenedus zurückkehren sollten, sobald sie jene in Sicherheit gebracht hatten. Am neunten Tage fanden sie sich wieder bei der Flotte ein, die aber jetzt schon bei Sigeum stand. Von hier fuhren sie nach Subota über, einer Insel zwischen Eläa und dem Athos. Es traf sich so, daß den Tag darauf, als die Flotte Subota 410 erreicht hatte, fünfunddreißig Schiffe, sogenannte Rossträger, die von Eläa mit Gallischen Reutern und Pferden ausgelaufen waren, nach dem Chier Vorgebirge Phanä steuerten, um von da nach Macedonien übergehen zu können. Eumenes schickte sie dem Attalus. Auf das von einer Warte ihm gegebene Zeichen, daß sich diese Schiffe auf der Höhe sehen ließen, ging Antenor von Subota in See, und traf die Feinde zwischen dem Vorgebirge von Erythrä und Chius, wo die Meerenge am schmalsten ist. Die Befehlshaber des Eumenes erwarteten nichts weniger, als eine auf diesem Meere schwärmende Macedonische Flotte: bald glaubten sie, es müßten Römer, bald, es müsse Attalus sein, oder einige vom Attalus aus dem Römischen Lager Zurückgeschickte, die nach Pergamus steuerten. Als sie aber jetzt die Bauart der sich nähernden Barken nicht mehr verkennen konnten, auch der volle Ruderschlag und die Richtung der Vordertheile gegen sie selbst sie von der Annäherung des Feindes überzeugte, verloren sie alle Fassung: denn an Widerstand war nicht zu denken, weil ihre Schiffe zu schwerfällig waren und die Gallier zur See kaum eine ruhige Fahrt vertragen konnten. Diejenigen, welche dem festen Lande näher waren, schwammen an die Erythräische Küste: Andere setzten mit vollen Segeln die Schiffe bei Chius auf den Strand, ließen die Pferde im Stiche und stürzten in gestrecktem Laufe gegen die Stadt. Da aber die Barken ihre Bewaffneten näher an der Stadt und auf einem schicklicheren Landungsplatze ausgesetzt hatten, so wurden die fliehenden Gallier von den Macedoniern niedergehauen, welche sie theils noch auf dem Wege einholten, theils sie vor dem Thore ausgeschlossen fanden. Denn die Chier, die nicht wußten, wer die Fliehenden, wer die Verfolger waren, hatten das Thor geschlossen. Gegen achthundert Gallier fielen; zweihundert wurden Gefangene. Die Pferde gingen theils, als die Schiffe scheiterten, im Meere verloren, theils hieben ihnen am Strande die Macedonier die Kniekehlen ein. Auf denselben zehn Barken, die er schon einmal abgeschickt hatte, ließ Antenor 411 zwanzig Pferde von auserlesener Schönheit nebst den Gefangenen nach Thessalonich abgehen. Die Barken hieß er so bald als möglich wieder zu seiner Flotte stoßen: denn er wolle zu Phanä auf sie warten. Nicht volle drei Tage stand die Flotte bei der Stadt Chius, von da segelte sie bis Phanä vor, und als die zehn Barken über die Erwartung schnell zurückgekehrt waren, fuhr sie auf dem Ägeermeere nach Delus über.

29. Als unterdeß die von Chalcis abgesegelten Römischen Gesandten Cajus Popillius, Cajus Decimius und Cajus Hostilius auf drei Fünfruderern zu Delus angelangt waren, fanden sie hier vierzig Macedonische Barken vor und fünf Fünfruderer vom Könige Eumenes. Die Heiligkeit des Tempels und der Insel gab ihnen Allen eine Unverletzlichkeit. Also gingen die Seesoldaten der Römer, der Macedonier und des Königs Eumenes im Tempel unter einander herum, weil der ehrwürdige Ort Waffenstillstand gewährte. Wenn aber Antenor, des Perseus Befehlshaber, von den Warten ein Zeichen bekam, daß auf der hohen See Frachtschiffe vorbeisegelten, so machte er entweder selbst mit einem Theile seiner Barken, oder durch die auf den Cycladen ausgestellten, Jagd darauf, und ließ alle, die nicht nach Macedonien fuhren, versenken oder plündern. Popillius, auch die Schiffe des Eumenes, halfenquibus poterat, Popillius cet.]. – Ich lese mit Crevier, Duker und Drakenb.: quibus potera nt, Popillius aut Eumenis naves succurreba nt; sed evecti etc., wo sie konnten: allein die Macedonier liefen mit ihren Barken gewöhnlich bei Nacht nur parweise oder zu dreien aus, ohne bemerkt zu werden. Ungefähr um diese Zeit trafen die Macedonischen und Illyrischen Gesandten mit einander auf Rhodus ein; und nicht bloß die Erscheinung der Barken, welche allenthalben bei den Cycladen und auf dem Ägeermeere kreuzten, gab ihnen ein größeres Gewicht, sondern schon selbst die Verbindung zwischen den Königen Perseus und Gentius, und der Ruf von den so zahlreich heranziehenden Galliern zu Fuß und zu Pferde. Da also dem Dinon und 412 Polyaratus, welche auf des Perseus Partei waren, der Muth wuchs, so erhielten die Könige nicht bloß eine freundliche Antwort, sondern die öffentliche Erklärung: «Die Rhodier würden durch ihre Zwischenkunft dem Kriege ein Ende machen: also möchten auch die Könige ihrerseits zur Annahme des Friedens sich geneigt finden lassen.»

30. Schon war der AnfangIam veris principium]. – Paullus war nach. Cap. 22. am ersten April oder gleich nachher von Rom aufgebrochen, und Frühlingsanfang war damals bei den Römern den 7ten, 8ten oder 9ten Febr. Da nun Paullus mit mehreren 1000 Mann durch Italien nach Brundusium zog, sie einschiffte, über das Adriatische Meer ging, und schon auf der östlichen Küste Thessaliens am Ägeermeere steht, wie kann es nun noch heißen: iam veris principium erat? Wenigstens waren doch seit dem ersten April 14 Tage verflossen, und selbst der erste April war bei den Römern schon beinahe zwei Monate später, als ihr veris principium am 7ten Febr. Dies wird durch die Nachweisungen derer erklärbar, welche die Schuld der Irrungen im damaligen Römischen Kalender (man s. B. 43. C. 11.) auf die Pontifices schieben, durch deren unrichtige Zwischenschaltungen die im Kalender angegebene Jahrszeit von der wirklichen so sehr abwich, daß nach der Meinung Einiger der Römische erste April damals mit dem 21sten Februar, nach Andern sogar mit dem ersten Januar des Julianischen Kalenders zusammentraf. Gronov, Crevier. des Frühlings da, und die neuen Anführer waren auf ihren Standplätzen eingetroffen; der Consul Ämilius in Macedonien, Octavius auf der Flotte bei Oreum, Anicius in Illyricum zum Kriege gegen den Gentius. Dieser, ein Sohn des Illyrischen Königs Pleuratus und der Eurydice, hatte zwei Brüder gehabt, den Plator, welcher beide Ältern, den Caravantius, der nur die Mutter mit ihm gemein hatte. Diesen scheute er, wegen der nicht so hohen Abkunft von väterlicher Seite, weniger; den Plator aber und zwei von dessen Freunden, den Ettritus und Epicadus, zwei tüchtige Männer, ließ er, um auf seinem Throne so viel sicherer zu sein, ermorden. Es hieß, er habe die Verlobung seines Bruders mit der EtutaEtutam]. – Cap. 32. heißt des Gentius Gemahlinn, wenn dies nicht eine andere ist, Etleva. (oder Etleva?) der Tochter des Honunus, eines Fürsten der Dardaner, ungern gesehen; als hätte jener durch diese Vermählung die Dardanische Nation an sich ziehen wollen. Dies machte er dadurch noch wahrscheinlicher, daß er nach 413 Plators Ermordung die Prinzessinn selbst nahm. Als er seinen Bruder nicht mehr zu fürchten hatte, wurde er seinen Unterthanen drückend, und Unmäßigkeit im Weine erhöhete die zu seiner Sinnesart stimmende Gewaltthätigkeit. Da er sich nun, wie ich oben gesagt habe, zum Kriege gegen die Römer hatte aufbringen lassen, so zog er alle seine Truppen bei Lissus zusammen. Es waren funfzehntausend Mann. Nachdem er von hier seinen Bruder gegen das Volk der Cavier, die er durch Gewalt oder durch Drohungen sich unterwerfen sollte, mit tausend Mann zu Fuß und fünfhundert Reutern abgeschickt hatte, zog er selbst vor die Stadt Bassania, fünftausend Schritte von Lissus. Ihre Bürger standen mit Rom im Bunde. Bei der zuerst durch Abgeordnete an sie ergangenen Anfrage zogen sie die Belagerung der Übergabe vor. Den Caravantius hingegen im Gebiete der Cavier nahm ihre Stadt BurniumDurnium – – Genusuum]. – Ptolemäus und Plinius nennen diese Stadt nicht Durnium, sondern Burnium; Cäsar aber und Lucanus nennen den Strom nicht Genusuus, sondern Genusus. Crev. bei seinem Anzuge willig auf: ihre andre Stadt, Caravantis, schloß ihm die Thore, und als er sich bei der Verheerung ihres Gebiets zu weit ausbreitete, wurden viele seiner umherstreifenden Truppen von den sich zusammenrottenden Landleuten erschlagen. Schon war auch Appius Claudius, nachdem er das unter ihm stehende Heer durch Hülfsvölker von Bullis, von Apollonia und Dyrrhachium verstärkt hatte, aus den Winterquartieren aufgebrochen, stand bei dem Flusse Genusus im Lager, und erbittert durch die Nachricht von der Verbindung des Perseus und Gentius, und von der gesetzwidrigen Behandlung der Gesandten, war er fest entschlossen, ihn anzugreifen. Allein der Prätor Anicius, der eben jetzt in Apollonia über die Begebenheiten in Illyricum Nachricht erhalten und dem Appius vorläufig geschrieben hatte, er möge ihn am Genusus erwarten, traf nicht nur selbst in drei Tagen im Lager ein, sondern als er mit seinen Truppen noch zweitausend Mann Parthinisches[assumtis] Parthinorum iuventutis]. – Des von Sigonius eingeschalteten assumtis bedarf es hier gar nicht, wenn wir entweder mit Gronov annehmen, daß das Wort iuventutis aus iunctis entstanden sei, oder lieber, daß Gronovs iunctis gleich auf iuventutis folgte, und nur wegen seiner Ähnlichkeit mit iuēūtis verloren ging. 414 Fußvolk und zweihundert Reuter vereinigt hatte – das Fußvolk befehligte Epicadus, die Reuter Agalsus – ging er schon damit um, in Illyricum einzurücken, hauptsächlich um die in Bassania Belagerten zu befreien. Seinen Einbruch verspätete das Gerücht, daß eine Anzahl Barken an der Küste plündere. Auf Betrieb des Pantauchus hatte Gentius achtzig Barken abgehen lassen, das Gebiet von Dyrrhachium und Apollonia zu verheeren. Die Flotte [des Anicius stand damals nicht weit von Apollonia an der Küste. Eilend kam Anicius hieher zurück, holte sogleich die Illyrischen Plünderer ein, griff sie an und in einem leicht erfochtenen Siege nahm er den Feinden mehrere Schiffe und zwang die übrigen, nach Illyricum zurückzufliehen. Nach seiner Rückkehr in das Lager am Genusus eilte er den Bassaniten zu Hülfe. Dem Rufe von der Ankunft des Prätors hielt Gentius nicht Stand: er hob die Belagerung auf, und floh so übereilt nach Scodra, daß er nicht einmal sein ganzes Heer mit sich abführte. Ein großer Theil seiner Truppen, die den Römern hätten zu schaffen machen können, wenn die Gegenwart ihres Anführers sie bei Muth erhalten hätte, sah sich von ihm verlassen und] ergab sich.

31. Dasselbe thaten auch die Städte jener Gegend der Reihe nach, weil die Güte und Gerechtigkeit des Römischen Prätors die günstige Stimmung beförderte. Nun kam man vor die Stadt Scodra. Sie war bisher der Hauptsitz des Krieges, nicht bloß darum, weil sie Gentius sich gleichsam zur Zwingburg seines ganzen Reichs gewählt hatte, sondern auch weil sie bei weitem die stärkste Festung im Labeatischen und ihr sehr schwer beizukommen war. Es umströmen sie zwei Flüsse, die Clausala, die an der Morgenseite der Stadt vorüberfließt, und auf der Abendseite die Barbana, die aus dem See Labeatis entspringt. Diese beiden Ströme fallen vereinigt 415 in den Fluß Oriundes, der auf dem Gebirge Scodrus entspringt und durch viele andre Gewässer verstärkt sich ins Hadriatische Meer ergießt. Das Gebirge Scodrus, bei weitem das höchste jener Gegend, hat nach Morgen Dardanien unter sich, gegen Mittag Macedonien, gegen Abend Illyricum. Zwar wurde die Stadt durch ihre natürliche Lage gedeckt und von der ganzen Illyrischen Macht und dem Könige selbst vertheidigt: dennoch rückte der Römische Prätor, da ihm die ersten Schritte gelungen waren, voll Hoffnung, das Glück der ersten Versuche werde ihn auch im Ganzen begleiten und ein überraschender Schrecken seine Wirkung thun, mit gestelltem Heere vor die Mauern. Hätten sich die Truppen in der Stadt, nach Verschließung der Thore, zur Vertheidigung der Mauern und Thorthürme vertheilt, so würden sie die Römer mit ihrem fruchtlosen Versuche zurückgewiesen haben. Allein sie rückten aus und lieferten, dem Platze nach im Vortheile, ein Treffen, mehr muthvoll als mit Ausdauer. Geschlagen und auf der Flucht zusammengedrängt verloren sie noch im Eingange des Thores selbst über zweihundert Mann, und setzten Alles so in Schrecken, daß Gentius sogleich durch den Teuticus und Bellus, die Ersten seines Volks, bei dem Prätor auf einen Waffenstillstand antragen ließ, um sich über seine Lage berathen zu können. Als ihm hierzu drei Tage bewilligt wurden, setzte er sich, da das Römische Lager beinahe fünfhundert Schritte von der Stadt entfernt war, zu Schiffe und fuhr auf der Barbana in den See Labeatis, als wollte er sich zu seinen Berathungen an einen abgesonderten Ort begeben: eigentlich aber machte er sich, wie es sich nachher ergab, in der falschen Hoffnung hinaus, daß sein Bruder Caravantius aus jener Gegend, wohin er ihn geschickt hatte, mehrere Tausende von Bewaffneten aufgeboten habe und im Anzuge sei. Als dies Gerücht sich widerlegte, ging er am dritten Tage auf demselben Schiffe mit dem Strome nach Scodra zurück, ließ durch Vorangeschickte um Erlaubniß anhalten, den Prätor zu sprechen und kam nach erhaltener Bewilligung ins Lager. Er begann seinen 416 Vortrag mit der eignen Anklage seiner Thorheit, schloß unter vielen Bitten mit einem Strome von Thränen, warf sich dem Prätor zu Füßen und ergab sich. Anfangs hieß man ihn gutes Muthes sein: nach erhaltener Einladung zur Abendtafel kehrte er in die Stadt zu seiner Familie zurück, und genoß an diesem Tage, als er bei dem Prätor speisete, alle Ehre. Dann aber wurde er dem Obersten Cajus Cassius als Verhafteter übergeben, er, der selbst König – sich von einem andern Könige zehn Talentedecem talenta]. – Ungefähr 12,000 Thaler. – kaum einen Klopffechterlohn! – geben ließ, um in diese Lage herabzusinken.

32. Sobald Anicius Scodra in Besitz genommen hatte, ließ er es sein Erstes sein, die Gesandten Petillius und Perperna aufsuchen und vor sich führen zu lassen. Er ließ sie wieder in ihrem Glanze erscheinen, und schickte sogleich den Perperna ab, sich der Vertrauten und Angehörigen des Königs zu versichern. Dieser zog nach Medeon, einer Stadt der Labeaten, und brachte des Gentius Gemahlinn Etleva mit zwei Söhnen, Scerdilädus und Pleuratus, und den Bruder desselben, Caravantius, nach Scodra ins Lager. Nach Beendigung des Illyrischen Krieges innerhalb dreißig Tagen, sandte Anicius den Perperna mit der Siegesbotschaft nach Rom, und wenig Tage darauf den König Gentius selbst mit seiner Mutter, mit seiner Gemahlinn und Kindern, seinem Bruder und andern Illyrischen Größen. Dies ist der einzige Krieg, von dem man in Rom eher hörte, daß er beendigt, als daß er angegangen sei.

Die Tage, in denen dieses vorging, waren auch für den Perseus sehr beunruhigend; in gleicher Rücksicht sowohl auf die Ankunft des neuen Consuls Ämilius, dessen Anzug – so hörte er – von drohenden Vorkehrungen begleitet war, als auf die des Prätors Octavius: denn die Römische Flotte und die Gefahr von der Seeküste her war ihm nicht minder furchtbar. Zu Thessalonich standen seine Befehlshaber Eumenes und Athenagoras mit einer kleinen Besatzung von Rundschildnern. Dahin schickte er also auch den Obersten Androcles mit dem Befehle, sich unmittelbar neben dem Schiffsholme zu lagern. Nach Ania schickte er zum Schutze der Seeküste tausend Reuter unter dem Antigonus, um sogleich den Landleuten, die feindliche Flotte möchte landen, wo es auch sei, zu Hülfe zu eilen. Fünftausend Macedonier, denen er den Histiäus, Theogenes und Medon zu Vorgesetzten gab, ließ er als Besatzung nach Pythium und Petra gehen. Sobald diese ausgerückt waren, machte er sich daran, das Ufer des Flusses Enipeus zu verschanzen, weil man ihn bei niedriger Stromhöhe durchwaten konnte. Damit sein ganzer Lagerhaufe hieran arbeiten könnte, wurden die Weiber aus den nahen Städten aufgeboten, Lebensmittel ins Lager zu bringen, und der Soldat befehligt, aus dem nahen Walde [die Schanzpfähle zu holen; Der aus diesen aufgereihete Wall, die aufgeführten Bollwerke, die angebrachten Thürme und das auf alle Stellen vertheilte Wurfgeschütz setzten das Ufer in einen solchen Vertheidigungsstand, daß der Feind ohne harten Kampf und Gefahr nicht durchbrechen konnte. Perseus glaubte fest, sich so vor jedem Angriffe der Römer gesichert zu haben; und die Feinde, bei dem langen Stillsitzen und unthätigem Weilen erschlaffend und durch den Aufwand erschöpft, würden endlich eines so schwierigen Krieges überdrüssig werden. Paullus dagegen, je sorgfältiger und aufmerksamer er Alles bei den Macedoniern eingerichtet und gehütet sah, war desto eifriger darauf bedacht und bot seine ganze Erfindungskraft auf, die Hoffnung, die der Feind gewiß nicht ohne Grund geschöpft habe, durch irgend eine Maßregel zu vereiteln. Was ihm aber jetzt die meiste Noth machte, war der Mangel an Wasser. Der nächste Fluß war fast ganz ausgetrocknet: nur dicht am Meere rann ein ärmliches unreines Wässerchen.

33. Als die in die nahen Umgebungen Ausgeschickten dem Consul zurückmeldeten, es sei nirgend Wasser zu finden,] hieß er am Ende die Schlauchträger ihm an das Meer folgen, welches nicht volle dreihundert Schritte entfernt 418 war, und auf mäßige Zwischenräume vertheilt, an der Küste nachgraben. Die Berge von so ansehnlicher Höhe machten ihm Hoffnung; und zwar um so viel mehr, weil sie nirgendwo Bäche sichtbar hervorspringen ließen; sie müßten verborgene Quellen enthalten, deren Adern dem Meere zurinnend sich mit der Welle mischten. Kaum war die oberste Sanddecke abgeschaufelt, so sprangen schon Quellen hervor, anfangs trübe und sparsam, bald aber gaben sie klares und reichliches Wasser, wie ein Geschenk des Himmels. Auch dieser Vorfall erhöhete bei den Soldaten den Ruf und das Ansehen ihres Feldherrn nicht wenig. Nach dem Befehle an die Truppen, ihre Waffen bereit zu halten, ging er selbst mit den Obersten und den ersten Hauptleuten herum, Stellen aufzusuchen, wo man durch den Fluß gehen könne, wo der Hinabgang Bewaffneten leichter, wo das Hinansteigen zum jenseitigen Ufer am wenigsten beschwerlich sei. Als er sich hierüber gehörig unterrichtet hatte, traf er, Einmal, damit im Heere Alles mit Ordnung und ohne Lärm, auf den Wink und Befehl des Feldherrn vor sich gehen könne, folgende Einrichtung. Würde das, was geschehen sollte, Allen zugleich bekannt gemacht, und nicht Alle könnten es deutlich hören, so thäten bei dieser Ungewißheit über den Befehl Einige nach eignem Zusatze mehr, als befohlen sei, Andre weniger. Dann entstehe allenthalben ein mistönendes Geschrei, und die Feinde erführen, was man vorhabe, eher, als die Soldaten selbst. Darum solle künftig der Oberste dem ersten Hauptmanne der Legion ganz allein den Befehl kund thun; dieser dann und so immer jeder einzeln dem in der Ordnung zunächst folgenden Hauptmanne anzeigen, was geschehen solle; der Befehl möge nun von der Vorderreihe zum Hintertreffen, oder von den Letzten zu den Ersten durchlaufen müssen. Zum Andern untersagte er den Schildwachen die neue Gewohnheit, zum Wachestehen einen Schild mitzunehmen: denn die Schildwache gehe ja nicht ins Treffen, so daß sie Waffen nöthig hätte, sondern zum Wachehalten, um sich, wenn sie die Ankunft des Feindes merke, zurückzuziehen und die Andern in die 419 Waffen zu rufen. Jetzt ständen sie da, hinter dem vorgepflanzten Schilde unter dem Helme; wenn sie dann müde würden, stützten sie sich auf ihre Pike, legten den Kopf auf den Rand des Schildes und schliefen im Stehen, so daß sie in ihren blanken Waffen der Feind schon von weitem gewahr werde, ohne daß sie selbst das Mindeste voraus wüßten. Endlich änderte er auch eine Gewohnheit bei den Vorposten ab. Sie standen immer den ganzen Tag Alle unter den Waffen, die Reuterei mit aufgezäumten Pferden. Thaten sie das in den Sommertagen, bei anhaltendem Sonnenbrande, so griff die in so vielen Stunden vor Hitze und Ermattung hinfällig gewordenen Menschen und Pferde oft der Feind bei frischen Kräften an, und machte selbst in geringer Anzahl ihnen bei ihrer Überlegenheit viele Noth. Also mußten sie nun vom Morgenposten auf den Mittag abgehen, und auf den Nachmittag Andre in ihre Stelle treten. So fand beim Angriffe ein vollkräftiger Feind in ihnen nie die Ermüdeten.

34. Als er in einer berufenen Versammlung ihnen angedeutet hatte, daß es so künftig sein solle, setzte er in einem Vortrage, der mit seiner in der Stadt gehaltenen Rede gleiches Inhalts war, hinzu: «In einem Heere habe das, was geschehen solle, bloß der Feldherr vorzubereiten und zu besorgen, bald durch sich allein, bald durch diejenigen, die er zum Kriegsrathe berufen habe. Wer nicht berufen sei, müsse seine eignen Maßregeln weder öffentlich, noch insgeheim verbreiten. Der Soldat habe für folgende drei Stücke zu sorgen; seinen Körper so kraftvoll als möglich, seine Waffen in tauglichem Stande, und mit seiner Kost sich für unerwartete Befehle in Vorrath zu erhalten: für das Übrige, wisse er, sorgten die unsterblichen Götter und sein Feldherr. In einem Heere, in welchem die Soldaten die Berathenden wären, und den Feldherrn die Meinungen umtrieben, die aus dem großen Haufen verlauteten, könne durchaus nichts gedeihen. Er werde, wie dies die Pflicht des Feldherrn sei, dahin sehen, daß er für sie den rechten Zeitpunkt wähle, ihre Sache gut machen zu können: sie hätten über die 420 Zukunft nach nichts zu fragen: wenn das Zeichen gegeben sei, dann sei die Leistung ihres Felddienstes an ihnen.» Nach diesen Belehrungen entließ er die Versammlung: und selbst die alten Krieger gestanden durchgängig, heute hätten sie, gleich Neulingen, zum erstenmale erfahren, worauf es im Kriegsdienste ankomme. Sie bewiesen aber nicht bloß durch diese mündlichen Äußerungen, mit wie vielem Beifalle sie der Rede des Consuls zugehört hätten, sondern der Erfolg wurde sogleich sichtbar. Da sah man Keinen im ganzen Lager müssig: hier wetzten sie die Schwerter, dort putzten sie die Helme und die Wangendecken; Andre die Schilde, wieder Andre die Panzer: hier paßten sie die Waffen ihren Körpern an und prüften in diesen die Behendigkeit ihrer Glieder; dort schwangen sie ihre Wurfpfeile, oder ließen ihre Schwerter blinken und besahen die Spitze: so daß man leicht abnehmen konnte, sobald ihnen Gelegenheit gegeben werde, sich mit dem Feinde einzulassen, sie würden diesen Krieg entweder durch einen herrlichen Sieg, oder durch ihren denkwürdigen Todinituros bellum]. – Inituros und das von Muretus vorgeschlagene finituros haben Crev. und Drakenb. schon verworfen. Ich folge Hrn.  Ruperti, welcher insignituros wieder auffand, und mache nur noch bemerklich, wie leicht von memorab ili die letzten Buchstaben den Anfang des folgenden Worts īſi verdrängen konnten. Und daß insignire, insignitior, insignitius dem Livius gewöhnlich sei, beweiset das Glossarium. bezeichnen.

Auch Perseus, als er sah, daß zugleich wegen der Ankunft des Consuls und bei dem Anfange des Frühlings, als ginge der Krieg von neuem an, Alles bei den Feinden laut und in Bewegung war; daß sie ihr Lager bei Phila abgebrochen und am Ufer ihm gerade gegenüber angelegt hatten; daß der feindliche Feldherr jetzt zur Besichtigung seiner Werke umherging, ohne Zweifel, um einen Übergang zu erspähen: [dann wieder mit der angestrengtesten Sorgfalt Alles in Stand setzte, was zur Erzwingung eines Durchbruchs und zum Sturme auf ein Lager von Nutzen sein konnte; daß er nichts verabsäumte, was ein großer Feldherr entweder dem Feinde zum Nachtheile oder zur Unterstützung seiner eignen Truppen unternehmen und 421 ausrichten muß: Perseus, sage ich, suchte ebenfalls, als wollte er jetzt gleich zu einer entscheidenden Schlacht auftreten, den Muth der Seinigen zu spornen, machte seine Werke immer fester und fester, glaubte nie, Vorkehrungen genug getroffen, nie, das Lager genug gesichert und verschanzt zu haben. Bei diesem brennenden Eifer auf beiden Seiten blieben gleichwohl beide Lager eine ganze Zeitlang ungestört, und man findet in der Geschichte nicht, daß jemals so große Heere, in solcher Nähe, Lager gegen Lager, so ruhig gestanden hätten. Unterdeß meldete das Gerücht die Besiegung des Königs Gentius in Illyricum durch den Prätor Anicius, und daß er selbst mit seiner ganzen Familie und allen seinen Staten in der Gewalt der Rö-]mer sei.

35. Den Römern erhöhete diese Nachricht den Muth, den Macedoniern und ihrem Könige brachte sie nicht geringen Schrecken. Anfangs versuchte er es, die Verbreitung der Nachricht in aller Stille zu unterdrücken und schickte dem von dort kommenden Pantauchus Einige entgegen, die ihm verbieten mußten, dem Lager naher zu kommen. Allein schon hatten Verschiedene ihre Kinder gesehen, die unter den Geiseln mit nach Illyricum abgeführtinter obsides Illyrios]. – Die Geisel, welche Perseus (Cap. 23. gegen das Ende) dem Gentius hatte geben müssen, mit denen sich vermuthlich Pantauchus gerettet hatte, ehe die Römer ihrer habhaft werden konnten. Crevier. gewesen waren: und dann, je sorgfältiger etwas verheimlicht wird, je leichter kommt es durch die Plauderhaftigkeit der Hofbedienten aus. Um diese Zeit kamen auch die Rhodischen Gesandten ins Römische Lager, mit denselben Anträgen über den Frieden, wodurch sie zu Rom die Väter so sehr erzürnt hatten. Ein noch weit ungünstigeres Gehör fanden sie vor dem Kriegsrathe im Lager. Und da die Übrigenalii praecipites sine responso]. – Gronov hat censerent hinzugesetzt. Crevier schließt aus dem alleinstehenden alii auf eine Lücke, die mit einem zweiten alii anfing. Zwar könnte alii so viel heißen, als caeteri, C. 36. §. 7., und so habe ich es (nach Drak.) übersetzt. Doch leugne ich nicht, daß ich auch wegen des alleinstehenden pronunciavit hier eine Auslassung vermuthe. meinten, man müsse sie ohne 422 Antwort spornstreichs zum Lager hinausjagen, so erklärte der Consul, er werde ihnen die Antwort nach funfzehn Tagen ertheilen. Damit es aber auffiele, wie wenig die friedegebietenden Rhodier Eindruck gemacht hatten, so brachte er sogleich einen Angriffsplan zur Überlegung. Einige, und vorzüglich die Jüngerenmaioribus natu]. – Ich folge Creviers minoribus natu. Und Drakenb. billigt Creviers Verbesserung durch die Hinweisung auf 45, 25, 7., wo er selbst mehrere Beispiele der Vertauschung zwischen maior und minor gesammelt hat., meinten, «Man müsse sich über das Ufer des Enipeus und über die Verschanzungen den Weg bahnen. Im Gliederschlusse und Sturmangriffe könnten ihnen die Macedonier nicht widerstehen. Habe man sie doch im vorigen Jahre aus so vielen weit höheren und festeren Bergschlössern herabgeworfen, worin sie mit starken Besatzungen gelegen hätten.» Andre meinten, Octavius müsse mit der Flotte nach Thessalonich gehen, und durch Verheerung der Seeküste die Truppen des Königs vertheilen, damit dieser, wenn sich ihm im Rücken ein zweiter Feind zeige, genöthigt werde, zum Schutze seines inneren Reiches sich umzuwenden und irgendwo den Übergang über den Enipeus bloßzugeben. Der Consul selbst hielt das Ufer durch Natur und Werke für unersteiglich, und außerdem, daß allenthalben Wurfgeschütz aufgepflanzt war, hatte er auch gehört, daß die Feinde mit ihrem Geschosse besser und sicherer trafen. Alle seine Entwürfe beschäftigten sich mit einem andern Augenmerke; und nach Entlassung des Kriegsraths ließ er die Perrhäbischen Kaufleute Schönus und Menophilus zu sich rufen, Männer von ihm schon bekannter Treue und Einsicht, und erkundigte sich bei ihnen insgeheim, wie nach Perrhäbien durchzukommen sei. Als sie ihm sagten, die Gegend sei nicht schlimm, allein von königlichen Posten besetzt, so erwachte bei ihm die Hoffnung, «wenn er bei Nacht unentdeckt mit einem starken Kohre die Feinde, die sich dessen nicht versähen, überraschte, so könne er sie aus ihren Posten werfen. Im Dunkeln, wo man nicht aus der Ferne sehen könne, 423 wonach man zielen solle, sei der Wurfspieß, der Pfeil und alles Geschoß unbrauchbar; da trete im Gewühle beider Theile Mann gegen Mann mit dem Schwerte auf, mit dem sich der Römische Soldat den Sieg nicht nehmen lasse.» Entschlossen, sich dieser Führer zu bedienen, ließ er den Prätor Octavius rufen, machte ihn mit seinem Plane bekannt und hieß ihn mit der Flotte nach Heracleum gehen und für tausend Mann auf zehn Tage Mundvorrath bereit halten. Er selbst schickte den Publius Scipio Nasica und seinen SohnQ. Fabium Maximum, filium suum]. – S. 45, 41. am Ende., Quintus Fabius Maximus, mit fünftausend Auserlesenen nach Heracleum, gleich als sollten sie zu einer Plünderung der inneren Macedonischen Seeküste, welche im Kriegsrathe in Vorschlag gekommen war, sich einschiffen. Insgeheim sagte er ihnen, die Lebensmittel für ihre Truppen wären schoncibaria his praeparata ad classem]. – Dem ersten Anscheine nach hat Drakenb. nicht unrecht, wenn er fragt: «Oben hieß es, der Prätor, der die Flotte führte, sollte Kost nur für 1000 Mann auf 10 Tage bereithalten. Hier aber werden 5000 hingeschickt: woher nehmen nun die übrigen 4000 die Lebensmittel?» Allein Livius behält Recht. Der Prätor Octavius, der um das Geheimniß weiß, muß bei der Flotte so viel Proviant bestellen, unter dem Namen: «für 1000 Mann auf 10 Tage zu einem Seezuge», – folglich haben 5000 Mann auf zwei Tage genug. Mehr war auch für diese 5000 nicht nöthig; denn sie kommen ja am dritten Tage schon in der vierten Nachtwache in den Besitz von Pythium und der dortigen Magazine. Der Angabe nach mußte nun für 1000 Mann, dagegen aber auf 10 Tage gebacken werden. Denn da die völlig bemannte Flotte nicht noch 5000 Mann aufnehmen konnte, so ließ es sich auch nicht glauben, daß es mit ihrer Einschiffung Ernst sei; man mußte gleich eine andre Bestimmung dieser 5000 argwöhnen. Durch seinen Scheinbefehl sichert sich aber der Consul, daß Perseus nicht etwa durch einen Überläufer – sei es von den Landtruppen oder von der Flotte – die Wahrheit zu früh erfährt, weil sie dieser selbst nicht wußte. bei der Flotte besorgt, so daß sie durch nichts aufgehalten würden. Nun befahl er den Wegweisern, den Marsch so einzutheilen, daß am dritten Tage schon um die vierte Nachtwache der Angriff auf Pythium erfolgen könne. Um den König von jeder anderweitigen Umsicht abzuziehen, ließ er es Tags darauf in der Mitte des Stroms mit den feindlichen Vorposten zum Treffen kommen. Auf beiden Seiten fochten die leichten Truppen; und in einem so 424 ungleichen Strombette fand auch kein Gefecht mit schwereren Waffen Statt. Der Hinabgang an beiden Ufern bis in das Bette betrug gegen dreihundert Schritte: die Breite des hier so, dort wieder anders ausgehöhlten Stroms erstreckte sich in der Mitte auf etwas mehr als tausend Schritte. Hier in der Mitte wurde gefochten, und von beiden Seiten waren auf ihrem Lagerwalle, hier der König, dort der Consul mit ihren Legionen Zuschauer. Mit dem Geschosse fochten aus der Ferne die königlichen Hülfstruppen besser; Mann gegen Mann stand der Römer fester, und hinter seinem Rundschilde oder dem Ligustinischen Langschilde mehr gedeckt. Ungefähr um Mittag ließ der Consul den Seinigen zum Rückzuge blasen. So wurde für heute das Gefecht getrennt, und auf beiden Seiten waren nicht Wenige gefallen. Durch den Kampf erbittert trafen sie am folgenden Tage schon mit Sonnenaufgang so viel rascher auf einander: allein die Römer wurden nicht bloß von denen verwundet, mit denen sie sich ins Gefecht eingelassen hatten, sondern noch weit mehr von der Menge, welche auf die Thürme vertheilt stand, mit allen Arten von Geschoß und am meisten mit Steinen. Rückten sie näher an das Ufer der Feinde, so erreichten die aus dem Wurfgeschütze geschleuderten Steine sogar die Letzten. Diesmal ließ der Consul die Seinigen, welche heute weit mehr verloren hatten, etwas später abziehen. Am dritten Tage ließ er es nicht zum Gefechte kommen, sondern zog nach dem unteren Theile seines Lagers hinab, als wollte er den Versuch machen, über einen zum Meere hinunterlaufendenper devexum in mare brachium]. – Es bleibt ungewiß, ob hierunter ein nach dem Meere ablaufender Arm der Macedonischen Verschanzungen zu verstehen sei, oder ein Arm des Stroms Enipeus. Crevier. Arm durchzubrechen. Perseus, auf das, was er vor Augen hatte, [ganz allein bedacht, richtete seine ganze Sorgfalt nur darauf, den Feind auf dieser Seite zurückzuschlagen, ohne auf einem andern Punkte etwas zu fürchten. Als Nasica, der unterdeß mit der ihm zugegebenen Mannschaft nach Heracleum abgegangen war, dort ankam, ließ er die Soldaten sich gütlich thun und erwartete die Nacht. Nun 425 theilte er den Vornehmsten unter seinen Anführern den eigentlichen Auftrag des Consuls mit, bog beim ersten Einbruche der Dunkelheit von seinem Wege ab gegen das Gebirge und führte die Truppen, wie ihm befohlen war, in aller Stille gegen Pythium. Als sie auf dem obersten Gipfel ankamen, der sich zu einer Höhe von mehr als zehnDas Stadium zu 600 Fuß. Stadien erhebt, wurde den ermüdeten Soldaten einige Zeit zur Erholung gegeben. Im Besitze dieser Höhe waren, wie schon gesagt, Medon, Histiäus und Theogenes, welche Perseus mit fünftausend Macedoniern hieher geschickt hatte. Allein die Sorglosigkeit dieser königlichen Befehlshaber war so groß, daß niemand etwas vom Anzuge der Römer erfuhr. Nasica überfiel sie im Schlafe und warf sie ohne Mühe von der Höhe, wenn wir dem Polybius glauben. Denn in seinem Briefe an einen von den Königen erzählt Nasica selbst die Sache ganz anders. «Beim Hinansteigen hätten sie den Berg sehr steil gefunden, aber unbewacht; so daß er die Klause ohne Schwierigkeit würde genommen haben, wenn nicht von den Cretensern in seinem Kohre ein Überläufer zum Perseus geeilt wäre, und ihn von dem, was vorging, benachrichtigt hätte. Der König selbst sei zwar in seinem Lager geblieben, habe aber zweitausend Macedonier und zehntausend Mann Hülfstruppen unter Anführung des Medon geschickt, die Klause zu besetzen. Mit diesen habe man auf der Höhe des Bergrückens ein sehr hartnäckiges Gefecht gehabt; unter andern habe auch ein Thracischer Soldat nach ihm selbst gestochen, dem er aber seinen Spieß durch die Brust gestoßen habe. Endlich hätten die besiegten Macedonier den Kampfplatz geräumt und Medon selbst habe mit weggeworfenen Waffen sein Heil in der schimpflichsten Flucht gesucht.» Bei der Verfolgung der Flüchtigen kamen die Römer ohne Mühe und Gefahr in die Ebene herab.

Bei dieser Lage der Dinge wurde Perseus unschlüssig, was er thun sollte. Da er fürchten mußte, weil sich jetzt 426 die Römer den Weg durch den Bergpaß eröffnet hatten, von ihnen umgangen zu werden, so wurde es für ihn durchaus nothwendig, entweder nach einem Rückzuge auf Pydna dort den Feind zu erwarten, um unter den Mauern der Festung so viel sicherer mit ihm zu schlagen; oder seine Truppen in die Städte Macedoniens zu vertheilen, das Getreide und die Heerden in die festen Plätze zusammenzubringen und dem Feinde die verheerten Dörfer und den nackten Boden zu überlassen. Der König selbst schwankte zwischen diesen beiden Maßregeln hin und her. Seine Vertrauten aber, die das Ehrenvollere auch für das Sicherere hielten, redeten ihm zu, es auf eine Schlacht ankommen zu lassen. «Er sei schon an Truppenzahl dem Feinde überlegen; er müsse aber wahrlich auch auf ihre Tapferkeit vertrauen, da diese, schon ihr angebornes Eigenthum, noch durch die stärksten und heiligsten Ermunterungsmittel, die es in der Welt gebe, zum tapfern Kampfe werde angefeuert werden; durch die Rücksichten auf ihre Altäre, auf den eignen Herd, auf die Heiligthümer, zwischen welchen und für welche sie zu fechten haben würden, auf ihre Ältern und Gattinnen, und endlich auf einen König, der in Person ihr Augenzeuge sei und zu jeder Theilnahme an der Gefahr sich darbiete.» Hiedurch überredet schickte sich der König an zu einer Schlacht, und als er sich bis Pydna zurückgezogen hatte, ließ er zugleich ein Lager schlagen, stellte zugleich die Schlachtordnung auf und wies jedem Anführer sein Geschäft und seinen Platz an, als ginge es vom Marsche zur Schlacht. Die Beschaffenheit der Gegend war folgende. Ein Feld erlaubte dem Phalanx, der eine offene und ebene Fläche nöthig hat, sich auszubreiten, doch nicht so, daß er mit Leichtigkeit hätte vorrücken können: dann folgte eine Reihe von Anhöhen, welche den leichten Truppen als Zuflucht und zu schnellen Umgehungen dienen konnten. Zwei Flüsse, in der Landessprache der eine Äson, der andre Leucus genannt, flossen sie gleich jetzt sehr dürftig, schienen für die Römer wenigstens einigermaßen ein Hinderniß werden zu können. Ämilius nahm, als er 427 sich mit dem Nasica vereinigt hatte, sogleich den geraden Weg gegen den Feind. Aber staunend bei dem Anblicke eines Heeres, das an Zahl und Kerntruppen so stark, das so herrlich im Stande und zur Schlacht gerüstet war, machte er Halt unter mancherlei Erwägungen.

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